• Finnland: Mehr Schweden, als wir gedacht hätten

    May 28 in Finland ⋅ ☁️ 7 °C

    Wie der Wetterbericht für heute vorausgesagt hatte, scheint der Winter fast wieder zurück zu sein. Gerade einmal 4 Grad Aussentemperatur, eisiger Wind mit heftigen Böen und immer wieder Regen – mal leicht, mal heftig. Deshalb legen wir heute nur rund 80 Kilometer zurück, fahren in den nächstgrösseren Ort und stellen uns auf einen Parkplatz am Hafen. Dort machen wir es uns im Warmen gemütlich und lassen auch mal wieder unsere Dieselzusatzheizung laufen. So ist der monatliche Testlauf gleich ebenfalls erledigt.

    Auf den bisherigen Kilometern durch Finnland sind uns zwei Dinge besonders ins Auge gestochen, die uns vorher gar nicht bewusst waren – und beide haben mit der Vergangenheit und der jahrhundertelangen Zugehörigkeit zu Schweden zu tun.

    👉 Im Süden Finnlands sind die Ortschaften häufig in zwei unterschiedlichen Sprachen angeschrieben – auf Finnisch und Schwedisch. Doch warum? Ganz einfach: Schwedisch ist in Finnland bis heute eine offizielle Landessprache neben Finnisch. Finnland gehörte rund 600 Jahre zu Schweden. In dieser Zeit prägte sich Schwedisch stark in Verwaltung, Bildung und besonders in den Küstenregionen aus.

    Irgendwie überraschend, denn Finnisch und Schwedisch sind sprachlich kaum verwandt: Finnisch gehört zur finno-ugrischen Sprachfamilie, Schwedisch dagegen zu den germanischen Sprachen. Deshalb klingen Ortsnamen oft komplett unterschiedlich.

    👉 Eine weitere Sache, die uns aufgefallen ist: Warum sind so viele Häuser in Finnland rot gestrichen – genau wie in Schweden?

    Die roten Häuser haben vor allem historische und praktische Gründe. Und die Farbe ist oft gar keine „richtige“ rote Farbe, sondern eine traditionelle Pigmentmischung. Ursprünglich wurde sie aus Nebenprodukten des Kupferbergbaus rund um die schwedische Stadt Falun hergestellt. Da Finnland über Jahrhunderte zu Schweden gehörte, verbreitete sich diese Tradition auch hier.

    Warum gerade Rot?

    Zum einen war die Farbe günstig und leicht verfügbar. Für Bauernhäuser war sie deutlich erschwinglicher als teure Fassadenmaterialien oder aufwendige Anstriche. Zum anderen half die Farbe, das Holz gegen Wetter und Feuchtigkeit zu schützen – wichtig in einem Klima mit Schnee, Regen und grossen Temperaturschwankungen.

    Dazu kam noch ein interessanter Nebeneffekt: Früher galten Backstein- oder Ziegelhäuser als Zeichen von Wohlstand. Das Rot sollte diese wertigen Gebäude optisch imitieren, obwohl die Häuser in Wirklichkeit aus Holz gebaut waren.

    Mit der Zeit wurde das Rot schlicht Teil der nordischen Baukultur. Besonders auf dem Land sieht man bis heute die typischen roten Häuser mit weissen Fensterrahmen – fast schon ein Sinnbild für Finnland und Schweden.

    👉 Ein kleiner Exkurs in die Geschichte Finnlands:

    Finnland gehörte bis 1809 rund 600 Jahre zu Schweden. Danach war das Land bis 1917 als Grossfürstentum Teil des russischen Kaiserreichs.

    Nach der Unabhängigkeit gab es kurzzeitig sogar Pläne für ein Königreich Finnland. Ein deutscher Prinz wurde bereits zum König gewählt, trat sein Amt jedoch nie an. Seit 1919 ist Finnland deshalb eine Republik mit einem Präsidenten als Staatsoberhaupt.

    Nach einem Tag voller Geschichte passt zum kalten Wetter heute nur eines: ein gemütliches Käsefondue.
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