Wir werden von Straż Graniczna kontrolliert!
April 6 in Poland ⋅ ☁️ 15 °C
Der Tag beginnt ungemütlich: Sturm und Regen peitschen über das Land, während wir uns langsam auf den Aufbruch vorbereiten. Unser Ziel für heute ist die ukrainische Grenze – allerdings wollen wir die offiziellen Grenzübergänge bewusst meiden. Die sogenannten Checkpoints wirken auf uns etwas abschreckend, zu ungewiss ist die Situation, falls man dort nicht einfach wieder umkehren kann.
Schon bald lässt der Regen nach, doch der Wind bleibt. Er treibt dunkle Wolken in rasendem Tempo über den Himmel – ein beeindruckendes Naturschauspiel. Wir fahren durch kleine Dörfer, die wie ausgestorben wirken. Erst auf den zweiten Blick wird klar warum: Die Parkplätze vor den Kirchen sind voll, Licht scheint durch die Fenster. Es ist Ostermontag – auch hier ein bedeutender Feiertag.
Der Wind wird zwischenzeitlich so stark, dass wir einen Zwischenstopp einlegen. Eine gute Entscheidung, wie sich später zeigt. Als wir unsere Fahrt fortsetzen, liegen überall Äste auf den Straßen, am Rand sogar umgestürzte Bäume. Vorsicht ist angesagt.
Unser Übernachtungsplatz liegt schließlich nur etwa 3 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt – idyllisch an einem kleinen Stausee, umgeben von Wald. Inzwischen hat sich das Wetter beruhigt, und wir genießen die Ruhe dieses abgelegenen Ortes.
Spontan kommt uns eine Idee: Warum nicht die letzten Kilometer bis zur Grenze mit dem Fahrrad zurücklegen?
Auf dem Weg dorthin liegt eine besondere Sehenswürdigkeit – eine alte Holzkirche. Sie stammt aus dem 16. Jahrhundert, gehört zum UNESCO-Welterbe der „Holzkirchen der Karpatenregion“ und zählt zu den ältesten erhaltenen Holzkirchen Polens. Leider sind Kirche und Museum heute geschlossen. Dennoch strahlt der Ort eine besondere Ruhe aus. Gleich daneben liegt ein wunderschöner Friedhof mit Grabsteinen, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen.
Wir steigen wieder auf unsere Fahrräder und fahren weiter Richtung Grenze.
Ein Schild weist uns auf die Regeln hin: Bis auf 15 Meter darf man sich der Grenze nähern. Doch so weit kommen wir gar nicht. Rund 50 Meter vorher ist Schluss. Von hinten nähert sich ein Fahrzeug der Grenzpatrouille – Straż Graniczna – und hält neben uns an.
Freundlich werden wir kontrolliert. Wir zeigen unsere Ausweise, alles ist in Ordnung. Die Beamten erklären uns, wie streng die sogenannte „grüne Grenze“ überwacht wird – selbst in abgelegenen Waldgebieten. Kameras, Sensoren und teilweise Zäune sorgen dafür, dass hier nichts unbemerkt bleibt. Auch wir wurden längst entdeckt, wie sie uns erzählen.
Nach einem kurzen, angenehmen Gespräch heißt es für uns: umdrehen.
Wir fahren zurück durch den Wald zu unserem Wohnmobil. Kaum angekommen und die Fahrräder verstaut, beginnt es zu graupeln. Drinnen wärmen wir uns mit einer heißen Tasse Tee auf. Kurz darauf zeigt sich wieder die Sonne, und die Vögel stimmen ein lautes Konzert an.
Ein Tag voller Wetterwechsel, Eindrücke und kleiner Abenteuer.
Jetzt sind wir gespannt, ob wir am Abend auf unserem abgelegenen Stellplatz noch einmal Besuch von der Grenzpatrouille bekommen.Read more


























TravelerIhr seit ja recht mutig, ich hätte ein mulmiges Gefühl. Ist ja Gott sei Dank alles gut gelaufen. Ja das Wetter muss man nehmen wie es kommt. Schöne Weiterreise und LG Isabella 😻😻
Yvi on tourDieses Gebiet der Ukraine wird nicht vom Agressor Russlands beschossen und ist relativ sicher. Aber etwas Respekt gehört bestimmt auch dazu!
TravelerHabt ihr da keine Bedenken? So nah an der Grenze?
Yvi on tourWir fühlen uns sehr sicher. Auch Einheimische teilen uns immer wieder mit, dass sie sich sicher fühlen und keine Angst oder Bedenken haben. Wir hatten jetzt schon 2x Alarm über Sirenen, diese waren jedoch Feuerwehreinsätze. Das hat uns zu Beginn schon etwas in Unruhe versetzt und zum Nachdenken gebracht.