• Von Litauen nach Lettland

    May 1 in Latvia ⋅ ☀️ 11 °C

    Der Tag beginnt früh – sehr früh. Bereits ab 05:00 Uhr füllt sich unser Übernachtungsplatz nach und nach mit Fischern. Einer nach dem anderen trifft ein, mit Booten im Schlepptau, bereit für den Fang des Tages. Spätestens um 08:30 Uhr ist klar: Hier wird es eng.

    Also beschließen wir, weiterzuziehen und den Fischern ihren Platz zu überlassen. Nicht nur aus Rücksicht, sondern auch aus Überzeugung: Wir möchten solche Orte weiterhin nutzen dürfen – frei stehen, unkompliziert übernachten und keine Verbotsschilder für Wohnmobile vorfinden. Und genau deshalb gehört für uns auch dazu, Platz zu machen, wenn andere ihn brauchen.

    Die Reaktion der Fischer ist freundlich und dankbar. Dabei hätten wir niemanden gestört. Aber genau das ist uns in Litauen immer wieder aufgefallen: die Gelassenheit und Freundlichkeit der Menschen. Wir haben uns hier zu keiner Zeit fehl am Platz gefühlt.

    Ein paar Meter weiter gönnen wir uns erst einmal eine Pause. Frischer Kaffee, ruhige Umgebung, durchatmen.

    Und dann geht alles ganz schnell: Kaum wieder auf der Straße, stehen wir auch schon an der Grenze zu Lettland. Kein großes Spektakel, kein Anhalten – hätten wir das EU-Schild nicht gesehen, wir hätten es fast verpasst. Ein neues Land, ein neues Kapitel.

    Unser Ziel für heute: Liepāja, die drittgrößte Stadt Lettlands, direkt an der Ostsee. Sie gilt als spannender Mix aus Strand, Geschichte und alternativer Kultur.

    Und tatsächlich: Schon bei der Ankunft läuft alles wie am Schnürchen. Parkplatz? Perfekt. Großzügig, gut gelegen – besser geht’s kaum. Also starten wir direkt zu einem Spaziergang entlang des alten Handelskanals.

    Hier schlägt das historische Herz des Hafens. Wo früher Handelsschiffe lagen, flaniert man heute zwischen Cafés, kleinen Booten und Spazierwegen. Besonders faszinierend: die alten Speichergebäude. Manche sind dem Verfall nah, andere liebevoll restauriert – genau dieser Kontrast macht den Charme aus.

    Ein echtes Highlight ist das beeindruckende Great Amber Concert Hall. Der Bau erinnert tatsächlich an einen riesigen Bernstein und zieht sofort alle Blicke auf sich. Von dort aus geht es weiter Richtung Ostsee, vorbei an Häusern unterschiedlichster Baustile – von modern bis Jugendstil ist alles vertreten.

    Und dann: der Strand. Breit, hell, fast endlos. Der Strand von Liepāja gehört zu den schönsten im Baltikum. Mit etwas Glück kann man hier sogar Robben sehen – wir hatten dieses Glück leider nicht. Vielleicht beim nächsten Mal. Die besten Chancen hat man übrigens im Frühling, früh morgens oder am Abend.

    Auch wenn das ehemalige Karosta Gefängnis und die beeindruckende orthodoxe Kathedrale definitiv einen Besuch wert wären, lassen wir sie heute aus. Die Strecke ruft.

    Unser Tagesziel liegt wieder etwas ruhiger: ein Übernachtungsplatz im Landesinneren, direkt an einem großen See. Ankommen, durchatmen, die Natur genießen. Der Blick aufs Wasser, die Stille – genau der richtige Abschluss für einen erlebnisreichen Tag.
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