• Colle de Nivolet

    October 5 in Italy ☁️ 11 °C

    Von Orsieres sind es nur etwa 30 Minuten auf die Passhöhe des Großen St. Bernhard. Da wir schon um 8 Uhr starten, sind wir tatsächlich so gut wie alleine unterwegs, kein bummeliges Wohnmobil stört die Fahrt und oben angekommen kitzeln uns erste Sonnenstrahlen, was bei 6 Grad auf fast 2.500 m durchaus willkommen ist.

    Danach geht es abwärts durchs Aostatal und dann in Richtung “Colle del Nivolet” im Gran Paradiso Nationalpark. Dieser Pass ist a) weitgehend unbekannt und b) nur als Stichstraße befahrbar. Wahrscheinlich hängen a) und b) zusammen. Seine Südauffahrt schlängelt sich aus dem Piemont über zahlreiche Kehren vorbei an den Stauseen Lago di Ceresole Reale, Lago Serrù und Lago Agnel auf beachtliche 2.600 Meter. Die Weiterführung auf der Nordseite ins Aostatal ist nicht asphaltiert und somit Wanderern vorbehalten.

    Gleichwie: Für Motorradfahrer, zumal in der Nachsaison, ist die Route das, was für die IKEA-Kinder das Bälleparadies verspricht. Gerade der letzte Abschnitt ab Ceresole ist herrlich zu fahren und führt in eine atemberaubende Hochgebirgslandschaft. Meine etwas altersschwachen 86 BMW-Pferdchen galoppieren fröhlich den 170 Ducati-Multistrada-Pferden von Werner aus Stuttgart hinterher. Bike und Fahrer müssen sich ordentlich anstrengen, um Werners Hinterrad nicht zu verlieren, aber wer lässt sich schon gerne abhängen?

    By the way: Werner ist ein echter Vielfahrer, der im Jahr 30.000 km auf dem Motorrad zurücklegt (das sind überschlägig hundert Tage, wenn man jeden Tag 5 Stunden mit durchschnittlich 60 km/h ansetzt). Und: Er erzählt mir beim Mittagessen, er wäre mit dem Motorrad schon nach China gefahren, eine 22 TKM-Tour. Und das Insta360 Video, dass diesen Footprint begleitet, hat er auch noch aufgenommen. Ich bin beeindruckt.

    Nach Beendigung des schönen Spielenachmittags am Colle de Nivolet rollen wir gegen fünf auf den Hof des Hotels Marina Viverone, das am gleichnamigen See liegt und einen erfrischenden Pool, aber keine weiteren Gäste hat. Da fällt es auch nicht auf, dass mein lieber Freund Norbert bei der gemeinsamen Abreise aus Sonthofen dort seine Schuhe vergessen hat und nun seit Tagen unter vollständiger Missachtung des Modediktats meine grünen Reissandalen trägt, und zwar zu jeder erdenklichen Sockenfarbe.
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