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2026.3 Nordkap Ost-Route

Entlang der Ostseite Europas machen wir uns auf den Weg zum Nordkap. Die Rückfahrt verläuft durch Schweden – 21 Wochen voller Eindrücke, Natur und Abenteuer liegen vor uns.
Kommt mit und begleitet uns.
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    🇫🇮 Sodankylä, Finnland

    Die älteste Holzkirche Finnlands

    Yesterday in Finland ⋅ ☁️ 18 °C

    Heute Morgen haben wir keine Eile. Ganz gemütlich plämpern wir in den Tag hinein, trinken Kaffee, schauen dem Morgen zu und lassen uns Zeit. Erst gegen Mittag machen wir uns auf den Weg Richtung Sodankylä. Dort soll die älteste Kirche Finnlands stehen – also nichts wie hin.

    Schon bei der Ankunft merken wir: Wir sind offenbar nicht die Einzigen mit dieser Idee. Ein Reisebus steht auf dem Parkplatz und eine kleine Gruppe französischer Wohnmobilisten – drei Fahrzeuge – hat sich ebenfalls eingefunden. Allerdings mit reichlich Abstand zwischen den einzelnen Mobilen, sodass das Parkieren für Nachzügler zur kleinen Herausforderung wird. Einer der Fahrer bemerkt das zum Glück selbst und parkt kurzerhand um, sodass auch wir noch einen Platz finden. Merci dafür!

    An dieser Stelle vielleicht ein kleiner Appell an die Wohnmobil-Community: Auf einem normalen Parkplatz darf ruhig ein wenig „Kuschelparken“ angesagt sein – besonders dort, wo viele Besucher erwartet werden. Es ist schliesslich kein Übernachtungsplatz, und wenn alle etwas Rücksicht nehmen, reicht der Platz auch für alle. Sonst stehen irgendwann auch hier die ersten Verbotsschilder.

    Unser Timing könnte kaum besser sein: Der Reisebus macht sich gerade wieder auf den Weg und plötzlich kehrt Ruhe ein. Als wir die Kirche besuchen, sind wir beinahe alleine.

    Die alte Kirche ist eine aussergewöhnlich gut erhaltene Holzkirche aus dem Jahr 1689 und zählt zu den ältesten erhaltenen Holzkirchen Finnlands. Direkt am Fluss Kitinen gelegen, trägt sie auch den Namen „Lapp Church“. Besonders beeindruckend ist, wie ursprünglich alles wirkt – fast so, als wäre die Zeit hier stehen geblieben.

    Von aussen präsentiert sich die Kirche mit dunkel geteertem Holz, schlicht und unaufgeregt. Innen erwartet uns ein ebenso einfacher wie eindrücklicher Raum: unverkleidetes Holz, kleine Fenster und eine Atmosphäre, die beinahe mittelalterlich anmutet. Rund um die Kirche liegt ein alter Friedhof, der den Ort noch stiller und besonderer wirken lässt.

    Kaum vorstellbar: Im Lapplandkrieg 1944–45 wurden grosse Teile Lapplands zerstört und viele Orte niedergebrannt. Diese alte Holzkirche aber blieb erhalten – vielleicht aus Zufall, vielleicht auch aus Respekt vor ihrem historischen Wert.

    Nach dem Besuch verspüren wir wenig Lust, heute noch grosse Distanzen zurückzulegen. Hinter uns türmen sich bereits dunkle Wolken auf – ein Gewitter liegt in der Luft. Also fahren wir einfach so lange weiter, bis wir einen Platz finden, der nach „hier bleiben wir“ aussieht. Und tatsächlich: Lange suchen müssen wir nicht.

    Kaum eingerichtet, holt uns die Gewitterfront ein. Es blitzt, donnert und regnet ordentlich. Während draussen die Natur ihr Schauspiel aufführt, sitzen wir gemütlich im Wohnmobil und geniessen genau diesen Moment. Manchmal sind es gerade diese ungeplanten Stunden, die einen Reisetag besonders machen.
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  • Polartag

    June 6 in Finland ⋅ ☁️ 21 °C

    Heute erleben wir den ersten Polartag auf unserer Reise – ein Moment, auf den wir uns schon lange gefreut haben. Hier oben, weit im Norden Finnlands, fühlt sich die Zeit plötzlich anders an.

    Der Polartag ist das Gegenteil der Polarnacht: Die Sonne geht überhaupt nicht unter und bleibt 24 Stunden am Himmel. In Finnland spricht man oft von der „Mitternachtssonne“ – und jetzt verstehen wir auch warum.

    Wie lange dieses besondere Naturphänomen anhält, hängt davon ab, wie weit nördlich man sich befindet. Im Süden Finnlands, etwa in Helsinki, gibt es keinen echten Polartag. Zwar wird es im Sommer kaum dunkel, doch die Sonne verschwindet kurz hinter dem Horizont.

    Hier oben in Lappland, oberhalb des Polarkreises – genau dort, wo wir gerade unterwegs sind – sieht es anders aus: Die Sonne bleibt selbst nachts sichtbar und taucht die Landschaft in ein warmes, goldenes Licht. Ganz im Norden, beispielsweise in Utsjoki, dauert dieses Schauspiel sogar von etwa Mitte Mai bis Ende Juli.

    Das Besondere daran lässt sich kaum in Worte fassen: Mitten in der Nacht draussen unterwegs zu sein, während die Sonne tief über dem Horizont steht, fühlt sich fast unwirklich an. Die Welt wird ruhiger, das Licht weicher und die Stimmung irgendwie magisch.

    Heute sitzen wir einfach da, schauen in die Landschaft und geniessen diesen besonderen Moment. Die goldenen Farben am Horizont, die endlose Helligkeit und dieses Gefühl, dass die Nacht irgendwie vergessen hat, dunkel zu werden – genau dafür lieben wir das Reisen.
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  • Vom Werkstattfrust zum Weihnachtszauber

    June 5 in Finland ⋅ ☁️ 24 °C

    Heute heisst es früh aufstehen: Bereits um 08:00 Uhr stehen wir bei der Werkstatt, denn unser Kühlschrank braucht dringend eine Reparatur. Der Start in den Tag verläuft allerdings alles andere als vielversprechend. Zunächst heisst es, man habe keine Zeit und könne sich das Problem nicht einmal ansehen. Ziemlich unfreundlich werden wir abgewiesen und praktisch wieder weggeschickt.

    Doch wer Yvonne kennt, weiss: So schnell gibt sie nicht auf.

    Schliesslich erbarmt sich ein Auszubildender und kommt mit uns zum Wohnmobil. Gemeinsam schildern wir die Situation und grenzen das Problem Schritt für Schritt ein. Schon bald deutet alles auf die Zündungskammer hin. Und tatsächlich: Beim Öffnen entdecken wir den Übeltäter sofort – eine verkokelte Fliege oder etwas Ähnliches blockiert die Zündung. Ein kurzer Reinigungseinsatz, ein Klick – und schon läuft der Kühlschrank wieder einwandfrei. Problem gelöst! Der Auszubildende lernt dabei vermutlich etwas – und wir ebenfalls.

    Erleichtert und wieder bester Laune machen wir uns auf den Weg zu unserem eigentlichen Tagesziel: dem Weihnachtsdorf am Polarkreis. Wir sind gespannt, wie sich dieser magische Ort mitten im Sommer anfühlt. Überraschend ist bereits der Parkplatz: Mehr als zwanzig Wohnmobile stehen hier schon – und das ausserhalb der Weihnachtszeit.

    Gemütlich schlendern wir über die Anlage, stöbern in den verschiedenen Shops und kaufen eine Postkarte, die wir natürlich gleich über die Santa Post verschicken. Ein Besuch bei Santa Claus darf selbstverständlich nicht fehlen. Der grosse Vorteil der Sommerzeit: Santa hat viel Zeit für uns. Ganze zehn Minuten unterhalten wir uns mit ihm – auf Deutsch! Natürlich können wir den teuren Erinnerungsfotos nicht widerstehen. Sogar ein Video unseres gesamten Besuchs gibt es dazu.

    Zum Abschluss entscheiden wir uns für ein Essen im Restaurant des Rentierparks. Bereits von aussen wirkt es unglaublich einladend – und der gute Eindruck bestätigt sich auch drinnen. Ein perfekter Abschluss für diesen besonderen Tag.

    Den restlichen Nachmittag und Abend geniessen wir ganz entspannt in unserem Wohnmobil. Einfach einmal nichts tun, die Seele baumeln lassen und den Tag Revue passieren lassen – manchmal sind genau das die schönsten Reisemomente.

