Erster Tag auf dem CDT
May 12 in the United States ⋅ ☀️ 21 °C
Endlich ging es los! Die Tage in Lordsburg waren mental nicht sehr einfach für mich. Während der Zeit dort musste ich viel darüber nachdenken, ob ich den Continental Divide Trail wirklich alleine laufen möchte und ob das überhaupt mein Ding ist. Ich habe das Gefühl, dass es jedes Mal schwerer für mich wird, meine Freunde, meine Familie und Freiburg zu verlassen. Dieses Mal war es wirklich extrem. Ich vermisse meine Lieben in der Heimat jetzt schon. Dabei hatte ich vor meiner Reise in die USA eine richtig tolle Zeit zuhause.
Glücklicherweise lernte ich Brad kennen, der für denselben Tag ein Shuttle zur Grenze gebucht hatte. Wir verabredeten uns direkt zum Mittagessen und verstanden uns auf Anhieb gut. Danach gingen wir gemeinsam unsere Ausrüstung durch und nerdeten ein bisschen herum. Das hat Spaß gemacht. Anschließend verabredeten wir uns direkt noch zum Abendessen.
In der Zwischenzeit kaufte ich noch ein paar Dinge ein und verschickte meine Pakete: eines zu Andi, meinem „Trailmanager“, und zwei nach Pie Town. Eins mit Essen, weil es dort kaum etwas gibt, und eins mit meiner Ausrüstung für Colorado sowie einem neuen Paar Schuhe.
Insgesamt waren wir fünf CDT-Hiker, die sich an diesem Morgen auf den Weg zur Grenze machten: ein kanadisches Paar (MK & Thanksgiving), ein weiterer Deutscher (Patrick aka „Snake Food“) sowie Brad und ich. Zeitweise war es sehr still im Auto. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Nach den Tagen in Lordsburg konnte ich es kaum erwarten, endlich loszulaufen und meine Zweifel hinter mir zu lassen.
Kurz vor der Grenze standen Wandernde, die sich gerade vom Shuttle abholen ließen. Einer davon wurde laut unserem Fahrer erst vor Kurzem zur Grenze gebracht, was ihn ziemlich verwundert hatte. Ob es ihm wohl gut geht?
Dann war da noch ein junger Mexikaner ohne Rucksack. Vermutlich jemand, der illegal eingereist war und die Chance nutzen wollte, bevor der Grenzzaun vollständig fertiggestellt ist. Verrückt, dieser Zaun. Am bedrückendsten fand ich allerdings die mexikanisch aussehenden Bauarbeiter, die dort einen Zaun errichteten, um andere Mexikaner davon abzuhalten, illegal in die USA einzureisen.
Nach ein paar Bildern am Southern Terminus ging es endlich los. Bis zum ersten Water Cache waren es ungefähr 14 Meilen. Meine 3,5 Liter Wasser reichten bis dort gut aus. Trotz Temperaturen von fast 40 Grad im Schatten lief es erstaunlich gut. Insgesamt trank ich an diesem Tag ungefähr sieben Liter Wasser. Schatten spendete mir dabei mein Sonnenschirm.
Ursprünglich wollten wir noch bis zum zweiten Water Cache bei Meile 25,9 laufen, aber Brad konnte leider nicht mehr, weshalb wir früher unser Camp aufschlugen. Eigentlich hätte ich gerne noch weitergemacht — vor allem, weil ich lieber mehr Wasser zur Verfügung gehabt hätte — aber ich zog die Gesellschaft von Brad dem Alleinsein vor. Deshalb musste ich mein restliches Wasser stark rationieren, damit ich am nächsten Morgen noch genug für die acht Meilen bis zum zweiten Water Cache hatte. Insgesamt gibt es zwischen der Grenze und Lordsburg fünf dieser Water Caches.
Nachdem wir angekommen waren, chillten wir erstmal eine Weile im Schatten, aßen gemeinsam und bauten später unsere Zelte auf. Nach einem weiteren Mittagsschlaf quatschten wir noch eine Zeit lang, während Brad eine Pfeife nach der anderen rauchte. Ich bin gespannt, ob sein Cannabiskonsum Auswirkungen auf seine Hikeability haben wird.
