Tag 12: Laprida bis Bahia Blanca
October 2 in Argentina
☁️ 14 °C
Was für eine erholsame Nacht! Wenigstens im Vergleich zu der vorherigen, in der bellende Hunde, überlaute LKWs und ein Hahn scheinbar eine Wette abgeschlossen hatten, wer die Zelter am besten wachhalten kann.
Wir frühstücken gemütlich im Wintergarten und kümmern uns um die Buchung unserer Unterkunft in Bahia Blanca. Wir hatten zwar gestern Abend schon eine gebucht, allerdings kam dann morgens die Nachricht, dass die Buchung storniert wurde, weil sie schon über ein anderes Portal vergeben wurde.
Während also die freien Unterkünfte immer weniger werden, müssen wir uns jetzt ranhalten. Es ist ein Hin und Her bis wir schließlich über Airbnb eine Zusage haben. Gut!
Gleichzeitig schreiben wir mit Silvio. Der Plan, unsere Fahrräder mit einem Transporter nach Bahia Blanca zu schiffen, hatte sich gestern Abend noch verfestigt. Mit seiner Frau Susana hatte er die nötigen Infos eingeholt. Für 70.000 ARS (etwa 40 Euro) werden die Räder (im Ganzen!!) mit Gepäck morgen direkt zu unserer Unterkunft gebracht. So der Plan!
Da wir aber nicht mitfahren dürfen, nehmen wir heute schon den Bus, damit wir sie dann in Empfang nehmen können. Alles organisiert durch Silvio und seine Frau!
Über WhatsApp (alles läuft hier über WhatsApp) reservieren wir uns dann zwei Plätze im Bus. Umgerechnet 49€ kostet die 6,5 stündige Fahrt.
Bevor wir allerdings Laprida verlassen, besichtigen Lukas und ich noch das Zentrum mit seiner Kirche, dem imposanten Rathausturm und dem Brunnen in deren Mitte.
Dort lernen wir auch Gabriela kennen. Sie ist ehemalige Englischlehrerin und nach anfänglichen Schwierigkeiten kommt sie sehr schnell wieder in die Routine und wir unterhalten uns lange. Gabriela hat vor längerer Zeit drei Jahre in Straßburg gelebt und spricht so auch Französisch.
Sie hilft uns auch bei der Übersetzung an einem Western Union Schalter in einem Kiosk und erzählt uns, dass die Frau hinter der Theke ihre Schülerin war. Lukas scherzt, dass diese ja dann eigentlich Englisch sprechen müsste, wohl wissend, dass hier fast niemand, nicht einmal die Jüngeren, Englisch spricht beziehungsweise sich traut.
Zurück in Silvios und Susanas Haus, in dem zusätzlich noch deren Zwillinge wohnen, packen wir alles zusammen. Silvio möchte uns noch an das Busterminal bringen. Wir sind schon auf halbem Weg, als Susana sich meldet und er nochmal umdreht. Susana möchte sich schließlich auch noch von uns verabschieden. Uns war gar nicht bewusst, dass sie überhaupt zu Hause war.
Nach einem Abschiedsbild geht es dann schließlich los. Auf der Fahrt habe ich Nala, die kleine Hündin auf dem Schoß. Pepe, den anderen Hund hat Silvio daheim gelassen, da er blind ist. Vor Jahren hat er diesen auf der Straße aufgesammelt, in wirklich schlechtem Zustand. Da waren wir also nicht die ersten, für die er ein großes Herz hatte.
Der Busbahnhof von Laprida, einer Kirche gleich, macht echt etwas her. Um 15 Uhr steigen wir, nach leicht tränenreichem Abschied, in den Bus. Die Sitze sind echt komfortabel und verglichen mit der Beinfreiheit im Flieger ein wahres Paradies! Dann hoffen wir mal, dass der Fahrradtransport auf den argentinischen Straßen ebenfalls besser läuft als auf unserem United Flug.
Nachdem wir richtig Platz genommen haben, fragen wir uns, wie die Fahrstrecke eigentlich verläuft. Auf direktem Weg sind es nämlich nur knappe 215 km. Doch schon recht schnell wird klar, dass wir einige Orte abfahren werden, die wir ansonsten nie erreicht hätten.
Was wir noch entdecken: Massenweise traumhafter Zeltplätze! Ok, das mit dem „traumhaft“ ist eventuell leicht übertrieben. Aber jetzt mal ganz ehrlich: So viele wirklich akzeptabler Zeltmöglichkeiten hatten wir auf der bisherigen Strecke noch nicht. In den USA hätten wir uns nach diesen häufiger gesehnt. Aber klar, an die Mongolei kommen sie bei weitem noch nicht heran. Über die 30 Meter grünen Straßengrabens hätten wir dort nur gelacht.
Wir fahren unter anderem durch die Sierra de la Ventana. Für Argentinier aus Buenos Aires ist diese Region ein Urlaubsparadies. Berge bis 450 m findet man hier vor. Und der Ort selbst wirkt ein wenig wie ein europäischer Skiort im Sommer.
Durch die vielen Hügel und Berge, die wir aus dem Bus heraus beobachten, werden wir richtig müde. Nach über einer Woche absolutem Flachland, sind es hier auch einfach zu viele Eindrücke :D
Bahia Blanca erreichen wir um 21:31 Uhr, genau eine Minute nach geplanter Ankunft. Davon können sich die Deutschen mal eine Scheibe abschneiden! Die 2,5 km zu unserer Unterkunft sind nach der langen Fahrt sehr angenehm.
Nach unserem Abendessen fallen wir wieder einmal müde ins Bett.Read more


















TravelerIch bin ganz gerührt von der Gastfreundschaft, die euch widerfährt.❤️ Toll, dass ihr neben all den Strapazen auch solch tolle Erlebnisse habt.