• La Flégère nach Les Houches

    August 30 in France ⋅ ☀️ 23 °C

    Der Morgen ist vom weißen Riesen bestimmt. Dem Mont Blanc! Nahezu wolkenfrei richten wir beim Kaffee unsere Blicke Richtung Süden zum Massiv. Der Tag droht mit bestem Wetter!

    Die Nacht war wieder kühler als die Tage zuvor. Auf die 3,5 Grad an unserem Zelt haben wir uns allerdings besser eingestellt als gestern. Der Berg macht halt das Wetter und was das bedeutet haben wir 2023 schon auf unser Kombi Wanderung TMB x WHR kennenlernen dürfen. Eiskristalle prasselten damals die gesamte Nacht gegen unsere Zeltwände und schenkten uns eine unverwechselbare Nacht. Schneetreiben Anfang August am Grande Col de Ferret. Der Berg hat hier das Sagen und auch an diesem Tag vernehmen wir ab und an ein Grollen und poltern von Eis und Stein, die der Berg losgelassen hat.

    Unser Ziel ist heute Les Houches! Wir rechnen mit meist einfach zu gehenden Wegen, was wieder mal zeigt, wir haben uns nicht vorbereitet. 🙈 Naja, und alles was Louder nur wenige Wochen vorher berichtet haben wir uns nicht gemerkt. 🫠

    Es geht etwas bergab zum Refuge La Flégère. Wir sind komplett trocken gelaufen und leer. Aber was ist denn hier los?
    An diesem Wochenende ist UTMB? Dann gehörten die Läufer gestern auch dazu? Crazy! (Das erklärt auch die horrenden Hotelzimmerpreise in Les Houches!) Am vermeintlichen Checkpoint hier oben am Refuge steht auf der Digitalanzeige 15:45 Uhr. Das wird sicherlich das Timelimit sein. Kommst du später als die Zeit, bist du raus! Wir fragen Google was hier los ist und werden fündig. Während der Sieger in unter 19 Std die 170 Kilometer und 10.000 HM hoch und runter, rund um das Massiv bewältigte und seit mehr als 20 Std. seinen Sieg feiert, schleppen sich immernoch tapfere Athleten weiter wie kryptische Figuren über die Strecke, um am heutigen Tage vor Ablauf des Timelimits nach Chamonix ins Ziel zu schaffen. Teils sieht das wirklich nicht mehr gesund aus. Aber Respekt und Anerkennung für eure Leistung!

    Im Refugee gibt es Wasser und einen Crêpe zum Start in den Tag. Mit dem UTMB Läufern haben wir im weiteren Tagesverlauf keine Überschneidungen mehr.

    Der Trail führt auf einfachen Wegen leicht bergauf und bergab, bevor es final zum Aufstieg des Le Brévent auf 2.525 Meter geht. In Serpentinen geht es steil mit größeren Stufen bergauf. Am Ende wird es noch mal spannend. Der Trail verliert sich im Blockgelände und wir suchen nach den gelben Markierungen, um auf der Spur zur bleiben. Etwas klettern bleibt final auch nicht aus. Leitern helfen senkrechte Passgen zu meistern. Oben am Gipfel ist eine Seilbahn und es ist hier mehr hässlich als schön. Der Ausblick allerdings ist überwältigend. Das brillante Wetter spielt uns in die Karten. Es ist eine Menge los. Wir brauchen Energie und Wasser und bestellen 2 Cola, 2 Wasser und 2 Sandwich = 39€. 😳 HusteHuste!
    Zum ersten Mal auf dieser Tour bezahlen wir für Wasser Geld. Naja…

    Auf geht es in den finalen Abstieg. Etwa 1.550 Meter geht’s bergab. Herr oder Frau Murmeltier ist auf der Suche und lässt sich nicht Stören. In einer Kurve stehen die Steinböcke am Rand des Trails und gucken. Bewegungslos und ruhig stehen klein und Groß zusammen.

    Der Trail windet sich in kurzen Serpentinen mit ständigem Blick zum weißen Riesen bergab. Vorbei am Refuge de Bellachat geht es mit kleineren Kletterpassagen über Fels und Stein und durch sehr trockenen Nadelwald. Die Sonne sticht, es ist warm. Es ist Sonntag und es sind einige Wanderer unterwegs. Trailrunner fliegen natürlich auch hier über den Trail. Wir glauben aber, das zur Hochsaison sicherlich noch mehr los sein wird, als wir es hier am letzten Wochenende der Ferien in Frankreich erleben. Am Ende zieht es sich, bis wir Les Houches auf 1.006 Meter erreichen. Gegen 17 Uhr haben wir es geschafft 💪🏻

    Restaurants haben leider noch geschlossen, Supernärkte sind schon dicht. Wohin also mit dem Hiker Hunger? Im Le Solery werden wir fündig. Burger & Pommes und 2 alkfree Bier sind ein guter Start. Auf dem Weg zu unserem Apartment halten wir noch an der Boulangerie, die in 10 Minuten schließt und kaufen ein paar Sweets für den Abend. Auf den letzten Metern werden noch zwei Pizzen to go gebacken. 🤭 Dann gehts endlich ins Apartment! Nach dem verspeisen der Pizza beginnt die groß angelegten Waschsession - zum Glück gibt es eine Waschmaschine, denn in das Waschbecken passen nicht mehr als 2 Paar Socken 😂. Das Programm lassen wir uns noch schnell per KI erklären und dann ab dafür! 🧺Die ersten Akkus und Kameras müssen vorsorglich an den Strom und auch der morgige Zeroday muss zumindest etwas geplant werden. Nach der ersehnten heißen Dusche (die erste seit Start der Tour) ist es Zeit für eine unkontrollierte Zuckerzufuhr, die mit direktem Schlaf nach dem letzten Bissen im großen Bett endet.

    ➡️ 21,2 KM ⬆️ 855 HM ⬇️ 1.884 HM

    Zwischenstand der Tour:
    ➡️ 205 KM ⬆️ 11.318 HM ⬇️ 10.713 HM

    Das ist überschlagen die Hälfte der Stage 2 des HexaTrek nach 9 Tagen inkl. der Mehrkilometer der Alternative und der Abkürzung durch die Alternative der Alternative 🙄. Uns bleibt also, bei normalem bis gutem Wetter ausreichend Zeit für die Tour und Abenteuer entlang des Trails bis zum Col de Lautaret.
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