• Wadi Rum

    15. november 2017, Jordan

    Das Wadi Rum. Es wäre schön, wenn bloss nicht so viele in diesem „Wadi Rum“ fahren würden... Das Oasendorf selbst ist eine herbe Enttäuschung. Bauruinen, herumwirbelnder Abfall wie überall im Land, Endzeitstimmung. Wieder einmal fragen wir uns, in welcher Tasche das Eintrittsgeld vom UNESCO Naturerbe wohl landet. Ganz sicher nicht bei der lokalen Bevölkerung und im Aufbau von Infrastruktur (abgesehen vom gigantischen Besucherzentrum am Eingang des Tals). Jeder der hier ansässigen Beduinen hat die Ladefläche seines Toyota Pickups mit zwei Holzbänken ausgestattet, irgendwo in der Wüste ein Camp mit Dieselgenerator und LED Beleuchtung aufgestellt und karrt nun wüstenhungrige Touristen durch das Naturdenkmal. Zerstört wird dabei nicht nur eine alte Lebensweise, sondern auch eine empfindliche Vegetation, die sich kaum je wieder vom intensiven Jeepverkehr erholen wird. Als wir am Ende der Teerstrasse und am Rand der Wüste stehen, kommt ein charismatischer junger Beduine auf uns zu. „Ihr könnt nicht mit dem Fahrrad dort rein, das ist viel zu schwierig. Bucht lieber eine Tour, ich kann euch mit dem Auto noch heute Abend in mein Camp bringen“, schlägt er vor und als wir höflich den Kopf schütteln, während wir etwas Luft aus unseren Reifen lassen, um auf dem weichen Untergrund fahren zu können, schiebt er nach: „Am Ende eures Lebens werdet ihr merken: Es zählt nicht das Geld, sondern die gemachten Erfahrungen!“ Jetzt müssen wir lachen. Diese Masche zieht bei uns nicht, oder jedenfalls nicht so, wie sich das der junge Beduine wünscht. Ja, es geht nicht ums Geld, sondern um die Erfahrung. Genau das ist der Grund dafür, dass wir seit mehr als vier Jahren mit dem Velo um die Welt reisen.

    Immer noch grinsend folgen wir den Fahrspuren in die Wüste hinein. Ziemlich schnell knabbern erste Konflikte an der bisher harmonischen Beziehung zwischen Bike und Wüste. Trotz fast platten Reifen kommen wir ins Schleudern und finden uns bald schiebend wieder. Schieben durch weichen Tiefsand, das knabbert auch an unserer eigenen Beziehungsfähigkeit und erste gemurmelte Flüche kommen über die Lippen. Dieser ver... Sand! Je näher wir aber den Bergen kommen, desto mehr verfestigt sich der Untergrund wieder und mit etwas Balance gelingt es uns, uns wieder im Sattel zu halten. Auf einer kleinen Anhöhe mit einem fantastischen Blick über die Sandsteinfelsen im rostroten Sand schlagen wir unser Camp auf. Die Abendsonne verwandelt die Wüste in ein kitschiges Gemälde in Orange und Rosa, bevor die samtschwarzen Schatten der Nacht die Konturen verwischen und die ersten Sterne über uns erstrahlen. Wir fühlen uns, als wären wir alleine auf der Welt.

    Mit der Stadt Aqaba erreichen wir das Rote Meer und queren dort die Grenze zu Israel. Ein kleiner Kulturschock. Wann waren wir das letzte Mal in einem derart modernen und hoch entwickelten Land? Als wir im 24 Stunden Supermarkt einkaufen, kommt ein Preisschock hinzu. Meine Güte, mit dem Betrag, den wir hier für ein einfaches Picknick ausgeben, reisen wir normalerweise zwei Tage! Etwas durchgeschüttelt von der Erkenntnis, dass wir wieder einmal auf die Seite der armen Schlucker gewechselt haben, fahren wir zum Start des Israel Bike Trails.
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