    Kurz vor Mitternacht machten wir erneut einen Spaziergang über das Gelände, während die Sonne gerade unterging.
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  • Auttiköngäs – Lapplands wilde Natur abseits

    June 4 in Finland ⋅ ☀️ 18 °C

    Nach einer sehr ruhigen Nacht sind wir heute bei leichtem Nieselregen wieder unterwegs. Die ersten 30 Kilometer führen uns über eine Strecke, die wir bereits kennen – nur eben heute im Regen. Danach geht es weiter Richtung Lappland. Und wie schon an den vergangenen Tagen stehen sie wieder am Strassenrand: Rentiere. Langsam haben wir das Gefühl, dass sie ganz selbstverständlich zu unseren täglichen Fahrten dazugehören.

    Unser heutiges Ziel ist ein Wanderparkplatz, bei dem es ein Café geben soll – bekannt für seine berühmte Lachssuppe und frische Waffeln. Also nichts wie hin! Und unser Hunger ist bei der Ankunft bereits so gross, dass wir direkt zuerst ins Café gehen.

    Gut gestärkt starten wir später auf den Rundwanderweg von Auttiköngäs – ein Ort, der uns sofort begeistert. Eine wunderschöne Mischung aus Wasserfällen, dichten Wäldern und beeindruckender Natur – perfekt für alle, die Lappland abseits der bekannten Touristenorte erleben möchten.

    Die Rundwanderung beginnt direkt beim Besucherbereich und führt zunächst zu einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten des Gebiets: den tosenden Stromschnellen und dem Wasserfall von Auttiköngäs. Besonders beeindruckend ist die Kraft des Wassers, das sich seinen Weg durch die felsige Landschaft bahnt – je nach Jahreszeit umgeben von Schnee und Eis oder sattem Grün.

    Früher wurde hier Holz geflösst, und entlang des Weges erfährt man einiges über die Geschichte der Region und darüber, wie das Holz damals über den Fluss transportiert wurde. Diese kleinen Einblicke machen die Wanderung noch spannender.

    Ein echtes Highlight der Route ist die Hängebrücke. Beim Betreten knirscht und wackelt sie ordentlich – ein kleines Abenteuer inklusive.

    Anschliessend führt der Rundweg weiter über ruhige Waldpfade. Immer wieder laden kleine Aussichtspunkte dazu ein, kurz stehen zu bleiben und die Ruhe Lapplands auf sich wirken zu lassen. Die Strecke ist gut ausgeschildert und angenehm zu laufen – ideal für alle, die keine anspruchsvolle Wanderung suchen, sondern eine entspannte Runde durch beeindruckende Natur.

    Für uns war Auttiköngäs definitiv einer dieser Orte, die vielleicht nicht auf jeder Finnland-Liste stehen – und gerade deshalb so besonders sind: authentisch, ruhig und wunderschön.

    https://www.komoot.com/tour/3011496857?ref=itd&…

    Kaum zurück beim Wohnmobil folgt dann allerdings die weniger romantische Seite des Reisens: Unser Kühlschrank beginnt plötzlich zu piepsen und meldet eine Störung. Ausgerechnet jetzt! Wir versuchen noch, das Problem selbst zu lösen – leider ohne Erfolg. Im Gasbetrieb zündet er nicht mehr, während die restlichen Funktionen noch problemlos laufen.

    Unser Plan für morgen steht fest – Werkstattbesuch in Rovaniemi. Deshalb fahren wir noch ein Stück weiter in Richtung Stadt, damit wir am Morgen direkt vor Ort sind. Für die Nacht finden wir einen passenden Übernachtungsplatz am Rand eines Wohnquartiers – und hoffen nun auf eine unkomplizierte Lösung für morgen.
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  • Rentiere & bärenstarke Enttäuschung

    June 3 in Finland ⋅ ⛅ 12 °C

    Nach zwei Tagen ohne grosse Wanderung, Sightseeing oder sonstige Abenteuer steht heute endlich wieder etwas ganz Besonderes auf dem Programm. Doch bevor es losgeht, liegen erst einmal rund 80 Kilometer Fahrt vor uns. Unterwegs erledigen wir noch einen etwas grösseren Einkauf – schliesslich wollen Vorräte und Kühlschrank wieder aufgefüllt werden.

    Schon auf dem Weg zu unserem Tagesziel wartet das erste Highlight des Tages auf uns: Am Strassenrand entdecken wir plötzlich die ersten Rentiere. Was für eine Freude! Wenig später fahren wir an einer Wiese vorbei – und da stehen sie ganz entspannt, grasen gemütlich und geniessen die Sonne. Ein richtig schöner Moment, denn zum ersten Mal sehen wir Rentiere in freier Wildbahn. Bisher kannten wir sie nur aus unserem letzten Winterurlaub in Lappland, damals noch ganz komfortabel im Resort.

    Natürlich hoffen wir, dass dies nicht die einzigen tierischen Begegnungen des Tages bleiben. Denn heute wartet ein Erlebnis, auf das wir uns besonders gefreut haben: eine Bärenbeobachtungstour. Die Spannung steigt – werden wir tatsächlich Bären sehen? Und wenn ja: wie viele?

    Pünktlich erreichen wir den Treffpunkt, wo uns Pekka abholt. Gemeinsam laufen wir gemütlich zur Beobachtungshütte. Diese ist überraschend gemütlich eingerichtet und bietet einen wunderbaren Blick auf eine grosse Waldlichtung. Draussen verteilt Pekka Futter für die Bären und erzählt uns dabei Spannendes über seine tierischen Besucher.

    Die ersten Gäste lassen nicht lange auf sich warten – allerdings mit Federn statt Fell. Zahlreiche Vögel bedienen sich am Futter, und sogar mindestens einen Adler dürfen wir beobachten. Die Zeit vergeht, wir halten gespannt Ausschau und hoffen bei jeder Bewegung im Wald auf den grossen Moment.

    Doch leider bleibt die Lichtung heute leer. Kein einziger Bär zeigt sich.

    Pekka erzählt uns, dass die Bären normalerweise täglich vorbeischauen – nur gestern und heute nicht. Während er spricht, spürt man fast seine Sorge um seine „Freunde“. Er erzählt uns ein wenig aus seinem Leben mit den Bären und lädt uns herzlich ein, jederzeit kostenlos nochmals vorbeizukommen und unser Glück erneut zu versuchen. Vielleicht schaffen wir das ja bei einer zukünftigen Reise.

    Natürlich gehen wir mit einer kleinen Enttäuschung zurück ins Wohnmobil – die Vorfreude auf dieses Erlebnis war riesig. Aber genau das macht Naturbeobachtungen eben auch aus: Tiere folgen keinem Zeitplan und gehen ihren eigenen Weg. Und wer weiss – vielleicht geniessen die Bären bei Pekka schon morgen wieder ihr leckeres Abendessen. Wir hoffen es sehr für Pekka.
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  • 25 Jahre später unterwegs ans Nordkap

    June 2 in Finland ⋅ ☁️ 10 °C

    Der heutige Tag war ruhig, fast ein wenig entschleunigt – genau die Art von Tagen, die auf Reisen genauso dazugehören wie grosse Abenteuer.

    Unser Johneli bekommt heute im Innern mal wieder eine gründliche Reinigung, der Wäscheberg wird bezwungen und wir probieren zum ersten Mal einen Trocknungsschrank aus. Erstaunlich, wie schnell unsere Jeans wieder trocken sind – kleine Dinge, über die man sich unterwegs plötzlich richtig freuen kann.

    Auch unser Dometic-Kühlschrank will heute etwas Aufmerksamkeit. Seit geraumer Zeit lässt er sich nur noch von einer Seite öffnen. Schuld daran ist vermutlich ein umgekipptes Gurkenglas während der Fahrt – Gurkenwasser und Mechanik sind offenbar keine gute Kombination. Anfangs klemmte es nur, zuletzt blieb die rechte Seite ganz verschlossen. Heute haben wir uns dem Problem angenommen – und tatsächlich: Problem gelöst. Man wächst eben mit seinen Aufgaben im Wohnmobilalltag. 😉

    https://youtu.be/VhZ8kQoXJjY?is=JFB1UnpLIeqDdMCL

    Doch der heutige Tag bedeutet noch so viel mehr …

    Heute vor genau 25 Jahren haben wir zueinander JA gesagt. 💍

    25 Jahre voller gemeinsamer Erinnerungen, Abenteuer, Lachen und Liebe. Jahre, in denen nicht immer alles leicht war. Natürlich gab es auch Tiefen, Momente, die uns herausgefordert haben. Aber gerade diese Zeiten haben uns gezeigt, wie stark wir gemeinsam sind. Wir sind immer wieder aufgestanden, Hand in Hand weitergegangen und haben nie aufgehört, an unser gemeinsames „Wir“ zu glauben.

    Und heute? Heute sitzen wir hier, unterwegs mit unserem Wohnmobil, dankbar für all die Wege, die wir bereits gemeinsam gegangen sind – und voller Vorfreude auf die, die noch vor uns liegen.

    Vielleicht ist das eines der schönsten Geschenke nach 25 Jahren: zu wissen, dass man seinen Menschen gefunden hat. Seinen passenden Deckel. ❤️

    Und irgendwie schließt sich gerade ein Kreis …

    Vor genau 25 Jahren wollten wir eigentlich unsere Hochzeitsreise ans Nordkap machen. Doch etwa ein halbes Jahr vorher entschieden wir uns um und machten stattdessen eine Kreuzfahrt.

