• Mittelalter zum Anfassen - Tallinn

    May 18 in Estonia ⋅ ☁️ 14 °C

    Der heutige Tag ist Tallinn gewidmet. Dafür stehen wir etwas früher auf und laufen bereits um 09:00 Uhr zum Bahnhof, der nur rund einen Kilometer von unserem Campingplatz entfernt liegt. Heute geht es ganz entspannt mit der Bahn nach Tallinn. Die Tickets haben wir unkompliziert online gekauft – und schon kann die Fahrt losgehen.

    Vorab haben wir uns eine kleine Rundtour zusammengestellt, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der estnischen Hauptstadt zu entdecken. Unser Stadtrundgang startet auf dem Domberg, wo wir zuerst zwei Aussichtsplattformen besuchen. Von hier oben haben wir einen tollen Blick über die Dächer der Altstadt bis hinaus zur Ostsee. Auch das estnische Parlament hat hier seinen Sitz.

    Bereits von den Aussichtspunkten aus fällt uns auf, wie viele Kirchen sich auf engem Raum befinden. Wir entscheiden uns allerdings, nur zwei davon von innen anzuschauen: die Alexander-Newski-Kathedrale und die Olaikirche. Die russisch-orthodoxe Kathedrale zeigt eindrücklich, wie bedeutend diese Glaubensrichtung für einen Teil der estnischen Bevölkerung ist. Die Olaikirche beeindruckt dagegen mit ihrer gotischen Architektur. Bereits im 12. Jahrhundert erbaut und heute evangelisch-lutherisch geprägt, könnte man den Turm sogar besteigen – doch heute fehlt uns die Motivation dazu. Einst war dieser Turm übrigens noch höher und soll zwischen 1549 und 1625 während fast 80 Jahren sogar das höchste Gebäude der Welt gewesen sein.

    Tallinn selbst begeistert uns schnell. Die Hauptstadt Estlands zählt zu den am besten erhaltenen mittelalterlichen Städten Europas und gehört mit ihrer Altstadt heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Enge Gassen, alte Stadtmauern und zahlreiche Türme versetzen uns gefühlt direkt zurück ins Mittelalter. Kein Wunder: Tallinn war früher ein wichtiger Teil der Hanse, eines bedeutenden Handelsnetzwerks jener Zeit. Irgendwie hat die Stadt sofort ihren ganz eigenen Charme – und verzaubert uns ziemlich schnell.

    Am Rathausplatz wird es etwas lebhafter. Restaurants und Cafés laden zum Verweilen ein, und wir gönnen uns einen Drink draussen in der wärmenden Sonne. Dabei geniessen wir den Blick auf das über 600 Jahre alte Rathaus und die farbigen Häuser rundherum. Natürlich darf auch ein Besuch in der Rathausapotheke nicht fehlen – einer der ältesten Apotheken Europas. Im vorderen Bereich wird tatsächlich noch heute gearbeitet, während sich im hinteren Teil ein kleines Museum befindet.

    In Tallinn gibt es gefühlt an jeder Ecke etwas zu entdecken: Museen, Kirchen, historische Mauern und Türme. Teilweise weiss man gar nicht, wohin man zuerst schauen soll – und das alles auf erstaunlich kleinem Raum.

    Immer wieder kommen wir an Bernstein-Geschäften vorbei. Die Preise sind hier allerdings fast doppelt so hoch wie in Lettland. Zum Glück hat sich Yvonne ihre Ohrringe bereits in Palanga gekauft.

    Langsam meldet sich auch der Hunger, und wir haben uns dafür ein Restaurant im mittelalterlichen Stil ausgesucht: Olde Hansa:

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    Gut gestärkt schlendern wir danach weiter durch die Altstadt und entdecken auch noch die Drei Schwestern. Dabei handelt es sich um drei miteinander verbundene Kaufmannshäuser aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Einer Legende nach sollen sie für die drei Töchter eines Kaufmanns gebaut worden sein. Heute zählen sie zu den bekanntesten Beispielen gotischer Bürgerarchitektur in Tallinn.

    Unsere restliche Tour führt uns durch die Passage Katariina käik, vorbei an alten Stadtmauern, der Lehmpforte, dem Opernhaus und dem Freiheitsplatz.

    Langsam verschlechtert sich das Wetter, und so nehmen wir die Bahn zurück zu unserem Campingplatz.

    Eine kurze Dusche, die Beine hochlegen und den restlichen Tag einfach geniessen.

    Tallinn hat uns wirklich überrascht. Innerhalb der Altstadt ist unglaublich viel erhalten geblieben und liebevoll restauriert worden. Vor allem wenn man bedenkt, wie alt viele dieser Gebäude bereits sind, ist das schon ziemlich beeindruckend.
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