• Bert Hentschel
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Piemont mit dem Motorrad

A 9-day adventure by Bert. Read more
  • Trip start
    October 3, 2026

    Viehscheid am Riedbergpass

    October 3 in Switzerland ☁️ 18 °C

    Ob es eine gute Idee ist, Anfang Oktober noch eine Motorradreise zu unternehmen, wird sich in den nächsten Tagen weisen. Jedenfalls: Norbert und ich haben uns entschlossen, an einer einwöchigen Rundfahrt durch das Piemont teilzunehmen. Das Ganze findet statt im Rahmen des Tourenprogramms des IFMR (International Fellowship of Motorcycling Rotarians).

    Startpunkt ist in Orsières in der Schweiz. Das liegt im Wallis, auf der Ostseite des Mont-Blanc. Da müssen wir zunächst einmal hin, von Sonthofen aus startend, denn dort hat Norbert gestern sich und sein Motorrad (per Hänger) hin transportiert. Wir planen für diese Ost-West-Quaerung der Alpen zwei bummelige Anreisetage ein.

    Los geht's heute am Samstag um kurz nach 9:00 Uhr bei besten Bedingungen. Wunderbare Herbststimmung. Allerdings wird unser Tatendrang schon nach wenigen Kilometern hinter Obermaiselstein gestoppt. Der Riedbergpass ist bis 10:00 Uhr gesperrt: Viehscheid! Zum Glück müssen wir nur einige wenige Minuten warten und sind dann Zeugen dieses immer wieder beeindruckenden Spektakels, bei dem so viel mitschwingt: Brauchtum und Tradition, Verbundenheit von Mensch und Tier, Aufregung und Stolz der Treiber. Kurz gesagt: Ein wuchtiges Ereignis, das in seinen Bann zieht.

    Allerdings hinterlässt ein solcher Almabtrieb nicht nur tiefe Eindrücke bei seinen Beobachtern, sondern auch sehr deutliche Spuren auf dem Asphalt, denn der Output einer ausgewachsenen Kuh ist gleichermaßen beträchtlich wie rutschig. Der Kurvenspaß muß angesichts der reduzierten Reibung der Vorsicht weichen, was besonders schade ist, da Deutschlands höchster Pass bei trockenen Bedingungen besonders harmonisches Schwingen zulässt … Hinzu kommt, dass unsere frisch geputzten Krafträder bereits nach einer Stunde Fahrzeit maximal verferkelt aussehen und streng riechen.

    Wir traversieren den Bregenzerwald, gelangen nach Dornbirn und quälen uns im Stop-and-Go parallel zur Autobahn durch unzählige kleine industriegeprägte Orte, etwa 60 km lang, bis wir endlich das Fürstentum Liechtenstein erreichen, das - niemand wird überrascht sein - schnell durchfahren ist. Erst danach wird es fahrerisch wieder attraktiver; wir passieren Lenzerheide und gelangen schließlich zur Via Mala, der schroffen Graubündener Schlucht mit 300 Meter hohen Steilwänden und vollgestopft mit Mythen und Legenden.

    Im Anschluss geht es aus der deutschsprachigen Schweiz in den italienischen Teil, und zwar über den San Bernardino, der sich ab Hinterrhein in hartem Zickzack auf 2.066 Meter hochschlängelt. Dementsprechend werden wir oben mit Temperaturen konfrontiert, die üblicherweise im Kühlschrank herrschen, also etwa 10 Grad, um dann in der langen Abfahrt in Richtung Bellinzona wieder 2.000 Höhenmeter zu verlieren und 15 Grad dazuzugewinnen.

    Das Hotel La Perla kurz nach Bellinzona ist keine Sensation, liegt aber günstig auf dem Weg und verfügt über ein gut nachgefragtes Restaurant, in dem wir den letzten Tisch ergattern, um dann stilecht Zürcher Geschnetzeltes zu essen.
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  • Auch das Beherbungsgeschäft kann sich lohnen

    October 4 in Switzerland ☁️ 19 °C

    Bilder gibt es von heute wenig, denn nach wie vor ist es mühselig, vom Motorrad aus zu fotografieren. Es sei denn, man montiert eine Insta360 oder Ähnliches, wozu ich mich bislang jedoch nicht durchringen konnte: Wer will all diese Fahrvideos irgendwann einmal wirklich sehen?

