Guangzhou Tag 2
March 18 in China ⋅ ☁️ 28 °C
Nachdem Rainer von MobileChina zurückkommt, wo er vergeblich versucht hat, eine SIM mit einer chinesischer Mobilfunknummer zu bekommen, starten wir in den zweiten Tag hier in Guangzhou.
Wir wohnen ja im modernen Teil der Stadt, wo sich eben auch das Geschäftsviertel befindet. Mittendrin umringt von modernsten Bauten, liegt die Huacheng Plaza - was übersetzt Blumenstadt heißt.
Der Name bezieht sich dabei auf die Tatsache, dass Guangzhou ganzjährig für blühende Pflanzen bekannt ist.
Auf dem Weg dahin geht es vorbei an einigen Straßenhändlern, die kleine niedliche Tiere verkaufen.
Die dann folgende Kreuzung ist riesig. Aber hier gibt es eine clevere Lösung für Fußgänger. Ja Tunnel gibt es auch anderswo auf der Welt. Aber diese mit in der Mitte offenen Lösung finde ich weitaus angenehmer.
Wir laufen die Plaza vom Norden bis nach Süden ab. Mitten zwischen den modernen Gebäuden herrscht ein absolut futuristisches Ambiente.
So, als wenn wir Teil in einem computeranimierten Video eines Städteplaners sind. Die Wege sind definiert und doch verworren. Wir bewegen uns inmitten unvorstellbar vieler Grünflächen. Und das ist nicht „nur“ Wiese. Das sind gepflegte Gärten mit blühenden Bäumen und Sträuchern. Mittendrin genügend Sitzgelegenheiten. Als Bänke. Oder auch als Sitzsteine.
Über die Sauberkeit werde ich nicht müde zu schreiben.
Es sind Hunderte unterwegs. Wahrscheinlich haben sie Mittagspause. Und dennoch wirkt alles so ruhespendend.
Wir schauen uns in der „Unterwelt“ um. Hier also befinden sich die Restaurants. Die Auswahl ist schier unendlich. Gut besucht sind alle. Aber es gibt auch vollverglaste, moderne und gut besuchte Fitnessstudios. Hier trainiert man also während der Mittagspause.
Dafür finden wir draußen keine Cafés. Das wäre so schön auf diese Weise dem Ganzen hier zu zuschauen. Aber vermutlich macht das keinen Sinn, weil es hier die meisten Monate über sehr heiß ist. Selbst heute - Mitte März - sind es mittags knapp 30 Grad.
Weiter südlich stehen auch die architektonisch markanten Gebäude wie das Guangzhou Opera House, Guangdong Museum, Guangzhou Library.
Am Perl River angekommen soll’s mit Taxi wieder in den historischen Teil gehen. In die Beijing Street.
Die aber beschreibt ein Gebiet.
Die Bestellung des Taxis gestaltet sich deshalb schwierig, um nicht zu sagen nervenaufreibend. Denn den Namen findet Rainer nicht. Man könnte das Ziel ja manuell suchen. Aber die Sonne blendet - der Schweiß läuft - Rainers Handy mittlerweile glühend - ich genervt… Na wie das manchmal so ist. Also übernehme ich die Aufgabe. Und et voila - das Taxi kommt.
Unser Ziel ist heute eine weitere Fußgängerzone, die bereits 214 v. Chr., also während der Qin-Dynastie angelegt wurde. Damals war sie Teil der antiken Nord-Süd-Achse der Stadt.
Ein Teil des einstigen Weges ist heute unter Glasplatten, so dass man die Beschaffenheit der damaligen mittlerweilen Jahrhunderte alten Strasse sehen kann. Es sind Teile aus der Tang-, Ming- und Qin-Dynastie sichtbar, weshalb sie auch „Millennium-Straße“ genannt wird.
Uns gefällt die Promenade noch besser als die Gestrige. Sie ist lebendiger. Dafür auch lauter. Aus jedem Laden dröhnt entweder Werbung oder Musik. China live eben.
Zwischendrin wechseln wir in ein Café in einer Parallelstrasse, wo wieder himmlische Ruhe herrscht. Wo sich Einheimische auch mal ein Nickerchen gönnen.
