• Yangshuo in der Provinz Guangxi

    Mar 19–23 in China ⋅ ☁️ 18 °C

    Wir verlassen die Provinz Canton und fahren gen Westen. Für wenige Tage werden wir in der Autonomen Region Guangxi weilen.
    Autonome Regionen sind höchste Ebenen ethnischer Selbstverwaltung in China und bieten besondere Rechte. Damit ist so eine Autonome Region direkt der Zentralregierung unterstellt. Genau wie Provinzen. Guangxi ist erst seit 1958 eine Autonome Region.

    Eine der Hauptattraktion Guangxi‘s ist „Fenglin“. Fenglin heißt übersetzt Gipfelwald. So werden diese isoliert stehenden Karstberge hier genannt.
    Wer kennt nicht das Bild des Fischers auf einem Bambusfloß der einen Kormoran hält und im Hintergrund ragen diese Karststeine aus der Erde?
    Für uns ist es der vierte Anlauf die Dramatik der Karstberge einzufangen. Zwei Mal waren wir schon bei Nebel und Regen in Vietnams Tam Coc. Hier wo diese Landschaft die südliche Flanke bildet. Und bei schönstem Wetter waren wir dann im April 2025 in Bản Giốc. Das liegt direkt an der chinesischen Grenze. Und schon damals war mir klar: Ich will die chinesischen Karstberge auch sehen.
    So kam der Ort Yangshuo ins Spiel. Ein Hotel so mittendrin ist auch schnell gefunden.

    Während uns also Guangzhou noch bei kuschelig warmen Temperaturen verabschiedet, empfängt uns zwei Stunden später, 300 Kilometer westlich, Yangshuo bei knallharten 16 Grad. Das Wetter ist mies.
    In meinen Sandalettchen und T-Shirt stehe ich temperaturtechnisch praktisch am Nordpol.
    Das Taxi ist leider nicht mehr so komfortabel wie in der Großstadt. Und da chinesische Taxifahrer keinen Schmerz damit haben, ihr Auto vollzurauchen und den Gast dann bei offenen Fenstern durch die Gegend zu kutschieren, bin ich schon unterwegs total durchgefroren.
    Beim Blick aus dem fahrenden Auto fühlen wir uns beide nach Vietnam
    versetzt. Es sieht keinen Deut anders aus. Es sind die flachen stilistisch gleichen Häuser mitten zwischen den Feldern, die genauso aussehen.
    Nur die Karststeinsäulen - die sind hier anders. Dichter beieinander und deutlich höher.

    Unser Boutique Hotel ist definitiv ein Glücksgriff. Das Zimmer ist für mich der Inbegriff für Japanische Raumkunst. Die Aussicht durch vollverglaste Wände zu zwei Seiten entschädigt für alles. Es ist ein Traum.

    Eine heiße Dusche später ist dann auch klar: Ich habe eine Erkältung.
    Und so bleiben wir den ersten verregneten Tag im Zimmer. Beziehungsweise im Hotel. Es ist zu schön um es zu verlassen.

    Auf der gleichen Etage befindet sich ein Café. Es scheint ein In-Café zu sein. Jedenfalls lungern wir auch hier mehrere Stunden ab und beobachten, wie all die schönen Fotos von kleinen Chinesinnen entstehen. Da kann man echt noch etwas lernen. Da spielt der Kaffee im niedlichen Becher so keine Rolle.
    Da wird auch mal die Deko hin und hergeschoben, damit das Bild genial aussieht. Es geht um - zugegeben - schöne Selfies.
    Zu Zeiten als ein Film noch 36 Bilder hatte, wären wohl viele Filme draufgegangen.

    Nachdem wir am ersten Abend im Hotel dinniert haben, trauen wir uns am zweiten in das angesagte Cave Restaurant. Das liegt direkt in einem dieser Karststeine. Es ist ziemlich groß und ich will ganz ehrlich sein: so ganz wohl ist es mir in so einer Höhle nicht.
    Das Geschirr auf unserem Platz ist eingeschweißt und wir fragen uns, ob das gerade gekauft wurde.
    Nein - ist es nicht. Da ist ein Klebchen drauf, dass und wann es desinfiziert wurde. Abgesehen, dass das Personal total lustlos unterwegs ist, wird erst die Reservierung angenommen, um uns eine Viertelstunde später mitzuteilen, dass diese Speise ausgegangen ist. Für diesen „Wechsel“ stehen dann auf der Rechnung 10¥ Mehrpreis.
    Das im Netz gelobte „lokale Essen“ kommt nach und nach. Der Reis wird vollkommen vergessen aber nach viel Winken nach einem Kellner dann doch noch nachgeliefert. Eine Speise ist dann doch wieder etwas anderes… also nee. Leute!
    An der Kasse müssen wir die Rechnung etwas modifizieren lassen. Und dann haben wir noch etwas mehr Spaß mit dem Übersetzter. Denn man berechnet uns das Geschirr. What???
    Als Rainer dann fragt, ob wir das dann mitnehmen dürfen, kriegen sie einen Lachkrampf. Na ja. So ist das mit den Grenzen einer KI. Wahrscheinlich ist diese Gebühr so etwas wie dieses „coperto“ in Italien bzw. in Frankreich.