Insgesamt war ich einfach super glücklich, als ich schließlich im Zelt lag. Die Stille der Wüste, die nur gelegentlich von Vogelgezwitscher oder Heuschrecken unterbrochen wurde, war wunderschön. Außerdem hatte ich keine einzige Blase, was mich wirklich überraschte. Normalerweise laufe ich bei solcher Hitze gefühlt 25 Meter und bekomme sofort Blasen. Auf dem PCT hatte ich, glaube ich, direkt am ersten Tag ungefähr zehn Stück.
Letzter Gedanke des Abends: Auch wenn ich Brad mag — mit Jochen hätte ich wahrscheinlich interessantere Gespräche geführt als über die Wirkungsweise unterschiedlicher Cannabissorten. 😁Read more
Kuschelkurs mit einer Klapperschlange 🐍
May 13 in the United States ⋅ 🌙 18 °C
Mit einer Verspätung von zehn Minuten begann unser zweiter Tag um 5:30 Uhr. Eigentlich wollten wir um 5:00 Uhr aufstehen und spätestens um 5:20 Uhr loslaufen, aber uns beiden fehlt offenbar noch die Routine beim morgendlichen Zusammenpacken. Trotzdem war ich stolz darauf, dass wir überhaupt schon so früh unterwegs waren.
Der Weg führte unterhalb des Big Hatchet entlang. einer wunderschönen Bergformation, mitten in der Wüste. Mit der Navigation hatten wir allerdings so unsere Schwierigkeiten. Teilweise liefen wir minutenlang off trail, nur um später wieder auf den eigentlichen Weg zu stoßen. Alles in allem verlief der Morgen aber ziemlich gut und wir kamen zügig voran, bis wir den etwa acht Meilen entfernten Water Cache erreichten.
Dort trafen wir erneut das kanadische Pärchen, MK und Thanksgiving. Wir unterhielten uns eine Weile und gönnten uns eine längere Pause. Sie fragten uns, ob wir die Klapperschlangen gesehen hätten. Ich erzählte daraufhin, dass ich beinahe auf eine draufgetreten wäre. Lustigerweise war Thanksgiving fast auf dieselbe Schlange getreten. Ich glaube, wir hatten beide Glück. Vermutlich hatte die Schlange gerade eine Maus im Bauch und war deshalb nicht besonders angrifflustig.
Nach der Pause schafften wir allerdings nur ungefähr zwei weitere Meilen, bis Brad völlig erschöpft war. Ich schlug vor, unter einem Baum Pause zu machen. Dort hatten wir tatsächlich eine ziemlich lustige Zeit und unterhielten uns gut. Nach etwa drei Stunden ging es gegen 14 Uhr weiter. Brad meinte, er sei wieder topfit, konsumierte noch ein paar Dope-Gummischlangen und rauchte Gras.
Leider kam es dann genau so, wie ich es bereits vermutet hatte. Nach ungefähr zwanzig Minuten machte er an einem kleinen Hügel schlapp. Er meinte, ihm fehle einfach die Ausdauer und die Sonne mache ihn fertig, obwohl es zu diesem Zeitpunkt bereits bewölkt war. Für mich war irgendwie klar, dass Cannabis und Wandern, besonders in der Wüste, keine gute Kombination sind.
Ich blieb zunächst bei ihm und wollte ihn unterstützen, hatte aber gleichzeitig das Gefühl, dass er lieber für sich sein wollte. Er sagte, dass er mich nur aufhalte und ich besser weiterlaufen solle, wenn ich den Trail in hundert Tagen schaffen wolle. Eigentlich hatte er das schon am Vortag gesagt. Schließlich vereinbarten wir, dass ich die etwa sechs Meilen bis zur nächsten Wasserquelle weiterlaufe und dort auf ihn warte.
Ganz wohl war mir bei dem Gedanken nicht. Ich fragte ihn mehrfach, ob das wirklich okay für ihn sei und ob er sich körperlich in der Lage fühlte, den restlichen Weg alleine zu gehen. Er meinte, er brauche nur noch eine Pause und würde dann nachkommen.
Während ich alleine unterwegs war, machte ich mir viele Gedanken. Sollte ich ohne ihn weiterlaufen? Oder lieber bei ihm bleiben? Dazu kam der immer stärker werdende Wind und die dunkler werdenden Wolken. Es sah ganz danach aus, als würde Regen kommen. Vielleicht sogar ein Gewitter.
Super, dachte ich. Erst der Kampf mit der Einsamkeit — und jetzt auch noch Gewitter. Meine zwei größten Ängste auf dem Trail.