    Los geht es um halb 10 in Richtung Locarno. Das Navi schickt uns (Voreinstellung “kurvenreiche Strecke”) direkt einige Hügel hoch, so dass wir den Lago Maggiore schön von oben sehen können. Dann am Valle Maggia vorbei, in Richtung Westen auf kleiner, kurviger, wenig befahrener Straße. Große Freude!

    Die Auffahrt zum Simplonpass ist (wie immer) schattig; erst oben auf etwa 2.000 Meter Höhe öffnet sich der Blick und es wird dank der Herbstsonne wärmer. Wir halten nicht an dem eher langweiligen heutigen Hospiz oben auf der Passhöhe, sondern etwas davor mit schönem Blick auf das „Alte Spittel“. Dies war das Schutzhaus für Reisende zwischen 1666 und 1831 und beherbergte Kaufleute auf ihrem damals noch beschwerlichen Weg von Nord nach Süd (und vice versa). Erstaunlich ist die Höhe des Bauwerks: Trotzig streckt es seine fünf Stockwerke nach oben, und der Bauherr, ein Kaspar Stockalper, bewohnte allein die oberen drei Stockwerke. In dieser eher kargen und witterungsmäßig sicherlich überwiegend unfreundlichen Gegend kann man nur eine Schlußfolgerung ziehen: das damalige Beherbergungsgeschäft des Herrn Stockalper muss sich sehr gelohnt haben. Was aber auch logisch ist: Wer dort einmal angekommen war, hatte keine Alternative.

    Der fahrerisch eher langweilige Simplonpass endet in Brig im Walliser Rhonetal. Von dort geht es bei angenehm milden Temperaturen in Richtung Martigny, vorbei an Skiorten wie Crans-Montana oder Veysonnaz. Schließlich folgt eine kurze Auffahrt nach Orsières, unweit des Wintersportorts Verbier. Wir wohnen im Bahnhofshotel Terminus, das nur äußerst schlichte Zimmer anbieten kann, selbstbewusst dennoch mit "votre meilleur point de départ" in großen Lettern für sich wirbt.
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  • Colle de Nivolet

    October 5 in Italy ☁️ 11 °C

    Von Orsieres sind es nur etwa 30 Minuten auf die Passhöhe des Großen St. Bernhard. Da wir schon um 8 Uhr starten, sind wir tatsächlich so gut wie alleine unterwegs, kein bummeliges Wohnmobil stört die Fahrt und oben angekommen kitzeln uns erste Sonnenstrahlen, was bei 6 Grad auf fast 2.500 m durchaus willkommen ist.

    Danach geht es abwärts durchs Aostatal und dann in Richtung “Colle del Nivolet” im Gran Paradiso Nationalpark. Dieser Pass ist a) weitgehend unbekannt und b) nur als Stichstraße befahrbar. Wahrscheinlich hängen a) und b) zusammen. Seine Südauffahrt schlängelt sich aus dem Piemont über zahlreiche Kehren vorbei an den Stauseen Lago di Ceresole Reale, Lago Serrù und Lago Agnel auf beachtliche 2.600 Meter. Die Weiterführung auf der Nordseite ins Aostatal ist nicht asphaltiert und somit Wanderern vorbehalten.

    Gleichwie: Für Motorradfahrer, zumal in der Nachsaison, ist die Route das, was für die IKEA-Kinder das Bälleparadies verspricht. Gerade der letzte Abschnitt ab Ceresole ist herrlich zu fahren und führt in eine atemberaubende Hochgebirgslandschaft. Meine etwas altersschwachen 86 BMW-Pferdchen galoppieren fröhlich den 170 Ducati-Multistrada-Pferden von Werner aus Stuttgart hinterher. Bike und Fahrer müssen sich ordentlich anstrengen, um Werners Hinterrad nicht zu verlieren, aber wer lässt sich schon gerne abhängen?

    By the way: Werner ist ein echter Vielfahrer, der im Jahr 30.000 km auf dem Motorrad zurücklegt (das sind überschlägig hundert Tage, wenn man jeden Tag 5 Stunden mit durchschnittlich 60 km/h ansetzt). Und: Er erzählt mir beim Mittagessen, er wäre mit dem Motorrad schon nach China gefahren, eine 22 TKM-Tour. Und das Insta360 Video, dass diesen Footprint begleitet, hat er auch noch aufgenommen. Ich bin beeindruckt.