Noch einmal gehen wir zur Promenade und fotografieren die Häuser, die noch den Schmuck vom Neujahrsfest tragen. Dieses Jahr ist das Jahr des Feuerpferdes. Überall klebt oder steht Schmuck zum Thema Pferd. Natürlich im China-Look. Also grellbunt oder im Comicstyle.
Eigentlich soll jetzt Schluss sein und wieder zurück gehen.
Als wir aber nach dem kürzesten Weg zur Straße suchen, entdecken wir ein chinesisches Tor. Vollkommen übersehbar zwischen Häusern eingepfercht. Keine Ahnung was uns angetrieben hat, uns dem Tor anzunähern. Jedenfalls könnte keine Überraschung größer sein, als sich hinter diesem unscheinbaren Tor eine 1.200 m² große Fläche eröffnet, auf dem sich der Dafo-Tempel (Big Buddha Temple) befindet. Dieser ist unglaubliche über 1.000 Jahre alt und ist im Laufe der Zeit einfach von normalen Wohnhäusern umbaut worden.
Was für ein Monstrum an Tempel!
Wunderschön und beeindruckend zugleich.
Nun geht es wirklich zurück.
Am Ende der Promenade sind wir nicht die Einzigen, die auf ein Taxi warten. Es ist generell ziemlich trubelig hier.
Und ich muss unwillkürlich an die in Deutschland gezeigten Reportagen aus China denken, in denen uns berichtet wird, wie hart man Menschen für Vergehen aller Art bestraft. Jedes Vergehen bedeutet Verlust ihres Sozial-Scores.
Ein Vergehen ist da zum Beispiel bei Rot über die Straße zu gehen. Alles ist möglich, durch die intensive Kameraüberwachung.
Hm. Jetzt, wo ich hier stehe, frage ich mich, ob das wirklich so ist. Ich sehe laufend Verkehrssünder. Menschen, die bei Rot die Straße überqueren, Mopedfahrer die verkehrswidrig unterwegs sind usw. Riskieren sie wirklich alle ihren Sozial-Score?
Ich recherchiere etwas und finde heraus, dass es dieses System bisher nur in einer Stadt, in Rongcheng, in der Erprobungsphase gibt. Und es geht dabei um schwere Verstöße und Verbrechen. Nicht um solche Kleinstvergehen.
Übrigens gibt es auch in Deutschland solche Erprobungsphasen für Überwachungstechnologien an Kreuzungen, insbesondere zur Erkennung von Verkehrsverstößen.
Ein Beispiel ist das Pilotprojekt mit „Monocam“-Kameras in Mainz, die Handynutzung am Steuer erfassen und automatisch an die Polizei melden. Diese KI- gestützte Technologie wurde zuvor in den Niederlanden erfolgreich getestet . Ein weiteres gibt es in Berlin. Und natürlich in einigen anderen Städten.
Für den Abend habe ich Tickets für den Canton Tower gekauft. Wir wollen auf die höchste Aussichtsplattform der Welt. Die befindet sich in einer Höhe von 488 Metern und übertrifft um 36 Meter die Plattform auf dem Burj Khalifa in Dubai.
Oben angekommen bin ich eigentlich total enttäuscht. Denn die Aussicht von der 107.Etage ist stark eingeschränkt durch die „Rippen“ des Baus. In der 108.Etage befindet sich die Freiluft-Plattform. Hier steht das weltweit höchste Fahrgeschäft. Gondeln umkreisen den Turm. Leider sind die gerade „under maintainance“.
Ein weitläufiger freier Blick ist deshalb auch hier nicht möglich.
Die Enttäuschung wird getoppt von der Tatsache, dass es nur zwei Aufzüge gibt, die jeweils nur zwölf Besucher aufnehmen. Auch wenn die Abfahrt nur 1:38 Minuten dauert - eigenhändig gestoppt 😉 - stehen wir gefühlt ewig an.
Ewig warten wir auch auf das Taxi. Weil: klar - auch hier sind wir nicht allein unterwegs. So kommen wir viel zu spät zum ausgesuchten Restaurant, das „schon“ um Neun schließt. Verhungern müssen wir dennoch nicht. Wir finden um die Ecke ein anderes.
Später als geplant sind wir wieder im Zimmer. Das Packen verschieben wir auf morgen früh.
Morgen erwartet uns eine weitere Herausforderung: Checkin am Bahnhof.Read more


























Traveler
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