Vorbereitungen
September 21 in Germany
🌧 20 °C
Es ist wieder soweit! Eine neue Reise steht an. Wir wollen mit unseren Fahrrädern zehn Monate durch Südamerika: Argentinien, Chile, Peru, Bolivien, vielleicht auch weiter…
Die letzten Monate haben wir mit Vorbereitungen verbracht. Die alten Fahrräder sind natürlich wieder mit dabei. Damit diese aber startklar sind, musste noch einiges an ihnen gemacht werden.
Mein Fahrrad hat neben neuen Schläuchen, Mänteln, Schaltzügen, einem neuen Sattel und diesmal einer Sattelfederung, nun auch eine neue Bremse bekommen (die mich hoffentlich weniger zur Weißglut bringt :) )
Lukas hat ebenfalls die Standardverschleißteile ersetzt, wobei den größten Verschleiß, so scherze ich immer, seine Lager haben. Also wurden diese alle ausgetauscht. Hoffentlich halten sie diesmal.
Zur Vorbereitung gehört neben der Wiederaufbereitung der Fahrräder aber natürlich noch einiges mehr: Eine der alten Fahrradtaschen, die damals in Kroatien bei einem Sturz auf einer Brücke kaputt gegangen ist, musste zur Reparatur eingeschickt werden. Fahrradkartons für den Flug mussten organisiert werden, weitere Kartons für das restliche Gepäck… Und dann muss das alles noch den Größen- und Gewichtsvorgaben der Airline entsprechen.
Zweimal 23 kg darf jeder von uns mitnehmen. Eigentlich kein Problem, würden nicht die Fahrradkartons mit Fahrrädern schon mehr als das Maximalgewicht wiegen. Also müssen wir wieder einmal ein bisschen basteln und probieren.
Letztendlich schaffen wir es dann das Gewicht der Fahrräder zu reduzieren, indem wir die Sättel, Pedale und Fahrradständer abbauen und im anderen Gepäck verstauen.
Dann müssen noch die Taschen gepackt werden. Neben unserer Kleidung gibt es wieder eine Werkzeug- und Ersatzteiletasche, eine Tasche mit Regenkleidung und eine mit unserer Küche (also dem Kocher, Besteck, Topf und ein paar Gewürzen).
Nach der Digitalisierung unserer Pässe und Impfausweise als Backup, bleibt uns dann nur noch auf den Flug zu warten und die Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen.Read more
Tag 1: Frankfurt bis Houston
September 21 in the United States
⛅ 34 °C
Es geht los! Zuerst werden wir von meinem Papa an den Flughafen gebracht. Schnell laden wir die Kartons aus und auf einen der Gepäckwägen. Kaum sind wir dann im Gebäude von Terminal 1 verfahren wir uns auch schon. Na das wird ja mal lustig!
Letztendlich finden wir dann doch das richtige Gate und obwohl es noch deutlich zu früh ist, können wir das Gepäck schon einchecken. Natürlich erst, nachdem wir die Kartons nochmal gefühlt mit einem Kilo Klebeband zugeklebt haben. Dann geht es aber ganz schnell. Genau 23 kg hat jeder der Kartons. Gerade nochmal Glück gehabt!
Entgegen unserer Befürchtungen werden die Kartons aber nicht mehr abgemessen und die Fahrräder werden ohne Extrakosten aufgenommen.
Die letzten Tränen werden abgetrocknet, dann geht es für uns auch schon durch den Security Check, wobei ich, ganz in Gedanken, den Körperscanner links liegen lasse und erstmal ohne ihn zu beachten durch ihn hindurch gehe, nur um dann nochmal zurückzulaufen.
Kurz bevor wir dann an das Abfluggate kommen, werden wir nochmal rausgewunken. Ein zusätzlicher Security Check, weil wir ja über die USA fliegen. Hauptsächlich nach Sprengstoffen wird geschaut. Die Sicherheitsbeamten finden es auch merklich unnötig. :)
Der Flug selbst, mit seinen 11 Stunden, ist dann schon sehr lang, wenn auch ohne Turbulenzen. Trotzdem gibt es gefühlt ständig Essen. Nach einem kleinen Snack aus Oliven und Nüssen mit Getränken, gibt es kurz darauf das Abendessen, danach wieder Getränke, nach der Hälfte einen Wrap, zwischendurch nochmal mehrfach Getränke und zum Abschluss noch Pizza. Und ich würde gar nicht mal ausschließen, dass wir eventuell während den kurzen Schlafphasen doch noch etwas verpasst haben.
Mit etwas Verspätung kommen wir dann in Houston an. Bei der ersten Passkontrolle gehe ich alleine an den Schalter und werde vom dortigen Sicherheitsbeamten mit grinsen gefragt, ob ich Lukas nicht mehr mag, weil ich ihn nicht an den Schalter mitgenommen habe. Ich meinte, der Flug hierher sei so lange gewesen, da macht der Abstand nichts. :)
Der Transit verläuft problemlos. Es gibt allerdings etwas Verwirrung, ob wir denn jetzt tatsächlich unser Gepäck abholen und nochmal abgeben müssen. Alle nationalen Transits müssen das, wir eigentlich nicht. Hoffen wir mal, dass alle Gepäckstücke ankommen.
Als wir ans Gate kommen, übrigens an genau das selbe, an dem wir gelandet sind, stehen schon einige zum Boarding an. Perfektes Timing!
Wir haben also gerade noch Zeit unsere Zähne zu putzen, bevor wir in den nächsten Flieger steigen. Auf dem Weg rein, werden wir nochmal von einem Spürhund beschnüffelt und dann steht der nächste Flug von 10 Stunden an.Read more
Tag 2: Houston bis Buenos Aires
September 22 in Argentina
☁️ 15 °C
Wir starten mit leichter Verspätung und nach einem weiteren Essen, sehr scharfes Curry, dass noch länger im Mund nachbrennt, geht dann auch recht schnell das Licht aus.
Unser Schlaf wird nur etwas unterbrochen von mehreren regelmäßigen Turbulenzen, die uns nicht gerade angenehm in den Schlaf schaukeln.
Etwa eine Stunde vor Landung bekommen wir noch einen Wrap mit Kartoffeln und wieder Getränke, dann geht es bald an die Landung. Mit wieder etwas Verspätung erreichen wir Buenos Aires.
Geduldig warten wir, bis wir unser Handgepäck aus den oberen Fächern haben, dann verlassen wir das Flugzeug. Ein kalter Luftzug kommt uns zwischen Flugzeug und Verbindungsgang entgegen. Kein Wunder! Obwohl es kurz nach 8 Uhr morgens ist, ist es nur 6 Grad warm. Hier ist ja auch erst Frühling.
Wir gehen also durch die erste Passkontrolle und bekommen unser 90 Tage Visum. Dann geht es weiter zur Gepäckaufnahme. Ein Fahrradkarton steht schon da und unsere beiden Gepäckkartons drehen schon ihre Runde auf dem Gepäckband. Das ging ja schnell! Bleibt nur noch, auf das andere zu warten, dann die Fahrräder zusammenzubauen und dann ins Zentrum zu fahren.
Ich mache mich also auf die Suche nach meinem Rad, als eine Frau zu Lukas kommt und ihn fragt, ob die Kartons von ihm sind. Dann sagt sie ihm noch etwas anderes. Als ich zu ihnen dazu stoße, erfahre ich, dass wir nicht länger warten brauchen. Mein Fahrrad wird nicht mehr kommen. Es ist noch in Houston.
Was? Wie kann das denn sein? Die Frau führt uns an den Schalter (wohl der für verlorene Gepäckstücke) und klärt es. Das Fahrrad wird morgen nachkommen, wenn der nächste Flieger Buenos Aires erreicht.
Und wie kommen wir dann in die Innenstadt? Wir haben nämlich noch 40 km zu fahren. Unser Plan, die Fahrräder am Flughafen zusammenzubauen und dann schonmal die erste Erkundungstour zu machen, ist also aufgehoben. Und jetzt? Ein Fahrrad haben wir ja und die zwei Boxen auch. Bauen wir dann eins zusammen?
Wir beschließen, dass das keinen Sinn macht, weil wir dann größere Probleme haben werden, das Fahrrad in einen Bus oder ähnliches zu bekommen. Wir erklären unsere Situation der Frau und sie meinte, wir können ein Taxi nehmen und dann das Ticket einreichen. Ok, das wäre dann also geklärt!
Aber wie komme ich wieder an mein Fahrrad? Wir bekommen eine WhatsApp-Nummer und geben die Adresse an, wo unsere WarmShowers-Hosts für die nächsten zwei Tage wohnen. Zunächst befürchten wir, dass wir das Fahrrad wieder am Flughafen abholen müssen, erfahren dann aber zu unserer Erleichterung, dass es geliefert wird. Und falls es Probleme geben sollte, können wir über die Nummer nachhaken.
Solange wir noch WLAN haben, nutzen wir also die Zeit um noch ein bisschen was zu klären, eilig haben wir es jetzt ja nicht mehr, da Julia, unser einer Host, erst gegen Mittag nach Hause kommt.
Draußen vor dem Flughafengebäude nehmen wir uns also ein Taxi und bekommen mit Mühe und Not das Gepäck rein. Dann bezahlen wir und die Fahrt geht los.
