Auf den Spuren der Sámi
June 11 in Finland ⋅ ⛅ 16 °C
Unser heutiger erster Stopp nach der Rudelführung auf der Huskyfarm führt uns nach Inari – ins Herz der Sámi-Kultur in Finnland.
Die Sámi sind das indigene Volk Nordeuropas und leben seit Jahrhunderten in Sápmi, einer Region, die sich über den Norden Finnlands, Norwegens und Schwedens bis hin zur russischen Kola-Halbinsel erstreckt. Früher wurden sie oft als „Lappen“ bezeichnet – ein Begriff, der heute meist als veraltet oder abwertend gilt.
Wir parken beim Sámi-Museum und spazieren zuerst zum finnischen Sámi-Parlament. Heute ist Sitzungstag, weshalb keine Führungen angeboten werden. Eigentlich schade – denken wir zunächst. Doch dann spricht uns eine unglaublich freundliche und sehr erzählfreudige Mitarbeiterin der Information an. Kurzerhand zeigt sie uns die wichtigsten Bereiche von aussen und erklärt dabei Spannendes über die Arbeit des Parlaments.
Das Sámi-Parlament ist die politische Vertretung der Sámi in Finnland – übrigens der einzigen offiziell anerkannten indigenen Bevölkerungsgruppe der EU. Es kümmert sich vor allem um Sprache, Kultur und die Rechte der Sámi. Anders als ein nationales Parlament ist es aber keine gesetzgebende Institution, sondern eine Form kultureller Selbstverwaltung. Untergebracht ist es im modernen Kulturzentrum Sajos, das gleichzeitig Kulturhaus, Verwaltungsgebäude und Veranstaltungsort ist.
Mehrmals im Jahr finden öffentliche Sitzungen statt – und genau heute ist eine davon. Im Café gönnen wir uns passend dazu wohl unseren letzten Korvapuusti in Finnland. Ein bisschen Wehmut schwingt schon mit.
Danach geht es ins Museum – und das lohnt sich. Die Ausstellung erzählt die Geschichte der Sámi von der Vergangenheit bis in die Gegenwart und verbindet Kultur auf spannende Weise mit der arktischen Natur Nordlapplands. Auch ein Freilichtmuseum ist mit dabei: Hier stehen traditionelle Gebäude, Speicherhütten und verschiedene Wohnformen der Sámi. Besonders spannend: die original erhaltenen Gebäude des Tirro-Gehöfts.
Übrigens: Insgesamt gibt es schätzungsweise 80.000 bis 100.000 Sámi, die meisten davon aber in Norwegen.
Und nein – nicht alle Sámi besitzen Rentiere. Das ist wohl eines der bekanntesten Klischees. Zwar ist die Rentierhaltung kulturell tief verankert, tatsächlich arbeitet aber nur ein kleiner Teil der Sámi damit. Viele leben heute in Städten oder Dörfern und arbeiten ganz selbstverständlich in Berufen wie Bildung, Politik, Kunst, Forschung oder IT.
Auch die Sprache ist vielfältiger, als wir zunächst dachten: Es gibt nicht die eine Sámi-Sprache, sondern mehrere, die alle zur finno-ugrischen Sprachfamilie gehören.
Nach so vielen Eindrücken fahren wir noch ein gutes Stück weiter Richtung norwegische Grenze. Morgen werden wir Finnland wohl verlassen und zum ersten Mal norwegischen Boden betreten. Ein neues Land wartet auf uns – und wir sind ziemlich gespannt, was uns dort erwartet.Read more



























TravelerSehr interessanter Bericht und wieder viel Neues dazugelernt.
Yvi on tourWir auch ☺️
TravelerSehr, sehr interessant