Untertagebau - Zeche Guido
March 29 in Poland ⋅ ☁️ 6 °C
Der Tag beginnt ungewöhnlich lebhaft – und das schon früh am Morgen. Es ist Palmsonntag und bereits um 7:00 Uhr ist unser Übernachtungsplatz komplett zugeparkt. Kirchgänger strömen in Scharen zur Messe, jeder mit einem kleinen Sträußchen in der Hand, das gesegnet werden soll.
Kaum ist die erste Messe um 8:00 Uhr vorbei, leert sich der Platz schlagartig. Für einen kurzen Moment kehrt Ruhe ein – doch nicht für lange. Um 9:00 Uhr beginnt bereits die nächste Messe, und das geschäftige Treiben startet von vorn. Es wirkt fast wie in einem Bienenstock.
Erst gegen 10:00 Uhr ist der Spuk vorbei. Die Autos verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind – und auch wir nutzen die Gelegenheit, endlich aufzubrechen.
Unser Ziel ist die Guido Mine in Zabrze – eines der tiefsten Besucherbergwerke Europas. Die ehemalige Steinkohlezeche wurde Ende des 20. Jahrhunderts stillgelegt und dient heute als eindrucksvolles Zeugnis der Bergbaugeschichte.
Für den Nachmittag haben wir eine Führung auf Deutsch gebucht – etwas, das wir jedem nur empfehlen können.
Pünktlich um 15:00 Uhr geht es los. Ausgerüstet mit Helm werden wir von unserem Guide abgeholt – einem ehemaligen Bergmann mit über 30 Jahren Erfahrung. Schon die Einfahrt ist spektakulär: In einem originalen Förderkorb fahren wir 320 Meter in die Tiefe – in nur 80 Sekunden. Ein Moment, den man so schnell nicht vergisst.
Unten angekommen tauchen wir in eine völlig andere Welt ein. Die Zeche ist zwar nicht mehr aktiv, doch viele Maschinen sind noch erhalten – und werden für uns sogar in Betrieb genommen. Das Dröhnen, Knirschen und Rattern der alten Geräte lässt erahnen, wie hart und laut die Arbeit hier einst war.
Während der rund zweistündigen Führung erkunden wir die Stollen und erfahren aus erster Hand, wie der Alltag der Bergleute aussah. Besonders eindrücklich sind die Schilderungen der Gefahren: Einstürze, Gase, Lärm – und wie wichtig Erfahrung und Aufmerksamkeit waren, um Risiken frühzeitig zu erkennen.
Ein weiteres Highlight ist die Fahrt mit der unterirdischen Schwebebahn. Heute deutlich komfortabler, aber auf derselben Strecke wie früher – ein spannender Blick in die Vergangenheit.
Mit der Zeit verliert man völlig das Gefühl dafür, wie tief man sich unter der Erde befindet.
Der krönende Abschluss erwartet uns ganz am Ende der Tour: die tiefstgelegene Bar der Welt – auf 320 Metern unter Tage.
Zum Vergleich: Der Eiffelturm ist etwa genauso hoch – nur eben nach oben statt nach unten. Ein faszinierender Gedanke.
Wer in der Region unterwegs ist, sollte sich die Guido Mine auf keinen Fall entgehen lassen.
Am Abend fahren wir weiter zu unserem nächsten Übernachtungsplatz – diesmal wieder ganz ruhig, fast schon symbolisch: direkt an einem Friedhof, etwas außerhalb von Zabrze.
Ein Tag voller Gegensätze geht zu Ende.Read more
























TravelerDas liest sich sehr interessant, aber 320m unter die Erde ,da bin ich dann doch nicht dabei. 😉
Yvi on tourZu Beginn denkt man an diese 320 Meter und dann sind sie vergessen. Man spürt und sieht sie nicht wie in der Höhe.
TravelerIch habe etwas ähnliches vor zehn oder zwölf Jahren zweimal im Harz und einmal im Ruhrgebiet gemacht und fand es auch sehr eindrucksvoll! Ganz so tief runter ging es bei uns allerdings nicht!
Yvi on tourDie Zeche in Essen (Zollverein) steht bei uns auch auf der Bucket Liste.
Traveler👍👍
Traveler👍