Der Taxifahrer spricht nur wenig Englisch und mit unseren geringen Spanischkenntnissen und der Übermüdung dauert es erstmal eine Weile, bis wir so richtig ins Gespräch kommen. Dann unterhalten wir uns in einem Mix aus Englisch und Spanisch und versehentlich eingebaute Brocken von Deutsch, Französisch und sogar Suaheli über unsere Reise, den patagonischen Wind und Fußball. Schließlich sieht man immer wieder die Plakate von Maradona und Messi neben der Straße.
Problemlos erreichen wir die Adressen von Julia und Lee, beide aus den Staaten. Da Julia noch nicht da ist, warten wir vor der Tür.
Als sie dann kommt, laden wir die Kartons und den sehr kleinen und alten Fahrstuhl und fahren damit in die in 7. Stock gelegene Wohnung. Nach kurzem Austausch machen wir uns erstmal auf die Umgebung zu erkunden, da Julia noch arbeiten muss.
Zunächst holen wir bei Western Union Geld, das wir allerdings nur sehr zögerlich bekommen. Argentinien, so muss man wissen, ist wegen der hohen Inflation etwas kompliziert was die Bezahlung angeht. Bargeld abheben an Automaten lohnt sich wegen der hohen Gebühren nicht, also kann man sich Geld über Western Union schicken. Aber Geld auszuzahlen statt zu wechseln machen sie nur ungern, da der Verdienst so natürlich geringer ist. Natürlich haben wir auch Dollar mitgebracht, aber nicht genug, um damit die ganze Reise zu finanzieren. Später stellen wir auch fest, dass die Bezahlung per Kreditkarte auch nicht immer problemlos funktioniert. Das ganze stellt sich also als schwieriger, da es gedacht.
Nachdem wir also ein paar Scheine des argentinischen Pesos ergattern konnten, machen wir uns auf eine Simkarte zu besorgen. Wir haben gelesen, dass die Simkarte von Claro die beste Abdeckung hat. Deshalb suchen wir einen Shop. Dort erfahren wir dann, dass wir in dem Shop nur eine Simkarte kaufen können, allerdings nicht aufladen. Dazu müssen wir einen Kiosk aufsuchen, in dem wir dann die Karte aufladen können. Die Einheimischen können das direkt über die App bezahlen, aber da wir keine argentinische Steuernummer haben, müssen wir das immer in Kiosks erledigen.
In dem ersten Kiosk, den wir erreichen, können wir nur in bar zahlen und da das mit der Bargeldbesorgung sowieso so schwierig ist, lehnen wir ab. Wir suchen also einen weiteren Kiosk. Dort sitzen zwei junge Mitarbeiter hinter der Theke und versuchen mit Begeisterung ein paar Worte Englisch in das Gespräch einfließen zu lassen.
Wir laufen noch ein bisschen durch die umliegenden Parks, beobachten das Gewusel und essen Empanadas, also Blätterteigtaschen gefüllt mit Gemüse und besonders mit Käse. An dem einen Kiosk fragen wir die Besitzerin, mit was die Taschen gefüllt sind. Käse, antwortet sie und zwar bei jeder einzelnen Tasche.
Danach kaufen wir noch in einem großen Supermarkt ein und sind etwas überrascht über die hohen Preise. Abends lernen wir dann Lee kennen und verbringen noch einen schönen Abend mit Julia und Lee zusammen.Read more
Tag 3 & 4: Buenos Aires
September 23 in Argentina
☁️ 12 °C
Unsere Matten hatten wir für die Nacht in Julias und Lees Wohnzimmer auf dem Boden ausgebreitet, um darauf zu schlafen. Wir hatten eine sehr erholsame Nacht und sind wieder ein bisschen zu Kräften gekommen. Als wir aufwachen, sind Julia und Lee schon auf der Arbeit. Nach dem Frühstück warten wir erst mal noch auf mein Fahrrad und planen in der Zeit die genaue Route aus der Stadt. Lukas nutzt die Zeit, um sein Fahrrad zusammenzubauen. Um halb 2 ist mein Fahrrad dann da und wir machen uns erst einmal auf in die Innenstadt. Wir schließen mit der U-Bahn zu fahren. Von Julia und Lee haben wir ein Fahrticket bekommen, das wir noch aufladen müssen. Wir fahren bis in das Viertel „La Boca“, um die berühmte bunte Straße zu sehen. Am Rande des Viertels gehen wir zunächst in einem Café etwas essen und laufen dann zum bekannten Stadion Bombanero und anschließend zu der bunten Straße „Caminito“. Eigentlich ist das Viertel eines der unsichereren, als wir aber dort sind und uns von einer Straße zur nächsten vorarbeiten, fühlen wir uns nicht unwohl.
Von „Caminito“ aus nehmen wir den Bus zum zentralen „Plaza de Mayo“ und zum Hafen und fahren anschließend zurück zur Wohnung, kochen für unsere Gastgeber und tauschen uns noch über unsere Erlebnisse aus.
Am nächsten Tag dürfen wir auch noch bleiben. Ich baue also am Morgen erst mal mein Fahrrad wieder zusammen, bevor wir uns nochmal auf den Weg in die Innenstadt machen. Am Nationalkongress angekommen, wollen wir eigentlich bei einer Führung teilnehmen, dürfen aber wegen unserer fehlenden Spanischkenntnisse nicht rein, Also besichtigen wir stattdessen ein Museum und die alte Poststelle, in deren Innenhof es mittlerweile auch ein neues Theater gibt. Am Abend gehen wir dann noch mit Lee in ein Café, in dem mehrmals wöchentlich Spieleabende stattfinden. Dort treffen wir auf Peter, der ebenfalls aus den USA stammt und in Buenos Aires remote arbeitet und auf Verónica, einer Argentinierin, die Übersetzerin ist und dadurch perfekt Englisch spricht. Mit ihnen spielen wir gemeinsam zwei Spiele und versuchen uns bei den Essensbestellungen weiter in unserem Spanisch.Read more
Tag 5: Buenos Aires bis La Plata
September 25 in Argentina
☀️ 22 °C
Se hace camino - sinngemäß könnte man es mit „Der Weg entsteht unterwegs“ übersetzen. Dass gerade dieser Satz Teil des Titels dieser Reise ist, hat einen Grund. Wenn uns jemand nach einem Motto unserer Reisen fragen würde, beschreibt es dieser Satz wohl am ehesten. Sind wir unterwegs, haben wir zwar meist ein entfernteres Ziel vor Augen, wie wir aber dort hinkommen und was wir in der Zwischenzeit erleben, das bleibt offen. Diese Art der Reise birgt sehr viel ungeplanter Situationen und in gewisser Weise auch Unsicherheit, aber auch eine Freiheit, die es uns erlaubt spontan jede Situation mitzunehmen. Sind wir innerhalb von Städten unterwegs kann sich die Route zum Beispiel von Komoot gut und gerne mal ändern.
Doch heute ist es anders.
Am Morgen verabschieden wir uns von Lee und Julia und fahren mit den Fahrrädern dann in die Innenstadt. Wegen der vielen Ampeln dauert es aber leider sehr lange. Irgendwie scheinen sie immer genau dann rot zu werden, wenn wir kommen.
Dann müssen wir uns genau an die Route halten, denn wir begeben uns in heiklere Gebiete. Als wir dort aber dann angekommen sind, fühlt es sich für uns gar nicht so heikel an. Zugegeben bewegen wir uns nur auf den großen Straßen, was also hinter den Kulissen auf den kleineren Straßen passiert, bleibt uns verborgen. Von dem, was wir vorher so über diese Gebiete gehört haben, sind wir also erst mal ziemlich angespannt. Mit der Zeit, in der es aber immer gewohnter wird, entspannen wir uns mehr und mehr. Wir vergleichen die Region immer wieder mit dem, was wir auf unserer letzten Tour erlebt haben. Wenn wir uns allein an die Fahrt vom Flughafen von LA zu unseren Warmshowers-Hosts zurückerinnern, haben wir uns damals viel unsicherer gefühlt.
Ein anderes Phänomen, was wir wieder erleben und schon aus anderen Ländern kennen. Sobald wir einmal die Stadt verlassen werden die Menschen viel freundlicher und aufmerksamer. Ganz oft bekommen wir einen Daumen hoch gezeigt, andere winken uns zu, sprechen uns an, möchten etwas über unsere Route erfahren oder lächeln einfach nur freundlich. Auf der ganzen Strecke haben wir nicht eine merkwürdige Erfahrung gemacht.
Nach ungefähr zwei Dritteln der Strecke kommen wir an einen größeren Park und machen erst mal Mittagspause. Im Park sind viele argentinische Familien, die Campingstühle aufgebaut haben und dort grillen. Auf der Straße an diesem Park vorbei und rein in die Stadt La Plata, wo wir auch hin möchten, fahren unzählige Fahrradfahrer, manchmal ganze Gruppen von 20 Fahrern, manchmal einzelne, aber hauptsächlich Rennradfahrer. Es ist echt verrückt wie viele Fahrradfahrer hier unterwegs sind!
Am Stadtrand von La Plata finden wir viele Outdoor- beziehungsweise Sportläden. Auch wir gehen in einen Outdoorladen, um noch eine Gaskartusche zu kaufen, die wir in der Innenstadt nicht gefunden hatten. Die Verkäufer sind super freundlich und total hilfsbereit.