Als ich bereits eine Weile am Water Cache saß, dachte ich irgendwann, dass ich Brad spätestens nach zwei Stunden entgegenlaufen würde. In der Zwischenzeit hatte ich uns einen Zeltplatz gesucht und mein Bidet ausprobiert, welches tatsächlich erstaunlich gut funktionierte. Jochen würde jetzt wahrscheinlich sagen: „Da ist untenrum dann alles schön frisch.“ 😁
Nach ungefähr zwei Stunden schrieb ich Brad eine Nachricht, erhielt aber keine Antwort. Gerade als ich mich entschied, ihm entgegenzulaufen, raschelte es plötzlich hinter mir. Ich stand auf und ging dem Geräusch nach. Im nächsten Moment hörte ich ein bedrohliches Klappern.
Eine Klapperschlange. Vielleicht zwanzig Zentimeter hinter mir!
Ich bekam fast einen Herzinfarkt und sprang auf. Problematisch war nur: Meine Wanderstöcke, mein Rucksack, meine Schuhe und mein Wasserfilter lagen noch direkt neben ihr. Jeden Versuch, meine Sachen zurückzuholen, beantwortete die Schlange mit immer aggressiverem Klappern. Ich konnte mich ihr nicht einmal auf fünf Meter nähern, ohne dass sie komplett am Rad drehte.
Also stand ich dort. Vierzig Minuten lang. In sicherem Abstand. Mitten in der Sonne. Bewacht von einer wütenden Klapperschlange, bis schließlich Brad auftauchte.
Er war dehydriert und mental völlig fertig. Ich begrüßte ihn mit:
„Ich bin froh, dich zu sehen. Wie geht’s dir?“
Seine Antwort:
„Ich hätte dich gerne zwei Meilen früher mit zwei Wasserflaschen in der Hand gesehen.“
Er war angepisst. Verständlicherweise. Er war dehydriert. Und es tat mir auch leid. Ich hatte tatsächlich vorgehabt, ihm Wasser entgegenzubringen, aber diese verdammte Klapperschlange hatte mich einfach nicht durchgelassen.
Natürlich hatte sich die Schlange genau in dem Moment verzogen, als Brad ankam.
Ich gab ihm erstmal Elektrolyte und er trank fast zwei Liter Wasser. Anschließend zeigte ich ihm einen Platz für sein Zelt und wir unterhielten uns noch kurz. Er meinte, dass er generell wohl nicht mehr als zwanzig Meilen pro Tag schaffen würde und ich besser ohne ihn weiterlaufen solle. Wir vereinbarten aber, am nächsten Morgen nochmal in Ruhe darüber zu sprechen.
Der Sonnenuntergang war dafür absolut genial.
Neben dem starken Wind und meiner Angst vor einem Gewitter plagte mich an diesem Abend vor allem mein schlechtes Gewissen… Wäre ich doch einfach früher mit Wasser zurückgelaufen.Read more
Huch, was ist denn unter meinem Zelt? 🦂
May 14 in the United States ⋅ ☀️ 16 °C
Um 5 Uhr packte ich mein Zeug zusammen — und siehe da: Was lag unter meinem Zelt? Ein Skorpion! Leider verschwand er so schnell, dass ich kein Foto machen konnte. Ihr müsst mir also einfach glauben.
Nachdem ich fertig gepackt hatte, ging ich zu Brad und fragte ihn, ob er zusammen mit mir loslaufen wollte. Er entschied sich allerdings dazu, nur bis zum nächsten Highway zu gehen und von dort aus in eine kleine Stadt zu fahren. Er wollte einen Pausentag einlegen, um sich zu erholen, seine Blasen zu behandeln und seine Isomatte zu reparieren, die in der Nacht kaputtgegangen war.
So lief ich also alleine weiter.
Im Laufe des Tages war ich einerseits traurig darüber, nun ohne Wanderpartner unterwegs zu sein, andererseits aber auch erleichtert. Ich hatte mit Brad eine tolle, wenn auch kurze, Zeit, aber sein massiver Drogenkonsum löste in mir zunehmend Bedenken aus.
Direkt bei Sonnenaufgang hatte ich schon wieder das Vergnügen mit einer Klapperschlange. Diese verfluchten Dinger sehen einfach exakt aus wie die Kuhfladen, die hier überall herumliegen! Besonders morgens und abends muss ich deshalb extrem aufmerksam sein. Später am Abend warnte mich erneut eine Klapperschlange davor, ihr zu nahe zu kommen. Ich wollte eigentlich nur ein Landschaftsbild machen und war ihr dabei wohl etwas zu nah gekommen.
