Shangri-La
April 3 in China ⋅ ⛅ 14 °C
„Lost Horizon“ hat nicht nur James Hilton, den Schriftsteller des Romans, berühmt gemacht, sondern auch das dort beschriebene Tal im Himalaya. Ein friedlicher Ort, ohne Kriege und extrem lang lebenden Menschen namens Shangri-La.
Der Name ist erfunden.
Oder doch nicht?
Es hat Ähnlichkeit mit dem tibetischen Wort Shambhala, das für eine Art Paradies steht. Einiges spricht für eine Ableitung des Wortes. Dagegen spricht allerdings, dass Buddhisten nicht das Paradies, sondern nur das Nirwana (wörtlich: Erlösung) anstreben.
Wie auch immer. So genau weiß es niemand. Auch die chinesische Regierung nicht. Als es keine verfügbaren Nachweise für einen solchen Ort gab, hat sie 2001 einen Wettbewerb ausgeschrieben, in dem sich Städte bewerben konnten, die diesen Namen tragen wollen. Beworben haben sich viele Städte. Gewonnen hat Zhongdian im Norden der chinesischen Provinz Yunnan. Es befindet sich im Hengduan-Gebirge, das an das tibetischen Plateau grenzt und als östliche Verlängerung des Himalaya-Gebirgssystems gilt.
Die Umbennenung brachte der Tourismusindustrie der Stadt eine 600%-ige Steigerung. Das - obwohl Shangri La ziemlich weit abgelegen von der Welt ist und erst seit Ende November 2023 einen Bahnhof besitzt. Bis dahin war nur eine Anreise per Bus oder Taxi ab Lijiang möglich.
Da möchte man doch annehmen, dass die Stadt mal auf die Schnelle ein tibetisches Disneyland mit künstlichen Nachbauten geworden ist.
Nein ist sie nicht.
Tibeter bewohnen die Ortschaft schonmehr als 1.300 Jahre. Erst hiess sie Dangdang und war unter tibetischer Herrschaft. Mitte des 18.Jh wurde Groß-Dangdang der Provinz Yunnan zugeordnet. Dangdang - Zhongdian 1913 bis 2001 - war ein wichtiger Etappenort auf der Tee-Pferde-Karawanenstraße. und heißt auf Tibetisch „Dukezong“ (Mondstadt). Die Hauptbevölkerung sind Tibeter. Insgesamt leben hier 37 ethnische Gruppen unter anderem Han, Naxi, Yi und Bai.
Unsere Unterkunft hieß bei der Buchung noch „Three Seasons“ - ein Schelm der eine Ähnlichkeit mit der weltbekannten Hotelkette vermutet. Jetzt heißt es Sanji Liulu.
Der kostenlose Abholdienst macht sich gut. So können wir an der Armada der Taxifahrer einfach so vorbeigehen.
Hier in ShangriLa sind es nur 20 Grad. Aber die Sonne hat eine Kraft, dass man gleich in FlipFlops schlüpfen möchte. Auch das Licht ist fast schmerzend grell. Nur eine Sonnenbrille bringt Erleichterung. Kein Wunder aber auch. Shangri La liegt bei 3.350 Höhenmetern.
Das Hotel liegt in der Altstadt. Das äußere super schick. Wie eine Perle zwischen Kieselsteinen. Auch im Inneren empfängt uns durchgehend westliche Eleganz kombiniert mit asiatischen Elementen.
Die Gastgeber sind freundlich. Können aber so gar kein Englisch. Auch unser Übersetzter scheint nicht ganz das zu sagen, was wir ausdrücken möchten.
Der Ausblick des Zimmers ist praktisch nicht vorhanden. Hatte ich nicht ein Zimmer mit View gebucht? Wir bekommen ein anderes Zimmer. So könne wir wenigstens Richtung Straße schauen. Das andere, riesige Fenster zeigt uns das Baugeschehen in etwa dreißig Meter Entfernung.
Aber was soll’s. Das Zimmer ist groß. Die Ausstattung elegant. Es gibt Fußbodenheizung, eine intelligente Toilette und das Zimmer wird durchgehend mit Sauerstoff angereichert. Zur Not liegen auch Schläuche da. Aber die brauchen wir nicht. Wir sind gut akklimatisiert.
Was also gibt es in Shangri La zusehen? Na zu allererst das von weitem sichtbare Songtsam Kloster, das 1679 vom 5. Dalai Lama persönlich eingeweiht wurde. Es ist sehr ähnlich dem Potala Kloster in Tibets Lhasa. Nur dass das Songtsam ein lebendiges Kloster mit mehr als 600 hier lebenden tibetischen Mönche (Gelbmützen Lamas) ist. Es ist das größte buddhistische Kloster Chinas.