Nach einem kurzen Abstecher zum Stadion von Maradonna fahren wir zu unserer gebuchten Unterkunft. Als wir vor dem geschlossenen Tor stehen, schauen wir in unsere Nachrichten und merken, dass die Vermieterin der Unterkunft uns versucht hatte zu kontaktieren. In den Nachrichten steht, dass der Check-In nur bis 15:00 Uhr geht. Jetzt ist aber mittlerweile schon 17:00 Uhr. Bei späterem Check-In muss man noch mal umgerechnet etwa zwölf US-Dollar mehr zahlen. Das ist echt ärgerlich! Aber von jetzt an werden wir häufiger auf das Handy schauen. Wir müssen noch ein bisschen warten, dann bekommen wir den Schlüssel zur Wohnung gebracht und können sogar die Fahrräder direkt in die Wohnung reinschieben. Wir gehen noch kurz zum Supermarkt um die Ecke, kochen uns etwas und fallen dann müde ins Bett.Read more
Tag 6: La Plata bis Loma Verde
September 26 in Argentina
⛅ 25 °C
Heute heißt es: Mit Vollgas in die Pampa!
Nach unserem Frühstück machen wir uns auf in das Zentrum von La Plata. Dort stehen sich zwei imposante Gebäude gegenüber, auf der einen Seite das schönste Rathaus Südamerikas, laut einer Umfrage, und auf der anderen Seite die Kathedrale de La Plata. Und genau in deren Mitte ist eine Ansammlung von knapp 50 argentinischen Fahrradfahrern. Einige der Fahrradfahrer winken uns begeistert zu. Sie treffen sich hier, um heute eine Tour von 70 km zu fahren, so erfahren wir von drei der Argentinier, die uns ansprechen und uns über unsere Tour befragen. Während Lukas die Kathedrale besichtigt, warte ich draußen bei den Fahrrädern und lausche einer Kundgebung einer vermutlich religiösen Gruppe und deren Musik. Immer wieder folgen mir interessierte Blicke. Ein Paar läuft an den Fahrrädern vorbei, der Mann sagt etwas und wir kommen ins Gespräch. Ich erzähle, wohin wir fahren und aus welchem Land wir kommen und als er Alemania, also Deutschland hört, ruft er direkt seinen Sohn an der Deutsch lernt und ich hab übers Telefon ein kurzes Gespräch mit ihm.
Die Frau des Paares kommt aus Venezuela.
Kurz darauf kommt eine andere Frau auf mich zu. Sie fragt auch wieder, woher wir kommen und wohin wir wollen und als ich ihr die Länder aufzähle, fragt sie uns auch, ob wir nach Brasilien wollen. Dort sei sie mit ihrem Mann schon Fahrrad gefahren. Da sie jetzt aber ein Kind haben, können Sie im Moment nicht fahren, wenn das Kind aber älter ist, haben sie es wieder vor.
Das Gespräch hat nur in Spanisch stattgefunden. Vielleicht hat sie also auch etwas ganz anderes erzählt. :D
Um kurz nach 12 verlassen wir La Plata und fahren Richtung Südwesten. In der schachbrettartigen Stadt fällt die Orientierung nicht schwer, allerdings sieht eine Straße der anderen auch zum Verwechseln ähnlich. Sehr angenehm hier für Fahrradfahrer: Es gibt einen breiten Fahrradweg der auf dem Mittelstreifen der Straße verläuft, also fernab der Autos. Leider währt dieser nicht so lange und wir müssen uns wieder mit dem Verkehr abgeben. Jedoch ist das nicht so einfach. Wer hat hier denn nun Vorfahrt? Die Autofahrer sind mit uns und generell mit den Fahrradfahrern sehr umsichtig. Angehupt wird man hier nie! Außer man ist ein anderer Autofahrer oder Motorradfahrer, dann gibt es keine Gnade.
Ein paar Ampeln und einige Kilometer später befinden wir uns auf der Ruta Provincial 215. Ihr werden wir nun eine Weile folgen.
Zu unserem Glück haben wir Rückenwind und es läuft richtig gut. Unsere Mittagspause machen wir leicht abseits der Straße. Bis hierhin haben wir keine einzige Möglichkeit gesehen, wo wir hätten zelten können. Sobald sich die Stadt etwas gelichtet hatte, begannen schon die Erdbeerfelder. „Frutillas“ stand immer wieder am Straßenrand, mal 2kg für 10.000 ARS (~6 Euro) mal für 7.000 ARS (~4 Euro). Doch schon deutlich andere Preise als in der Stadt!
Einmal traue ich meinen Augen kaum. Trocknen sie etwa die Erdbeeren direkt auf der Straße? Wie sie das mit dem Paprika in Usbekistan gemacht haben? Nein, es sind doch nur rötliche Steine. Wie schnell man doch mit etwas Bekanntem vergleicht.
Sowieso fühlt es sich irgendwie ein bisschen so an, als seien wir noch auf der selben Tour von damals. Obwohl so viel Zeit vergangen ist, einmal auf der Straße fühlt es sich vertraut an, ob diese nun in Argentinien oder Usbekistan liegt.
Wobei ganz „angekommen“ sind wir ehrlich gesagt noch nicht. Trotz der ganzen Zäune rechts und links der Straße hätten wir uns so viel Platz am Straßenrand für unser Zelt in den USA manchmal echt gewünscht!
Wir sind uns hier, so kurz im Land, aber noch nicht sicher, wie wir es heute machen werden. Es gäbe eine Unterkunft, die wir gut erreichen könnten. Falls wir allerdings ein schönes Plätzchen finden, sind wir auch nicht abgeneigt zu zelten.
Lange folgen wir der Ruta 215 und sind schon überzeugt, dass wir die Unterkunft ansteuern, als sich links der Straße ein Weg auftut. Wir folgen ihn zu einem kleinen Waldstück, das neben dem Weg und damit nicht eingezäunt ist. Nach erstem Kontrollgang sind wir uns einig, das wird unser Schlafplatz. So liegt er doch weit ab von jeglichen Häusern.
Heute gehen wir früh ins Zelt, da der Tag, trotz guter Bedingungen sich geschlaucht hat.Read more
Tag 7: Loma Verde bis Las Flores
September 27 in Argentina
☁️ 23 °C
Wenn ich den Tag mit einem Wort beschreiben müsste, dann wäre es: Regen. Hätte ich noch zwei Worte mehr, so wären diese: Wind und Gewitter.
Alle drei begleiten uns schon während der Nacht. Zum Glück alle nur schwach.
Nach unserem Frühstück im Zelt und als wir schließlich alles zusammengepackt haben, schieben wir die Fahrräder aus dem kleinen Waldstück. Und das ist gar nicht so einfach, denn die Bäume ringsum haben lange Dornen, die mittlerweile auch auf dem Waldboden liegen. Da wir es vorziehen unseren verregneten Morgen nicht noch mit Fahrrad flicken zu verbringen, räumen wir jeden sichtbaren Dorn auf die Seite und kontrollieren auf der Straße nochmal, dass auch ja keiner im Reifen steckt. Gestern Abend hatte ich schon zwei recht große im Schuh stecken.
Anfangs haben wir Glück. Trotz leichtem Regen haben wir immerhin Rückenwind und so läuft die erste Stunde ganz gut. Die zweite allerdings verbringen wir dann in einer Bushaltestelle, da es zu gewittern begonnen hat und man die Blitze schon deutlich am Himmel sieht. Wegen des Regens und Winds ist es ziemlich kalt so ohne Bewegung und ich habe zeitweise sogar meine sehr dicke Daunenjacke an.
Dann fahren wir bald weiter und erreichen kurz von 13 Uhr den nächsten Ort San Miguel del Monte. Immer wieder kontrollieren wir die Windkarte und das Wetter. Sollen wir uns noch auf die nächsten 80 km nach Las Flores aufmachen? Wird es nochmal gewittern? Haben wir weiterhin so guten Wind?
Wir kaufen noch etwas im Dia Supermarkt ein, der trotz Sonntag noch offen hat. Und dann machen wir uns auf die Weiterfahrt auf, da der Wind einfach zu gut in unsere Richtung weht.
Las Flores ist unser Ziel, das wir erst nach weiteren 80 km erreichen. Mit den bereits zurückgelegten 50 km bis San Miguel, haben wir mit 130 km doch schon eine große Strecke hinter uns, als wir gegen halb 7 unser Airbnb erreichen. Dieses ist ein Tiny House auf einer kleinen Farm etwas außerhalb des Ortes. Ringsum sind nur Kühe und ein paar kleine Häuser zu sehen. Kurz nachdem wir die Unterkunft erreichen, fährt Abril heran. Die Besitzerin mit italienischen Wurzeln lässt uns hinein und das gerade noch im richtigen Moment. Denn sobald wir die Türe hinter uns geschlossen haben, regnet es wie aus Eimern und Blitze erleuchten den Himmel ringsum.
Abril war so flexibel und zuvorkommend, dass wir sogar die Fahrräder mit in die Hütte schieben durften.
Drinnen machen wir uns dann mit dem dort vorhandenen Pulver eine Heiße Schokolade (oder vielleicht auch mehrere :) ) und genießen die Wärme.Read more
Tag 8: Las Flores bis Azul
September 29 in Argentina
🌧 18 °C
Die Sache mit den Standstreifen
Am Morgen lassen wir den Wecker ein kleines bisschen später klingeln. Zudem, dass wir die Räder mit hinein nehmen durften, bietet uns Abril auch an, etwas länger in der Unterkunft zu bleiben und erst später auszuchecken. Zu viel Zeit lassen wir uns allerdings nicht. Die Windverhältnisse stehen heute Morgen noch recht gut und das wollen wir ausnutzen.
