Wohnen wie im alten Yunnan
March 28 in China ⋅ ☁️ 21 °C
Irgendwas ist immer. Nachts wache ich mit stechenden Schmerzen über‘n rechten Ohr auf.
Oha - denke ich. Irgendwie habe ich es erwartet. Es rächen sich die vielen Taxifahrten mit offenen Fenstern.
Noch hoffe ich, es ist nur ein Empfinden. Ich werfe ein paar Ibu’s ein und versuche positiv zu denken.
Am nächsten Morgen geht es mir etwas besser.
Das komfortable Taxi-Gefährt bringt uns zur Kunming Railway Station. Nicht -nan oder -bai. Nein, ohne Endung befindet sich der Bahnhof mitten in der Stadt. So sind wir in einer Viertelstunde am Ziel.
Mittlerweile sind wir Profis, was das Zugfahren anbetrifft und kommen nur noch knapp ne Stunde vor Abfahrt zum Bahnhof.
Ich frage mich, ob wir in einem Monat, dann nur noch ne Viertelstunde früher kommen.
Der Ablauf ist bekannt, ist so verlässlich präzise, pünktlich und sehr gut kalkulierbar.
Also „no-need“ viel früher da zu sein.
Mit dem D 3932 fahren wir nach Dali. Die Wagonnummern sind nicht wie sonst auf dem Boden markiert. Nein hier ist Moderne eingezogen. Hier gibt es Säulen.
Exakt 2:08 Stunden später erreichen wir Dali City. Schon bei der Einfahrt ist ein dichtes Häusermeer zu sehen. Ein paar Hochhäuser stehen zwischendrin. Aber alles im potthässlichen weiß-grau.
Das, wo wir ankommen, ist das neuere Dali (einst Xiaguan). Entstanden im 14. Jh (während der Ming-Dynastie) wurde aber erst 1983 administrativ mit dem alten Dali vereint.
Wir bleiben glücklicherweise nicht hier. Für uns geht’s in das alte, das ursprüngliche Dali, das schon im 8Jh. gegründet wurde. Damals war es die Hauptstadt des Nanzhao Königreiches.
Unsere Unterkunft bietet ein kostenlosen Shuttleservice an. Der Fahrer steht mit einem Schild da, der Kampf mit den lästigen Taxifahrern entfällt und es folgt eine 30-minütige Fahrt in das alte Dali.
Die Yupin Villa the Heritage Chinese Mansion, unser Zuhause für die nächsten drei Tage, liegt etwa 1.5 Kilometer von der Altstadt - der „Ancient City“ entfernt. Sie befindet sich am Fuße des Cangshan-Gebirges.
Als unser Taxifahrer andeutet, dass wir am Ziel sind, ist mein erster Gedanke: Bitte nicht. Das soll ich gebucht haben?
Gegenüber steht ein nettes Haus - aber sonst? Der Weg unbefestigt… irgendwie wirkt alles nicht wirklich einladend.
Schon kommt Personal aus der Unterkunft „geschossen“, schnappt sich unser Gepäck und wir folgen.
Wir treten ein in eine andere Welt.
Eine - wie aus einem historischen China-Film. Wo alles Platz hat. Von Wasserführung entlang des Weges im ersten Aussenhof, Bögen, ein Tisch, einem chinesischen Brettspiel drauf, Planzen und Steinlaternen.
Im Innenhof erst geht es richtig los. Eine Pagode, ein Teich mit Koi-Fischen, Käfige mit Vögeln, üppiges aber dennoch gepflegtes Grün, kleine Wege und unglaublich viele Fotomotive.
Das angeblich englisch sprechende Personal - wie beim Buchen ausgewiesen - kann natürlich kaum Englisch. Aber sie können alle so gut den Übersetzter händeln, dass dies kaum auffällt.
Wir werden in ein Zimmer gebracht das sehr „übersichtlich“ aussieht. Eine Couch, ein Monsterstein stellt den Tisch dar, ein Esstisch und allerlei wunderschön drapierte chinesische Dekoration.
Ich kann mich nicht mehr genau an die Buchung erinnern. Aber insgeheim bin ich etwas entsetzt und frage Rainer: Und wo schlafen wir? Rainer meint, wir müssen bestimmt die Couch ausziehen.
Hm. So etwas hab ich gebucht ???
Da entdecke ich eine Treppe.
Und nun ist die Welt wieder in Ordnung 😍
Eine wunderschöne obere Etage nebst Terrasse gehört auch dazu. Alles ist sehr liebevoll und detailgetreu eingerichtet.
Das Frühstück sehr chinesisch, erfordert mehr Vertrauen an das, was offeriert wird. Das Ei und die Süsskartoffel und die Bao‘s sind noch identifizierbar. Aber was ist die gelbe Füllung? Ich mag es einfach nicht, irgendwo reinzubeissen, um dann enttäuscht zu werden.
Aber das ändert sich. Ab dem zweiten Morgen essen wir im Zimmer. Und per WeChat frage ich nach, was das ein oder andere ist.
Am dritten Morgen ist eigentlich alles lecker. Außer die lila Suppe. Die schmeckt Rainer wiederum.
Jeden Nachmittag wird der Afternoon-Tea serviert. Ein Tablett mit Obst, Pommes mit Chickennuggets und Rosentee aus echten Rosen.
Seltsame Zusammensetzung.
Aber man muss ja nicht alles essen.
Wir genießen das gesamte Ambiente.
Ich frage nach der Geschichte des Gebäudes und erfahre, dass es vor mehr als 200 Jahren von einem wohlhabenden Geschäftsmann namens Li Wenbing aus der Qing-Dynastie gebaut wurde. Die gesamte Familie hat hier gelebt. Es wird gesagt, dass er diesen Hof gefunden hatte, nachdem er viele Feng Shui-Meister konsultiert hatte.
Es handelt sich hier um ein renoviertes Bai-Vierhof-Haus („Siheyuan“) mit vier Innenhöfen.
Li Wenbings Firmenname war "Hongfa Xiang". Sein Firmenname war bis zur Straße von Malakka und in ganz Südostasien bekannt.
Nach Li Wenbings Tod lebten seine Nachkommen hier.
Die Villa steht nun unter Denkmalschutz. Das Konzept für die Widerherstellungsarbeiten wurden zusammen mit den noch drei lebenden Nachkommen entwickelt. Seit 2024 ist es ein Boutique-Hotel.Read more


























TravelerKlasse Unterkunft und Du hast recht - viele tolle Fotomotive. Da macht es sicher Freude „umher zu streunern“.
Traveler
Ein Träumchen
Traveler
🥰