Xi’an & die Terrakotta Krieger
20. april, Kina ⋅ ☁️ 15 °C
Von Chongqingxi nach Xi’anbei sind es mit dem Zug 730 Kilometer.
Wir „fliegen“ zum ersten Mal BC.
BC ist die höchste Kategorie in Chinas Zügen und ist schon sichtbar komfortabler als die 1.Klasse.
Für diese Strecke braucht der G2206 nur 5:39h. Und nicht mehr. Darauf kann man sich verlassen.
Worauf wir uns so gar nicht verlassen können ist das Wetter. Schon kurz vor dem Erreichen unseres Ziels sieht die Luft irgendwie komisch undurchsichtig aus.
Unser Didi sieht aus, als wenn er eine mehrtägige Offroadtour gefahren wäre. Die anderen Autos sehen aber nicht besser aus. Das scheint dem vielen Sand in der Luft geschuldet zu sein.
Ein Blick auf die WetterApp zeigt nichts Erfreuliches. Xi’an überrollt gerade ein Sandsturm aus der Wüste Gobi. Der AQI-Wert für Luftqualität ist 200. Normalerweise dümpelt er ja hier so um die 15-30. Dazu kommt noch die Vorhersage für eine ankommende außergewöhnliche Kältewelle…
Na so werden Xi‘an und wir keine Freunde mehr.
Im Sofitel Legend Hotel werden wir wie in einem internationalen Hotel empfangen. Endlich kann das Personal wirklich englisch. Nicht nur unter Zuhilfenahme einer App.
Wir bekommen gleich mal ein Upgrade auf eine Luxussuite nebst Lounge-Nutzung. Das ist allerliebst. So müssen wir das Haus heute nicht mehr verlassen und futtern uns am Abend mit kleinen Häppchen satt.
Das Frühstücksbüffet ist mit Abstand das Beste auf der bisherigen Reise. Und auch hier spricht das Personal Englisch.
Für den nächsten Tag ist „nur“ totale Bewölkung prognostiziert.
Deshalb bleiben wir in Xi‘an und schauen uns als erstes die gewaltige Anlage des Südtores (Yongning) an.
Es sind mehrere große und beeindruckende Gebäude, die hintereinander stehen bevor wir zur imposanten und massiven 12 Meter hohe City Wall gelangen.
Die wurde während der Ming-Dynastie zwischen 1374 und 1378 gebaut. Also vor etwa 650 Jahren. Und natürlich gehen wir darauf spazieren. Ich hatte keine Vorstellung von solchen Stadtmauern. Aber dass der Weg obendrauf etwa 12 bis 14 Meter breit ist, das hatte ich mir nicht vorgestellt. Hier könnte man auch ein Fahrrad anmieten und darauf fahren.
Ja bei schönem Wetter wären wir sofort dabei. Aber so ist es wenig einladend.
Anschließend schlendern wir noch die Hauptstraße bis zum Bell Tower, machen ein paar Fotos und „heben“ uns die Besteigung auf den heutigen Abend auf. (Ich greife mal vor: Das fällt dann wegen Regen aus)
In der daneben liegenden Promenade besuchen wir das Schokoladenmuseum, wo die Krieger nebst Kutsche in Lebensgrösse aus Schokolade stehen.
Das Museum ist eigentlich keines.
Es ist ein cleverer Gag, um die Leute im Anschluss an die Ausstellung zum kaufen zu verführen. Und tatsächlich werden wir eins der Opfer 😉
Am Drum Tower kehren wir um.
Es beginnt zu nieseln.
Im von Conny empfohlenen Restaurant schlemmen wir uns durch drei verschiedene Dumpling-Sorten und fahren anschließend mit Didi ins Hotel. Bei dem Wetter kriegt uns hier auch keiner mehr raus.
Ich lese mich in der restlichen Zeit des Tages in das spannende Leben des ersten Kaisers Qin Shihuangdi ein. Gelebt hat er von 259 bis 210 v. Chr. Das ist fast unvorstellbare über 2.200 Jahre her. Bis zur heutigen Zeit galt der erste Kaiser von China als umstritten. Einerseits gilt die brutale Regierungsart als unakzeptabel. Andererseits hat er nicht nur China vereinigt, sondern hat viele Reformen eingeführt, die bis heute Bestand haben.
Dessen Mausoleum mit den unzähligen Terrakotta Kriegern schauen wir uns am letzten Tag unseres Aufenthalts in Xi’an an.
