• Tag 11: Almacen „La Suerte“ bis Laprida

    October 1 in Argentina ☁️ 14 °C

    „La Suerte“, der Name des Almacén, bedeutet Glück und das war es auch: Unser Glück!
    Zum einen natürlich, dass wir dort schlafen durften, denn bei Dunkelheit mit dem Verkehr und ohne Standstreifen hätten wir nicht weiterfahren wollen. Zum anderen beschreibt es den Ausgang dieses Tages wohl ebenfalls.
    Beim Aufwachen ist es noch sehr kalt. Während wir im Zelt frühstücken, füttert die Besitzerin zwei freilaufende Kälbchen mit Milch aus der Flasche und zwei kleine Schäfchen laufen ebenfalls umher.
    Leider sind Lukas‘ Knieschmerzen nicht besser geworden und zudem kommt ein noch heftigerer Gegenwind.
    Wir kommen kaum voran. 40 km liegen bis zu einem Hotel vor uns, zu dem wir uns vorgenommen haben zu kommen. Nur 40 km. Trotzdem müssen wir immer wieder Pausen einlegen.
    Auch heute winken uns wieder ganz viele zu oder hupen. Manch einer hupt uns auch nur aus dem Weg. Wir heben häufiger den Daumen raus, um hoffentlich zu dem Hotel mitgenommen zu werden, sodass Lukas sein Knie nicht überreizt. Aber leider hält niemand an.
    Dann steht am gegenüberliegenden Straßenrand ein Polizeiauto. Der Polizist winkt uns auf die Seite. Als erstes grüßt er uns mit einem kumpelhaften Handschlag. Dann meint er, er sei von einem Autofahrer angerufen worden. Wir sollten weiter am Rand fahren und wenn Autos von vorne und hinten gleichzeitig kommen, müssen diese nicht etwa bremsen bis die Bahn für sie frei ist, nein, dann sollten wir doch einfach in den Straßengraben fahren, bis wieder genug Platz ist. Na toll!
    Wir fahren etwas zurückhaltender weiter und halten wieder den Daumen raus. Dann hält dich tatsächlich einer an. In einem kleinen grauen PKW sitzen drei drin. Der Fahrer steigt aus und fragt uns, ob alles ok ist. Wir erklären ihm von Lukas‘ Schmerzen und er bietet uns an, Lukas mit zu einer Apotheke zu nehmen. Da ich aber dann mit beiden Fahrrädern mitten im Nirgendwo alleine wäre, entscheiden wir uns dagegen.
    Also weiter, immer dem Wind entgegen. Immer wieder halte ich mir unser Ziel, das Hotel, vor Augen. Nur noch 20 km, noch 19 km, noch 15 km…es kommt näher und irgendwie auch doch nicht. Es ist zum Verzweifeln!
    Und dann kommt das Glück, von dem ich weiter oben gesprochen habe. Ein Pickup kommt uns entgegen, hält und wendet. Moment, den kennen wir doch! Ja, tatsächlich! Es ist Silvio, der Mann mit dem kleinen grauen Auto. Er ist extra nochmal hergekommen, um uns mit den Fahrrädern mitzunehmen. Das Auto hat er sich noch bei seiner Arbeitsstelle geholt.
    Wir laden die Räder auf die Ladefläche und fahren dann los. Er, wohnhaft in Laprida, fährt uns dorthin und direkt zu einer Apotheke. Dort bekommt Lukas Schmerzgel und Tabletten. Zunächst will uns Silvio dann zu dem besagten Hotel zurück fahren, bietet uns dann aber kurzerhand an, dass wir mit zu ihm können.
    Vor seinem Haus angekommen, steigt er zunächst aus und meint, er muss noch kurz seine Frau fragen. Die scheint nichts dagegen zu haben und so können wir die Fahrräder bei Silvio in der Garage und unsere Taschen im Wintergarten unterbringen. Dort dürfen wir auch übernachten.
    Als erstes gibt es natürlich den für Argentinien typischen Matetee, der traditionell geteilt wird. Silvio erklärt uns, dass es während Corona verboten war und jeder sein eigenes Getränk nutzen musste.
    Wir bekommen noch süße Teile, ähnlich denen von gestern, serviert und unterhalten uns über alles mögliche. Wir fragen ihn auch, ob er eine Möglichkeit weiß, wie wir mit den Fahrrädern nach Bahia Blanca kommen. Er erklärt uns, dass wir eventuell mit einem Lieferwagen mitfahren können und er das noch abklärt. Unsere Idee ist nämlich, diesen eher öden Abschnitt, gerade jetzt auch mit den Knieschmerzen, zu überspringen, in Bahia Blanca vielleicht einen Pausentag oder zwei einzulegen und dann mit neuer Energie und etwas mehr Puffer von dort aus weiterzufahren.
    Danach bietet er uns an uns noch an zwei besondere Plätze im Ort zu bringen. Das eine ist ein Friedhofskreuz, das größte von ganz Argentinien und es ist wirklich gigantisch. Auch die Gräber auf dem Friedhof sind atemberaubend. Es wirkt, als seien Könige dort untergebracht. Es ist nicht der erste Friedhof, der so besondere Gräber hat.
    Anschließend fahren wir noch zu einer Art Badepark. Dort kann man auch gegen einen kleinen Preis zelten oder mit Campern stehen und grillen, kommt man allerdings zur zum Schwimmen oder Picknicken her, ist der Park kostenlos. Und was für einer das ist!
    Nach dem Parkbesuch machen wir es uns noch etwas gemütlich und Lukas ruht sein Bein aus.
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