• DongFengYun in Yunnan

    Mar 23–25 in China ⋅ ☀️ 24 °C

    Es geht in die Provinz Yunnan.
    Für die knapp 700 Kilometer brauchen wir dieses Mal ganze 6:25h. Denn wir fahren mit einem D-Zug.
    D-Züge sind die zweitschnellsten Bullettrains, deren Höchstgeschwindigkeit die 250kmh-Marke nicht überschreiten kann.
    In der 1.Klasse gibt es keine dieser neckischen Snackboxen nebst Wasser. Die Sitze sind breit, aber nicht so bequem wie die in den G-Zügen.
    Schon während der Fahrt beschließe ich deshalb, die gekauften Tickets für weitere Fahrten unserer Reise zu prüfen und gegebenenfalls gegen G-Züge einzutauschen.

    Die Provinz Yunnan befindet sich westlich von Guangxi (die Provinz welche wir gerade verlassen haben). Mit ihren 47 Millionen Einwohnern ist Yunnan die 8. größte Provinz Chinas.
    Es hat eine Besonderheit. Yunnan grenzt an die Provinzen Sichuan, Guizhou, Guangxi, Tibet sowie an die Länder Myanmar, Laos und Vietnam. Die Ländergrenzen stellen die Provinz und natürlich China vor eine große „Herausforderung“ - wie es hier genannt wird. Wir würden schlicht und ergreifend sagen: Es gibt ein großes Problem. Denn am „Goldenen Dreieck“ kämpft man mit Drogenschmuggel, illegaler Migration und grenzüberschreitender Kriminalität.

    Wir aber fahren nicht in Grenznähe. Wir legen einen zweitägigen Zwischenaufenthalt in Mile, südlich der Provinzhauptstadt Kunming, ein.

    Kurz vor Mile stabilisiert sich endlich das Wetter in die richtige Richtung: Sonne mit etwas über 25 Grad.
    Mile liegt auf 1.400 Metern Höhe. Hier beginnen wir auch unsere langsame Höhenanpassung. Denn in elf Tagen werden wir in 3.500 Metern sein.
    Aber erst einmal genießen wir DongFengYun.

    Am Bahnhof angekommen gilt es, sich durch eine Armada der aufdringlichen Taxifahrer zu kämpfen. Alle wollen uns als Gäste haben. Das wollen wir wiederum nicht. Wir wollen ein bei Didi geordertes Auto.

    Mile befindet in der Honghe Hani und Yi Autonomous Prefecture. Also einem autonomen Bezirk in einer Provinz. Langsam wird’s also kompliziert 😉

    Wir wohnen etwa eine Viertelstunde vom Bahnhof entfernt. In einem Kunst- und Kulturkomplex entworfen vom Künstler & Architekt Luo Xu.
    Was genau das bedeutet, war mir beim Buchen nicht ganz bewusst.
    Es war ein Foto bei Instagram mit Gebäuden, die ich einfach mal sehen wollte. Es befindet sich im Weingebiet Yunnans.
    Wir steigen im DongFengYun Hotel Mi'Le - MGallery Collection ab. Ein AllAccor Hotel. Eins das zum Komplex gehört. Alle anderen Unterkünfte befinden sich außerhalb.

    Der Zugang zum Hotel führt durch eine Art Kuppel-Gewölbe, das an der Decke einen kreisrunden Ausschnitt hat. In der Mitte ist eine Wasserinstallation. Die Akustik gleicht der in Singapore‘s Rain Oculus.

    An der Rezeption stehen drei Angestellte, die mit ihren dünnen Michael-Jackson-Nasen fast gleich aussehen. Sind die überhaupt echt? Ja sind sie. Roboter würden besser englisch sprechen. Nur eine kann uns einweisen. Muss aber ständig dabei kichern, weil sie merkt, wie furchtbar ihr Englisch ist. Nun. In einer weltweit vertretenen Kette habe ich einerseits erwartet, dass man Englisch beherrschen muss. Andererseits will ich nicht so streng sein. Denn abgesehen davon, dass Mile eh weit ab von typischen Touristenpfaden liegt, kommt hier wohl sehr selten ein Ausländer her. Jedenfalls bleiben wir während des gesamten Aufenthaltes die einzigen Langnasen.

