• Wallfahrtsort und Grenze zu Belarus

    April 11 in Poland ⋅ ☁️ 9 °C

    Heute zieht es uns noch weiter nach Osten – dorthin, wo Polen langsam ausläuft und die Grenze zu Belarus den Rhythmus vorgibt. Wir folgen einer gut ausgebauten Straße, die sich durch unzählige kleine Dörfer schlängelt.

    Unser Ziel ist eher zufällig gewählt: Kodeń. Ein kleiner Ort, unscheinbar auf der Karte – und doch mit großer Bedeutung.

    Direkt neben einer imposanten Kirche finden wir einen großzügigen Parkplatz, der offenbar für Busse und PKW gleichermaßen gedacht ist. Perfekt für uns. Es ist Mittagszeit, der Hunger meldet sich, und so beschließen wir, erst einmal zu bleiben.

    Nach dem Essen lassen wir uns einfach treiben. Ein Spaziergang durch den Ort offenbart schnell: Kodeń ist kein gewöhnliches Dorf. Mehrere prachtvolle Kirchen, gepflegte Anlagen – und eine spürbare Ruhe, die fast ehrfürchtig wirkt.

    Wir erfahren, dass Kodeń seit dem 17. Jahrhundert ein bedeutender Wallfahrtsort ist. Zentrum ist die Basilika der Heiligen Anna. Dort befindet sich ein Marienbild mit einer bemerkenswerten Geschichte: Der polnische Adelige Mikołaj Sapieha soll es einst aus Rom nach Kodeń gebracht haben – nicht ganz offiziell, versteht sich.

    Gleich hinter der Kirche liegt ein Kloster der Oblatenmissionare, samt kleinem Museum und Pilgerunterkunft.

    Besonders einladend ist der Kalvarienberg – hier eher ein weitläufiger Park als ein steiler Hügel. Die Wege führen an verschiedenen Stationen vorbei, die das Leiden Jesu darstellen. Es ist ruhig, fast meditativ.

    Und dann ist da immer dieser Blick: hinüber Richtung Belarus. Keine Zäune, keine sichtbaren Kontrollen – nur der Fluss, der die Grenze markiert. Wir gehen bis zum Ufer, bis zum Grenzstein. Ein seltsames Gefühl, so nah an einer politischen Grenze zu stehen, die gleichzeitig so unspektakulär wirkt.

    Den Abschluss bildet unser Besuch in der Basilika. Die Messe ist gerade zu Ende, doch viele Gläubige verweilen noch. Einige bewegen sich auf den Knien langsam Richtung Altar.

    Wir bleiben stehen und beobachten. Es ist ein ungewohnter Anblick, fast irritierend. Diese Form der Hingabe wirkt auf uns fremd, vielleicht sogar ein wenig erschreckend. Und doch ist spürbar, dass dahinter etwas sehr Persönliches steckt – Dankbarkeit, Bitte, Demut, Busse, Glaube. Später lesen wir, dass solche Gesten an Wallfahrtsorten nicht unüblich sind.

    Mit vielen Eindrücken im Kopf kehren wir zu unserem Wohnmobil zurück. Erst einmal ein heißer Tee. Durchatmen. Sortieren.

    Wir beschließen, hier zu bleiben. Der Parkplatz ist ruhig, die Atmosphäre besonders. Ein guter Ort, um den Tag ausklingen zu lassen.
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