Heute schaffte ich insgesamt 31 Meilen. Allerdings war ich am Abend, als ich zwischen zwei Felsen meine Ramen aß, völlig fertig. Deshalb entschied ich mich spontan, genau dort mein Zelt aufzuschlagen.
Tagsüber führte der Weg durch endlose Steppe, ohne jeglichen Schatten und mit starkem Gegenwind. Ich war komplett durch. Deshalb beschloss ich, am nächsten Tag eine Nacht in der Econo Lodge in Lordsburg zu verbringen. Ich hatte einfach Lust auf McDonald’s. Außerdem war ich komplett klebrig vom Schweiß und meine Haut juckte inzwischen überall. Ich sehnte mich einfach nur nach einer Dusche.
Learnings aus dem ersten Abschnitt:
Die Kombination aus meinen Altra Lone Peaks Schuhen und den dünnen Laufsocken von Darn Tough funktioniert für mich in der Wüste bisher perfekt. Ich hatte auf dem gesamten Abschnitt nur eine einzige Blase.Read more
Big M
May 15 in the United States ⋅ ☀️ 17 °C
Heute Morgen ging es etwas später los, als ich eigentlich wollte. Der gestrige Tag steckte mir noch ordentlich in den Knochen, selbst wenn ich noch etwas verschlafen gewesen wäre. Spätestens als mich eine Klapperschlange freundlich daran erinnerte, nicht auf sie zu treten, war ich allerdings hellwach.
Ich muss hier tatsächlich jeden Morgen extrem aufpassen, nicht versehentlich auf eine Klapperschlange zu treten, weil die Tiere es offenbar lieben, morgens mitten auf dem Trail zu entspannen. Dieses Exemplar wirkte allerdings alles andere als entspannt. So lautes Klappern hatte ich bisher noch nicht gehört.
Die Strecke nach Lordsburg verging dagegen wie im Flug. Ich telefonierte mit Freunden und Familie, hörte Musik und begann das Hörbuch „Die Tore der Welt“. Jochen und ich hatten damals auf dem AT gemeinsam bereits das Vorgängerwerk „Die Säulen der Erde“ gehört, weshalb ich besonders gespannt auf dieses hier bin.
In Lordsburg angekommen organisierte ich mir erstmal ein Zimmer und ging, natürlich noch komplett ungeduscht, direkt zu McDonald’s. Danach standen die üblichen Town-To-dos auf dem Programm: duschen, Wäsche waschen (lassen) und Resupply erledigen.
Außerdem schaute ich mir den Trail für die kommende Woche genauer an. Morgen stehen direkt 23 Meilen ohne Wasser an.
Das wird herrlich …Read more
Geschichten ausm Paulaner Garten
May 16 in the United States ⋅ 🌙 12 °C
So langsam kann ich meine eigenen Stories nicht mehr glauben. Heute Morgen wollte ich früh loslaufen, da 23 Meilen ohne Wasser vor mir lagen und ich den Großteil in der kühlen Morgenluft bewältigen wollte. Natürlich wurde es später als geplant. Trotzdem ging es noch recht zeitig los. Allerdings merkte ich nach wenigen Minuten, dass ich die Schlüsselkarte vom Hotel noch in der Hosentasche hatte. Also durfte ich erst mal wieder zehn Minuten zurücklaufen, um sie abzugeben.
Als ich dann endlich richtig startete, konnte ich noch ein paar Sprachnachrichten an Freunde schicken und mit meinem Vater telefonieren.
Während des Telefonats kam ich an eine Kreuzung, an der ein Auto mit offenem Fenster anhielt. Kurz dachte ich schon, dass mich um sechs Uhr morgens irgendeine dubiose Person anquatschen wollte. Es war allerdings nur ein Polizist, der mich freundlicherweise über die Straße gehen ließ.