Dieser Ort war bei der Planung der Reise ein gesetzter Punkt genau so wie eben die Stadt Chongqing. Die Armada an Kriegern, die man so von Bildern kennt, wollte ich unbedingt mit den eigenen Augen sehen.
Mit Didi geht’s also in den kleinen Ort Lintong. Hier sind die 2 bis 3 Tausend von schätzungsweise 8.000 Tonkriegern in drei verschiedenen Gruben zu bestaunen. Die sind übrigens 1974 ganz zufällig von lokalen Bauern beim Brunnenbau entdeckt worden. Und dann nahm die Geschichte ihren Lauf.
Nun. Die freischaffenden Guides kleben wir Kletten an uns, als wir aus dem Taxi steigen. Sie behaupten tatsächlich, dass wir ohne sie nicht reinkommen würden. Und wenn ich Rainer nicht zurechtweisen würde, wäre er eins ihrer Opfer.
Inzwischen regnet es Strippen und wir schützen uns mit den Regenmänteln aus Wulong.
Glücklicherweise ist die Schlange an der Kasse kurz. Irgendwo habe ich gelesen, dass es hier täglich 70.000 Besucher gibt.
Zum ersten Mal gibt es keinen Seniorenrabatt. Wir zahlen 240¥ was etwa 30€ sind. Dafür bekommen wir Null Plan oder sonstige Hinweise.
Wie alle - steuern auch wir als erstes Halle 1 an.
Hier sieht man erst einmal gar nichts. Jedenfalls nicht, wenn man so groß ist wie ich. Es dauert ne Weile bis ich mich an die Reling kämpfe.
Das Gedränge ist unvorstellbar. Meinen Fotoapparat muss ich verkrampft festhalten, um eine einigermaßen ruhige Aufnahme zu machen. Bald verzichte ich und verwende nur noch das Handy.
Jetzt, wo ich die Tonkrieger in Persona sehen kann, bin ich absolut nicht geflashed hier sein zu dürfen. Der Funke springt einfach nicht über. Auf der weitern Umrundung des ersten Ausgrabungsfeldes verteilt sich die Menschenmasse etwas.
Ich vergleiche diesen Besuch mal mit meinem ersten Mal Taj Mahal. Auch auf diesen Anblick habe ich mich gefreut und war total aufgeregt es zu sehen. In Natura ist dieser viel kleiner, als man den von Bildern so erahnt. Und auch da waren viele Besucher unterwegs. Dennoch stockte mir der Atem beim Anblick des indischen Mausoleums.
Hier nicht. Auch die Hallen 3 und 2 stimmen mich nicht um.
Auf einem weiteren Ausgrabungsfeld wird verdeutlicht, wie die Arbeit der Archäologen aussieht. Wie sie verschiedene Bruchstücke vorfinden und wie sie es zu einem Stück fügen.
Die Geschichte hinter der Entstehung finde ich wesentlich spannender. Qin Shihuangdi war bei seiner Thronbesteigung 13 Jahre alt. Man geht davon aus, dass schon zu dieser Zeit begonnen wurde, das Mausoleum mit all den Tonkriegern zu fertigen. Übrigens, dass er nicht wie üblich sein ganz enges Umfeld mit ins Grab nimmt dafür aber Tonkrieger, wird ihm hoch angerechnet.
Etwa 36 Jahre hat die Schaffung des Mausoleums gedauert. Gefertigt hauptsächlich von verurteilten Straftätern, aber auch Soldaten, die nach dem Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen arbeitslos waren. Man schätzt, dass unvorstellbare 700.000 Menschen daran beteiligt waren. Von überall wurden Arbeiter rekrutiert.
Am Ende der Arbeiten wurden die Architekten des Mausoleums sowie die Arbeiter auf Befehl des Kaisers lebendig begraben, um zu verhindern, dass sie Kenntnisse über den Aufbau der Anlage hätten verraten können.
Gruselig. Das macht sprachlos.
Unser Rundgang dauert fast fünf Stunden. Danach bin ich immer noch nicht euphorisiert.
Zu voll - zu wenig Beschreibungen - zu wenig Informationen.
Wir haben‘s mit den eigenen Augen gesehen. Nicht mehr.Læs mere


























Rejsende
Ist der herzig 🥰
RejsendeDeshalb musste ich ihn fotografieren. Ein Kind mit einem Holzauto - und nicht einem Handy - wann gibt es das noch ?
Rejsende
😳