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  • Day26

    Pfauenauge, Fingerhüte und Sonnenschein

    June 16, 2019 in Spain ⋅ ☁️ 16 °C

    Der heutige Tag sollte eher ein kurzer werden, von den Kilometern her, war das auch so, aber wirklich früher als sonst traf ich nicht in der Herberge ein. Unterwegs machte ich die Bekanntschaft von Sergio, wie haben uns sehr gut unterhalten, teilweise auch auf Deutsch, da er vor Jahren mal in Freiburg gelebt hatte. Er war recht verfroren, da er gestern zu lang unterwegs war und keine Unterkunft mehr gefunden hatte und draußen übernachten musste. Es war sehr feucht und kalt, also hatte er die glorreiche Idee sich zwei Bier am Morgen reinzuziehen, damit ihm warm wird, das hat allerdings nicht funktioniert. Er beschloss dann seinen Rausch in der Sonne auszuschlafen, ich schenkte ihm eine meiner beiden Rettungsdecken, damit er von unten her nicht so frieren musste. Er versprach mir aber, sie mir später auf jeden Fall in die Herberge zu bringen.

    Ich lief weiter, trank irgendwann unterwegs meinen Frühstückskakao und lief weiter. Unterwegs sprach mich dann ein älterer Mann an, ein Einheimischer, und wollte mir seinen Wanderstab schenken. Ich brauchte aber keinen. Das versuchte ich ihm höflich klar zu machen, ohne Erfolg. Irgendwann sollte dann aus dem Schenken doch ein Verkauf werden, da er mit seinem Zeigefinger und Daumen aneinander rieb, eine international verständliche Geste. Darauf erklärte ich auf Deutsch deutlich, dass er mich in Ruhe lassen soll. Er lief aber stur neben mir her und wenn man mal andere Pilger brauchen könnte, kam keiner des Weges (ca. fünf Minuten lang … ). Ich fühlte mich nicht bedroht, aber es war jedenfalls eine blöde Situation, die Erste dieser Art auf dem Camino. Dann tauchten doch drei Pilger hinter mir auf, genialerweise Marie, Joan und Harvey mit denen ich vorgestern den Abend verbracht hatte. Das war eine schöne Überraschung, der Typ machte sich vom Acker und ich hatte gute Unterhaltung.

    Etwas später trennten wir uns wieder, das war einfach nicht mein Lauftempo. Wobei wir uns immer wieder in den Cafes trafen, wo die drei immer wieder Halt machten. Mei. Ding ist das nicht so, also kann man auch langsam laufen und vorwärts kommen. Ist ganz witzig, ich überhol so immer wieder einige, die mich auf dem Camino dann irgendwann mal wieder überholen.

    Die heutige Strecke war von der Natur her wunderschön, sodass ich das Laufen echt genossen habe, auch wenn es wieder fast nur aufwärts ging …😀 – aber morgen geht es dafür den ganzen Tag nur runter 😎.

    Gegen später traf ich dann noch eine Niederländerin in der Herberge, die ich schon mal vor Astorga getroffen hatte und später kam dann tatsächlich noch Sergio vorbei, die Decke bringen. Er hatte wohl sehr gut darauf geschlafen. Ich konnte ihn dann überzeugen, dass er sie behält. Er hat mich dann als Dank auf ein Glas Wein eingeladen.

    Insgesamt war es heute ein bunter Abend, viele Nationalitäten, es ist echt spannend, was für Gespräche sich da teilweise entwickeln können. Und das, obwohl man sich vermutlich nie wieder danach sieht, oder vielleicht gerade auch deshalb.
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