Tiger leaping Gorge
Apr 5–7 in China ⋅ ☁️ 17 °C
Wieder erwischen wir ein bei Didi gebuchtes Taxi, das von einer Frau gefahren wird. Sie ist verhüllt. Nicht weil sie Muslimin ist. Nein. Genauer gesagt trägt sie eine Maske, die das gesamte Gesicht verdeckt. Dazu lange Handschuhe, die bis über die Ellbogen reichen. Zusätzlich trägt sie diese Sonnenbrille, die so gerade ist, als wenn sie aus einem Bastelheft entsprungen sei. Es ist ein Schutz vor der Sonne.
Während wir eben Sonnencreme benutzen, schützt man sich so. Dennoch finde ich diese Masken
seltsam. Aber es steht mir nicht zu, es zu kritisieren. So ist das eben hier.
Unsere Fahrerin bekommt eh sofort einen Frauenbonus. Denn Frauen fahren anders und pflegen ihr Auto anders. Am Rücklicht des Autos klebt ein Behälter mit Blümchen, im Inneren stinkt es nicht nach Zigaretten und sie singt fast die gesamte Zeit. Ihr Fahrstil könnte meiner sein.
Knapp zwei Stunden später erreichen wir das Ziel.
In einer Höhe von 2.390 Metern - 1.000 Meter tiefer als Shangri-La befindet sich unsere Unterkunft. Das Haus steht in der ersten Reihe mit unverstelltem Blick auf die gegenüberliegende Steilwand. Die ist so beeindruckend nah, da fällt uns beiden vor Staunen die Kinnlade runter. Was für eine Location! Und das Ganze für 64€ die Nacht.
Unser Zimmer in der 4.Etage (aber es ist nicht als 4.Etage ausgewiesen, weil ja die 4 in Asien eine Unzahl ist) hat die Nummer 888. Wer schon mal in Asien war, weiß, die 8 ist die Nonplusultra-Zahl und hat für bestimmte Asiaten noch mehr Gewichtung als unsere 7.
Das Zimmer ist sehr einfach eingerichtet. Aber es ist geräumig und es hat zwei Sessel, die so aufgestellt sind, dass man den atemberaubenden Blick auf das Gegenüber hat.
Rainer geht kurz nach der Ankunft schon mal den Wanderweg, den wir morgen erst laufen wollen. Mir ist es zu windig. Ich muss mich schonen.
Am nächsten Morgen strahlt die Sonne. Und wie! Ich liege auf der Sonnenseite des Bettes. Und verglühe fast.
Frühstück gibt es keins in der Unterkunft. Also kein Westliches, das auch Rainer beglücken könnte. Also trinke ich meinen vietnamesischen Kaffee im Bett und wir essen unsere Süßigkeiten aus Shaxi. Das muss reichen.
Anschließend machen wir uns auf den Weg in der oberen Tiger Leaping Gorge, die als Upper Road oder High Trail bezeichnet wird. Er verläuft entlang der Bergflanke bei spektakulären Aussichten auf die Schlucht.
Wir sind nicht allein unterwegs. In China ist heute Feiertag. Und das geniale Wetter zieht Unmengen an Wanderern an. Aber sie laufen meist in Grüppchen. Wir versuchen immer dazwischen unterwegs zu sein.
Anfangs ist der Weg befestigt. Bald wird es steinig und immer enger. rechts geht es steil bergab. Aber richtig steil!
Wir gehen so weit, bis ich den Wasserfall sehen kann. Und den nächsten Ort, der wesentlich tiefer gelegen ist.
Als es plötzlich sehr windig wird, kriege ich leichte Panik bei dem engen Weg und dem drohenden Abhang. Hier gibt es auch nichts, wo man sich festhalten kann. Deshalb kehren wir um.
Zurück in der Unterkunft soll es gleich nach dem Mittagessen in die Upper Leaping Gorge Scenic Area gehen. Aber wir bekommen keinen Didi. An der Rezi sagt man uns, dass kein Ruf-Taxi hierher kommen wird. Sie würde aber jemand anrufen, der uns für 100¥ pro Stecke runter und hoch bringen würde. Aber 12.60€ pro knapp 10km ist in China Wucher.
Wir verzichten.
Andererseits machen wir uns jetzt doch ein wenig Gedanken, wie wir morgen hier wieder wegkommen. Anscheinend haben die ansässigen Taxifahrer das Territorium unter sich aufgeteilt und kassieren die Touries ab.
Über AMap buche ich ein Taxi für morgen. Dabei muss ich die Strecke schon vorab bezahlen. Seltsam.
Aber es findet sich auch niemand, der uns morgen hier oben abholen würde, um uns dann nach Lijiang zu unserem nächsten Ort bringen mag.
Hm. Gern würde ich es stornieren. Aber AMap hat nicht so einen praktischen Übersetzerknopf wie Alipay.
Alles im feinsten Chinesisch 🥴
An der Rezi gibt es Schichtwechsel. Und der junge Mann klärt das für uns. Das Geld kommt wieder aufs Konto.
Das Taxi-Problem aber bleibt.
Rainer testet es nochmals mit Didi. Und tatsächlich meldet sich jemand, der die Tour übernehmen würde. Und kurze Zeit später kommt eine Nachricht: „Hello again“.
Es ist die gleiche Fahrerin, die uns schon hergebracht hat.
Wir sind beide echt happy.
Am nächsten Morgen bitten wir sie, zu dieser Aussichtsplattform zu fahren, an dem der Yangtse am engsten ist und dieser Schlucht den Namen gegeben hat: Tiger Leaping Gorge - also Tigersprung Schlucht.
Sie sagt sofort zu. Kutschiert uns erst ins Informationcenter am Beginn der Schlucht wo wir erst Tickets erwerben müssen, bringt uns wieder zurück zur Aussichtsplattform, wartet auf dem Parkplatz, bis wir wieder zurück von der Besichtigung sind und fährt uns anschließend in ihrer ruhigen Art in das 90 Kilometer entfernte Lijiang. Und das Ganze hat uns nicht einmal 100¥ mehr gekostet.
Als wir uns verabschieden, bitte ich noch um ihren WeChat Kontakt. Sie freut sich sehr darüber und schreibt mir sofort: „Ich bin Tibeter. Mein Name ist Yangzong, Zasidler“
Sie wohnt in Shangri-La.
Und natürlich macht sie gleich ein Selfie mit uns.
Was für eine nette Begegnung.
Während sie also nun den langen Weg nach Hause fährt, beginnt für uns ein neuer Abschnitt.
Lijiang. Mit der schönsten Altstadt, die wir bisher gesehen haben…Read more


























Traveler
Atemberaubende Bergkette👍 Auf dem Foto spürt man den steilen Abgrund 🫣, da wäre ich auch umgedreht.
TravelerDanke, dass ich nicht der einzige Schisser auf dieser Welt bin
Traveler
Um es mit Loriot zu sagen: Ich möchte einfach nur hier sitzen.🫠
Traveler👏