    Jetzt – 25 Jahre später – holen wir genau diese Reise nach. Vielleicht nicht mehr ganz so spontan wie damals geplant, dafür mit mehr Lebenserfahrung, mehr Geschichten im Gepäck und vor allem: mit genauso viel Liebe füreinander.

    Auf die nächsten gemeinsamen Kilometer. ❤️🚐
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  • Weisse Nächte

    June 2 in Finland ⋅ ☁️ 11 °C

    Heute Nacht wurden wir zum ersten Mal Zeugen der weissen Nächte im hohen Norden. Bisher hatten wir dieses Phänomen einfach verpasst – wir haben tief und fest geschlafen. Doch diesmal waren wir wach genug, um dieses besondere Schauspiel bewusst zu erleben.

    Wer derzeit Richtung Norden unterwegs ist, begegnet einem ungewöhnlichen Naturphänomen: In der Nacht wird es nie wirklich dunkel. Stattdessen bleibt es dauerhaft dämmerig, ein sanftes, fast surreal wirkendes Hellblau, das die Landschaft die ganze Nacht hindurch in ein weiches Licht taucht. Genau dafür verwendet man oft den Begriff „weisse Nächte“.

    Die Finnen nennen dieses Phänomen yötön yö – die „nachtlose Nacht“. Es beschreibt sehr treffend, was man hier erlebt: Die Nacht verliert ihre Dunkelheit, und Zeitgefühl und Tagesrhythmus beginnen sich zu verschieben.

    Bis etwa auf Höhe des Polarkreises bleibt dieses besondere Lichtspiel bestehen. Weiter nördlich wird daraus schliesslich die Mitternachtssonne – die Sonne geht dann überhaupt nicht mehr unter. Dieses nächste Kapitel unserer Reise bleibt spannend, denn wir hoffen sehr, auch dieses Naturphänomen noch bewusst erleben zu können.

    Für uns ist es ein ganz neues Gefühl: Einerseits faszinierend und fast magisch, andererseits auch ungewohnt. Selbst abends verspürt man kaum Müdigkeit, denn es wirkt draussen noch wie früher Abend. Der Körper will eigentlich schlafen, aber das Licht erzählt etwas anderes.

    Zum Glück lässt sich unser Wohnmobil gut abdunkeln, sodass wir dennoch eine erholsame Nacht verbringen können. Ohne diese Möglichkeit wäre es vermutlich schwierig, zur Ruhe zu kommen.

    Ein kleines Naturwunder, das den Alltag komplett verändert und uns auf dieser Reise jeden Tag aufs Neue staunen lässt.
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  • Stilles Volk am Wegesrand

    June 1 in Finland ⋅ 🌧 10 °C

    Die ganze Nacht prasselte sanft der Regen auf unser Wohnmobildach. Schön leise, irgendwie beruhigend – fast schon die perfekte Kulisse nach dem nervenaufreibenden WM-Finalkrimi Schweiz gegen Finnland. Leider blieb es für die Schweiz erneut beim zweiten Platz. Bereits zum fünften Mal! Wirklich schade.

    Aber wir versuchen, allem etwas Positives abzugewinnen. Der Regen hat nämlich auch seine guten Seiten: Unser Wohnmobil bekommt ganz gratis eine sanfte Dusche und Staub sowie der gröbste Schmutz werden einfach weggespült. Man muss die Dinge eben nehmen, wie sie kommen und positiv sehen.

    Die nächsten zwei Tage werden vermutlich eher ruhig verlaufen. Heute wollen wir einen Campingplatz ansteuern, um endlich unsere angesammelte Schmutzwäsche zu waschen. Doch daraus wird wohl vorerst nichts – für den gesamten Tag ist Regen angesagt.

    Die rund 100 Kilometer lange Fahrt verläuft zunächst unspektakulär. Doch plötzlich wartet am Strassenrand eine überraschende Begegnung auf uns – und wir haben Glück: Genau in diesem Moment hört der Regen kurz auf.

    Vor uns steht ein stilles Volk. Tausende menschenähnliche Figuren blicken über ein Feld – eine faszinierende Outdoor-Kunstinstallation des finnischen Künstlers Reijo Kela. Die Figuren bestehen aus einfachen Stangenkörpern, tragen echte Kleidungsstücke und haben Köpfe aus Torfsäcken oder ähnlichen Materialien. Irgendwie skurril, irgendwie faszinierend – auf jeden Fall ein Anblick, der uns zum Schmunzeln bringt. Da die Saison hier erst Mitte Juni beginnt, sind die dazugehörenden Restaurants und Cafés allerdings noch geschlossen.

    Kaum sitzen wir wieder im Wohnmobil, setzt der Regen erneut ein – und hört bis jetzt auch nicht mehr auf. Auf dem Campingplatz entscheiden wir uns spontan, im hauseigenen Restaurant essen zu gehen. Und tatsächlich: Der Burger überrascht uns positiv – richtig lecker und so gar nicht das, was wir erwartet hätten.

    Nun machen wir es uns gemütlich und sitzen das kühle, nasse Wetter einfach aus. Morgen soll es wieder freundlicher werden – wir sind gespannt.
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  • Via Karelia, stille Glocken und kein Rentier

    May 31 in Finland ⋅ ☁️ 12 °C

    Heute Morgen haben wir etwas länger geschlafen. Irgendwie hat es einfach gepasst – kein Stress, kein Zeitdruck. Vor uns liegen heute rund 200 Kilometer. Wir wollen etwas Strecke machen, denn sonst wird unser Plan, rechtzeitig am Nordkap anzukommen, langsam sportlich.

    Bevor es losgeht, steht aber noch ein praktischer Halt an: Unsere finnische Gasflasche ist leer. Im nächstgrösseren Ort tauschen wir sie aus – und sind einmal mehr erstaunt, wie unkompliziert das hier funktioniert. Im Nu ist alles erledigt und wir wieder bestens versorgt. Sogar Wasser dürfen wir bei der Gemeinde kostenlos auffüllen. Solche kleinen Dinge machen das Reisen einfach angenehm – danke dafür.

    Unsere Route führt uns heute entlang der Via Karelia, einer Strasse durch die historische Region Karelien, nahe der russischen Grenze. Die Gegend verbindet Natur, Kultur und eine bewegte Geschichte. Gerade die Grenzregion zwischen Finnland und Russland hat hier viele Spuren hinterlassen.

    Ein besonderes Highlight des Tages: Zum ersten Mal fahren wir durch ein Rentieraufzuchtgebiet. Die Spannung steigt – sehen wir wohl gleich die ersten Rentiere? Leider bleibt es heute bei der Hoffnung. Kein einziges zeigt sich. Aber wir sind zuversichtlich: Früher oder später werden wir ihnen bestimmt begegnen.

    Das Rentier-Gebiet in rund um Suomussalmi ist riesig – rund 3'500 km² und damit ideal für die Rentierhaltung. Noch eindrücklicher wird die Dimension beim Blick aufs Ganze: Das finnische Rentierzuchtgebiet umfasst etwa 123'000 km², also rund 36 Prozent der gesamten Landesfläche.

    Am Ende unserer heutigen Etappe wartet ein Ort, der nachdenklich macht: das Winterkriegsdenkmal von Suomussalmi. Es erinnert an die Kämpfe entlang der Raate-Strasse im Winter 1939/40 – eine der entscheidenden Schlachten des Winterkriegs zwischen Finnland und der Sowjetunion.

    Schon beim Näherkommen wirkt der Ort eindrücklich. Vor uns liegen unzählige grosse Natursteine – rund 17'000 an der Zahl. Sie stehen nicht für einzelne Soldaten, sondern machen die gewaltige Dimension von Verlust und Leid sichtbar – auf finnischer wie auf sowjetischer Seite. Das Denkmal wirkt bewusst still. Kein Triumph, keine Heldengeschichte – vielmehr eine Einladung, über die Folgen von Krieg nachzudenken.

    In der Mitte hängt eine Installation aus 105 Messingglocken. Jede einzelne steht für einen Tag des Winterkriegs – vom 30. November 1939 bis zum 13. März 1940. Wenn der Wind aufkommt, erklingen sie ganz leise. Ein stiller, fast berührender Moment.

    Gerade hier wurde Geschichte geschrieben. Die sowjetische Armee wollte Finnland an seiner schmalsten Stelle durchtrennen und bis nach Oulu vordringen. Finnische Truppen konnten dies verhindern und grosse sowjetische Verbände in den sogenannten Motti-Kämpfen einkesseln. Tiefer Schnee, eisige Temperaturen und dichter Wald machten die Bedingungen brutal.

    Direkt neben dem Mahnmal befindet sich ein Museum mit Originalgegenständen aus dieser Zeit. Wir entscheiden uns jedoch bewusst dagegen – manchmal reicht der Eindruck eines Ortes für sich allein.

