• Tag 1 in Guangzhou

    March 17 in China ⋅ ☁️ 28 °C

    Zwei ganze Tage haben wir für diese 19-Millionen-Einwohner-Stadt.

    Den ersten Vormittag verbringen wir jedoch noch im Hotel. Während Rainer zwei Stunden mit NordVPN chattet - weil die versprochene Leistung gleich null ist -, freunde ich mich mit den hier notwendigen Apps an.

    Da wäre zuerst AMap, das Pendant zu Google Maps. Also fast, nur eben ein wenig komfortabler und aussagekräftiger. Sucht man z. B. den Weg zu einem Bahnhof, werden gleich die verschiedensten Eingänge gezeigt, aber auch der Ausgang oder eben, wo genau die Tickets gekauft werden können. Natürlich kann man gleich die verschiedenen Taxis buchen.

    Auch Didi ist interessant. Das ist die Taxi-App. Beim Einsatz sieht man, welche Farbe und welches Nummernschild das Auto hat und wo es sich befindet. Aber auch, wenn der Fahrer noch an der Ampel steht und welche Ampelfarbe er hat. Natürlich kann man auch noch Tage später die gefahrenen Strecken nebst gezahltem Betrag abrufen, wie auf einem Kontoauszug. Das ist dann für uns - als „Dauer“-Nutzer - sehr praktisch, um nicht durcheinander zu kommen. Auch gibt es eine sogenannte Wallet, in die man Gutscheine eingespielt bekommt, sei es nach einer Fahrt oder in Verbindung mit einem Essen in einem Restaurant.

    Es ist verrückt.

    Das Einzige, was mir fehlt, ist so eine Google-Suchleiste. Dafür gibt es die Baidu-App, leider nur auf Chinesisch, und der Übersetzer ist langsam.
    Ein recht guter Ersatz ist dann eben Alipay, das eine KI-Taste hat. Damit kann man sich sehr gut behelfen. Natürlich kann man die Ergebnisse in der eingestellten Sprache sehen.
    Ich habe dann mal einen Vergleichstest angestellt und Google und die KI-Antwort von Alipay nach dem prozentualen Anteil der E- bzw. Hybrid-Autos auf der Straße gefragt. Die Antworten waren gleich, also nicht etwa geschönt auf der Alipay-Website. Denn nichts ist für mich momentan beeindruckender als die Ruhe auf den Straßen. Man hört die Mopeds nicht und auch von den Autos hört man nur Abrollgeräusche. Nun ist Guangzhou auch Chinas Vorreiter, was die Zulassungszahlen für E-Autos anbetrifft. Wir dürfen gespannt sein, wie es auf der weiteren Strecke unserer Reise aussehen wird.

    Mittags starten wir Richtung des historischen Teils der Stadt. Ich habe keine Must-do-Liste erstellt.
    Es gibt ein paar Punkte, die ich bei AMap schon mal markiert habe, aber auf die vollständige Abarbeitung legen wir beide keinen Wert.
    Wir lassen die Stadt auf uns wirken und fahren für 13,30 ¥ (1,70 €, etwa 9 km, Dauer 20 Minuten) zum Yuexiu Park, der mit einer picobello sauberen und extrem gepflegten Anlage glänzt. Gut besucht ist er. Hier wird nicht gejoggt, hier wird spaziert, Gymnastik gemacht oder aber auch einfach nur mit den Armen gekreist. Und natürlich auch auf den Bänken gesessen und den Enten zugeschaut.
    Das Highlight soll die 600 Jahre alte Stadtmauer und die „Fünf-Widder-Skulptur“ sein - eines der Wahrzeichen der Stadt. Unser Highlight ist eindeutig die Sauberkeit und das gepflegte Grün.

    Neben dem Park ist ein Grabmahl, das wir besuchen wollen. Wir finden jedoch den Eingang nicht. Dafür ein wunderbares Ambiente in einem alten, echt chinesischen Wohnviertel. Vieles hat gemein mit Japans kleinen Gassen.

    Die Shangxiajiu-Fußgängerzone ist unser nächstes Ziel. Es ist eine der ältesten und berühmtesten Einkaufsstraßen in Guangzhou.
    Zwei Straßen verlaufen parallel. In der einen wird geshoppt - in der anderen gebrutzelt. Gern würden wir etwas essen, aber was ist das alles genau?
    Ich will irgendwas probieren. Die Kanton-Küche soll ja die beste sein. Die Auswahl ist nicht einfach, da ich absolut kein Seafood esse. Irgendwann aber werden wir fündig, sitzen neben Reiskocher, einem Topf in XXXXL-Ausführung und einer Art Teppanyaki-Platte auf der anderen Seite.
    Das Essen ist genau meins: Wahrscheinlich ein gekochtes Eisbein in leckerer Soße und Reis sowie undefinierbares Grünzeug.
    In der Nebenstraße wird geshoppt. Eigentlich interessiert es uns nicht, aber wir haben unseren Alltagsrucksack vergessen, mitzunehmen bzw. in die Koffer zu packen. Und der ist sicher Made in China. Also wird es doch hier, an der Quelle, möglich sein, etwas Brauchbares zu finden.
    Im ersten Shop klebt die Verkäuferin an mir und labert mich zu. Wie ich das hasse! Ich sage ihr mehrfach, dass wir erst gucken wollen, aber sie will es nicht akzeptieren. Da gibt es nur eine Lösung: Wir verlassen den Laden und nehmen den nächsten.
    Hier ist die Ware bis hoch an die Decke gestapelt. Der Verkäufer sitzt fast unsichtbar in der Ecke und telefoniert. Er lässt sich von uns Kunden nicht beirren. Wunderbar.
    So können wir in Ruhe suchen und finden auch etwas.
    „Wo ist die Kasse?“, deuten wir aus der Ferne gestikulierend an. Da zeigt er Richtung Eingang.
    Zuerst scannen wir bei Alipay den QR-Code seines Ladens, geben die Kaufsumme ein (die steht ja auf einem Schild) und senden dann den Betrag per Alipay ab.
    Für umgerechnet 6 € kann man einfach nichts falsch machen. Oder?

    Anschließend lassen wir uns ins Hotel fahren, vorbei an vielen 30- oder mehr Stöckern. Irgendwo müssen die 19 Millionen ja wohnen.

    Am Ende des Tages sind wir ziemlich erledigt. So viel Input macht schlapp.
    Aber noch ist eine Aufgabe, die wir noch heute erledigen wollten, offen. Wir benötigen eine Festland-Telefonnummer, um eine SIM für die Drohne zu besorgen.
    Zuerst vergewissern wir uns im DJI-Shop, ob das der richtige Weg ist und wo genau man die Karte kaufen kann. Ein China-Unicom-Shop befindet sich praktischerweise auf der anderen Straßenseite. Die jungen Berater sind sehr engagiert, aber es gibt irgendwie ein Sprachproblem. Kurz vor Vertragsabschluss erfahren wir, dass deren Aussagen völlig falsch waren. Wir verzichten und versuchen einen anderen Anbieter zu finden. Aber es ist schon 21 Uhr. Das ist so die Zeit, wo auch hier langsam Schichtschluss ist.
    Auch die Restaurants schließen nach und nach. Große Auswahl haben wir nicht mehr. Also wird es wieder eine große Schüssel Nudelsuppe. Dieses Mal habe ich mich vertan. Da stand „spicy“ - ja. Aber ich habe ja nicht geahnt, dass eine Suppe so spicy sein kann 🌶️🌶️ 🔥
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