    Nach Beendigung des schönen Spielenachmittags am Colle de Nivolet rollen wir gegen fünf auf den Hof des Hotels Marina Viverone, das am gleichnamigen See liegt und einen erfrischenden Pool, aber keine weiteren Gäste hat. Da fällt es auch nicht auf, dass mein lieber Freund Norbert bei der gemeinsamen Abreise aus Sonthofen dort seine Schuhe vergessen hat und nun seit Tagen unter vollständiger Missachtung des Modediktats meine grünen Reissandalen trägt, und zwar zu jeder erdenklichen Sockenfarbe.
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  • Ruhig nach Barolo

    October 6 in Italy ☀️ 24 °C

    Nach dem ereignisreichen Fahrtag des Vortags geht es heute ruhig zu. Unser Ziel ist Barolo, das auf direktem Wege von Viverone in eineinhalb bis zwei Stunden erreichbar wäre. Wir meandern uns allerdings gut 5 Fahrstunden gen Süden.

    Zunächst fahren wir durch eine Hügellandschaft östlich von Turin, die sich unmittelbar an die Überquerung des Po anschließt. Die Stimmung ist herbstlich, dunstig, in den Farben eher trübe. Die Äcker sind abgeerntet und die Dörfer menschenleer, als würden sich alle schon vor der nahenden kalten Jahreszeit in ihre Häuser zurückziehen. Insgesamt eher Tristesse und Melancholie.

    Dann nähern wir uns Barolo und kurven durch die sanften Hügel der Langhe, um schon gegen 16:00 Uhr in unserem Hotel mitten in Barolo anzukommen. Das klei e Fahrvideo von heute kommt erneut und dankenswerter Weise von Mitfahrer Werner.

    Bei der obligatorischen Weinprobe lernen wir, Dolcetto von Barbera und Barolo zu unterscheiden. Dass für den verkosteten Barolo stolze 38 € pro Flasche aufgerufen werden, finde ich üppig, wenngleich er wirklich einen vollmundigen Geschmack hat.

    Was noch? Norbert gibt 23 € für ein Paar neue weiße Sneaker aus und ist nun modisch wieder up to date.
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  • Drei Dinge braucht der Biker …

    October 7 in Italy 🌧 18 °C

    … wenn es regnet. Erstens: Ein Plastiktütchen, um die Navihalterung abzudecken, damit die Kontakte trocken bleiben. Zweitens: Gute Regenbekleidung. Drittens: Einen Föhn, wenn es die Regenbekleidung dann doch nicht mehr schafft. Dieser Zeitpunkt ist in meinem Fall etwa nach zwei Stunden gekommen. +++ Wir fahren heute leider knapp drei Stunden, somit zu lange, um halbwegs trocken anzukommen, aber zugleich zwei Stunden weniger, als wir uns ursprünglich vorgenommen hatten. Der Dauerregen zwingt uns jedoch, eine relativ direkte Route von Barolo nach Finale Ligure einzuschlagen. +++ Das Piemont verlassend, gelangen wir ins recht kleine Ligurien (nur 1,5 Millionen Einwohner). Dessen sichelförmige Region schmiegt sich 300 Kilometer an die Küstenlinie und ist als “die Riviera Italiens” bekannt. +++ Das wirklich sehr schöne und sehr italienisch anmutende Hotel Punta Est bewahrt trotz des schlechten Wetters seinen Charme, wenngleich wir die Außenbereiche naheliegenderweise nicht nutzen können. +++ Trotz Rikes Abhärtungstrainings der letzten Jahre kann ich mich nicht entschließen, ins Meer zu gehen. Norbert und ich schlendern stattdessen auf der Strandpromenade zu einem Café mit angeschlossenem Privatstrand. Davon gibt es mehrere, und wie in Italien üblich, stehen die Liegen wohlgeordnet in Reih’ und Glied. Selbst jetzt im Oktober werden sie tapfer von zumeist dunkelhäutigen Strandwächtern bewacht. Zwar gibt es keine Badegäste mehr, aber man kann sich vorstellen, wie trubelig es am Lido im August zugeht. Ein wirklich schönes Fleckchen, dass auf die “Noch-einmal-bei-Sonnenschein-besuchen”-Liste rückt.
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  • Klettertour in die Kirchenkuppel