Kaum hatte ich das Gespräch mit meinem Vater beendet, rannte plötzlich ein Hund auf mich zu und knurrte mich heftig an. Ich konnte ihn mit meinen Stöcken auf Abstand halten und zurückdrängen. In genau diesem Moment kam der Polizist angefahren und verjagte den Hund mit seinem Auto. Er wäre beinahe über ihn drübergefahren, hielt ihn aber ziemlich souverän in Schach. Der Hund versuchte immer wieder, zu mir zu kommen, wurde jedoch vom Polizisten abgehalten, der sein Auto ständig zwischen uns manövrierte. Ich war ihm wirklich unglaublich dankbar und rief ihm ein lautes „Thank you!“ hinterher. Er antwortete mit einem noch lauteren „You’re welcome!“
Das ist schon wieder so eine Geschichte, die ich selbst kaum glauben würde, die aber wirklich keine Story aus dem Paulaner Garten ist. 😁
Der Vormittag lief ansonsten ganz gut, auch wenn ich mich einmal verlief und dadurch etwa 45 Minuten verlor. Immerhin lagen kleinere Berge vor mir, die etwas Schatten versprachen.
Oben auf einem der Berge wagte ich noch einmal einen letzten Blick zurück und konnte Lordsburg und die Big Hatchet Mountains sehen. Was für eine schöne Verabschiedung! Ein Blick zurück lohnt sich manchmal eben doch. Vor allem war ich in diesem Moment stolz darauf, diesen Teil der Wüste geschafft zu haben. Und das sogar ganz ohne Schlangenbiss. 😂
Der restliche Tag bescherte mir noch einen unerwarteten Anstieg, den ich aber sehr gerne in Kauf nahm, da ich endlich unter Nadelbäumen im Schatten laufen konnte. Was für ein Gefühl! Dabei hörte ich „Cardigan Song“ von Kikagaku Moyo und war einfach glücklich.
Auf dem Weg zum letzten Water Cache des Tages, das von Trail Angels betrieben wurde, traf ich einen Mann, der mich fragte, ob ich Wasser bräuchte. Das ist wirklich unfassbar nett, vor allem wenn man bedenkt, dass es hier keinerlei natürliche Wasserquellen gibt.
Abends gab es am Water Cache nach fast 32 Meilen erst einmal eine warme Sprite. Wie geil! Meine erste richtige Trail Magic.
Nach zwei Portionen Ramen mit Thunfisch und einer Behandlung meiner Blase bin ich direkt eingeschlafen. Allerdings schlief ich etwas unruhig, weil ich bei der Suche nach meinem Zeltplatz meinte, Bärenspuren gesehen zu haben. Außerdem stand dort noch ein großes Schild mit der Aufschrift „Bear Country“ inklusive entsprechender Hinweise.Read more
Der mit dem Wolf tanzt 🐺
May 17 in the United States ⋅ ☀️ 34 °C
An diesem Morgen wünschte ich mir, noch ein paar Stunden länger schlafen zu können. Allerdings musste ich früh raus, um einen größeren Berg in der Kühle zu bewältigen. Ich snoozte etwas länger, als ich wollte, packte dann aber zügig meine Sachen zusammen und ging los.
Glücklicherweise kamen keine Bären zu meinem Zelt. 😁
Die etwa 600 Meter Aufstieg zu diesem Berg, den ich schon am Vortag gesehen hatte – dem mit den Antennen auf der Spitze – waren der steilste Anstieg, seitdem ich auf dem CDT unterwegs bin. Es lief überraschend gut und ich genoss das neue Umfeld. Den halben Morgen war ich zwischen Bäumen unterwegs und durfte endlich wieder Nadelwald riechen.
Gegen Mittag kam ich an einem Water Cache an und machte dort eine kleine Pause. Die nächsten 15 Meilen zogen sich allerdings. Irgendwie kostete mich der Anstieg doch mehr Kraft, als ich erwartet hatte. Die Landschaft war leider auch nicht besonders spannend, bis ich schließlich in einen Canyon kam. Dort war es unglaublich schön.
Außerdem hatte ich dort die Gelegenheit, einen Kojoten oder vielleicht sogar einen Wolf zu sehen. Erst dachte ich, es wäre ein Wolf, war mir dann aber doch nicht sicher. Das Tier war auf jeden Fall größer als ein Schäferhund. On top habe ich keine Stunde später auch noch Spuren von Bären gesehen. Hier scheint wirklich tierisch was los zu sein.
Kurz vor dem zweiten Water Cache traf ich auf eine Frau, die gerade mit ihrem Hund spazieren war. Sie fragte mich, ob ich Wasser benötigte, was ich dankend ablehnte, da ich kurz vor dem Cache war. Sie meinte, dass dort genug Wasser sei, weil sie gerade selbst welches hingebracht hatte. Ich bedankte mich herzlich dafür, dass sie die Wanderer mit Wasser versorgt.