    Nun geht es weiter zu unserem Übernachtungsplatz. Einrichten, etwas runterfahren und den Abend gemütlich ausklingen lassen. Denn heute steht noch etwas auf dem Programm: der Final der Eishockey-WM – Schweiz gegen Finnland. Hopp Schwiz!!!
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  • Finnische Grillhütten

    May 30 in Finland ⋅ ⛅ 15 °C

    Nach dem spannenden Eishockey-Halbfinale Schweiz–Norwegen stand für uns schnell fest: Heute Abend muss eine echte Schweizer Olma-Bratwurst auf den Grill. Wie es der Zufall will, reist ein Paar tiefgekühlte Würste schon die ganze Zeit mit uns im Gefrierfach mit – und der perfekte Übernachtungsplatz mit Grillstelle ist ebenfalls gefunden.

    Im Nu sind die Würste aufgetaut, das Feuer entfacht und schon bald liegt der feine Duft von Grillgut in der Luft. Dazu gibt es ganz einfache, aber perfekte Begleiter: Brot und Pommes-Chips. Manchmal sind es gerade die simplen Dinge, die unterwegs am besten schmecken.

    Besonders schön: Wir befinden uns an einer typisch finnischen Feuerstelle mitten in der Natur. In Finnland gehört das Leben draussen fest zur Kultur – und das Grillieren im Wald ist ein wichtiger Teil des sogenannten Mökki-Lebens, der finnischen Ferienhausstimmung. Öffentliche Feuerplätze sind oft frei zugänglich und liebevoll unterhalten. Meist liegt genügend Holz bereit, das nur noch gehackt oder gespalten werden muss. Wanderer und Reisende treffen sich hier zum Würste grillieren, Kaffee über dem Feuer kochen oder um eine „Makkara“, die traditionelle finnische Grillwurst, zu geniessen.

    Dabei unterscheidet man in Finnland grundsätzlich zwischen drei verschiedenen Arten von Grillhäusern oder Feuerstellen:

    Kota / Grillikota:
    Eine geschlossene Grillhütte mit Dach und Kamin – fast wie eine kleine Blockhütte. Besonders gemütlich und ideal für kalte Wintertage.

    Laavu:
    Eine offene, meist dreiseitig geschützte Schutzhütte, die man häufig an Wanderwegen oder Seen findet. Perfekt für eine Pause, ein Feuer oder sogar eine Übernachtung.

    Lean-to Shelter / Nuotiopaikka:
    Öffentliche Feuerstellen mit Sitzmöglichkeiten, oft an besonders schönen Naturplätzen gelegen und frei nutzbar.

    Zum süssen Abschluss darf natürlich Marshmallows über dem Feuer nicht fehlen. Das Beste daran: Selbst die Spiessli lagen bereits bereit.

    Ein perfekter finnischer Abend – Feuer, Wald, feines Essen und diese besondere Ruhe, die man nur mitten in der Natur findet.
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  • Hiidenportti – Finnlands wilde Seite

    May 30 in Finland ⋅ ☀️ 19 °C

    Nach dem Ankommen, Einrichten und Faulenzen gestern starten wir heute zu einer Wanderung im Hiidenportti National Park – einem der eher wilden und weniger besuchten Nationalparks Finnlands. Wer Einsamkeit, tiefe Wälder und diese besondere nordische Stimmung mag, ist hier genau richtig. Mit rund 45 Quadratkilometern wirkt der Park für finnische Verhältnisse fast klein, aber erstaunlich ursprünglich und unberührt.

    Das Herzstück des Parks ist die namensgebende Schlucht Hiidenportti – übersetzt etwa „Tor des Hiisi“. Hiisi ist eine geheimnisvolle Gestalt aus der finnischen Mythologie, und tatsächlich wirkt die Gegend ein wenig mystisch. Die Schlucht zieht sich etwa einen Kilometer durch den Wald, eingerahmt von bis zu 20 Meter hohen Felswänden, die überraschend steil aus der Landschaft aufragen.

    Für unsere Wanderung wählen wir den beliebten Hiidenkierros, eine etwa drei bis fünf Kilometer lange Rundtour – perfekt für einen halben Tag. Der Weg führt durch stille Wälder, vorbei an Mooren und kleinen Seen, immer wieder über typische finnische Holzstege. Es ist diese besondere Mischung aus Ruhe, Weite und Ursprünglichkeit, die Finnlands Natur so faszinierend macht.

    Auch die Tierwelt hier klingt beeindruckend: Braunbären, Luchse, Vielfraße und zahlreiche Vogelarten leben im Park. Die Chancen auf Sichtungen sind allerdings eher gering – und so bleibt es auch bei uns ruhig. Kein Rascheln im Gebüsch, keine großen Pfotenabdrücke, nur Wald, Wasser und Stille. Und genau das macht Hiidenportti vielleicht so besonders.

    Am Ende werden aus der geplanten kurzen Runde sogar etwas mehr als 7,5 Kilometer. Glücklich, angenehm müde und mit jeder Menge Natur im Kopf kommen wir schließlich wieder an unserem Womo an.

    https://www.komoot.com/tour/2998017181?ref=itd&…
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  • 30 Kilometer Schotter bis zur Ruhe

    May 29 in Finland ⋅ ☀️ 12 °C

    Nach der heutigen, etwas abenteuerlichen Anfahrt haben wir unser Ziel erreicht: den Waldparkplatz von Hiidenportti. Die letzten rund 30 Kilometer führen über Schotterpisten – nichts Wildes, aber definitiv die Sorte Strasse, auf der man automatisch langsamer fährt und sich bei jeder Kurve fragt, ob das Ziel wohl endlich gleich auftaucht.

    Nun stehen zwei Nächte mitten in der Natur vor uns – fernab von allem, umgeben von Wald und Ruhe.

    Heute lassen wir es erst einmal gemütlich angehen. Am Abend zieht es uns noch für einen kleinen Spaziergang zum Badesee hinaus. Langsam klart auch das Wetter auf, und die ersten Sonnenstrahlen lassen hoffen. Für morgen wünschen wir uns vor allem etwas wärmere Temperaturen, denn eine Wanderung durch den Nationalpark steht bereits auf dem Plan.

    Die nächsten Tage werden etwas ruhiger. Die Natur wird unser ständiger Begleiter sein – und vielleicht gibt’s zwischendurch auch mal keinen Footprint.
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  • Finnland: Mehr Schweden, als wir gedacht hätten

    May 28 in Finland ⋅ ☁️ 7 °C

    Wie der Wetterbericht für heute vorausgesagt hatte, scheint der Winter fast wieder zurück zu sein. Gerade einmal 4 Grad Aussentemperatur, eisiger Wind mit heftigen Böen und immer wieder Regen – mal leicht, mal heftig. Deshalb legen wir heute nur rund 80 Kilometer zurück, fahren in den nächstgrösseren Ort und stellen uns auf einen Parkplatz am Hafen. Dort machen wir es uns im Warmen gemütlich und lassen auch mal wieder unsere Dieselzusatzheizung laufen. So ist der monatliche Testlauf gleich ebenfalls erledigt.

    Auf den bisherigen Kilometern durch Finnland sind uns zwei Dinge besonders ins Auge gestochen, die uns vorher gar nicht bewusst waren – und beide haben mit der Vergangenheit und der jahrhundertelangen Zugehörigkeit zu Schweden zu tun.

    👉 Im Süden Finnlands sind die Ortschaften häufig in zwei unterschiedlichen Sprachen angeschrieben – auf Finnisch und Schwedisch. Doch warum? Ganz einfach: Schwedisch ist in Finnland bis heute eine offizielle Landessprache neben Finnisch. Finnland gehörte rund 600 Jahre zu Schweden. In dieser Zeit prägte sich Schwedisch stark in Verwaltung, Bildung und besonders in den Küstenregionen aus.

    Irgendwie überraschend, denn Finnisch und Schwedisch sind sprachlich kaum verwandt: Finnisch gehört zur finno-ugrischen Sprachfamilie, Schwedisch dagegen zu den germanischen Sprachen. Deshalb klingen Ortsnamen oft komplett unterschiedlich.

    👉 Eine weitere Sache, die uns aufgefallen ist: Warum sind so viele Häuser in Finnland rot gestrichen – genau wie in Schweden?

    Die roten Häuser haben vor allem historische und praktische Gründe. Und die Farbe ist oft gar keine „richtige“ rote Farbe, sondern eine traditionelle Pigmentmischung. Ursprünglich wurde sie aus Nebenprodukten des Kupferbergbaus rund um die schwedische Stadt Falun hergestellt. Da Finnland über Jahrhunderte zu Schweden gehörte, verbreitete sich diese Tradition auch hier.

    Warum gerade Rot?

