Zwischen Bernstein und Meeresrauschen
April 30 in Lithuania ⋅ ☁️ 8 °C
Der heutige Tag beginnt grau und bedeckt. Es ist deutlich kühler als gestern – ein spürbarer Wetterumschwung. Umso zufriedener sind wir, dass wir die letzten beiden Tage noch voll ausgekostet haben.
Heute heißt es Abschied nehmen von der Kurische Nehrung. Mit der Fähre setzen wir zurück aufs Festland. Klaipėda lassen wir bewusst aus – manchmal muss man nicht alles sehen.
Kaum sind wir wieder unterwegs, schrillen plötzlich unsere Handys laut los. Für einen Moment sorgt die Warnmeldung für Nervosität – bis schnell klar wird: In Litauen findet gerade ein landesweiter Alarmtest statt. Entwarnung.
Unser Ziel ist Palanga, Litauens wohl bekanntester Badeort, oft auch als Sommerhauptstadt des Landes bezeichnet. Berühmt für lange Sandstrände und Dünen, zeigt sich der Ort heute von seiner ruhigeren Seite. Für einen Strandspaziergang ist es schlicht zu kühl.
Stattdessen zieht es uns auf die Seebrücke. Hier, wo sich an warmen Abenden die Menschen zum Sonnenuntergang versammeln, weht heute ein frischer Wind. Wir bleiben nicht lange, schlendern zurück und lassen uns durch die lebhafte Flaniermeile treiben – vorbei an Cafés, Restaurants und kleinen Ständen. An einem Fischstand können wir nicht widerstehen: Geräucherter Oktopus wandert in unsere Tasche. Die perfekte Vorspeise für später, zusammen mit einem Glas Weißwein.
Bevor es jedoch gemütlich wird, machen wir noch einen Abstecher in den weitläufigen botanischen Park. Mitten darin liegt das Palanga Amber Museum, untergebracht im eindrucksvollen Tiškevičiai Palace. Schon das Gebäude allein ist einen Besuch wert.
Drinnen tauchen wir in die Welt des Bernsteins ein. Über 20.000 Exponate erzählen von seiner Entstehung, seiner Verarbeitung und seiner kulturellen Bedeutung. Besonders faszinierend sind die kleinen Einschlüsse – Insekten und Pflanzen, die seit Millionen Jahren im Harz konserviert sind. Wie winzige Zeitkapseln aus einer längst vergangenen Welt.
Bernstein ist dabei kein klassischer Stein, sondern versteinertes Baumharz. Vor Millionen Jahren trat es aus verletzten Bäumen aus, schloss kleine Lebewesen ein und wurde im Laufe der Zeit unter Druck und durch chemische Prozesse zu dem, was wir heute kennen. Ein Großteil des baltischen Bernsteins stammt vermutlich von einer ausgestorbenen Kiefernart. Durch Erosion gelangt er bis heute wieder an die Küsten der Ostsee.
Einziger Wermutstropfen: Anfassen ist nicht erlaubt. Ein kleines Stück zum Erleben hätte den Besuch perfekt gemacht.
Natürlich darf ein Museumsshop nicht fehlen – und tatsächlich wird Yvonne fündig. Am Ende sind es ein paar schöne Ohrringe, die uns an diesen Ort erinnern werden.
Nach so viel Bernstein fahren wir noch etwa 20 Kilometer weiter nordwärts, Richtung Lettland. Eigentlich überlegen wir, direkt an der Ostsee zu übernachten – entscheiden uns dann aber bewusst dagegen. Statt Wind und Wellen wählen wir die Ruhe.
Unser Nachtplatz liegt an einem kleinen See. Kein Meeresrauschen, kein Wind – nur Stille. Ab und zu durchbrochen von Vögeln, die über das Wasser jagen.
Ein ruhiger Abschluss für einen Tag voller Eindrücke.Read more



























Andy und Yvi on Tour
Haben ihn vor der Wanderung in die Tasche bezahlt😂
TravelerSehr schöner und intressanter Ausflug war das heute und der Octopus hat sicher gemundet. Ob bezahlt oder in die Tasche bezahlt 👍🤣🤣🤣
Yvi on tourDer Octopus war sehr lecker, wir haben ihn Variante 1 einfach so gegessen, Variante 2 mit etwas Öl, Zitrone, Knoblauch und Kräuter mariniert. Dazu ein Glas Wein, war beides sehr lecker!