Wir machen uns durch das Dorf auf den Weg zurück auf die Ruta Nacional 3, die Hauptverbindung nach Ushuaia, dem südlichsten Ort der Welt und unserem ersten großen Ziel.
Im Ortsinneren suchen wir dann den nächsten Supermarkt auf, da heute ja Montag und daher nach dem heiligen Sonntag die Läden eigentlich wieder ganz normal geöffnet haben. Doch nicht heute. Denn heute ist „Día del Empleado de Comercio“ (Tag der Einzelhandelsangestellten), an dem diese frei haben, so erfahren wir von einem Paar, das uns dies auf Spanisch erklärt. Na toll! Das läuft ja gut.
Wir finden zu unserem Glück allerdings doch einen „Frutas y Verduras“ (Obst- und Gemüseladen), in dem wir sogar auch Reis und eine Soße bekommen. Ist ja gerade nochmal gut gegangen!
120 km liegen vor uns. Es ist immer, wie schon die letzten Tage, flach. Und zudem geht es fast nur geradeaus, nur selten gibt es mal eine kleine Kurve. Zu allem Überfluss ist auf der Straße auch noch viel Verkehr. Besonders viele LKWs sind unterwegs. Bei leichtem Rücken- beziehungsweise Seitwind bekommen wir zwar bei uns überholenden LKWs einen kleinen Schub durch die Luftströme, das Gegenteil passiert aber bei uns entgegenkommenden LKWs. Dann fahren wir gefühlt rückwärts und bekommen noch eine Ladung Straßenbelag ab.
Das wäre schon ausreichend, wäre da nicht noch zusätzlich die Sache mit den Standstreifen. Auf der heutigen Strecke gibt es diese nur selten. Teilweise sind sie sehr gut ausgebaut, oftmals aber so holprig, dass ich befürchte, dass gleich alle Schrauben das Rads gleichzeitig rausfallen werden. Alles scheppert und kracht.
Und auf wieder anderen Abschnitten, einmal über 40 km am Stück, ist der Standstreifen verschwunden und wir müssen auf die Straße wechseln. Zum Glück sind die Argentinier größtenteils sehr freundlich gegenüber Fahrradfahrern und winken uns voller Begeisterung zu und hupen, beziehungsweise fahren mit großem Abstand und langsam an uns vorbei. Aber leider sind auch manche dabei, denen das Bremsen bei Fahrradfahrern scheinbar unbekannt ist und einfach hupen, bis die endlich in den Straßengraben fahren.
So zählt diese Strecke nicht unbedingt zu unserem Favoriten.
Als dann absehbar ist, dass wir den nächsten Ort Azul erreichen, buchen wir über Booking eine Unterkunft, die sogar eine Garage hat. Dort bringen wir die Räder unter, kaufen dann noch im Supermarkt ein (hier sind sie nämlich offen) und fallen dann müde ins Bett, nachdem wir zum abschalten mal noch die Heute Show geschaut haben.Read more
Tag 9: Azul
September 29 in Argentina
🌧 18 °C
Wir beschließen hier einen Pausentag einzulegen. Schließlich waren die letzten zwei Tage sehr anstrengend, wir sind noch nicht so richtig eingefahren und der Wind weht denkbar schlecht. Zusätzlich regnet es am Morgen sehr stark.
Wir nutzen also den Tag, um uns ein bisschen im Ort umzuschauen und das Busterminal aufzusuchen. Dort wollen wir uns informieren, ob eine Mitnahme der Fahrräder theoretisch möglich wäre, falls wir uns dazu entschließen sollten. Wir haben nämlich schon auf dem Weg nach Ushuaia eine Wanderung gebucht (die kurzfristig nie frei ist) und haben jetzt das erste Mal einen Zeitplan. Leider nehmen die Busse Fahrräder aber nur mit, wenn sie wie im Flieger klein verpackt werden. Das wollen wir uns dann doch nicht nochmal antun!
In einem Laden, in dem Lukas wie magisch von der Süßigkeitenabteilung angezogen wird, kommt es an der Kasse dann zu einer merkwürdigen Situation. Das Bezahlen in Argentinien geht normalerweise über mehrere Wege. Für Einheimische typisch ist die Barzahlung in kleineren Läden oder die Bezahlung per QR Code Scanner. Diese Möglichkeit ist für Ausländer allerdings etwas schwieriger, da man für den offiziellen Weg eine argentinische DNI (Ausweisnummer) benötigt, die allerdings ein anderes Format hat als die ausländischer Pässe. Daher bezahlen wir meist mit der Kreditkarte oder eben in bar. Wenn wir mit der Kreditkarte bezahlen, müssen wir aber manchmal trotzdem den Ausweis zeigen. Von diesem tippen die Verkäufer dann eine Zahl im passenden Format ab und dann klappt es.
Hier ist es allerdings anders. An der Kasse werden wir nach der Telefonnummer statt der Ausweisnummer gefragt. Da die Simkarte noch neu ist, sucht Lukas erstmal länger danach. Da es dem Verkäufer zu lange dauert, reicht letztendlich eine Unterschrift auf der Quittung. Es ist wirklich etwas verwirrend!
Über den Einkauf wichtig zu sagen ist vielleicht noch, dass wir in den zwei Tagen 36 Eier gekauft und davon nur 9 für die Weiterfahrt mitgenommen haben :D
Zurück in der Unterkunft planen wir noch die weitere Route ein bisschen genauer. Mithilfe von Organic Maps (der kostenlosen Alternative von Maps.me), Google Maps, Komoot und iOverlander schauen wir, welche Straßen sich gut befahren lassen, wo es mögliche Campingspots gibt und wie wir alles am besten in einer Route unterbekommen. Das ist gar nicht so leicht und am Ende des Tages dröhnt uns ein wenig der Kopf.Read more
Tag 10: Azul bis Almacen „La Suerte“
September 30 in Argentina
☀️ 17 °C
Wir starten so gegen halb 10. Der Pausentag hat sein Nötigstes beigetragen, denn heute ist es nicht ganz so schmerzhaft auf den Sattel zu sitzen. Die letzten Tage war es zum Verrücktwerden! Der erste Kontakt mit dem Sattel am Morgen war, sagen wir mal, unschön. Nach längerem einfahren ging es besser, doch der Wunsch nach einer Pause (natürlich nur für den Po ;) ) war gegenwärtig. Aber egal wie kurz diese auch war, danach war der ganze Fortschritt wieder dahin und es hat sich angefühlt, als seien wir gerade erst losgefahren. Also ja, der Po tut weh und das nicht zu wenig!
Aus Azul heraus fahren wir durch den dortigen Park, der wirklich sehr schön angelegt wurde. Jede Brücke über den künstlichen Fluss ist individuell. Wir folgen der RP 51, einer kleineren Straße, auf der noch wenig los ist. Dabei entdecken wir eine kleine Kultstätte. Sowieso fallen uns oft am Straßenrand die kleinen Hundehütten auf. Allerdings sind diese nicht für die Vierbeiner gedacht, sondern eine Art Kult- beziehungsweise Gedenkstätte, in denen auch heilige Figuren stehen.
Nach der RP 51 fällt der Standstreifen wieder weg, allerdings ist die Straße auch vierspurig und so ist es nicht allzu unangenehm. Ewig führt sie immer geradeaus. Rinder und erste Felder umgeben sie.
Und dann taucht etwas auf, das wir gar nicht zu hoffen gewagt haben: Berge. Bestimmt über eine Stunde sind Berge auf der linken Seite der Straße zu sehen und dann überwinden wir sogar einen. Ok, eventuell habe ich etwas übertrieben. Aber nach der langen Zeit ohne jegliche Erhebung fühlen sich selbst die kleinsten Hügel (etwa so groß wie sanfte Weinberge in der Rheinebene) an wie riesige Berge, zumindest fürs Auge.
An einem Empanadastand an der Straße machen wir Mittagspause und essen zusammen 7 dieser leckeren, mit Spinat und Ei gefüllten und dann frittierten Teigtaschen. Hier hätte es auch welche mit Ananas, Schinken und Käse oder mit Fleisch gegeben.
Ab dieser Pause wendet sich das Blatt für uns. Wir haben sehr viel Gegenwind. Lukas strampelt fleißig und pflügt und so einen Weg durch. Dann kommt das, was Fahrradfahrer fürchten. Ich habe meinen ersten Platten. Hatte es auf der letzten Tour fast 6000 Kilometer gedauert, haben dieses Mal etwas mehr als 400 km gereicht.
Der Verursacher ist allerdings schnell gefunden, ein Stück Draht, und als dem Mantel entfernt. Als wir gerade beim Aufpumpen sind passiert mehreres gleichzeitig. Ein Autofahrer hält an und fragt und, ob alles ok ist, ein Fahrradfahrer bietet seine Unterstützung an und eine Fahrradfahrerin (ja, auf dieser Strecke wimmelt es von Rennradfahrern) hilft uns beim Aufpumpen mit einem Minikompressor. Was es nicht alles gibt!
Nach dieser Reparatur geht es flach weiter. Kühe über Kühe, soweit das Auge reicht, an einer Stelle liegen auch mehrere Tote auf einem Feld. Wir entdecken noch ein sehr altes und kaputtes Auto in einem Bach und kommen dann an ein kleines Restaurant. Über iOverlander haben wir gesehen, dass hier schonmal Fahrradfahrer gezeltet haben und überlegen es uns auch. Da es allerdings mit 16 Uhr noch recht früh ist und morgen der Wind noch schlechter sein soll, entscheiden wir uns dagegen und füllen nur unsere Flaschen auf.
