• Israel Bike Trail

    November 30, 2017 in Israel ⋅ ☀️ 22 °C

    Der Israel Bike Trail: Mit einem gewaltigen Aufwand wurde ein fast dreihundert Kilometer langer Singletrail durch die Negev Wüste angelegt. Uns bleibt vor Staunen und Begeisterung buchstäblich die Spucke weg. Auf einer schmalen Spur fahren wir durchs Niemandsland: Steinige Wadis, steile Felswände, über weite Ebenen, an Sanddünen und Akazienbäumen vorbei. Der Trail ist kunstvoll angelegt, mit kleinen Serpentinen und genau in der richtigen Steilheit, um noch fahrbar zu sein. Da waren Profis mit viel Herzblut am Werk, die zeigen, dass Wüste und Bike mehr als eine Zweckbeziehung eingehen können. Dieser Trail ist absolut genial und die Negev wunderschön!

    Auch neben dem Trail ist es spannend Israel zu erleben. Ein Land, das wir vor allem aus den Nachrichten kennen und trotzdem abseits der Schlagzeilen erstaunlich wenig darüber wissen. Wir erleben, wie die Kibbuze, wo wir uns in den kleinen Läden mit Lebensmitteln versorgen können, durch einen mehrfachen Zaun und ein massives Eingangstor gesichert sind, videoüberwacht, fast wie in einem der Endzeitfilme aus Hollywood: In der Einöde steht ein kleines Dorf, massiv eingezäunt und grün, in dem sich die letzten Überlebenden einer Umweltkatastrophe zusammengefunden haben und sich gegen die feindliche Umwelt zu behaupten versuchen... Natürlich ist das Blödsinn, und doch wirken die Siedlungen so auf uns. Oder die Mauer zu Palästina. Zuerst als vierfacher Stacheldrahtzaun mit Minen-Warnschildern, dann als meterhohe Betonpfeiler durchschneidet sie das ganze Land und bildet damit ein unüberwindbares Hindernis auf dem Weg zu einer Versöhnung und damit einer friedlichen Lösung zwischen Palästinensern und Israeli. Und betroffen denken wir daran, wie in anderen Weltgegenden über den Bau von neuen Mauern diskutiert wird.

    Als wir vom Toten Meer her kommend nach einem langen Aufstieg wieder das Plateau erreichen, liegt der schöne Teil des Israel Bike Trails hinter uns. Auf Feldwegen fahren wir ziemlich unspektakulär durch weites Agrarland, Obstbaumplantagen und Pinienwälder nach Jerusalem. Innerlich haben wir bereits Abschied vom Land genommen, traurig, dass der Trail durch die Negev schon vorbei ist. Doch Jerusalem wollen wir noch sehen vor unserer Abreise. Nirgendwo sonst auf der Welt begegnen sich drei Weltreligionen und ihre Monumente so nahe: Die Klagemauer der Juden, der Felsendom und die Al Aqsa Moschee der Muslime, die Grabeskirche der Christen. Und eine riesige Abzocke rundherum. Nach zwei Tagen in einer miesen Absteige fühlt sich unser Budget an, als wäre es in eine der zahlreichen Fruchtpressen geraten. Ausgequetscht bis auf die Schale und sauer wie ein Zitronen-Minzesaft ohne Zucker. Zeit für den Heimflug.
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