• Im Umland von Shaxi

    April 1 in China ⋅ ☁️ 20 °C

    Am ersten Tag - das Wetter ist perfekt - geht’s ins Umland. Wir wollen uns Grotten und einen Tempel ansehen.
    Wie genau wir allerdings dahin kommen, hoffen wir an der Rezi zu erfahren. Denn Didi zeigt uns keinerlei Verbindungen zum ausgewählten Ziel. Aber solche „ausgefallenen“ Fragen stellt hier wohl niemand.
    Erst im Information-Center wird alles klar: Beide Attraktionen (wir wollten sie ursprünglich auf zwei Tage aufteilen) kann man nämlich als eine einzige Rundreise verbinden.
    Hier erhalten wir endlich auch mal ne Papierkarte für den Überblick der Gegend außerhalb Shaxi‘s. Wir entscheiden uns schon hier, den Eintritt nebst Shuttlebus im Park zu kaufen. Das kostet 174¥.
    Und auch das Bus-Ticket vom Park zurück nach Shaxi erwerben wir schon hier. Für ganze 4¥. Was glatt 60 Cent sind.
    Auf den Bus, der uns aber jetzt in dieses Gebiet bringen könnte, wollen wir nicht warten. Wir bestellen ein Taxi und fahren etwa 40 Minuten Richtung Nordwesten. Das Einzige das wir vergessen, ist das schöne Wetter. Denn unterwegs wird es immer trüber…😐

    Hier im Shibao-Shan NP läuft alles wie am Schnürchen. Ehe wir ausgesprochen haben, wo wir hinwollen, weist man in Richtung eines Kleinbusses. Drin sitzt schon eine Gruppe. Sie fahren genau wie wir es im Infocenter gesagt bekommen haben: Erst zum entfernteren Ziel, also den Grotten und dann auf dem Rückweg zu dem hängenden Tempel.

    Die Shizongzhan Grottoes (17 Grotten & 139 Statuen), sind vom Parkplatz über einen Spaziergang durch den Wald zu erreichen.
    Dieser Ausgangspunkt befindet sich auf einer Höhe von 2.550 Metern.
    Zu den Grotten geht es über Treppen nach unten. Und zwar über unendlich viele!
    Unter Grotten haben wir uns etwas mit Höhlen vorgestellt. Aber was wir vorfinden, entpuppt sich als viele Steinmetzarbeiten in unterschiedlichen Felsen.
    Sie wurden über einen Zeitraum von etwa 500 Jahren (738–1253 n. Chr.) während der Tang- und Song-Dynastien in den Fels gehauen.
    Dargestellt sind buddhistische Figuren, Porträts der Nanzhao-Könige sowie Darstellungen aus dem Alltagsleben.
    Riesig sind sie. Und extrem detailliert.
    Wir sind endlos begeistert.

    Der Rückweg ist die Härte! All die Treppen müssen wieder hochgelaufen werden 😅

    Oben angekommen ist die Gruppe, mit der wir gekommen sind, noch nicht wieder zurück. Zwei andere Touristen - übrigens die Einzigen, denen wir außer der Gruppe an diesem Tag begegnen werden - und wir werden nun zum „Hanging Temple“, dem Baoxiang Temple, gebracht.

    Der befindet sich am Foding-Berg ebenfalls im Shibao-Shan-Nationalpark.

    Erste Herausforderung: Die Armada an Verkäufern zu passieren. Wir sind das gefundene Fressen. Niemand ist sonst hier, auf den sie sich stürzen könnten. Aber wir schaffen es.

    Vergebens hoffen wir nun auf einen Aufzug oder Rolltreppen… Aber es sieht schlecht aus für uns. All die vielen Treppen müssen wir alleine stemmen.
    Abwechselnd stöhnen wir uns die Ohren voll. Ich will immer aufgeben. Aber ich will die Tempelanlage auch mit den eigenen Augen sehen! Also wird’s ein Kampf gegen den eigenen Schweinehund.
    Unterwegs schnappe ich mir noch einen Stock. Einmal um diesen als Steighilfe zu nutzen - andererseits als Verteidigung gegen die Makakken die hier rumspringen sollen.

    Auf der untersten Ebene des Tempels angekommen, sehen wir nur ein Exemplar. Und das ist nicht einmal an uns interessiert.
    Das eigentliche Ziel ist - wie nicht anders zu erwarten - noch weiter oben. Noch weitere viele, viele Treppen höher.
    Aber wir schaffen auch die.

    Am Ende erreichen wir eine Höhe von 2.650 Metern. Ein tolles Höhentraining für übermorgen, wenn es wirklich hoch hinausgeht.

    Der Baoxiang Hanging Temple ist im 13. Jahrhundert ursprünglich als taoistischer Tempel erbaut, wo im Laufe der Zeit Buddhismus und Taoismus miteinander verschmolzen sind.

    Die letzten Stufen laufen sich schon fast von allein. Ich bin nur noch am Staunen.
    Ehrfürchtig frage ich mich, wie man mit den damaligen Möglichkeiten das gesamte Material hochbringen konnte. Die Lage an einer Klippe kann man nicht anders als spektakulär bezeichnen.

    Ich bin kein Experte. Aber was mich am gesamten Anblick stört, ist der aufdringlich goldene Buddha nebst der farbigen Shakyamuni-Statue. Das passt hier nicht rein. Abends stöbere ich etwas im Netz und finde heraus, dass beide irgendwann hinzugefügt wurden. Sie also nicht zum ursprünglichen Tempel gehörten. Da weiss auch die KI keine Antwort auf die Frage: Wer und wann wurden beide Statuen dort platziert.

    Letztendlich nehmen wir‘s wie es ist. Es ist ein toller Ort. Ganz ohne chinesischen Massentourismus.

    Am letzten Tag in Shaxi gammeln wir etwas. Gehen im Ort noch etwas spazieren, entdecken kleine Nebenstraßen. Das Wetter ist nicht dolle. Es nieselt sogar zeitweise. Und so lassen wir das Erlebte etwas sacken und ich pflege mein Ohr.
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