Weitere zwanzig Kilometer später (für die wir leider deutlich länger brauchen, als gehofft) erreichen wir kurz vor Sonnenuntergang ein Almacén (eine Art Tante-Emma-Laden mit Bar) und dürfen dort unser Zelt aufbauen.
Lukas isst nochmal Empanadas. Da diese hier aber nur mit Fleisch sind, esse ich süße Teile und später im Zelt dann noch eins der gekochten Eier und mitgebrachten Empanadas vom Mittag.
Es ist schon sehr kalt. Wir wärmen uns noch kurz am Holzofen im Laden und gehen dann ins Zelt.
Leider hat das viele Strampeln Lukas etwas zu schaffen gemacht, sodass er jetzt sein Knie spürt.Read more
Tag 11: Almacen „La Suerte“ bis Laprida
October 1 in Argentina
☁️ 14 °C
„La Suerte“, der Name des Almacén, bedeutet Glück und das war es auch: Unser Glück!
Zum einen natürlich, dass wir dort schlafen durften, denn bei Dunkelheit mit dem Verkehr und ohne Standstreifen hätten wir nicht weiterfahren wollen. Zum anderen beschreibt es den Ausgang dieses Tages wohl ebenfalls.
Beim Aufwachen ist es noch sehr kalt. Während wir im Zelt frühstücken, füttert die Besitzerin zwei freilaufende Kälbchen mit Milch aus der Flasche und zwei kleine Schäfchen laufen ebenfalls umher.
Leider sind Lukas‘ Knieschmerzen nicht besser geworden und zudem kommt ein noch heftigerer Gegenwind.
Wir kommen kaum voran. 40 km liegen bis zu einem Hotel vor uns, zu dem wir uns vorgenommen haben zu kommen. Nur 40 km. Trotzdem müssen wir immer wieder Pausen einlegen.
Auch heute winken uns wieder ganz viele zu oder hupen. Manch einer hupt uns auch nur aus dem Weg. Wir heben häufiger den Daumen raus, um hoffentlich zu dem Hotel mitgenommen zu werden, sodass Lukas sein Knie nicht überreizt. Aber leider hält niemand an.
Dann steht am gegenüberliegenden Straßenrand ein Polizeiauto. Der Polizist winkt uns auf die Seite. Als erstes grüßt er uns mit einem kumpelhaften Handschlag. Dann meint er, er sei von einem Autofahrer angerufen worden. Wir sollten weiter am Rand fahren und wenn Autos von vorne und hinten gleichzeitig kommen, müssen diese nicht etwa bremsen bis die Bahn für sie frei ist, nein, dann sollten wir doch einfach in den Straßengraben fahren, bis wieder genug Platz ist. Na toll!
Wir fahren etwas zurückhaltender weiter und halten wieder den Daumen raus. Dann hält dich tatsächlich einer an. In einem kleinen grauen PKW sitzen drei drin. Der Fahrer steigt aus und fragt uns, ob alles ok ist. Wir erklären ihm von Lukas‘ Schmerzen und er bietet uns an, Lukas mit zu einer Apotheke zu nehmen. Da ich aber dann mit beiden Fahrrädern mitten im Nirgendwo alleine wäre, entscheiden wir uns dagegen.
Also weiter, immer dem Wind entgegen. Immer wieder halte ich mir unser Ziel, das Hotel, vor Augen. Nur noch 20 km, noch 19 km, noch 15 km…es kommt näher und irgendwie auch doch nicht. Es ist zum Verzweifeln!
Und dann kommt das Glück, von dem ich weiter oben gesprochen habe. Ein Pickup kommt uns entgegen, hält und wendet. Moment, den kennen wir doch! Ja, tatsächlich! Es ist Silvio, der Mann mit dem kleinen grauen Auto. Er ist extra nochmal hergekommen, um uns mit den Fahrrädern mitzunehmen. Das Auto hat er sich noch bei seiner Arbeitsstelle geholt.
Wir laden die Räder auf die Ladefläche und fahren dann los. Er, wohnhaft in Laprida, fährt uns dorthin und direkt zu einer Apotheke. Dort bekommt Lukas Schmerzgel und Tabletten. Zunächst will uns Silvio dann zu dem besagten Hotel zurück fahren, bietet uns dann aber kurzerhand an, dass wir mit zu ihm können.
Vor seinem Haus angekommen, steigt er zunächst aus und meint, er muss noch kurz seine Frau fragen. Die scheint nichts dagegen zu haben und so können wir die Fahrräder bei Silvio in der Garage und unsere Taschen im Wintergarten unterbringen. Dort dürfen wir auch übernachten.
Als erstes gibt es natürlich den für Argentinien typischen Matetee, der traditionell geteilt wird. Silvio erklärt uns, dass es während Corona verboten war und jeder sein eigenes Getränk nutzen musste.
Wir bekommen noch süße Teile, ähnlich denen von gestern, serviert und unterhalten uns über alles mögliche. Wir fragen ihn auch, ob er eine Möglichkeit weiß, wie wir mit den Fahrrädern nach Bahia Blanca kommen. Er erklärt uns, dass wir eventuell mit einem Lieferwagen mitfahren können und er das noch abklärt. Unsere Idee ist nämlich, diesen eher öden Abschnitt, gerade jetzt auch mit den Knieschmerzen, zu überspringen, in Bahia Blanca vielleicht einen Pausentag oder zwei einzulegen und dann mit neuer Energie und etwas mehr Puffer von dort aus weiterzufahren.
Danach bietet er uns an uns noch an zwei besondere Plätze im Ort zu bringen. Das eine ist ein Friedhofskreuz, das größte von ganz Argentinien und es ist wirklich gigantisch. Auch die Gräber auf dem Friedhof sind atemberaubend. Es wirkt, als seien Könige dort untergebracht. Es ist nicht der erste Friedhof, der so besondere Gräber hat.
Anschließend fahren wir noch zu einer Art Badepark. Dort kann man auch gegen einen kleinen Preis zelten oder mit Campern stehen und grillen, kommt man allerdings zur zum Schwimmen oder Picknicken her, ist der Park kostenlos. Und was für einer das ist!
Nach dem Parkbesuch machen wir es uns noch etwas gemütlich und Lukas ruht sein Bein aus.Read more
Tag 12: Laprida bis Bahia Blanca
October 2 in Argentina
☁️ 14 °C
Was für eine erholsame Nacht! Wenigstens im Vergleich zu der vorherigen, in der bellende Hunde, überlaute LKWs und ein Hahn scheinbar eine Wette abgeschlossen hatten, wer die Zelter am besten wachhalten kann.
Wir frühstücken gemütlich im Wintergarten und kümmern uns um die Buchung unserer Unterkunft in Bahia Blanca. Wir hatten zwar gestern Abend schon eine gebucht, allerdings kam dann morgens die Nachricht, dass die Buchung storniert wurde, weil sie schon über ein anderes Portal vergeben wurde.
Während also die freien Unterkünfte immer weniger werden, müssen wir uns jetzt ranhalten. Es ist ein Hin und Her bis wir schließlich über Airbnb eine Zusage haben. Gut!
Gleichzeitig schreiben wir mit Silvio. Der Plan, unsere Fahrräder mit einem Transporter nach Bahia Blanca zu schiffen, hatte sich gestern Abend noch verfestigt. Mit seiner Frau Susana hatte er die nötigen Infos eingeholt. Für 70.000 ARS (etwa 40 Euro) werden die Räder (im Ganzen!!) mit Gepäck morgen direkt zu unserer Unterkunft gebracht. So der Plan!
Da wir aber nicht mitfahren dürfen, nehmen wir heute schon den Bus, damit wir sie dann in Empfang nehmen können. Alles organisiert durch Silvio und seine Frau!
Über WhatsApp (alles läuft hier über WhatsApp) reservieren wir uns dann zwei Plätze im Bus. Umgerechnet 49€ kostet die 6,5 stündige Fahrt.
Bevor wir allerdings Laprida verlassen, besichtigen Lukas und ich noch das Zentrum mit seiner Kirche, dem imposanten Rathausturm und dem Brunnen in deren Mitte.
Dort lernen wir auch Gabriela kennen. Sie ist ehemalige Englischlehrerin und nach anfänglichen Schwierigkeiten kommt sie sehr schnell wieder in die Routine und wir unterhalten uns lange. Gabriela hat vor längerer Zeit drei Jahre in Straßburg gelebt und spricht so auch Französisch.
Sie hilft uns auch bei der Übersetzung an einem Western Union Schalter in einem Kiosk und erzählt uns, dass die Frau hinter der Theke ihre Schülerin war. Lukas scherzt, dass diese ja dann eigentlich Englisch sprechen müsste, wohl wissend, dass hier fast niemand, nicht einmal die Jüngeren, Englisch spricht beziehungsweise sich traut.
Zurück in Silvios und Susanas Haus, in dem zusätzlich noch deren Zwillinge wohnen, packen wir alles zusammen. Silvio möchte uns noch an das Busterminal bringen. Wir sind schon auf halbem Weg, als Susana sich meldet und er nochmal umdreht. Susana möchte sich schließlich auch noch von uns verabschieden. Uns war gar nicht bewusst, dass sie überhaupt zu Hause war.
