• Es lebe der Wintersport

    October 9 in Italy ⛅ 14 °C

    Der Tag startet regnerisch und wir nach Westen. An Cuneo vorbei gelangen wir in das naturbelassene Mairatal. Kurz vor Talende biegen wir an der Ponte Marmora auf ein kleines Sträßchen ab, das uns den Berg hinauf zur Locanda Occitana Lou Pitavin führt.

    So unterentwickelt der Tourismus im sehr ursprünglichen Mairatal ist, so besonders ist dieses Hideaway. Noch im Regen ankommend, reißt die Wolkenschicht auf und die Sonne lässt alles in bunten Herbstfarben leuchten. In der Locanda steckt sicherlich viel Geld, aber ebenso viel Liebe für das Detail.

    Dann gilt es, Entscheidungen zu treffen, denn die vorgesehenen Pässe (Col de Sampeyre, Colle dell’Agnello, Col d'Izoard) in Richtung unseres Tagesziels Sauze d’Oulx liegen hoch und es ist unklar, ob alle offen und befahrbar sind.

    Der Col de Sampeyre erweist sich mit 2.300 Metern als noch recht gemäßigt, ist am heutigen Tage weitgehend unbefahren (es handelt sich ohnehin um ein recht kleines und unbekanntes Sträßchen) und führt uns in ein munterem auf und ab in den Ort Sampeyre selbst.

    Dort jedoch stellt sich die Frage, ob der Colle dell’Agnello befahrbar ist, denn es handelt sich um den dritthöchsten Pass der Alpen (über 2.700 Meter). Gestern wurde er um 17:00 Uhr wegen starken Schneefalls gesperrt.

    Die Gruppe trennt sich: Werner, Frank, Hans-Peter und ich wollen den Versuch unternehmen, den Lämmerpass zu überqueren, während die anderen sechs talwärts rollen. Zunächst läuft auch alles glatt. Der Pass scheint seit Mittag wieder geöffnet zu haben (laut Google), und auf dem Weg dorthin sehen wir zweimal das grüne, erfreuliche Schild „aperto“.

    Unmittelbar vor dem Pass sind jedoch Barrikaden und Durchfahrtsverbotsschilder aufgestellt. Nach (sehr) kurzer Beratung kommen wir zum Ergebnis, dass diese Barriere vermutlich nur vergessen wurde wegzuräumen, Wir fahren seitlich über eine Wiese daran vorbei, um bis zur Passhöhe alleine auf dem Pass zu sein.

    Dort oben begegnen wir zwei uns freundlich zuwinkenden Menschen vom Straßendienst, die ganz hervorragende Arbeit geleistet haben, denn die Strasse ist problemlos befahrbar. Darüber hinaus bemerkenswert: Auf der französischen Seite kommen uns (sehr wacker!) Rennradler in kurzen Hosen entgegen. Angesichts der Außentemperatur von 3 Grad scheint mir unser Vergnügen dank dicker Motorradkluft inklusive Skiunterwäsche größer.

    Vor allem aber: Den Pass im winterlichen Schneekleid bei gleichzeitig strahlender Sonne für sich allein zu haben, ist schlichtweg fantastisch. Ganz großes Naturkino! Und das, obwohl unsere Erwartungen gering waren. Sehr passend dazu: der Name unseres heutigen Hotels: Serendipity („eine Entdeckung machen, während man eigentlich nach etwas ganz anderem gesucht oder etwas anderes erwartet hat“).

    Fazit 1: Es lebe der Wintersport.
    Fazit 2: Die Lämmer sind auf unserer Seite.
    Fazit 3: Lass dich überraschen, am besten positiv.
    Read more