    Am zweiten Tag ist es nur noch bewölkt. Also machen wir uns mit dem Moped auf in das 300.000-Einwohner-Örtchen Yangshuo. Für chinesische Verhältnisse also ein Dorf. Hier lebt man vom Tourismus. Dabei sind nicht wir Ausländer gemeint. Westliche Besucher kann man - uns eingerechnet - an einer Hand abzählen. Es geht um Landsleute.
    Hier leiht man sich Trachten der Minderheiten aus und macht natürlich Aufnahmen von sich selbst. Die gefühlten Minusgrade spielen keine Rolle. Die Mädels sind tough und stehen auch Modell in einem Nichts an Kleidung.

    Wir drehen eine Runde auf dem Gelände und entscheiden, mit dem Taxi weiterzufahren. Denn wie sich herausgestellt, war ich beim Packen dieses Mal ziemlich kopflos und habe keine einzige Jacke mit 😐

    Etwa vierzig Minuten außerhalb des Ortes befindet sich die Ruyi Cable Car Scenic Area.

    Wir über 60Jährigen zahlen übrigens nur die Hälfte - also etwa 12.50€ pP was definitiv für das, was wir geboten bekommen, viel zu wenig ist.
    Das Abarbeiten der Warteschlange geht eigentlich recht zügig. Dennoch schleust man uns durch eine Schnellreihe. Wahrscheinlich weil wir die einzigen „Aliens“ hier sind. Alle anderen Besucher sind Einheimische.

    Hier kann man nicht nur mit der Seilbahn über einige Kaststeine fahren, um dann auf einem 400 Meter hohen Stein auszusteigen, sondern auch noch über Hängebrücken laufen, die teilweise im Boden verglast sind.

    Natürlich wäre es schöner, wenn der Himmel irgendwie etwas dramatischer wäre. Von mir aus mit deutlichen Wolkenkonturen. Oder
    Nebelschwaden. Aber dieser Matschepampen-Himmel macht die Bilder langweilig.
    Dennoch werden wir am Ende des Tages happy über den Besuch sein und letztendlich wird dieser Tag zum Highlight des gesamten Aufenthaltes hier.

    Nach drei Nächten verabschieden wir uns von unserer liebevollen Rezi-Dame, die uns noch mehr als ein Kilo frisch- und selbstgepflückte Mandarinen aus den Bergen in die Tasche füllt.
    Schön war’s !

    Mit einer Zugfahrt - sozusagen in Lichtgeschwindigkeit von zwanzig Minuten für 80 Kilometer - fahren wir mit dem Zug nach Guilin.
    Hier ist das Wetter noch mieser. Es regnet zeitweise Bindfäden.

    Das Hotel dagegen ist toll. Sowohl der Ausblick als auch die Ausstattung ist erwähnenswert.

    Das Hotel ist ein Ort für Technikverliebte. Wir kommen aus dem Staunen nicht raus. Nicht nur über jedes Element in unserem Zimmer sondern auch, als ein Servierroboter an uns vorbeihuschelt und in den Fahrstuhl „steigt“, um eine Bestellung aufs Zimmer zu bringen.

    Der Raum ist ganz asiatisch eingerichtet. Ich würde sagen Japanisch. Aber vielleicht sind auch Chinesen so eingerichtet.
    Der Teil, wo unsere Betten stehen, befindet sich auf einem Podest. Da tritt man niemals mit Schuhen drauf. Leider vergesse ich die Stufe und stürze der Länge nach ziemlich unglücklich auf den 15 Zentimeter tieferen Boden. Ob die Stunde chinesische Massage die Blessuren irgendwie ausbügeln kann - weiß ich noch nicht.

    Am nächsten Morgen geht’s weiter. Aber das wird ein anderer Footprint. Eins kann ich aber schon verraten: Es wird wieder herrlich warm.
    Read more