• Weg nach Toulouse

    September 12 in France ⋅ ☀️ 25 °C

    Gleich nach dem Aufwachen stürze ich mich in die Wellen des kleinen Baches Dordogne. Mein Stellplatz entpuppt sich bei Tageslicht als sehr idyllisch. Hier hat man am Dorfrand, direkt am Bach schöne kostenlose Stellplätze für Wohnmobile mit Strom und Mülltonnen eingerichtet.
    In 20 km Entfernung Richtung Westen liegt Collonges la rouge. Collonges la rouge erlebte Ende der 1970er-Jahre ein Schicksal, das viele kleine Orte teilten: Es besaß ein beachtliches historisches Erbe, leere Kassen – und litt unter dem Fortzug der Jungen und der Überalterung der Daheimgebliebenen. Anfang der 1980er-Jahre war Charles Ceyrac, der von 1977 bis 1998 in Collonges amtierte, nach Paris gereist. In einer Buchhandlung entdeckte er ein Buch von Reader’s Digest mit dem Titel Les Plus Beaux Villages de France. Ceyrac schrieb sämtliche vorgestellten Bürgermeister an. Sein Aufruf: Gründen wir einen solchen Verein – und retten wir so unsere Dörfer. 66 Bürgermeister folgten seinem Aufruf. Am 6. März 1982 gründeten sie das Netzwerk Les Plus Beaux Villages de France - die schönsten Dörfer Frankreichs. Ein Ort, der in die Liste der schönsten Dörfer Frankreichs aufgenommen werden will, darf nicht mehr als 2000 Einwohner haben und muss über eine geschützte Zone oder denkmalgeschützte Bauwerke verfügen. So wie Collonges-la-Rouge. Tiefrot leuchtet das alte Dorf rund zwanzig Kilometer weit. Von seiner Vergangenheit als Zwischenstation für Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela hat das Dorf eine romanische Kirche bewahrt, deren Wurzeln bis in das Jahr 1060 zurückreichen. In einer Markthalle wurde Wein und Nussöl von den umliegenden Walnussfeldern angeboten.
    Weiter geht es durch Walnussbäume so weit das Auge reicht nach Martel. Mit seiner Auszeichnung als eines der schönsten Dörfer Frankreichs hat Martel den Status eines Geheimtipps verloren. Die alte Stadt entstand durch den regen Handel mit dem Salz des Atlantiks und Wein aus Aquitanien. Hier kreuzt bis heute eine Ost-West-Achse und eine alte Nord-Süd-Achse. Eine zweite Blütezeit erlebte Martel im 19. Jahrhundert dank des Trüffelhandels. Landesweit gibt es mehr als 70 solcher besonderen Geschmacksorten. Ein Hingucker ist in Martel die Markthalle, deren gewaltiger Dachstuhl aus Kastanienholz besteht. Getragen wird er nur von den äußeren Steinpfeilern. In einige von ihnen sind die offiziellen Maße für Brot und Getreide eingeritzt. Heute ist Markttag und ich kaufe hiesigen Käse und ein Walnusskuchen.
    20 Minuten später erreiche ich Rocamadour.
    Wie die Wurzeln eines Baumes klammert sich Rocamadour an eine Felswand im Haut-Quercy. Die mittelalterliche Stadt im Département Lot von Okzitanien ist ein berühmter katholischer Wallfahrtsort. Einhundertzwanzig Meter trennen die Höhen der Festung aus dem 14. Jahrhundert von den Häusern am Fuße der Klippe. Dazwischen liegt das Heiligtum voller Oratorien und Kapellen. Schon die Lage ist spektakulär. Noch erstaunlicher sind die Wunder, die dem Felsennest am Jakobsweg zugeschrieben wurden. Jedes Wunder soll die Glocke im Gewölbe der Chapelle Notre-Dame durch selbsttätiges Läuten kundgetan haben.
    Rocamadour ist mit jährlich mehr als einer Million Besucher einer der wichtigsten Wallfahrtsorte Frankreichs.
    Nach 3 Stunden Fahrt und 160 km erreiche ich Toulouse – die rosafarbene Stadt mit den typischen rosaroten Backsteinen. Über die Brücke pont neuf, ein Wahrzeichen der Stadt erreiche ich die quirlige Innenstadt. Es sind Massen von Menschen unterwegs, unglaublich.
    Ich besuche zuerst die Basilika. Sie wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und gilt als die größte existierende romanische Kirche. Diese Kirche ist 115 m lang, 64 m breit am Querschiff, das ihr die Form eines lateinischen Kreuzes verleiht und 20 m hoch.
    Das Kapitol ist das wohl bekannteste Gebäude in Toulouse und zusammen mit der Altstadt meist der erste Anlaufpunkt bei einem Urlaub in Toulouse. In dem prächtigen Gebäude befindet sich sowohl das Rathaus der Stadt als auch ein Theater. In den letzten Tagen fand hier eine Messe für Senioren statt, habe ich leider verpasst, die Zelte sind noch aufgebaut.
    Heute Abend versuche ich die französische Küche mit Entenkasserolle und Bohnen. Bier ist mit 6 Euro pro 0,25l sehr teuer. Mit 19 Euro für das Essen soll es ein eher preiswertes Restaurant sein.
    Die beleuchteten Brücken pont neuf und pont St. Pierre verwandeln den Fluss Garonne in eine malerische Szenerie. Die Ufer des Flusses sind ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Besucher gleichermaßen.
    Read more