• Entdeckungtour Fès

    9 marzo 2025, Marocco ⋅ 🌧 14 °C

    Ein lauter Knall riss mich aus dem Schlaf. Es war noch dunkel, und als wenig später der Gesang zum Gebet erklang, wurde mir klar, dass gerade zum Suhur, dem Frühstück vor dem Fasten, geweckt wurde. Der Ramadan hatte ja am 1. März begonnen.

    Schlafen konnte ich nicht mehr. Nach einer Tasse Kaffee und etwas Lektüre machte ich mich früh auf den Weg. Diesmal entschied ich mich für die Route nach rechts – es ging bergauf. Die Stadt schlief noch, fast alle Läden hatten geschlossen. Nach ein paar Minuten erreichte ich ein prachtvolles Eisentor, hinter dem sich die Medersa Bou Inania verbarg – eine der berühmten theologischen Hochschulen von Fès. Erbaut zwischen 1351 und 1357 unter Sultan Bou Inan, beeindruckt sie mit kunstvollen Zellij-Fliesen, geschnitzten Mashrabiyas (Zedernholz-Gitterschirmen) und massiven Messingtüren. Besonders faszinierten mich die filigranen Holzschnitzereien. Anders als viele andere Schulen, die nur eine einfache Gebetshalle besitzen, beherbergt die Bou Inania sogar eine komplette Moschee innerhalb ihrer Mauern.

    Gleich gegenüber liegt das Dar al-Magana, das sogenannte „Uhrenhaus“. Seinen Namen verdankt es der hydraulischen Wasseruhr, die Sultan Abu Inan Faris 1357 errichten ließ.

    Von dort zog es mich weiter – auf der Suche nach dem berühmten Bab Boujloud, dem Blauen Tor. Ich querte einen großen Platz und kam mit einem Tourguide ins Gespräch, der mir den Jnan Sbil empfahl – einen über sieben Hektar großen öffentlichen Garten. Ursprünglich im 18. Jahrhundert von Sultan Moulai Abdallah angelegt, wurde er später auf Initiative von Prinzessin Lalla Hasna restauriert und 2010 neu eröffnet. Die außergewöhnliche Bepflanzung mit Eukalyptusbäumen, Palmen und Nadelhölzern, von denen einige über hundert Jahre alt sind, schafft mitten im Stadtzentrum eine Oase der Ruhe.

    Nach einem ausgedehnten Rundgang durch den Park ging es wieder hinein in die Medina – diesmal durch das berühmte Bab Boujloud. Das im maurisch-andalusischen Stil erbaute Tor wurde 1913 während der französischen Besatzung errichtet. Seine blau-grünen Mosaikfliesen machen es zu einem der meistfotografierten Motive der Stadt. Direkt daneben steht übrigens das Originaltor aus dem 12. Jahrhundert. Ich ließ mich in einem Café mit Blick auf das Tor nieder und gönnte mir ein gemütliches Frühstück.

    Ein Ziel hatte ich noch: den El Glaoui-Palast. Die verwinkelten Gassen dorthin waren nicht leicht zu finden, also ließ ich mir von ein paar Kindern den Weg zeigen – natürlich gegen ein paar Dirham. Hier war plötzlich alles anders: verlassen, ruhig, kein einziger Tourist weit und breit.

    Um den Palast zu betreten, musste ich erst einmal den Wächter wecken. Dann folgte ich den Pfeilen auf eine Erkundungstour durch das weitläufige Gelände. Im Gegensatz zu anderen historischen Gebäuden in Fès ist dieser Palast unrenoviert – und genau das machte seinen besonderen Reiz aus. Die verfallenen Mauern, die verwitterten Türen, alles fühlte sich an, als wäre die Zeit stehen geblieben.

    Die Geschichte des Palastes ist eng mit der Familie Glaoui verbunden, insbesondere mit Thami El Mezouari El Glaoui (1870–1956), dem einst mächtigen Pascha von Marrakesch. Er verbündete sich während des französischen Protektorats mit den Kolonialherren und unterstützte sogar die Verbannung von König Mohammed V. Als Marokko 1956 seine Unabhängigkeit erlangte, verlor er sämtlichen Einfluss. Seitdem wurde seine Familie regelrecht totgeschwiegen, und sein einst prächtiger Palast - wie auch alle anderen Gebäude der Familie - blieb sich selbst überlassen. Manche sehen darin eine Art jahrzehntelange Strafe – eine bewusste Entscheidung, dieses Zeugnis seiner Macht nicht wiederherzustellen.

    Nach diesem eindrucksvollen Besuch schlenderte ich gemütlich zurück in die Stadt, plauderte mit Ladenbesitzern und ließ mir so manches über Fès erklären.

    Was für eine Stadt! Neben Marrakesch mein neuer Favorit – ein würdiger Abschluss meiner Marokkoreise.
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