    October 8 in Italy ☁️ 19 °C

    Highlight des Tages ist heute nicht das Motorradfahren, sondern die Klettertour mit Helm und Gurt in die Kuppel der Basilika von Vicoforte. Das Santuario di Vicoforte ist eine bedeutende Wallfahrtskirche (Legende in kurz: Jäger schießt versehentlich in Madonna-Statue, mit Zeitversatz tritt Blut aus, somit ein Wunder; anschließend pilgern Menschen dorthin und hoffen ihrerseits auf ein Wunder für ihre eigenen Belange) mit einer riesigen elliptischen Kuppel, deren Dachfresken eine Fläche von 6.000 Quadratmetern bedecken. Die wiederum sind raffiniert gemacht, da sie mit einer Reihe von optischen Tricks ungewöhnlich plastisch und lebhaft wirken. Wir werden von Maia und ihrer Kollegin fachkundig und in charmantem Staccato-Englisch mit allem nötigen Wissen versorgt und zugleich auf eine recht abenteuerliche Runde durch die Kuppel und bis in die Dachspitze geführt. Der Helm bewahrt uns vor einigen Beulen und der Karabiner sichert bei einem kühnen Leiteraufstieg in die Kuppel. Niemals würde eine solche Tour von deutschen Behörden genehmigt. +++ Zuvor fahren wir bei heute freundlichem Wetter von Finale Ligure durch eine schöne, voralpine Landschaft zwischen Ligurien und dem Piemont. Garessio ist Haltepunkt für unsere Panini- und Lemon-Soda-Mittagspause. +++ Werner steuert erneut ein Video mit Fahreindrücken bei.Read more

  • Es lebe der Wintersport

    October 9 in Italy ⛅ 14 °C

    Der Tag startet regnerisch und wir nach Westen. An Cuneo vorbei gelangen wir in das naturbelassene Mairatal. Kurz vor Talende biegen wir an der Ponte Marmora auf ein kleines Sträßchen ab, das uns den Berg hinauf zur Locanda Occitana Lou Pitavin führt.

    So unterentwickelt der Tourismus im sehr ursprünglichen Mairatal ist, so besonders ist dieses Hideaway. Noch im Regen ankommend, reißt die Wolkenschicht auf und die Sonne lässt alles in bunten Herbstfarben leuchten. In der Locanda steckt sicherlich viel Geld, aber ebenso viel Liebe für das Detail.

    Dann gilt es, Entscheidungen zu treffen, denn die vorgesehenen Pässe (Col de Sampeyre, Colle dell’Agnello, Col d'Izoard) in Richtung unseres Tagesziels Sauze d’Oulx liegen hoch und es ist unklar, ob alle offen und befahrbar sind.

    Der Col de Sampeyre erweist sich mit 2.300 Metern als noch recht gemäßigt, ist am heutigen Tage weitgehend unbefahren (es handelt sich ohnehin um ein recht kleines und unbekanntes Sträßchen) und führt uns in ein munterem auf und ab in den Ort Sampeyre selbst.

    Dort jedoch stellt sich die Frage, ob der Colle dell’Agnello befahrbar ist, denn es handelt sich um den dritthöchsten Pass der Alpen (über 2.700 Meter). Gestern wurde er um 17:00 Uhr wegen starken Schneefalls gesperrt.

    Die Gruppe trennt sich: Werner, Frank, Hans-Peter und ich wollen den Versuch unternehmen, den Lämmerpass zu überqueren, während die anderen sechs talwärts rollen. Zunächst läuft auch alles glatt. Der Pass scheint seit Mittag wieder geöffnet zu haben (laut Google), und auf dem Weg dorthin sehen wir zweimal das grüne, erfreuliche Schild „aperto“.

    Unmittelbar vor dem Pass sind jedoch Barrikaden und Durchfahrtsverbotsschilder aufgestellt. Nach (sehr) kurzer Beratung kommen wir zum Ergebnis, dass diese Barriere vermutlich nur vergessen wurde wegzuräumen, Wir fahren seitlich über eine Wiese daran vorbei, um bis zur Passhöhe alleine auf dem Pass zu sein.