Wie immer bringt uns Didi hin. Zum ersten Mal auf unserer Reise werden wir von eine Frau chauffiert.
Während Rainer Tickets besorgt, entdecke ich eine wunderbar kuschelige Mütze. Eine 🐼 Mütze um mein Ohr zu schützen.
Für 40¥ - was 5€ sind.
Dann gehts mit dem Bus zum Kloster. Unterwegs beginnt es erst einmal zu regnen. Aber der Wind hat ja in dieser Höhe freies Feld und pustet die Wolken weg.
Wunderschön ist auch dieses Kloster. Und genau wie im Potala muss man viele, viele Treppen steigen. Uns reichen da kleine Fotopausen. Jeder zweite allerdings bedient sich mit Sauerstoff aus der Flasche. Wobei ich einigen unterstelle, dass sie die Treppen auch bei 0 Höhenmetern wegen fehlender Kondition nicht schaffen würden.
Oben angekommen, vergleichen wir natürlich mit dem Potala. Und ja. Der Songtsam ist mindestens genau so sehenswert. Während der Kulturrevolution wurde das Kloster weitgehend zerstört, wurde aber auf Anweisung von Deng Xiao Ping mitsamt den goldenen Dächern wieder aufgebaut.
Etwas befremdlich allerdings sind die vielen Möchtegern-Tibeter, die es hier en masse gibt und in diesen Kostümen das Kloster als Kulisse für ihre Selbstinszenierung in aufwändigen Fotoshootings benutzen.
So war der Ankunftstag schon sehr Foto-reich. Am nächsten Tag lassen wir uns mit Didi zum Nordtor der Altstadt bringen. Zum wiederholten Mal haben wir eine Taxifahrerin. Das Schöne ist - das Auto riecht nicht nach Zigaretten. Und es gibt eine „Kultureinlage“. Denn unsere Fahrerin trällert ein Lied 😍
Das imposante Nordtor ist wie so oft begehbar. Nicht nur das Tor selbst ist wunderschön anzusehen. Auch die Aussicht auf die Umgebung.
Die Altstadt ist wieder einmal bezaubernd. Sie ist - was die Größe anbetrifft- recht übersichtlich. Gleich zu Beginn lockt ein Jackenladen. Tatsächlich gefällt mir eine Jacke auf Anhieb. Die gibt es sogar in meiner Größe. Die Fliessjacke kann man rausnehmen und solo tragen.
„Was kostet die?“ frage ich.
„180¥“ … Ich hoffe der Gute hat sich nicht vertan. Das sind ja nur knapp 23€. Aber nein. Er hat sich nicht vertan. So bin ich ab sofort windgeschützt unterwegs.
Wir verweilen eine Weile in der Altstadt namens Dukezong bei einem Joghurt. Den können Chinesen außergewöhnlich gut. Die Sonne ist herrlich - macht aber ausgerechnet schlapp, als wir den Guisha Berg im gleichnamigen Park erreichen. Hier steht eine Tempelanlage und die weltweit größte Gebetsmühle mit 21 Metern Höhe. Sie wiegt 60 Tonnen und enthält 1,24 Millionen Mantras. Sie soll Gemeinschaft symbolisieren. Es bedarf nämlich mindestens zehn Personen, um sie zum Drehen zu bewegen.
Als das Wetter in super windig umschlägt, fahren wir zurück zur Unterkunft. Natürlich wieder kutschiert durch eine singende Taxifahrerin.
Mein Ohr stellt immer noch ein Problem dar. Es ist kaum besser geworden. Dennoch kann ich mich nicht durchringen noch einmal ins Krankenhaus zu gehen. Ich setze auf‘s Ausruhen.
Abends geht Rainer nochmals allein auf die Pirsch. Zuerst bringt er mir aus der Apotheke Antibiotika, die mir hoffentlich endlich eine Wendung meiner tagelangen Beschwerden bringen. Anschließend gönnt er sich noch eine Fussmassage.
Das war unser Aufenthalt im Shangri-La. Es gäbe noch mehr in der Umgebung zu sehen. Zum Beispiel einem der klarsten Seen Chinas, den Lugu Lake. Hier wohnt die indigene Mosuo Bevölkerung. Das Besondere ist deren matriarchalische Gesellschaft. Auch die Salzkaskaden sollen sehenswert sein…
Grund genug also um nochmals wieder zu kommen.Read more





























Traveler
Schicke Mütze 😁 .
Traveler
Die Mütze schützt bestimmt gut die schmerzenden Ohren 😉👍🏻! Trés chic! Gute Besserung!
TravelerAber so was… die ging auch zum Schlafen gut 😉