    Zum einen war die Farbe günstig und leicht verfügbar. Für Bauernhäuser war sie deutlich erschwinglicher als teure Fassadenmaterialien oder aufwendige Anstriche. Zum anderen half die Farbe, das Holz gegen Wetter und Feuchtigkeit zu schützen – wichtig in einem Klima mit Schnee, Regen und grossen Temperaturschwankungen.

    Dazu kam noch ein interessanter Nebeneffekt: Früher galten Backstein- oder Ziegelhäuser als Zeichen von Wohlstand. Das Rot sollte diese wertigen Gebäude optisch imitieren, obwohl die Häuser in Wirklichkeit aus Holz gebaut waren.

    Mit der Zeit wurde das Rot schlicht Teil der nordischen Baukultur. Besonders auf dem Land sieht man bis heute die typischen roten Häuser mit weissen Fensterrahmen – fast schon ein Sinnbild für Finnland und Schweden.

    👉 Ein kleiner Exkurs in die Geschichte Finnlands:

    Finnland gehörte bis 1809 rund 600 Jahre zu Schweden. Danach war das Land bis 1917 als Grossfürstentum Teil des russischen Kaiserreichs.

    Nach der Unabhängigkeit gab es kurzzeitig sogar Pläne für ein Königreich Finnland. Ein deutscher Prinz wurde bereits zum König gewählt, trat sein Amt jedoch nie an. Seit 1919 ist Finnland deshalb eine Republik mit einem Präsidenten als Staatsoberhaupt.

    Nach einem Tag voller Geschichte passt zum kalten Wetter heute nur eines: ein gemütliches Käsefondue.
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  • Unterwegs in der Schlucht von Seinävuori

    May 27 in Finland ⋅ ☁️ 11 °C

    Nach einer erholsamen Nacht geht es für uns heute schon bald wieder weiter. Auf dem Programm steht mal wieder Natur pur – eine kleine Rundwanderung. Ob das Wetter mitspielt, wissen wir allerdings noch nicht. Eine Regenfront zieht auf und soll in den nächsten zwei Tagen Dauerregen bringen. Noch zeigt sich der Himmel gnädig – wir hoffen, das bleibt erst einmal so.

    Gestern haben wir die finnische Seenlandschaft von oben bestaunt, heute fahren wir ein Stück direkt an ihr entlang. Immer wieder eröffnen sich wunderschöne Ausblicke und wir genießen die Fahrt einfach in vollen Zügen. Unser heutiges Ziel: die Schlucht von Seinävuori.

    Schon bei der Ankunft stellen wir fest: Der Parkplatz eignet sich perfekt, um die Wanderung direkt zu starten – und gleichzeitig auch, um hier später die Nacht zu verbringen. Nach dem Mittagessen schnüren wir die Wanderschuhe und machen uns auf den Weg, solange das Wetter noch mitspielt.

    Die Schlucht von Seinävuori ist eine beeindruckende Felsschlucht, die während der letzten Eiszeit geformt wurde. Sie ist rund 500 Meter lang, zwischen 20 und 40 Meter breit und an den höchsten Stellen bis zu 25 Meter tief. Ein etwa 2,5 Kilometer langer Rundwanderweg führt Besucher durch diese eindrucksvolle Landschaft – teilweise direkt am Schluchtrand entlang. Trittsicherheit und gutes Schuhwerk sind hier definitiv von Vorteil.

    Besonders schön finden wir die Mischung aus rauer Felsenlandschaft und typisch finnischem Wald. Der Weg ist gut ausgebaut und gepflegt, trotzdem fühlt sich die Natur hier wunderbar ursprünglich an. Immer wieder bleiben wir stehen, genießen die Ruhe und lassen den Blick schweifen.

    Beeindruckend sind vor allem die riesigen Kiefern und Fichten. Einige der Fichten am Schluchtrand sollen über 100 Jahre alt sein – und wenn man direkt daruntersteht, wirken sie fast ehrfürchtig gross. Der weiche Waldboden federt jeden Schritt ab, überall duftet es nach Wald, Moos und frischer Erde. Zwischen Flechten und Moosen entdecken wir immer wieder Beerensträucher. Im Sommer bestimmt ein kleines Paradies für Naschkatzen. Und auch der Herbst muss hier traumhaft sein, wenn die Pilzsaison beginnt.

    Nach gut einer Stunde erreichen wir wieder unser Wohnmobil. Pünktlich dazu zieht sich der Himmel langsam zu. Wir machen es uns gemütlich, beobachten die ersten Wetterveränderungen und lauschen dem „Gugger“, der draußen lautstark sein Bestes gibt – während wir den Tag ganz entspannt ausklingen lassen.

    https://www.komoot.com/tour/2990042530?ref=itd&…
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  • Kuopio

    May 26 in Finland ⋅ ☁️ 13 °C

    Heute liegen rund 200 Kilometer vor uns. Also nichts wie raus aus den Federn – schon bald heisst es: Wir fahren los! Doch bevor wir starten, brauchen wir erst einmal Wasser (zum Glück gibt es das an Finnlands Tankstellen kostenlos) und unsere Vorräte müssen aufgefüllt werden.

    Leider landen wir in einem Supermarkt, dessen Tage wohl gezählt sind – am 28.05. schliesst er endgültig seine Türen. Das merkt man deutlich am Sortiment, denn viele Regale wirken schon ziemlich leer. Für das Nötigste reicht es aber allemal.

    Auf dem Weg nach Kuopio entdecken wir bei einer Tankstelle eine Entsorgungsstation mit Stellplätzen für Wohnmobile und Trucks. Die App Park4Night ist dabei eine echte Hilfe – ansonsten müsste man wohl ständig Campingplätze ansteuern. Die Entsorgung klappt auch hier problemlos, allerdings geht erneut nichts ohne Schlauch – nicht einmal beim Grauwasser.

    Eigentlich wollten wir zwei Tage in Kuopio bleiben und eine Bootstour auf den Seen machen. Doch das Wetter zeigt sich von seiner kühlen und wechselhaften Seite. Also planen wir spontan um und landen schliesslich auf einem Parkplatz auf dem Hausberg von Kuopio.

    Dort entdecken wir eine für uns völlig neue Sportart: Discgolf – vielleicht besser bekannt als Frisbee-Golf. In Finnland scheint das ein echter Volkssport zu sein, denn dies ist bereits der zweite Platz, den wir entdecken. Wir schauen den Jugendlichen eine Weile zu und staunen nicht schlecht: Manche schleppen ganze Rucksäcke voller verschiedener Frisbees mit sich herum. Offenbar braucht es für jede Situation die passende Scheibe.

    Rund um den Hausberg gibt es einiges zu entdecken: einen ehemaligen Skilift, Wanderwege, Mountainbike-Strecken und eine tolle Grillstelle. Später erkunden wir noch die Skisprungschanze und den Aussichtsturm mit Drehrestaurant. Vielleicht haben wir Glück und ergattern dort sogar noch einen Platz zum Essen.
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  • Savonlinna & Muikku

    May 25 in Finland ⋅ 🌬 13 °C

    Nach einer stürmischen Nacht machen wir uns auch heute wieder früh auf den Weg. Viel Strecke liegt diesmal nicht vor uns – gerade einmal 20 Kilometer trennen uns von unserem nächsten Ziel: Savonlinna.

    Die kleine Stadt im Osten Finnlands ist vor allem für ihre traumhafte Wasserlandschaft bekannt. Zwischen Seen und Inseln liegt ihr berühmtestes Wahrzeichen: die imposante Olavinlinna. Die mittelalterliche Burg aus dem 15. Jahrhundert wurde einst zum Schutz vor russischen Angriffen errichtet und zählt heute zu den am besten erhaltenen Burgen Nordeuropas. Besonders beeindruckend wirkt sie, weil sie scheinbar direkt aus dem Wasser aufsteigt. Heute begnügen wir uns allerdings mit einem Blick von aussen und verzichten auf eine Besichtigung im Innern.

    Von der Burg spazieren wir gemütlich entlang der Hafenanlage bis zum Marktplatz. Doch gemütlich ist eigentlich das falsche Wort – der Wind pfeift uns kräftig um die Ohren. Gerade einmal 12 Grad zeigt das Thermometer, und so feiern unsere Mützen heute ihr Comeback.

    Kulinarisch steht heute etwas auf unserer Wunschliste: Muikku – eine regionale Fischspezialität, die uns Daniela empfohlen hat. Danke nochmals für den Tipp! Die kleinen Süsswasserfische aus dem Saimaa-See werden meist gebraten, geräuchert oder als Suppe serviert. Weil das Wetter heute nicht gerade zu einem Imbiss am Marktplatz einlädt, suchen wir uns lieber ein gemütliches Restaurant. Yvonne entscheidet sich für die gebratene Muikku-Variante, Andreas für gebratenen Flussbarsch – ebenfalls eine Spezialität aus der Region. Und was sollen wir sagen? Beides war ausgesprochen lecker.

    https://findpenguins.com/anyvontour/footprint/6…

    Eine weitere kleine Beobachtung überrascht uns: Schon um 11.30 Uhr ist das Restaurant voller Einheimischer, die alle bereits beim Mittagessen sind. Als wir kurz nachfragen, wird uns erklärt: Das sei in Finnland ganz normal. Ab 11 Uhr gibt’s Mittagessen – und um 12 Uhr sind viele schon wieder fertig. Daran könnten wir uns vielleicht auch gewöhnen.