Im Gespräch bestätigte sie mir, dass es hier in der Gegend Kojoten gebe und Wölfe vermutlich erst weiter nördlich unterwegs seien. Außerdem meinte sie, dass hier gelegentlich ein einzelner Schwarzbär herumstreife und die Fußabdrücke, die ich ihr zeigte, vermutlich von diesem stammten.
Abschließend kann ich nicht sagen, ob es ein Kojote oder ein New Mexican Wolf war, aber es war ein tolles Erlebnis, ein solches Tier in der Wildnis zu sehen. Leider war das Tier so schreckhaft, dass ich es nur für einen kurzen Augenblick zu Gesicht bekam.
Spannend war auch, wie viel die Frau über diese Gegend wusste. Ich fragte sie, ob sie Rangerin sei. Sie musste lachen und sagte: „Nein, bin ich nicht. Aber ich bin im Search-and-Rescue-Team, falls hier Wanderer verloren gehen.“ Der Hund sei sogar ein Suchhund.
Nachdem wir uns verabschiedet hatten, lief ich noch etwa eine Meile weiter und schlug mein Zelt auf. Ich versuchte, ein wenig aus dem Tal herauszukommen, um möglichst weit weg von dem Bären zu sein.
Im Zelt schlief ich dann ziemlich schnell ein.Read more
Eine 💩-Geschichte muss dann halt doch noch sein. 😁
May 18 in the United States ⋅ 🌙 12 °C
Kurz vor dem Schlafengehen hatte ich gestern einen wahnsinnigen Durst, weshalb ich abends im Zelt noch sehr viel getrunken hatte. Das führte dazu, dass ich um kurz vor fünf Uhr mit einem unfassbar dringlichen Bedürfnis aufwachte. Bis ich meine Stirnlampe im Zelt gefunden hatte, war es fast schon zu spät. Glücklicherweise ging alles gut und ich war innerhalb weniger Sekunden aus dem Zelt und konnte mich erleichtern.
In diesem Moment der Entspannung sah ich diesen wundervollen Sternenhimmel. Ich schlief direkt unter der Milchstraße.. zumindest glaube ich das. 😁 Das war unglaublich. Aufgrund der geringen Lichtverschmutzung sah ich den Sternenhimmel klarer denn je. Irgendwie war mir das vorher noch gar nicht so aufgefallen. Aus dem Zelt heraus versuchte ich noch, dieses Schauspiel mit einem Foto festzuhalten. Ganz gelungen ist es mir allerdings nicht, aber seht selbst. 😊
Nach einer weiteren Stunde erholsamen Schlafs packte ich meine Sachen zügig zusammen und machte mich auf den Weg nach Silver City. Heute war Townday und ich freute mich auf eine Dusche und leckeres Town Food.
Die etwa 15 Meilen nach Silver City musste ich in glühender Hitze entlang des Highway 180 laufen. Das war ein Spaß! Obendrauf musste ich auch noch mein großes Geschäft wenige Meter neben dem Highway erledigen, da links und rechts davon Privatgrundstücke liegen und ich nur den Seitenstreifen hatte.
Ein Baum diente mir zumindest für die stadtauswärts fahrenden Fahrzeuge als Sichtschutz. Autos, die in die Stadt fuhren, hatten hingegen mehrere hundert Meter lang die Gelegenheit, mich in dieser Situation zu beobachten. Jedes Mal, wenn das der Fall war, kruschtelte ich in meinem Rucksack herum und tat so, als würde ich etwas suchen. 😁
Vermutlich haben die meisten gecheckt, was dieser Mann mit heruntergelassener Hose da eigentlich tat, aber es fühlte sich zumindest für mich etwas würdevoller an. Und wer weiß? Vielleicht hat mein Ablenkungsmanöver ja tatsächlich funktioniert. 😅
Um mir den Roadwalk so angenehm wie möglich zu gestalten, telefonierte ich mit Familie, Freunden und Kollegen. Da verging die Zeit wie im Flug, auch wenn die unmittelbare Umgebung nicht gerade viel Abwechslung bot.
Die Highlights des Tages waren zum einen, dass ich die Bergkette sehen konnte, auf deren Grat ich am Vortag gewandert war. Zum anderen überquerte ich zum ersten Mal wissentlich die Kontinentalscheide, den Namensgeber des Trails. Das war schon ein sehr besonderes Gefühl!