Nach einem Abschiedsbild geht es dann schließlich los. Auf der Fahrt habe ich Nala, die kleine Hündin auf dem Schoß. Pepe, den anderen Hund hat Silvio daheim gelassen, da er blind ist. Vor Jahren hat er diesen auf der Straße aufgesammelt, in wirklich schlechtem Zustand. Da waren wir also nicht die ersten, für die er ein großes Herz hatte.
Der Busbahnhof von Laprida, einer Kirche gleich, macht echt etwas her. Um 15 Uhr steigen wir, nach leicht tränenreichem Abschied, in den Bus. Die Sitze sind echt komfortabel und verglichen mit der Beinfreiheit im Flieger ein wahres Paradies! Dann hoffen wir mal, dass der Fahrradtransport auf den argentinischen Straßen ebenfalls besser läuft als auf unserem United Flug.
Nachdem wir richtig Platz genommen haben, fragen wir uns, wie die Fahrstrecke eigentlich verläuft. Auf direktem Weg sind es nämlich nur knappe 215 km. Doch schon recht schnell wird klar, dass wir einige Orte abfahren werden, die wir ansonsten nie erreicht hätten.
Was wir noch entdecken: Massenweise traumhafter Zeltplätze! Ok, das mit dem „traumhaft“ ist eventuell leicht übertrieben. Aber jetzt mal ganz ehrlich: So viele wirklich akzeptabler Zeltmöglichkeiten hatten wir auf der bisherigen Strecke noch nicht. In den USA hätten wir uns nach diesen häufiger gesehnt. Aber klar, an die Mongolei kommen sie bei weitem noch nicht heran. Über die 30 Meter grünen Straßengrabens hätten wir dort nur gelacht.
Wir fahren unter anderem durch die Sierra de la Ventana. Für Argentinier aus Buenos Aires ist diese Region ein Urlaubsparadies. Berge bis 450 m findet man hier vor. Und der Ort selbst wirkt ein wenig wie ein europäischer Skiort im Sommer.
Durch die vielen Hügel und Berge, die wir aus dem Bus heraus beobachten, werden wir richtig müde. Nach über einer Woche absolutem Flachland, sind es hier auch einfach zu viele Eindrücke :D
Bahia Blanca erreichen wir um 21:31 Uhr, genau eine Minute nach geplanter Ankunft. Davon können sich die Deutschen mal eine Scheibe abschneiden! Die 2,5 km zu unserer Unterkunft sind nach der langen Fahrt sehr angenehm.
Nach unserem Abendessen fallen wir wieder einmal müde ins Bett.Read more
Tag 13: Bahia Blanca
October 3 in Argentina
☁️ 15 °C
Wir erfahren, dass die Fahrräder abends gegen 18 Uhr ankommen werden. Na dann haben wir ja noch den ganzen Tag zur Verfügung!
Nach dem Frühstück schlendern wir gemütlich durch die Stadt und entdecken einige schöne Orte und malerische Gebäude.
Am Mittag gehen wir in einem recht schicken Lokal essen. Für uns gibt es Auberginenschnitzel und Pommes. Umgerechnet nur 36€ mit Trinkgeld kostet uns das Essen mit Getränken.
Um etwas halb 7 nehmen wir die Fahrräder in Empfang. Statt der ausgemachten 70.000 ARS (40€) nimmt der Fahrer nur 40.000 ARS (23 €) an. Außerdem erkundigt er sich noch nach Lukas‘ Knie. Wieder einmal super freundlich!
Dann verbringen wir einen ruhigen Abend und essen einen riesigen Salat. Lukas meinte noch, dass davon einiges übrig bleiben wird, aber am Ende war die Schüssel mehr als leer. :)Read more
Tag 14: Bahia Blanca bis Médanos
October 4 in Argentina
🌬 21 °C
Wir entscheiden uns dazu heute weiterzufahren. Das Wetter ist gut und Lukas‘ Knie geht es schon wieder besser. Allerdings nehmen wir uns ab heute vor, erstmal nicht mehr so viele Kilometer bei Gegenwind zu fahren. Es war vielleicht etwas viel für den Anfang.
Also ist unser heutiges Ziel das 45 km entfernte Médanos. Ursprünglich wollten wir dort auf einen Campingplatz mit Therme, da der Platz aber nur donnerstags bis sonntags offen hat, entscheiden wir uns für eine Unterkunft. Allerdings bleibt auch immer noch die Möglichkeit umzukehren, falls es mit dem Knie nicht klappen sollte.
Wir fahren also langsam los und freuen uns auch wieder, auf den Rädern zu sein. Am Ortsrand treffen wir zwei Fahrradfahrer, die gerade einkaufen waren. Die Frau spricht ganz gut Englisch und mit den paar Brocken Spanisch von unserer Seite, unterhalten wir uns mit ihr und ihrem Mann über unsere Tour und die beste Straße, die uns unserem Ziel näher bringt.
Dieser dann folgend, treffen wir durch Zufall auf eine Art Bauernmarkt. Von außen sehen wir die Gauchos (argentinische Cowboys) eine Show mit Rindern aufführen. Leider dauert das Abstellen der Räder dann allerdings zu lange und so sehen wir am Ende nur noch die Gauchos auf dem Feld mit ihren Pferden.
Dennoch genießen wir es, über diesen Markt zu spazieren. Wir essen Chipas (Teig mit Käse) und den angepriesenen Cubanito, eine gerollte Eiswaffel, außen mit Oreokrümeln (oder anderen Geschmacksrichtungen) bedeckt und innen mit der typischen Dulce de Leche (Karamellsoße) gefüllt. Zuckerschock garniert!
Auf der Weiterfahrt haben wir wieder ordentlich Gegenwind, aber die meiste Zeit einen super Standstreifen und relativ wenig Verkehr.
Auf einem Tankstellenparkplatz trauen wir dann unseren Augen nicht. Ist das ein Wohnmobil-Stellplatz? Mehrere Wohnmobile und Wohnwägen stehen dort beisammen. Später, als wir am Straßenrand Pause machen, kommen sie an uns vorbei gefahren. 14 Camper sind es insgesamt und alle sind nummeriert.
Zwischenzeitlich ist es auf der Strecke richtig abwechslungsreich und wir fahren sogar inmitten einiger Hügel. Diese und unsere Erkenntnis, dass wir hier deutlich einfacher Zeltplätze finden könnten, macht die Vorfreude auf die weiteren Kilometer noch größer.
Wir finden nach den geplanten 45 km dann auch ein Hotel und essen auf unserem Bett gemütlich Reis mit Kürbissoße und schauen nebenbei die spanischen Simsons an.Read more
Tag 15: Médanos bis Juan Cousté
October 5 in Argentina
☀️ 22 °C
Kurz hinter unserem Hotel, in dem es trotz recht großem Abstand zur Straße doch noch laut war, finden wir einen kleinen Laden mit erstaunlicher Auswahl.
Danach radeln wir mal ausnahmsweise nicht auf der Hauptstraße, sondern auf der unasphaltierten ehemaligen Hauptstraße, die parallel zur neuen verläuft. Trotz des teils sandigen Untergrunds ist es sehr angenehm hier zu fahren. Auf den 18 km kommt uns hier nämlich gerade einmal ein Auto entgegen, ansonsten sind wir hier ganz für uns.
Es ist wirklich mal eine schöne Abwechslung bei der sonst recht abwechslungsarmem Strecke.
Immer wieder sehen wir unterwegs kleine rote Hütten, die mit Gegenständen gefüllt sind oder eine Ansammlung von Wasserflaschen. Diese haben einen ganz bestimmten Zweck. Sie sind Teil der südamerikanischen Volksreligosität und für die Argentinier von wichtiger Bedeutung.
Gauchito Gil, ein legendärer Gaucho aus der Provinz Corrientes des 19. Jahrhunderts, stahl nach der Volkssage von den Reichen, um es den Armen zu geben, also ähnlich zu Robin Hood. Die rote Farbe der Häuschen oder Fahnen steht hierbei für die Farbe der Föderalisten, denen Gil angehörte.
Heutzutage gelten diese Schreine also als Schutzpatron der Reisenden, die als Opfergeschenk Zigaretten, Wein, Wasser oder Münzen da lassen.
Die Wasserflaschen, die teils zu mehreren beisammen stehen, lassen sich auf Deolinda Correa zurückführen. Sie lebte ebenfalls im 19. Jahrhundert und floh während der Bürgerkriege mit ihrem Neugeborenen und ihrem Mann durch die Wüste. Sie verdurstete dort, während ihr Baby wundersamerweise an ihrer Brust überlebte.
Die Flaschen symbolisieren also die Hilfe in aussichtslosen Lagen und die Reisenden beten auf diese Weise ebenfalls für den Schutz auf langen Strecken.
Obwohl wir insgesamt nur 37 km zurücklegen, ist es mit dem Gegenwind und dem höheren Verkehrsaufkommen zurück auf der Hauptstraße doch sehr anstrengend.
Unser Ziel ist heute das Kaiserhotel neben der Straße. Als wir dieses erreichen, dehnen wir uns noch (das haben wir uns ab jetzt häufiger vorgenommen, mal schauen wie es so klappt :) ), schrauben noch an den Fahrrädern und kochen uns dann etwas, nachdem das angepriesene Grill-Restaurant noch nicht offen hat.Read more
Tag 16: Juan Cousté bis Río Colorado
October 6 in Argentina
🌧 16 °C
Heute ist unser Tag!
Nach typisch argentinischem Frühstück (und zugegeben noch einem zweiten Radlerfrühstück auf dem Zimmer, damit wir auch satt werden) geht es los.