    Dort oben begegnen wir zwei uns freundlich zuwinkenden Menschen vom Straßendienst, die ganz hervorragende Arbeit geleistet haben, denn die Strasse ist problemlos befahrbar. Darüber hinaus bemerkenswert: Auf der französischen Seite kommen uns (sehr wacker!) Rennradler in kurzen Hosen entgegen. Angesichts der Außentemperatur von 3 Grad scheint mir unser Vergnügen dank dicker Motorradkluft inklusive Skiunterwäsche größer.

    Vor allem aber: Den Pass im winterlichen Schneekleid bei gleichzeitig strahlender Sonne für sich allein zu haben, ist schlichtweg fantastisch. Ganz großes Naturkino! Und das, obwohl unsere Erwartungen gering waren. Sehr passend dazu: der Name unseres heutigen Hotels: Serendipity („eine Entdeckung machen, während man eigentlich nach etwas ganz anderem gesucht oder etwas anderes erwartet hat“).

    Fazit 1: Es lebe der Wintersport.
    Fazit 2: Die Lämmer sind auf unserer Seite.
    Fazit 3: Lass dich überraschen, am besten positiv.
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  • Wenn sich Gänse über Biker lustig machen

    October 10 in France ☁️ 6 °C

    Das wäre vielleicht auch zu viel verlangt gewesen. Nach dem gestrigen Wetterglück ist es heute damit vorbei.

    Wir nehmen uns vier Pässe vor: den Col du Mont-Cenis, den Iseran, den Kleinen und den Großen St. Bernhard. Doch schon oben am Lac du Mont-Cenis wendet sich das Blatt: Zunächst ist es nur kalt, dann wird es regnerisch, schließlich neblig. Die wenigen Fotos von heute zeigen noch den guten Moment vor der Wetterwende, doch das Schnattern der Gänse ist kein gutes Omen. Es klingt im Nachhinein, als wollten sie sich über unsere weitere Tourplanung lustig machen.

    Wir drehen somit nach dem Pass ab und rollen auf der Autobahn in Richtung Albertville. Je tiefer wir kommen, umso freundlicher wird es. Von dort über Megève nach Chamonix (sogar einen kurzen Blick auf den Mont Blanc können wir erhaschen) und schließlich über Martigny zurück nach Orsières, also den Ort, wo wir uns vor einer Woche als Gruppe zusammengefunden haben.

    Das Beste an unserem recht einfachen Bahnhofshotel ist der Duschkopf, der noch nicht der gesetzlich verordneten Wassersparvorgabe aktueller Installationen unterliegt und einen wunderbaren Schwall warmen Wassers freigibt. Denn man kann noch so viele Schichten auf dem Motorrad tragen: Es ist eine bewegungsarme Veranstaltung, die bei niedrigen Temperaturen und hoher Geschwindigkeit jeden Körper auskühlen lässt. Jetzt noch eine Tasse Instantkaffee und die Welt ist wieder in Ordnung.
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  • Mentale Verkümmerung und Halluzinationen …

    October 11 in Germany ☁️ 12 °C

    Bruce Chatwin (1940-1989) verbrachte Jahre damit, eine umfassende “Theorie des Nomadentums” zu formulieren. Am Ende blieb das Werk unvollendet, aber es gibt zahllose Fragmente und Essays. Seine Überzeugung: Der Mensch ist genetisch als Nomade geprägt. Evolutionär betrachtet sei unser Gehirn und Körper für den ständigen Wechsel von Landschaft, Nahrung und Eindruck geschaffen. Ein sesshaftes Leben in geschlossenen Räumen führe jedoch zu mentaler Verkümmerung und Halluzinationen. +++ Nun gut, das ist dick aufgetragen, aber man kann mit diesem Gedanken sympathisieren, wenn man gerade eine gelungene Motorradreise durch das Piemont hinter sich. Wir sind also zurück in Sonthofen, Norberts Motorrad ist auf dem Hänger und wir philosophieren über neue Reiseideen für 2028. Denn für 2027 sind die Planungen schon abgeschlossen, es geht nach … na ja, Ihr werdet es hier lesen. Herzliche Grüße in die Runde aller Reiselustigen!Read more

    Trip end
    October 11, 2026