Zu diesem Zeitpunkt telefonierte ich sogar gerade mit Jochen, der an exakt derselben Stelle im Jahr 2024 ein Foto gemacht hatte – allerdings bei Nacht.
Außerdem lief ich noch an einem Kuhkadaver vorbei, der sich bereits mehrere Minuten zuvor durch einen fürchterlichen Verwesungsgeruch angekündigt hatte. Dieser Gestank blieb mir dann auch eine Zeit lang in der Nase…
Die letzten drei Meilen bis zur Stadtmitte zogen sich, und meine Gedanken trübten zunehmend meine Stimmung. Als ich dort am Highway meinem großen Geschäft nachging, hinterfragte ich mein Vorhaben.
Es war immer mein Traum, eines Tages die Triple Crown zu schaffen. Aber in diesem Moment fühlte sich die ganze Sache irgendwie falsch an. Die letzten drei Tage waren vor allem reines Meilenmachen mit einzelnen Highlights. Der Spaß an der Sache selbst fehlte mir allerdings. Mir fehlte es abends über die Erlebnisse des Tages zu sprechen.
Ich entschloss mich letztlich dazu, eine Nacht im Hotel zu verbringen, über meine Situation nachzudenken und meine Gedanken mit Family & Friends zu teilen.
Bevor es allerdings ins Motel 6 ging, gönnte ich mir erst einmal einen Burrito. Und der war einfach unglaublich geil! 😍Read more
Oh wie schön ist Panama! (Abbruch)
May 19 in the United States ⋅ ☀️ 17 °C
In Silver City hatte ich mich dazu entschieden, meine Wanderung abzubrechen. Leicht fiel mir diese Entscheidung nicht. Die ganze Nacht über evaluierte ich meine Optionen und ging immer wieder verschiedene Szenarien durch. Erst als ich am nächsten Morgen ein Uber zum nahegelegenen Flughafen bekam, nachdem ich es schon am Vorabend gebucht hatte, war die Sache für mich endgültig beschlossen.
Es geht über Phoenix zurück nach Deutschland.. zurück zu meinen Eltern. 🙂
Jetzt stellt sich natürlich die Frage, warum ich so schnell abbreche. Glaubt mir, die stelle ich mir vor allem selbst.
Von Beginn an bin ich mit einem unguten Gefühl in dieses Projekt gestartet. Vorfreude war definitiv da, aber eben auch jede Menge Zweifel. Die Wochen vor dem Trail waren einfach wunderschön. Ich habe viel mit Freunden unternommen, ein tolles Wochenende mit meiner Familie verbracht und vor allem eine abartig geile Zeit mit meiner (erweiterten) WG gehabt. Dazu kam das Frühlingserwachen in Freiburg. Ich liebe diese Stadt! 🤍❤️ Mein Panama!
In der BWL gibt es den Begriff der Pfadabhängigkeit. Vereinfacht bedeutet das: Je mehr Entscheidungen man bereits getroffen hat, desto schwerer wird es, noch einmal die Richtung zu ändern.
Genau so fühlte sich dieses Projekt für mich an. Nach der Flugbuchung hätte ich noch absagen können. Auch nachdem mein Sonderurlaub genehmigt wurde, wäre das noch möglich gewesen. Spätestens als mein Zimmer untervermietet war, gab es praktisch kein Zurück mehr. Nicht, weil es unmöglich gewesen wäre, sondern weil bereits so viel Zeit, Geld und Planung in dieses Vorhaben geflossen waren.
Ein Jahr lang war mein Leben auf den CDT ausgerichtet. Urlaub wurde gespart, Geld zurückgelegt, Abos gekündigt. Beispielsweise hatte ich 2025 gerade einmal vier Urlaubstage genommen. In den letzten Wochen vor der Abreise vermied ich Aktivitäten mit Verletzungsrisiko und löschte sogar meine Dating-Apps!! 😂
Das alles ist Teil der mentalen Vorbereitung auf ein solches Abenteuer. Problematisch wird es nur, wenn die Zweifel erst dann auftauchen, wenn bereits alles organisiert ist. Genau das war bei mir der Fall. Vier Wochen vor dem Start waren die ersten Zweifel da. Nicht stark genug, um die Reise abzusagen, aber stark genug, um mich täglich zu begleiten.