    Gut gestärkt geht es zurück zum Wohnmobil. Draussen nimmt der Wind immer mehr Fahrt auf, drinnen wird es umso gemütlicher. Also machen wir es uns bequem, geniessen die Ruhe und planen entspannt die nächsten Etappen unserer Reise.
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  • Grösste Holzkirche der Welt

    May 24 in Finland ⋅ ☁️ 15 °C

    Unsere Weiterreise führt uns entlang der eindrucksvollen Seenlandschaft des Saimaa-Seengebiets. Immer wieder öffnet sich die Landschaft zwischen Wäldern, Wasser und kleinen Ortschaften – ruhig, weit und typisch finnisch.

    In Kerimäki wollen wir die größte Holzkirche der Welt besuchen. Direkt am Hafen finden wir einen schönen Parkplatz und entscheiden uns spontan, hier auch die Nacht zu verbringen. Die Lage direkt am Wasser macht diesen Ort besonders angenehm und ruhig.

    Die berühmte Holzkirche von Kerimäki ist jedoch aufgrund umfangreicher Renovationsarbeiten vollständig eingerüstet und derzeit nicht zugänglich. Die Arbeiten sollen voraussichtlich noch bis Ende Mai 2027 andauern.

    Auch wenn wir sie nicht von innen erleben können, bleibt das Bauwerk beeindruckend: Schon von aussen lässt sich erahnen, welche Dimensionen diese Kirche hat.

    Das Gebäude ist rund 45 Meter lang, 42 Meter breit und bietet Platz für bis zu 5.000 Menschen. Errichtet wurde es im 19. Jahrhundert mit dem Ziel, die gesamte damalige Gemeinde unter einem Dach zu vereinen. Im Inneren sollen sich über 1,6 Kilometer Bänke durch das Gebäude ziehen – ein fast surrealer Gedanke, den wir diesmal leider nur erahnen können.

    Eine lokale Legende erzählt, dass die aussergewöhnliche Grösse aus einem Missverständnis zwischen den Einheiten Fuss und Meter entstanden sein könnte. Historisch ist das nicht belegt, passt aber gut zu dem Mythos, der dieses Bauwerk umgibt.

    Fazit: Die Kirche von Kerimäki gehört zu den eindrucksvollsten Holzbauwerken der Welt. Auch im eingerüsteten Zustand bleibt sie ein besonderer Ort und ein Stück finnischer Baugeschichte.

    Wer in der Region unterwegs ist, sollte hier trotzdem anhalten – als Fotostopp, als Geschichtsort und als Symbol für die beeindruckende Holzbau-Tradition Finnlands.
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  • Skulpturenpark Parikkala

    May 24 in Finland ⋅ ☁️ 17 °C

    Nach einer ruhigen und erholsamen Nacht machen wir uns früh auf den Weg. Das erste Etappenziel liegt nur knapp zehn Kilometer entfernt – und ist definitiv kein Ort, den man so schnell vergisst: der Parikkala Skulpturen Park.

    Er liegt ganz in der Nähe der russischen Grenze. Geschaffen wurde er vom Künstler Veijo Rönkkönen, der hier über fast 50 Jahre hinweg in seinem eigenen Garten eine völlig eigene Welt erschuf.

    Heute stehen rund 560 Betonskulpturen auf dem Gelände – viele lebensgroß, manche skurril, andere fast schon verstörend. Besonders bekannt ist die Gruppe von mehr als 200 Yoga-Figuren, inspiriert von Rönkkönens eigener Yoga-Praxis.

    Eigentlich sind wir keine großen Skulpturenfans – doch dieser Ort hat uns sofort gepackt. Irgendwo zwischen faszinierend und ziemlich „creepy“. Die teils bizarren Gesichtsausdrücke, verwitterten Figuren und sogar echte Zahnprothesen in manchen Skulpturen sorgen für eine Atmosphäre, die gleichzeitig kurios und leicht unheimlich wirkt. Genau diese Mischung macht den Park aber so besonders.

    Fast noch spannender als der Ort selbst ist die Geschichte seines Schöpfers. Rönkkönen war kein klassisch ausgebildeter Künstler, sondern Autodidakt und Vertreter der finnischen ITE-Kunst („itse tehty elämä“ – übersetzt etwa „selbstgemachtes Leben“), einer Form von Outsider Art oder Volkskunst. Hauptberuflich arbeitete er in einer Papierfabrik im nahegelegenen Simpele – seine Kunst entstand über Jahrzehnte hinweg nach Feierabend, Stück für Stück, direkt in seinem Garten.

    Er galt als extrem zurückgezogen und scheu, reiste kaum und sprach wenig über sich selbst. Manche sehen in diesem Skulpturenpark seine ganz persönliche Art, mit der Welt in Kontakt zu treten: Statt selbst hinauszugehen, ließ er die Menschen zu sich kommen.

    Falls ihr in dieser Region Finnlands unterwegs seid, können wir euch einen Zwischenstopp hier definitiv empfehlen. Der Park ist außergewöhnlich, etwas schräg und bleibt garantiert in Erinnerung – ganz egal zu welcher Jahreszeit.
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  • Ruhe am Hiitolanjoki

    May 23 in Finland ⋅ ☀️ 20 °C

    Eigentlich steht heute der Robben-Wanderweg in der Saimaa-Seenlandschaft auf dem Programm. Doch der gestrige Tag steckt uns noch spürbar in den Knochen, und so entscheiden wir uns für eine ruhigere Alternative: eine entspannte Fahrt nach Rautjärvi.

    Dort finden wir einen wunderbaren Parkplatz direkt am Flusssystem Hiitolanjoki – und ohne lange zu überlegen, starten wir bei bestem Wetter zu einer kurzen Wanderung.

    Hiitolanjoki ist kein gewöhnlicher Fluss. Vielmehr handelt es sich um ein weit verzweigtes System aus Seen, Stromschnellen und Flussabschnitten, das zum Einzugsgebiet des Vuoksi-Flusses gehört und letztlich in den Ladogasee in Russland entwässert. Diese Wasserlandschaft wirkt weniger wie ein einzelner Flusslauf, sondern eher wie ein lebendiges Geflecht aus Wasser, Stein und Wald.

    Besonders spannend ist die Geschichte dieses Ortes: Der Fluss wurde über Jahrzehnte stark durch Wasserkraftnutzung verändert. Dämme und Kraftwerke unterbrachen natürliche Wanderwege für Fische wie Lachs und Forelle und veränderten das Ökosystem erheblich. In den letzten Jahren wurden jedoch mehrere dieser Hindernisse entfernt oder umgebaut, sodass sich der Flussabschnitt langsam wieder in einen natürlicheren Zustand zurückentwickelt.

    Heute sehen wir zwar keine Fische, aber das spielt an diesem Ort kaum eine Rolle. Stattdessen erleben wir eine fast unwirkliche Ruhe – nur Wasser, Wald und das leise Gefühl von Geschichte, die sich zurück in Natur verwandelt.

    Zurück am Fahrzeug gibt es auch technisch gute Nachrichten: Unsere neu gekaufte Powerstation arbeitet zuverlässig und versorgt uns problemlos mit 230-Volt-Geräten. Alles, was über 12 Volt läuft, wird ohnehin weiterhin stabil über die Aufbaubatterie betrieben, die durch Solarpaneele und Ladebooster gut versorgt ist.

    Nur der Wechselrichter bleibt weiterhin komplett ohne Lebenszeichen. Ein Umstand, mit dem wir uns inzwischen arrangiert haben – zumindest vorerst. Ob das bis zum Ende der Reise wirklich so entspannt bleibt, wird sich zeigen.

    Für den Moment aber passt alles: ein stiller Fluss, funktionierende Energieversorgung und ein unerwartet perfekter Tag in Finnland.
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  • Wechselrichter defekt?!

    May 22 in Finland ⋅ 🌧 15 °C

    Gestern beim Kochen auf unserer Induktionsherdplatte passierte es plötzlich: Kurz bevor das Fleisch fertig gegart war, war der Strom weg. Einfach so. Kein 230-Volt-Strom mehr aus unseren Batterien.

    Wir versuchten alles, was uns einfiel: Sicherungen kontrollieren, Systeme neu starten, Wechselrichter prüfen – nichts half. Der Wechselrichter blieb komplett ohne Lebenszeichen, keine Anzeige, kein Einschalten. Laut Handbuch unseres Dethleffs und nach dem Studium der Victron-Anleitung kam schnell der Verdacht auf die große Mega-Sicherung. Doch wir trauten uns nicht, diese selbst zu öffnen.

