Ende gut - Alles gut
12. mai 2024, Danmark ⋅ 🌬 11 °C
Es geht los. Das Einsegeln hatte gut geklappt und so erwartete ich eine ähnlich entspannte Kreuz. Wir mussten kreuzen, da der Wind direkt aus Richtung unseres Zieles Gedser in Dänemark kam.
Damit hatte ich gerechnet. Auch mit einer gewissen Krängung bei Am-Wind-Kurs. Ich hatte allerdings nicht mit diesem Wind und dieser Welle gerechnet.
Wir lagen acht Stunden lang so schräg, dass das unter Bugfenster auf Luvseite regelmäßig Unterwasser war. Danach stellten wir fest, dass das Backbord-Fenster nicht ganz dicht hielt.
Bei den Wendemanövern hatte ich teilweise große Mühen, mich irgendwo festzuhalten und dazu die Winch zu bedienen, um die Fog dicht zu holen. Ich sah mich mehrmals ins Wasser plumpsen. Also machte ich mich mit meiner Leine am Boot fest. Doch dies schränkte meine Bewegungsfreiheit ein und die einzige Möglichkeit, die zum Festmachen geeignet schien, war das dünne Geländerchen. Gott sei Dank werde ich nie erfahren, ob es mich im Fall der Fälle tatsächlich gehalten hätte.
Übel waren auch die Gänge aufs Klo. Wir hatten eine Krängung vom Herrn. Dazu schlug ständig die Welle gegen unser Boot und wir tauchten tief ein. Allein sich bei diesem Seegang unter Deck aufzuhalten, verlangten mir und einem Magen alles ab. Dazu musste ich mich in der kleinen Toilettenbox von all meine Kleindungsschichten befreien. Ich fühlte mich wie ein Flipperball mit runtergelassenen Hosen und war froh, als ich endlich saß. Beim Geschäft begleitete mich zudem ständig die Furcht, dass der Schüsselinhalt herausgeschaukelt werden könnte. Es passierte nicht - Halleluja! Bei meinen weiteren Toilettengänge pumpte ich den Inhalt sicherheitshalber parallel ab.
Nachdem ich mir unter ähnlich miesen Bedingungen wieder alle Schichten angepellt hatte, kämpfte ich mich zurück an Deck. Die frische Luft und der stabile Horizont taten meinem Magen sehr gut. Es dauerte eine Weile bis ich wieder halbwegs sicher war, nicht vielleicht doch noch zu kotzen.
Das ging so acht Stunden und in mir stiegen Zweifel an der ganzen Aktion hier auf. Habe ich mich überschätzt? Habe ich Ostsee-Segeln romantisiert? Steige ich vor der letzten Etappe von Bord? Ich wollte doch nur noch Dinge machen, die ich möchte. Möchte ich das hier? Möchte ich mich so fühlen? Warum?
Okay - unser Boot, die Youtoo, kann man auch zu dritt segeln. Dennoch war von Bord zu gehen nicht wirklich eine Option. Das war im Stich lassen und ging nicht. Da musste ich nun wohl durch.
Ich erinnerte mich an meine Segelschule und mir war klar, dass der heutige Kreuzkurs morgen nicht nötig sein würde, wenn der Sind so bliebe. Wir hätten morgen einen Halbwindkurs, der sehr viel entspannter wäre. Und am Tag drauf einen Vorwindkurs - noch entspannter. Das machte mir Mut und ich vergewisserte mich bei Rocco, ob die Prognosen so seien. Er bestätigte und ich fasste Mut.
Nach einer gefühlten Ewigkeit entdeckten wir das Zielboot. Geschafft.
Der Kontrast zwischen dem was ich acht Stunden erlebt hatte und dem Frieden im Hafen vom Gedser hätte nicht größer sein können. Hier gab es keine Welle. Keine Wind. Die Regattaboote schaukelten friedlich in ihren Boxen und es herrschte Heile Welt.
Der Begriff „sicherer Hafen“ mit all seinen Bedeutungen wurde mir schlagartig bewusst.
Wir legten ohne größere Probleme an und ich lernte die Crew der Inspiration kennen. Andrea und Guido waren ebenfalls im Segelclub Eschwege. Dazu war Frank an Bord. Er war ein sehr erfahrener Segler und aus Kassel.
Nach unserem Anlegerbier und nachdem auch wieder Ordnung auf dem Schiff herrschte, gingen wir alle zum Grillplatz. Der Stress der letzten Stunden war fast vergessen und wäre es nicht so arschkalt gewesen, hätten wir die Sonne noch unbeschwerter genießen können. Aber es ist halt Mitte Mai und dafür haben wir verdammtes Glück mit dem Wetter.
Später in meiner Koje spürte ich, wie geschafft ich war und schlief sofort ein.Les mer