90 km liegen vor uns. Da heute aber leichter Rückenwind weht, ist diese Strecke deutlich leichteres bewältigen, als die der letzten zwei Tage. Weil die möglichen Zeltplätze hier jetzt nicht gerade zu den angenehmsten zählen (die Straße ist ja doch noch sehr nah und die vorbeifahrenden LKWs ähneln teilweise startenden Düsenjets), ziehen wir es vor nach Möglichkeit in Unterkünfte zu gehen. Und die nächste gibt es nunmal erst wieder in 90 km.
Auf der Straße ist zum Glück noch nicht so viel los und mit dem leichten Wind von hinten lässt es sich angenehm radeln. Wir verlassen die Region Buenos Aires und erreichen La Pampa, die ihrem Namen auch alle Ehre macht.
Wir kommen sehr gut voran und haben die Hälfte der Strecke schon nach zweieinhalb Stunden geschafft. Weil es leicht zu regnen beginnt, machen wir unsere Mittagspause unter einem Baum neben dem Eingang zu einem Gaskraftwerk.
Gerade als wir weiterfahren wollen, setzt stärkerer Regen ein. Wir sind nur kurze Zeit wieder auf der Straße, als sich unser Blatt wendet. Gerade noch haben wir die LKW-Fahrer gelobt und genossen, dass sie abbremsen und angenehm überholen. Doch seit der Regen stärker ist, fahren manche (die meisten fahren immer noch sehr gut!) an uns vorbei, als seien sie auf der Flucht. Dabei müssten doch eigentlich wir, dauerhaft dem Regen ausgesetzt, die Nerven verlieren. Einige Male fahren wir sicherheitshalber in den holprigen, grasigen Straßengraben, damit wir genug Abstand zu den vorbeidonnernden LKWs haben.
Wir sind echt froh, als wir den Ort Rio Colorado erreichen und bei unserem kleinen aber feinen Häuschen angekommen sind. Von gegenüber kommt direkt die Vermieterin aus dem Haus und erklärt uns alles. Sie spricht ausschließlich Spanisch, aber durch zeigen und kombinieren, verstehen wir doch recht gut, was sie uns mitteilen will.
Bevor sie uns der Organisation unserer nassen Kleidung überlässt, bietet sie uns noch selbstgebackenes Brot an. Kurze Zeit später kommt sie mit diesem, sehr schön verpackt, und einem Teller Pfannkuchen und einem Glas Dulce de Leche herüber. Sehr goldig!
Nachdem wir uns gut aufgewärmt und geduscht haben, gehen wir abends noch in eine Bar, die uns von der Tochter der Vermieterin empfohlen wurde. Heute ist schließlich das letzte Spiel des Lionel Messi in der argentinischen Nationalmannschaft und das wollen wir im Kreise von mitfiebernden Argentiniern schauen.
Relativ trocken kommen wir dort an, bestellen eine Pizza, Honigbier und einen Himbeercocktail und schauen uns das Spiel an. Viel ist allerdings nicht los.
Nach dem Spiel kommen wir noch mit Emanuel ins Gespräch. Er ist der Barkeeper hier und spricht sehr gut Englisch. Er erzählt uns, dass er in Bahia Blanca Kunst und Geschichte auf Lehramt studiert hat, durch Corona aber wieder in die Heimat geschickt wurde und nicht weiter studieren konnte.
Er hat ein enormes Wissen über Argentinien und generell auch die Politik und Geographie der Welt.Read more
Tag 17: Rio Colorado
October 7 in Argentina
🌧 14 °C
Heute ist den ganzen Tag Regen gemeldet und da der nächste Ort 150 km entfernt ist, entscheiden wir uns noch einen weiteren Tag in der Unterkunft zu bleiben.
Tag 18: Rio Colorado bis RN 251
October 8 in Argentina
☁️ 12 °C
Nach einem weiteren morgendlichen Regenschauer, den wir zum Glück noch in der Unterkunft aussitzen können, geht es wieder weiter.
Zunächst haben wir Rückenwind und den genießen wir auch, wenn auch weniger die teils wieder sehr unschön fahrenden LKWs. Nach fast 30 km zweigt dann die Straße ab auf die RN 251 Richtung Süden. Wir haben die ganze Zeit gehofft, dass hier weniger LKWs fahren, aber am Abzweig wirkt es so, als würden fast noch mehr diese Verbindung nach Süden nutzen. Na super, und dazu jetzt auch noch Gegenwind.
Auf der Straße selbst haben wir dann immerhin einen knappen halben Meter Seitenstreifen, und das zum Glück durchgehend.
Und wie sich herausstellt, sind doch deutlich weniger unterwegs. Wer sich auf dieser Strecke häuft sind Motorradfahrer und Wohnmobile. Uns überholen sogar ein holländisches und ein französisches Wohnmobil. Die ersten ausländischen Fahrzeuge, die wir sehen.
Die Strecke, die bis zum nächsten Ort vor uns liegt ist einfach zu beschreiben. Sie verläuft gerade…und zwar NUR gerade. Und das über 117 km lang. Immerhin können wir uns an ein paar Hügeln und zwei verlassenen Gebäuden erfreuen.
Seit wir den Rio Colorado in dem gleichnamigen Ort überquert haben, sind wir in der Region Rio Negro und damit auch in Patagonien. Uns war das gar nicht so bewusst, hätte nicht Emanuel uns das erklärt.
Tatsächlich entdecken wir um kurz nach 18 Uhr eine Straße die abzweigt und nicht eingezäunt ist. Dieser folgen wir etwas von der Hauptstraße weg und bauen nebendran unser Zelt auf.
Es bleibt sehr ruhig und kein einziges Auto kommt am Abend vorbei.Read more
Tag 19: RN 251 bis San Antonio Oeste
October 9 in Argentina
☁️ 13 °C
Was für eine Nacht! Es war wohl die ruhigste Nacht in Argentinien überhaupt, einschließlich den Nächten in Unterkünften. Auf der Straße neben der wir zelten, kommt nicht ein Auto vorbei und die Hauptstraße hört man kaum.
Es ist ein kühler Morgen und wir brauchen ein bisschen, bis sich unsere Muskeln eingefahren haben.
Tatsächlich ist die Karte auf dem Handy etwas ungenau und es gibt sogar leichte Kurven. Außerdem regelmäßig Hügel!
Wenn man das von Europa aus liest, wundern man sich vielleicht darüber, weshalb die Kurven und Hügel so besonders sind. Aber wenn man mal 15 Tage damit verbracht hat einer Straße zu folgen, die quasi nur gerade ist und die sich nicht einmal um einen Meter hebt, dann wird es schnell deutlich, weshalb jeder Hügel (und ist er auch nur am Horizont zu sehen) eine Genugtuung ist. Und sieht man dann noch ein Schild, das vor dem kommenden Gefälle warnt, bleibt einem das Grinsen nicht aus, wenn man dann die leichte Senke dahinter sieht.
Da es ansonsten keine große Ablenkung gibt, macht uns jede Blume und jedes Vogelzwitschern nur umso aufmerksamer.
Wir sind an diesem Morgen allerdings noch nicht lange unterwegs, als am Straßenrand ein Mann mit einem kleinen Anhänger steht und uns zuwinkt. Wir machen etwas langsamer und grüßen ihn, woraufhin er uns fragt, ob er uns bis zum nächsten Ort mitnehmen soll. Da wir durch die schon gebuchte Wanderung im Torres del Paine einen gewissen Zeitplan haben, den wir gerne einhalten wollen, sind wir um jedes Überspringen nicht ganz so interessanter Abschnitte dankbar und nehmen gerne an.
Schnell sind die Räder auf den Anhänger geladen. Innerhalb von 30 min haben wir die 50 km zum Ort zurückgelegt, für die wir sonst noch ein paar Stunden gebraucht hätten. Eloy und Carina aus Choele Choel besuchen gerade ihre Tochter und Enkelkinder in General Conesa.
Statt wie angedacht nun also die Nacht im Ort zu verbringen, beschließen wir noch weiterzufahren. 90 km liegen wieder vor uns, bis der nächste Ort erreicht ist. Allerdings sind wir ganz entspannt und schauen einfach mal, wie weit wir kommen.
Neben der Straße essen wir noch entspannt zu Mittag, werden von einem Schwertransporter überholt und testen mal das ausgeschilderte WLAN mitten im Nirgendwo, dass allerdings nicht funktioniert.
Kurz nach 18 Uhr erreichen wir dann wirklich San Antonio Oeste und unsere Unterkunft und abends feiern wir dann schonmal nach deutscher Zeit in Lukas‘ Geburtstag rein.Read more
Tag 20: San Antonio Oeste bis RP 61
October 10 in Argentina
☁️ 13 °C
Feliz cumpleaños a ti, feliz cumpleaños a ti…
Es ist Lukas‘ 35. Geburtstag und da dieser Tag etwas besonderes ist, machen wir heute auch etwas besonderes. Wir radeln und zwar auf der viel befahrenen Ruta National 3!
Nach den morgendlichen Geburtstagsanrufen und nachdem ich festgestellt habe, dass ich wohl auf der gestrigen Fahrt meinen Pullover verloren haben muss, geht es zunächst an Müllbergen vorbei und dann durch einige Matschlöcher. Zum Glück kleben dank der neuen Bremsen die Reifen bei mir nicht mehr so zu und wir können ohne Probleme weiter fahren.
