• Erster Tag auf dem CDT

    12 maggio, Stati Uniti ⋅ ☀️ 21 °C

    Endlich ging es los! Die Tage in Lordsburg waren mental nicht sehr einfach für mich. Während der Zeit dort musste ich viel darüber nachdenken, ob ich den Continental Divide Trail wirklich alleine laufen möchte und ob das überhaupt mein Ding ist. Ich habe das Gefühl, dass es jedes Mal schwerer für mich wird, meine Freunde, meine Familie und Freiburg zu verlassen. Dieses Mal war es wirklich extrem. Ich vermisse meine Lieben in der Heimat jetzt schon. Dabei hatte ich vor meiner Reise in die USA eine richtig tolle Zeit zuhause.

    Glücklicherweise lernte ich Brad kennen, der für denselben Tag ein Shuttle zur Grenze gebucht hatte. Wir verabredeten uns direkt zum Mittagessen und verstanden uns auf Anhieb gut. Danach gingen wir gemeinsam unsere Ausrüstung durch und nerdeten ein bisschen herum. Das hat Spaß gemacht. Anschließend verabredeten wir uns direkt noch zum Abendessen.

    In der Zwischenzeit kaufte ich noch ein paar Dinge ein und verschickte meine Pakete: eines zu Andi, meinem „Trailmanager“, und zwei nach Pie Town. Eins mit Essen, weil es dort kaum etwas gibt, und eins mit meiner Ausrüstung für Colorado sowie einem neuen Paar Schuhe.

    Insgesamt waren wir fünf CDT-Hiker, die sich an diesem Morgen auf den Weg zur Grenze machten: ein kanadisches Paar (MK & Thanksgiving), ein weiterer Deutscher (Patrick aka „Snake Food“) sowie Brad und ich. Zeitweise war es sehr still im Auto. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Nach den Tagen in Lordsburg konnte ich es kaum erwarten, endlich loszulaufen und meine Zweifel hinter mir zu lassen.

    Kurz vor der Grenze standen Wandernde, die sich gerade vom Shuttle abholen ließen. Einer davon wurde laut unserem Fahrer erst vor Kurzem zur Grenze gebracht, was ihn ziemlich verwundert hatte. Ob es ihm wohl gut geht?

    Dann war da noch ein junger Mexikaner ohne Rucksack. Vermutlich jemand, der illegal eingereist war und die Chance nutzen wollte, bevor der Grenzzaun vollständig fertiggestellt ist. Verrückt, dieser Zaun. Am bedrückendsten fand ich allerdings die mexikanisch aussehenden Bauarbeiter, die dort einen Zaun errichteten, um andere Mexikaner davon abzuhalten, illegal in die USA einzureisen.

    Nach ein paar Bildern am Southern Terminus ging es endlich los. Bis zum ersten Water Cache waren es ungefähr 14 Meilen. Meine 3,5 Liter Wasser reichten bis dort gut aus. Trotz Temperaturen von fast 40 Grad im Schatten lief es erstaunlich gut. Insgesamt trank ich an diesem Tag ungefähr sieben Liter Wasser. Schatten spendete mir dabei mein Sonnenschirm.

    Ursprünglich wollten wir noch bis zum zweiten Water Cache bei Meile 25,9 laufen, aber Brad konnte leider nicht mehr, weshalb wir früher unser Camp aufschlugen. Eigentlich hätte ich gerne noch weitergemacht — vor allem, weil ich lieber mehr Wasser zur Verfügung gehabt hätte — aber ich zog die Gesellschaft von Brad dem Alleinsein vor. Deshalb musste ich mein restliches Wasser stark rationieren, damit ich am nächsten Morgen noch genug für die acht Meilen bis zum zweiten Water Cache hatte. Insgesamt gibt es zwischen der Grenze und Lordsburg fünf dieser Water Caches.

    Nachdem wir angekommen waren, chillten wir erstmal eine Weile im Schatten, aßen gemeinsam und bauten später unsere Zelte auf. Nach einem weiteren Mittagsschlaf quatschten wir noch eine Zeit lang, während Brad eine Pfeife nach der anderen rauchte. Ich bin gespannt, ob sein Cannabiskonsum Auswirkungen auf seine Hikeability haben wird.

    Insgesamt war ich einfach super glücklich, als ich schließlich im Zelt lag. Die Stille der Wüste, die nur gelegentlich von Vogelgezwitscher oder Heuschrecken unterbrochen wurde, war wunderschön. Außerdem hatte ich keine einzige Blase, was mich wirklich überraschte. Normalerweise laufe ich bei solcher Hitze gefühlt 25 Meter und bekomme sofort Blasen. Auf dem PCT hatte ich, glaube ich, direkt am ersten Tag ungefähr zehn Stück.

    Letzter Gedanke des Abends: Auch wenn ich Brad mag — mit Jochen hätte ich wahrscheinlich interessantere Gespräche geführt als über die Wirkungsweise unterschiedlicher Cannabissorten. 😁
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