    Die Stimmung war entsprechend im Keller, auch wenn wenigstens das 12-Volt-System noch funktionierte und wir den Abend mit etwas Fernsehen ausklingen lassen konnten.

    Am nächsten Morgen geht es früh los. Rund 100 Kilometer zurück zum nächstgelegenen Dethleffs-Händler, den wir gleich zu Öffnungsbeginn erreichen. Nach der Schilderung des Problems dürfen wir direkt in die Werkstatt fahren.

    Die Diagnose ist ernüchternd: Kein einfacher Sicherungsdefekt. Die Mega-Sicherung ist in Ordnung. Dafür findet der Techniker ein loses Kabel, das vermutlich mitverantwortlich für den Ausfall war. Nach der Fixierung keimt kurz Hoffnung auf – und tatsächlich: Landstrom funktioniert wieder, die Steckdosen im Fahrzeug sind zurück.

    Doch die Freude hält nicht lange. Ohne Landstrom bleibt der Wechselrichter weiterhin ohne Funktion. Die Werkstatt vermutet nun einen Defekt am Gerät selbst. Ein Austausch über Garantie ist zwar möglich, aber Bestellung und Lieferung würden mindestens eine Woche dauern – zu lange für unsere Weiterreise, zumal auch Feiertage alles verzögern.

    Nach einem Telefonat mit unserem Händler in Deutschland ist klar: Wir wollen nicht eine Woche hier bleiben. Also müssen wir umplanen, auch wenn noch offen ist, wie genau die Lösung aussehen wird.

    Für den Moment entscheiden wir uns für eine Alternative: eine Powerstation oder ein ähnliches System. Überraschend schnell stellt sich das als die praktikabelste Lösung heraus.

    In einem großen Elektronikmarkt werden wir gut beraten und werden tatsächlich fündig. Ein Setup, das uns vorübergehend wieder unabhängig macht: Kaffeemaschine, Laptop laden, Föhn – alles wieder möglich, ohne den fest verbauten Wechselrichter.

    Unsere Stimmung hebt sich langsam wieder.

    Hungrig und erleichtert geht es weiter Richtung Tagesziel. Ein Follower hatte uns eine lokale Spezialität empfohlen: Vety – ein typisch finnischer Fastfood-Snack, den wir unbedingt probieren wollen.

    In Lappeenranta angekommen, passt genau das perfekt zur Situation. Bei strömendem Regen holen wir uns das Essen und sind überrascht, wie gut es schmeckt – genau das Richtige nach einem langen, turbulenten Tag.

    Um etwas durchatmen zu können, fahren wir den nahegelegenen Campingplatz an. Nun heißt es: Powerstation aufladen, einrichten und testen. Für die Übergangszeit ist diese Lösung ideal und gibt uns die Freiheit, weiterzureisen, ohne auf Ersatzteile warten zu müssen.

    So endet ein Tag, der mit einem Stromausfall begann und mit einer improvisierten, aber funktionierenden Lösung endete. Nicht alles läuft unterwegs nach Plan – aber genau das gehört wohl zum Reisen im Wohnmobil dazu. Trotzdem sind wir dankbar, dass uns vor Ort so schnell geholfen wurde, ebenso wie durch unseren Händler in Deutschland.

    PS: Der Kaffee aus der eigenen Kaffeemaschine schmeckt heute doppelt so gut.
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  • Valkmusa-Nationalpark

    May 21 in Finland ⋅ ☁️ 18 °C

    Gestern am späten Nachmittag fehlte uns schlicht die Motivation für den kleinen Rundwanderweg in der Gegend von Pyhtää. Gerade als wir ankamen, schwärmte ein Reisebus voller Vogelbeobachter aus, und wir wollten ihnen ihre Ruhe bei den Beobachtungen nicht nehmen. Also beschlossen wir kurzerhand: Die Wanderung verschieben wir auf morgen früh.

    Der rund 2,3 Kilometer lange Rundweg startet direkt bei unserem Übernachtungsplatz im Valkmusa-Nationalpark. Früh am Morgen wollen wir los – doch kaum stehen wir bereit, rollt schon der nächste Reisebus an. Dieses Mal eine Schulklasse. Also entscheiden wir uns kurzerhand, einfach in die entgegengesetzte Richtung zu starten.

    Schon nach wenigen Minuten wird klar: Valkmusa ist anders als viele finnische Nationalparks. Weniger dichter Wald, dafür offene Moorlandschaften und überraschend viel Weite. Der Weg führt grösstenteils über lange Holzstege durchs Moor, vorbei an Moosflächen, kleinen Wasserstellen und niedrigen Kiefern. Flach, unkompliziert und perfekt für eine gemütliche Runde – nur bei Nässe könnten die Bretter etwas rutschig werden.

    Unterwegs treffen wir die Schulklasse wieder und erfahren, dass etwa die Hälfte der Schüler aus Bayern stammt und hier an einem Schüleraustausch teilnimmt.

    Etwa auf halber Strecke wartet ein kleiner Aussichtsturm – perfekt für eine kurze Pause. Von oben wird erst sichtbar, wie weit sich das Moor erstreckt. Trotz Südfinnland fühlt sich die Landschaft fast ein wenig wie Lappland an.

    Auf dem Rückweg geht es wieder etwas mehr durch bewaldetes Gebiet. Die Beerensträucher blühen bereits – in ein paar Wochen dürfte das hier ein echtes Beerenparadies sein.

    Nach dieser kleinen Morgenwanderung heißt es für uns wieder: weiterfahren. Heute steht nichts Spektakuläres auf dem Programm, einfach nur Finnland genießen und gemütlich zum nächsten Übernachtungsplatz rollen.

    Was uns unterwegs immer wieder auffällt, sind die unglaublich langen LKW-Gespanne. Viele von ihnen fahren mit neun Achsen, und nach einer kurzen Recherche staunen wir nicht schlecht: In Finnland dürfen diese Trucks tatsächlich bis zu 34,5 Meter lang sein. Irgendwie faszinieren uns diese riesigen Fahrzeuge inzwischen fast mehr, als sie sollten.

    Am Nachmittag zeigt sich das Wetter leider nicht mehr von seiner freundlichen Seite. Schon bald setzt Regen ein – und alles deutet darauf hin, dass er uns wohl bis morgen Mittag begleiten wird.

    Den restlichen Tag und Abend lassen wir trotzdem entspannt ausklingen – mit einem wunderschönen Blick auf einen See. Genau solche ruhigen Momente machen diese Reise für uns aus.
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  • Gas, Ent- und Versorgung Finnland

    May 20 in Finland ⋅ ⛅ 17 °C

    Unsere heutige Mission: eine AGA-Gasflasche aus Stahl für unser Wohnmobil organisieren. Da wir länger in Finnland unterwegs sind, wird unser 70-Liter-Gastank vermutlich nicht ausreichen. Das Problem: Gastanks lassen sich in Finnland offenbar nicht auffüllen. Also brauchen wir eine Alternative.

    Nach kurzer Recherche machen wir uns auf die Suche nach einem Händler, der AGA-Gasflaschen verkauft – idealerweise gleich mit den passenden Anschlussadaptern. Bereits in Porvoo werden wir fündig, und ehrlich gesagt: Es läuft viel unkomplizierter ab als gedacht.

    Nicht nur der Kauf ist einfach, wir brauchen nicht einmal einen zusätzlichen Adapter. Unser spanischer Clic-Adapter passt problemlos – damit ist die finnische Gasflasche direkt einsatzbereit. Wenn alles wie erwartet funktioniert, sollten wir sie künftig bei jedem AGA-Shop oder Tauschkasten unkompliziert gegen eine volle Flasche tauschen können. Wir werden berichten.

    Da wir bestimmt nochmals nach Finnland reisen werden – vielleicht sogar im Winter – fühlen wir uns mit einer finnischen Gasflasche künftig deutlich entspannter unterwegs.

    Weil die Gas-Mission schneller erledigt ist als erwartet, nutzen wir die Gelegenheit gleich für den nächsten Versorgungsstopp an einer ABC-Tankstelle. Neben Diesel tanken entsorgen wir Grau- und Schwarzwasser und füllen Frischwasser auf. Auch hier sind wir positiv überrascht: unkompliziert, gut organisiert und sogar kostenlos. Bei grösseren ABC-Tankstellen scheint dieser Service problemlos möglich zu sein. Ein kleiner Hinweis aus der Praxis: Ohne eigenen Schlauch fürs Entleeren wird es schwierig.

    Damit sind wir aktuell ziemlich autark unterwegs und müssen keinen Campingplatz ansteuern.

    Auch unser Stromsetup funktioniert hervorragend und reicht locker aus, um sämtliche elektrischen Geräte zu betreiben – inklusive Heissluftfriteuse und Induktionskochplatte. Landstrom? Bis jetzt völlig unnötig auf unserer gesamten Reise.
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  • Porvoo – Finnlands romantische Seite

    May 20 in Finland ⋅ ⛅ 18 °C

    Heute steht ein ganz besonderes Ziel auf dem Programm: Porvoo – für viele einer der schönsten Orte Südfinnlands. Die kleine Stadt zählt zu den ältesten Finnlands und begeistert mit ihren bunten Holzhäusern an der Mündung des Flusses Porvoonjoki.

