• Eksjö - wo Geschichte aus Holz lebt

    July 19 in Sweden ⋅ 🌧 16 °C

    Nach dem gestrigen Wassereinbruch haben wir trotzdem gut geschlafen. Die nasse Ware ist heute Morgen bereits wieder trocken und verschwindet in einer Kiste. Den Oberschrank lassen wir noch etwas geöffnet, damit wir den Wassereintritt vom Dach weiter beobachten können. Während der Fahrt sorgt der Fahrtwind dafür, dass das Dach etwas abtrocknet und die grössten Wassermengen verschwinden.

    Als sich unterwegs für kurze Zeit eine Regenpause ergibt, halten wir an. Die verdächtige Stelle auf dem Dach wird gründlich getrocknet und anschliessend provisorisch mit Klebeband abgedichtet. Nun hoffen wir, dass diese Notlösung bis zu unserem Werkstatttermin hält.

    Das Trockenfenster ist allerdings nur von kurzer Dauer – schon bald setzt der Regen wieder ein. Unser heutiges Ziel ist Eksjö, eine der am besten erhaltenen Holzstädte Europas.

    Nachdem das Wohnmobil geparkt ist, gönnen wir uns zunächst eine warme Suppe. Anschliessend zieht es uns – ausgerüstet mit Schirm und Regenjacke – in die Altstadt. Doch schon nach wenigen Metern lockt uns der Duft einer traditionellen Bäckerei hinein. Ein Kaffee und feines Gebäck gehören schliesslich einfach zu einem verregneten Stadtbummel. Frisch gestärkt machen wir uns danach auf den Weg, Eksjö zu erkunden.

    Die kleine Stadt mit rund 10.000 Einwohnern fühlt sich an wie eine Zeitreise. Kopfsteinpflaster, bunt gestrichene Holzhäuser, verwinkelte Gassen und liebevoll restaurierte Innenhöfe verleihen der historischen Altstadt ihren ganz besonderen Charme. Mehr als 50 denkmalgeschützte Gebäude machen Eksjö zu einem echten Kulturschatz.

    Besonders beeindruckend ist das Alter der Gebäude. Die ältesten Wohnhäuser stammen aus dem 17. Jahrhundert und sind heute rund 350 bis 400 Jahre alt. Ein grosser Teil der Häuser wurde im 18. Jahrhundert errichtet, einige weitere im 19. Jahrhundert erweitert oder umgebaut.

    Dass die Altstadt heute noch so ursprünglich wirkt, hat einen historischen Hintergrund: Die mittelalterliche Stadt wurde 1568 bei einem Grossbrand fast vollständig zerstört und anschliessend wieder aufgebaut. Da Eksjö später von weiteren verheerenden Bränden und den grossen Abrisswellen des 20. Jahrhunderts verschont blieb, ist die historische Holzbebauung aussergewöhnlich gut erhalten geblieben.

    Das Besondere daran: Die meisten dieser jahrhundertealten Häuser werden bis heute bewohnt. Die Altstadt ist kein Freilichtmuseum, sondern ein lebendiges Quartier mit Cafés, kleinen Geschäften und Wohnhäusern – genau das verleiht Eksjö seine authentische Atmosphäre.

    Unterwegs treffen wir zufällig auf eine Schweizer Familie, die genauso begeistert von den hübschen Holzhäusern ist wie wir. Im leichten Regen kommen wir ins Gespräch und verquatschen uns eine ganze Weile. Es ist schon lange her, dass wir unterwegs Landsleute getroffen haben – umso schöner war diese unerwartete Begegnung.
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