Und dann steht man irgendwann auf dem Trail, läuft bei 35 Grad am Highway entlang, verrichtet sein großes Geschäft hinter einem Baum und fragt sich plötzlich ganz ehrlich: Macht mir das hier eigentlich Spaß?
Bei mir war die Antwort irgendwann: Nein.
Mir fehlte das, was eine solche Wanderung für mich ausmacht. Das gemeinsame Erleben, Leiden und Teilen mit anderen Menschen. Auf allen Trails, auf denen ich bisher unterwegs war, spielte das Zwischenmenschliche eine zentrale Rolle. Man lacht zusammen, man leidet zusammen, man kotzt gemeinsam ab, man genießt die schönen Momente und freut sich miteinander. So etwas schweißt zusammen. So entstehen Freundschaften, die einen Trail überdauern.
Dass ich dabei vor allem an Jochen denke, dürfte den meisten klar sein. Aber auch andere Begegnungen haben mich geprägt. Beispielsweise Jolly Green Giant vom AT. Er hat mich letztes Jahr in Freiburg besucht. Als ich ihn nun aus Silver City kontaktierte und scherzhaft fragte, ob ich ihn vielleicht in Alaska besuchen sollte, bot er mir tatsächlich an, mir den Schlüssel für sein Motorrad zu schicken, um damit durch Alaska zu fahren, während er selbst bei seinen Eltern in Virginia ist. Das Angebot war unglaublich großzügig! Angenommen habe ich es aber nicht. Lieber besuche ich ihn in Fairbanks, wenn er selbst dort ist. 🙂
Letztendlich bereue ich nicht, dass ich es versucht habe. Ich wollte mir zumindest die Chance geben. Ich hätte es mir nie verziehen, wenn ich es nach 2024 nicht noch einmal probiert hätte, die Triple Crown of Hiking zu bekommen.
Ich hätte es mir aber genauso vorgeworfen, weiterzumachen, obwohl ich keinen Spaß an der Sache hatte, nur um dann irgendwann an einer noch ungünstigeren Stelle abzubrechen.
Das klingt vielleicht ein wenig nach einer Ausrede. Das weiß ich selbst. Leicht gemacht habe ich es mir allerdings nicht. Tatsächlich war ich in Silver City sogar an einem Punkt, an dem Weiterlaufen für mich die einfachere Entscheidung gewesen wäre. Aber das wäre nicht ich. Ich muss nicht drei Monate meiner Freizeit für etwas opfern, das mir keinen Spaß macht.
"The PCT breaks your heart, the AT breaks your body and the CDT breaks your mind."
Dieser Aussage kann ich nach wie vor nur zustimmen.
Wie es nun zu Hause weitergeht, weiß ich noch nicht. Einfach wird das sicherlich nicht. Trotzdem bin ich mir sicher, dass ich zwei oder drei wunderbare Monate vor mir haben werde. Und von denen werde ich am Ende meiner Auszeit berichten.
Ich habe das Gefühl, dass ich den Sommer meines Lebens haben werde. 😊
Lesson learned: Happiness is only real when shared!
Zum Schluss möchte ich mich noch bei all meinen Lieben für den unglaublichen Support bedanken. Allen voran bei meinen Eltern, meinem Bruder, Jochen, Andi & Julia, Christina, Nina & Max sowie der IGM Großwiehre.
Auch meinen Kollegen bin ich sehr dankbar, die mir den Rücken freihalten und mir diese Auszeit überhaupt ermöglichen.Read more


































































































































































































Wünsch Dir viel Spaß u. Erfolg… [Easy Uwe]
TravelerEndlich geht es loooos! Ganz viel Erfolg und tolle Momente wünsch ich dir! Hoffen wir, dass das mit den Blasen so bleibt.
TravelerUi du bist schon unterwegs. Viel Spaß und ich drücke alle Däumchen, dass es super läuft 🐷
TravelerGanz viel Erfolg!