    Durch verwinkelte Kopfsteinpflastergassen schlendern wir bergauf durch die Altstadt bis zur beeindruckenden Porvoo Cathedral. Sie gehört zu den bekanntesten Kirchen Finnlands und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Ihre Ursprünge reichen bis ins 13. und 14. Jahrhundert zurück. Aussen schlicht, typisch nordisch – eine Mischung aus Backstein und Stein mit mittelalterlichem Charme.

    Immer wieder bleiben wir stehen, denn die bunten Häuser entlang der engen Gassen sind einfach zu fotogen. Schließlich zieht es uns zuerst in die „Neustadt“ – Zeit für eine kleine Cafépause. Im Café Cabriole, untergebracht in einem ehemaligen Bankgebäude im Jugendstil, gönnen wir uns einen Cappuccino und probieren zum ersten Mal die finnische Zimtschnecke: den Korvapuusti. Würziger als die schwedische Variante, oft mit Kardamom verfeinert – und ziemlich lecker. Ein kleines Highlight: In den Toilettenräumen erinnern alte Tresore noch an die frühere Nutzung des Gebäudes.

    Auf dem Rückweg spazieren wir entlang des Porvoonjoki. Von hier aus hat man den perfekten Blick auf die berühmten roten Speicherhäuser – wohl eines der bekanntesten Fotomotive der Stadt. Früher wurden hier Handelswaren gelagert, und der rote Anstrich soll angeblich zu Ehren eines königlichen Besuchs entstanden sein.

    Porvoo zeigt uns heute seine ruhige, romantische Seite: kleine Cafés, hübsche Designläden, lokale Schokolade, Kunsthandwerk, enge Gassen voller Charme und entspannte Spaziergänge am Wasser. Trotz sechs Reisebussen voller Kreuzfahrtgäste wirkt der Ort überraschend gemütlich und überhaupt nicht überlaufen.
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  • 1. grosse Fährfahrt: Tallinn-Helsinki

    May 19 in Finland ⋅ ⛅ 14 °C

    Heute steht die wohl am längsten im Voraus gebuchte Teilstrecke unserer Nordkap-Ostroute an. Weil wir mit unserem Wohnmobil etwas grösser und schwerer unterwegs sind, liess sich das Fährticket bei Viking nicht einfach online buchen. Stattdessen lief alles über eine Buchungsanfrage per E-Mail – für uns bereits der erste kleine Unterschied zum Reisen mit dem PKW.

    Entsprechend gespannt sind wir, wie alles ablaufen wird. Werden wir wie ein LKW behandelt? Mit dem Auto haben wir schon einige Fährfahrten erlebt, mit dem Wohnmobil dagegen ist es Neuland.

    Pünktlich zum Start des Check-ins stehen wir vor Ort – und schon beginnt alles erstaunlich unkompliziert. Nach etwas Wartezeit heisst es auch für uns: Boarding. Zwar erst nach den vielen PKWs, dafür aber ganz entspannt. Kein Rangieren, kein Wenden im Schiff, kein rückwärts Einparken – wir rollen einfach gemütlich vorwärts an Bord. Alles erstaunlich easy.

    Noch vor der offiziellen Abfahrtszeit legen wir ab. Fast so, als wolle uns der Baltikum-Abschnitt unserer Reise einen letzten dramatischen Abschiedsgruss mitgeben, öffnet der Himmel plötzlich seine Schleusen: Ein kräftiger Platzregen begleitet unsere Ausfahrt hinaus aufs Meer.

    Die Überfahrt verläuft ruhig, und nach gerade einmal 2,5 Stunden haben wir schon wieder festen Boden unter den Reifen. Unser Weg führt uns heute noch aus Helsinki hinaus zu einem eher unspektakulären Parkplatz bei Porvoo.

    Irgendwie macht uns all das Neue etwas müde – gleichzeitig sind wir einfach glücklich und erleichtert, dass alles so reibungslos funktioniert hat.
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  • Mittelalter zum Anfassen - Tallinn

    May 18 in Estonia ⋅ ☁️ 14 °C

    Der heutige Tag ist Tallinn gewidmet. Dafür stehen wir etwas früher auf und laufen bereits um 09:00 Uhr zum Bahnhof, der nur rund einen Kilometer von unserem Campingplatz entfernt liegt. Heute geht es ganz entspannt mit der Bahn nach Tallinn. Die Tickets haben wir unkompliziert online gekauft – und schon kann die Fahrt losgehen.

    Vorab haben wir uns eine kleine Rundtour zusammengestellt, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der estnischen Hauptstadt zu entdecken. Unser Stadtrundgang startet auf dem Domberg, wo wir zuerst zwei Aussichtsplattformen besuchen. Von hier oben haben wir einen tollen Blick über die Dächer der Altstadt bis hinaus zur Ostsee. Auch das estnische Parlament hat hier seinen Sitz.

    Bereits von den Aussichtspunkten aus fällt uns auf, wie viele Kirchen sich auf engem Raum befinden. Wir entscheiden uns allerdings, nur zwei davon von innen anzuschauen: die Alexander-Newski-Kathedrale und die Olaikirche. Die russisch-orthodoxe Kathedrale zeigt eindrücklich, wie bedeutend diese Glaubensrichtung für einen Teil der estnischen Bevölkerung ist. Die Olaikirche beeindruckt dagegen mit ihrer gotischen Architektur. Bereits im 12. Jahrhundert erbaut und heute evangelisch-lutherisch geprägt, könnte man den Turm sogar besteigen – doch heute fehlt uns die Motivation dazu. Einst war dieser Turm übrigens noch höher und soll zwischen 1549 und 1625 während fast 80 Jahren sogar das höchste Gebäude der Welt gewesen sein.

    Tallinn selbst begeistert uns schnell. Die Hauptstadt Estlands zählt zu den am besten erhaltenen mittelalterlichen Städten Europas und gehört mit ihrer Altstadt heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Enge Gassen, alte Stadtmauern und zahlreiche Türme versetzen uns gefühlt direkt zurück ins Mittelalter. Kein Wunder: Tallinn war früher ein wichtiger Teil der Hanse, eines bedeutenden Handelsnetzwerks jener Zeit. Irgendwie hat die Stadt sofort ihren ganz eigenen Charme – und verzaubert uns ziemlich schnell.

    Am Rathausplatz wird es etwas lebhafter. Restaurants und Cafés laden zum Verweilen ein, und wir gönnen uns einen Drink draussen in der wärmenden Sonne. Dabei geniessen wir den Blick auf das über 600 Jahre alte Rathaus und die farbigen Häuser rundherum. Natürlich darf auch ein Besuch in der Rathausapotheke nicht fehlen – einer der ältesten Apotheken Europas. Im vorderen Bereich wird tatsächlich noch heute gearbeitet, während sich im hinteren Teil ein kleines Museum befindet.

    In Tallinn gibt es gefühlt an jeder Ecke etwas zu entdecken: Museen, Kirchen, historische Mauern und Türme. Teilweise weiss man gar nicht, wohin man zuerst schauen soll – und das alles auf erstaunlich kleinem Raum.

    Immer wieder kommen wir an Bernstein-Geschäften vorbei. Die Preise sind hier allerdings fast doppelt so hoch wie in Lettland. Zum Glück hat sich Yvonne ihre Ohrringe bereits in Palanga gekauft.

    Langsam meldet sich auch der Hunger, und wir haben uns dafür ein Restaurant im mittelalterlichen Stil ausgesucht: Olde Hansa:

    https://findpenguins.com/6kdeanaddcs1g/footprin…

    Gut gestärkt schlendern wir danach weiter durch die Altstadt und entdecken auch noch die Drei Schwestern. Dabei handelt es sich um drei miteinander verbundene Kaufmannshäuser aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Einer Legende nach sollen sie für die drei Töchter eines Kaufmanns gebaut worden sein. Heute zählen sie zu den bekanntesten Beispielen gotischer Bürgerarchitektur in Tallinn.

    Unsere restliche Tour führt uns durch die Passage Katariina käik, vorbei an alten Stadtmauern, der Lehmpforte, dem Opernhaus und dem Freiheitsplatz.

    Langsam verschlechtert sich das Wetter, und so nehmen wir die Bahn zurück zu unserem Campingplatz.

    Eine kurze Dusche, die Beine hochlegen und den restlichen Tag einfach geniessen.

    Tallinn hat uns wirklich überrascht. Innerhalb der Altstadt ist unglaublich viel erhalten geblieben und liebevoll restauriert worden. Vor allem wenn man bedenkt, wie alt viele dieser Gebäude bereits sind, ist das schon ziemlich beeindruckend.
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