    Unser Zimmer ist sehr groß. Es ist modern eingerichtet, es gibt viele Ablagen und auch sonst gibt es Nix zu meckern. Na ja vielleicht doch. Die Toilette ist nicht intelligent. So werden übrigens hier die Washlets genannt.

    Vom Balkon haben wir den Blick auf das gesamte Gelände.
    Es sind rote Ziegelbauten mit einer einzigartigen Architektur.
    Die sonderbaren Formen, die Weinflaschen gleichen, die - wie mir Alipay’s KI verrät - ganz ohne Stahl und ohne Nägel gebaut wurden, sind extrem interessant anzusehen.
    Das gesamte Gelände ist voller dieser aussergewöhnlichen Bauten. So etwas habe ich in China nicht erwartet.

    Wir haben kein Programm und lassen uns von der Umgebung unterhalten.
    Da wäre zum Beispiel die Hotelanlage. Die ist riesig. Und hat laut Flyer eine Poolfläche von 1.200 qm. Nicht schlecht. Schlecht ist nur, dass man vergessen hat, den kaskadenartigen Pools beheizbar zu gestalten. Bei 19 Grad (so stehts auf der Tafel) gehen selbst Badenixen wie Rainer nicht ins Wasser. Dafür sind sie fotogen.
    Fotogen ist übrigens alles hier. Den nächsten Tag nutzen wir, um den gesamten Komplex zu erkunden. Der ist wie ein Erlebnispark mit vielen Attraktionen nebst Shuttleservice eingerichtet und der Eintritt natürlich kostenpflichtig. Für uns Hotelgäste ist alles kostenlos nutzbar. Sowohl die Museen, weitläufige Gartenanlagen als auch all die Ausstellungen.

    Erwähnen muss ich noch das riesige Doppelrestaurant. Eins soll die asiatischen Gäste bedienen. Eins die Westlichen. Aber egal wo man sitzt: Man bekommt überall alles. Die Auswahl ist nicht sehr groß. Vor allem aber auch weil man unter „westlich“ Burger versteht. Und das ist so gar nicht unsers. Am ersten Abend esse ich asiatisch - Rainer Lachs. Der gewünschte Salat ist „out“. Am folgenden Abend ist der gleiche Salat auch wieder „out“. Mein Filet aber auch. So wählen wir notgedrungen beide das Ribeye. Das Ganze ist dem Restaurantmanager sichtlich unangenehm. Zudem mangelt es auch ihm an guten Englischkenntnissen. Auch dafür entschuldigt er sich. Aber ja. Wir haben ja Verständnis. Plötzlich erscheint er mit einer Flasche Rotwein. Und weil wir lieber Weißwein trinken tauscht er ihn fix aus. Es sei ein Geschenk des Hauses. Während ich eine süße Plörre erwarte, werde ich eines Besseren belehrt. Der Wein ist zwar solo nicht wirklich unser Ding. Zum Essen aber passt er hervorragend! Wie dafür gemacht. Und mittendrin, während wir also noch essen, erscheint der Chef mit dem gewünschten Salat. Dem, der gestern und heute „out“ war. Die Avocado war’s weshalb sie nicht liefern konnten. Und nun war sie da. Wahrscheinlich wurde ganz Mile abgefragt, ob irgendjemand noch eine Avocado im Lager hat.
    Na ja. Wir waren letztendlich tief berührt von so viel Aufmerksamkeit.

    Nach zwei Nächten verlassen wir diese Gegend, die wir so in China nicht erwartet haben.
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