Auf der RN 3 angekommen ist dann doch erstaunlich wenig los. Wir haben einen kleinen Seitenstreifen und können oft sogar gemütlich nebeneinander fahren. Aus irgendeinem Grund glaubt mir Lukas aber nicht, dass ich das alles zu seinem Geburtstag so eingefädelt habe :).
Den ganzen Tag ist nicht ein einziger LKW dabei, der rücksichtslos an uns vorbeifährt. Ganz im Gegenteil: Sie winken so eifrig, dass wir uns ab und an wünschen, sie würden eine Hand am Lenkrad lassen.
Ein PKW macht auch etwas langsamer und wir unterhalten uns kurz mit den drei Fahrern über unsere Tour. Es gibt Phasen, da kommen wir auf der Strecke aus dem Winken gar nicht mehr raus.
Mit Zeltplätzen ist es nicht ganz so leicht, aber wir finden eine kleine Schotterstraße, auf die wir abbiegen können und suchen uns landschaftlich den bisher schönsten Platz der Tour. Leider bleibt der Straßenlärm aber nicht aus.Read more
Tag 21: RP 61 bis RP 60
October 11 in Argentina
🌬 16 °C
Die Nacht ist leider nicht ganz so leise wie erhofft. Die Straße ist doch noch zu nahe.
Dafür haben wir aber Rückenwind und davon nicht zu wenig.
Es folgt ein Hügel nach dem anderen! Ist man über eine Kuppe drüber, sieht man dahinter gleich unzählige weitere. Zusätzlich zu dem Rückenwind erfreuen wir uns hauptsächlich an den angenehmen Abfahrten, bei denen wir es einfach mal rollen lassen können. Und das lassen wir es auch!
Das alleine wäre auch nicht zu einem Problem geworden, wäre da nicht ein Schlagloch auf einer Brücke, welches ich erst spät sehe. Ohne groß Zeit für eine Warnung zu haben, bremse ich ruckartig ab. Lukas, nicht darauf gefasst, schafft es nicht rechtzeitig zu bremsen und fährt von hinten in mich hinein. Es macht einen lauten Schlag, ein Schrei und ich hoffe nur, immer noch nach vorne schauend, dass Lukas nichts passiert ist.
Mein Fahrrad bleibt abrupt stehen. Dann taucht Lukas neben mir auf, erschrocken aber ansonsten wohlauf. Puh!
Wir steigen von den Rädern ab, um uns davon zu überzeugen, dass es dem anderen auch gut geht. Ja, nichts ist passiert!
Also erstmal von der Brücke schieben und den Schock überwinden. Nur, dass das nicht geht. Mein Hinterrad dreht sich nicht mehr. Mist und jetzt?
Ein Blick nach hinten und der Grund ist klar. Zum Glück ist das Ausmaß verhältnismäßig gering. Als wir die Taschen hinten abnehmen ist es doch schon witzig. Durch den Aufprall hat sich das hintere Schutzblech ans Rad gedrückt und durch die Geschwindigkeit zusammengefaltet, sodass es fein säuberlich unter dem Gepäckträger hängen geblieben ist.
Ist einmal der Gepäckträger angenommen, ist der Schaden schnell behoben. Wir biegen einfach das Schutzblech auf und schon sieht es fast aus wie davor. Nochmal Glück gehabt, dass es nur das war!
Ab jetzt fahren wir etwas langsamer und kommen bald in den Ort „Sierra Grande“, dem „Großen Gebirge“. Dort wollen wir Wasser auffüllen und vielleicht noch eine Kleinigkeit essen.
Wasser bekommen wir an einer Tankstelle, an der es kostenlose Heißwasserautomaten gibt. Der hier so beliebte Mate darf nie ausgehen!
Dann, fast schon aus dem Ort raus, entdecken wir ein Restaurant. Ich schaue mir kurz die Speisekarte an und dann entscheiden wir uns dazu, hier etwas zu essen. Wir entdecken zu viele leckere Dinge und bestellen sie einfach alle. Neben einer dick belegten Pizza bestellen wir ein Omelette mit Käse und Schinken, einen dicken Kartoffel-Ei-Pfannkuchen und zwei Spiegeleier. Die Bedienung ist sichtlich erstaunt und fragt uns noch, ob wir die ganze Pizza oder doch eher die halbe wollen. Das ist ganz üblich hier, dass ganze und halbe Pizzen angeboten werden. Wir nehmen aber die Ganze.
Das Essen, das insgesamt für gut 4 Personen gereicht hätte, waren doch um die 10 Eier darin enthalten, ist am Ende bis auf zwei Stück Pizza aufgegessen. Und das für etwa 36 € mit Trinkgeld!
Wir rollen merklich aus dem Restaurant und noch ein gutes Stück weiter. Kurz vor unserem Schlafplatz sehen wir einige Papageien auf einem Parkplatz und biegen dann auf eine kleinere Ruta ab. Daneben können wir dann ganz ohne Zaun das Zelt aufbauen und haben hoffentlich eine ruhigere Nacht als die zuvor.Read more
Tag 22: RP 60 bis Puerto Madryn
October 12 in Argentina
🌬 18 °C
In der Nacht regnet es leicht auf unser Zelt. Eigentlich ein angenehmes Geräusch, wären da nicht die Gedanken, die einen vom Schlaf abhalten. Regnet es wenn wir losfahren immer noch? Hoffentlich ist der Regen dann nicht zu stark!
Nach unserem Frühstück strecken wir uns also nochmal kurz aus. Bei Regen das Zelt abbauen, muss wirklich nicht sein.
Wegen des heutigen Feiertags, dem Tag des Respekts der Kulturellen Vielfalt, ist wahrscheinlich weniger auf der Ruta 3 los. Es rollt ganz gut, trotz des wegfallenden Seitenstreifens. Neben der Straße entdecken wir dann das erste Mal Guanakos, argentinische Lamas, die vor uns flüchten. Das haben wir schon häufiger festgestellt: Die Autos und LKWs können noch so laut sein, wir sind für jegliche Tiere aber am furchteinflößendsten.
Bei unserer Mittagspause, nur 23 km vor unserem Ziel, fragt uns dann ein Mann, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite wohnt, ob es uns gut geht und ob wir etwas brauchen. Wieder einmal unfassbar freundlich und aufmerksam!
Durch den weiteren Rückenwind sind wir recht schnell und nehmen dann noch eine Abkürzung querfeldein, die mal eine sehr angenehme Abwechslung bietet. Wohin wir abkürzen? Bevor wir nach Puerto Madryn hinein und zu unseren ersten argentinischen WarmShowers Hosts fahren, wollen wir noch an die Atlantikküste und zwar nicht ohne Grund. Dort an der Küste und in der gesamten Bucht soll es nämlich Wale geben. Und da wir unsere Chancen erhöhen wollen, die seltenen Tiere zu sehen, fahren wir heute schon vorbei.
Von weitem können wir schon auf das Meer blicken und als Lukas ein erstes Platschen sieht, beschleunigt sich sein Tritt und er rast davon. Zwar nur ein Stück, aber ich muss alle Kraft zusammen nehmen, um dran zu bleiben.
Beim ersten Walbeobachtungspunkt halten wir dann direkt an und trauen unseren Augen nicht. Nicht ein, nicht zwei sondern gleich mehrere Wale sind zu entdecken. Immer wieder schießen die Buckelwale ihre Fontänen in die Luft. Andere winken mit ihren seitlichen Flossen und wedeln mit ihrer Schwanzflosse. Ganz im Gegensatz zu unseren Erwartungen sind in der Bucht überall Wale zu entdecken. Wir sind einfach perplex!
Wir können uns kaum von ihrem Anblick lösen, aber da unsere Hosts warten, fahren wir dann doch irgendwann.
Santiago alias Santi (45) war schon auf mehreren Touren in Europa und Amerika unterwegs und lebt jetzt mit Mar (44) und deren zwei Söhnen Baltasar (16) und Christiano (15) zusammen. Mar spricht als ehemalige Englischlehrerin gut Englisch und so fällt die Kommunikation auch mit ihr leicht. Sie Jungs sind unglaublich freundlich und zuvorkommend und auch sie zögern nicht, sich im Englischen zu versuchen. Insgesamt haben wir einen sehr schönen Abend zusammen!Read more








































































































































































































































































































































TravelerWir werden euch vermissen und freuen uns sehr auf eure Reiseberichte und Bilder ❤️❤️❤️
TravelerIch wünsche alles Gute und viele neue Eindrücke
Good luck from Ted & Lisa (Bluff Fort, Utah). Another incredible adventure is about to begin! [Ted]
TravelerIt’s so nice to hear from you again after all this time! We love thinking back to the time in Fort Bluff!