Zhangjiajie & die Avatarberge
5–9 Mei, China ⋅ ☀️ 24 °C
Mit der Aussprache dieses Ortsnamens haben wir uns ziemlich schwer getan. Wenn man es aber einmal gehört hat, ist es einfach.
Das ist die phonetische Umschrift: dʒɑːŋ.dʒiː.ɑː.dʒiː.eɪ
Es sind nur drei Silben.
Sowohl das „Zh“ als auch das „ji“ werden wie das dsch von Dschungel ausgesprochen. Also in etwa so
dschang-dschia-dschie.
Einfach oder?
Zhangjiajie war lange für den Tourismus eine unentdeckte Oase. Ende der 1970er Jahre veröffentlichte ein chinesischer Maler und zeitgleich ein Fotograf Bilder von den sonderbaren Pfeilern. Dieser Artikel wurde in der People’s Daily nachgedruckt.
So wurde dieses Gebiet in China bekannt.
Der internationale Durchbruch kam jedoch erst 2009 mit dem Film Avatar, der die Landschaft von Zhangjiajie National Forest Park weltweit ins Rampenlicht rückte.
Vier Nächte habe ich im „Flower Valley Hotel“ gebucht. Denn die Gegend hat mehr als „nur“ den Park zu bieten. Und regnen soll es hier auch sehr oft.
Der Hotelverwalter bietet uns direkt ein Vier-Tages-Ticket an. Enthalten sind der Glasaufzug, die Shuttlebusse im Park und die Seilbahnen. Nur der Zug im östlichen Teil kostet bei Bedarf extra.
Am ersten Tag ist es mit 27 Grad sehr warm. Die leichte Wolkendecke macht die Luft diesig und dunstig. Etwas wie Waschküche.
Für Besucher, die möglichst bequem die Highlights sehen wollen, ist alles nahezu perfekt organisiert. Wie so oft in China sind die Tickets an den Ausweis - für uns Ausländer an den Reisepass - gekoppelt. Mit ihm starten wir am Südtor unseren Rundgang. Dort wartet bereits der Bus zum Glasaufzug.
Alle weiteren Kontrollen laufen anschließend per Gesichtserkennung. Das gefällt uns. Das hat nämlich einen Vorteil: Die Schranken öffnen sich schnell, ohne Ticketsuche oder Diskussionen. Innerhalb von Sekunden ist klar, welche Attraktionen bezahlt wurden und welche nicht. Nachkaufen kann man natürlich jederzeit. Wir haben allerdings schon das Kombiticket.
Es läuft immer nach dem gleichen Muster ab: Die etwas „langweiligen“ Teile, die tiefer im Wald gelegen sind, werden wir mit Bus gefahren. Den Rest muss man allein erlaufen.
Wir wären nicht in China, wenn wir hier allein wären. Aber wie so oft verteilt sich die Menge erstaunlich gut.
Den Film Avatar haben wir nie gesehen. Die meisten hier offenbar schon. An den bekannten Drehorten bilden sich kleine Staus.
Genau dort aber sind die Ausblicke auch am spektakulärsten.
Wie auch immer.
Wir sind etwa drei Stunden nur am Staunen und Fotografieren. Und selbstverständlich auch am Treppensteigen🤪
Mein absoluter Höhepunkt aber ist die Fahrt mit der Seilbahn im Nordwesten des Parks.
Eine weitere Seilbahnfahrt folgt dann auf eine Art Inselfelsen. Die Wanderung hier oben aber lassen wir ausfallen. Denn mittlerweile regnet es. Das ist dann auch nicht ganz so dramatisch. Der Tag und das was wir gesehen haben war spektakulär genug.
Sechs Stunden kommen am Ende zusammen. Und das nur für die Erkundung des westlichen Parks.
Am nächsten Tag regnet es durchgehend. Und nicht zu wenig. Wir sind nur mittelmäßig traurig. Der eine Tag Pause steht uns gut zu Gesicht.
An unserem letzten Tag soll das Wetter endlich umschlagen. Zumindest versprechen das sämtliche Wetter-Apps. In der Realität sieht es allerdings anders aus. Feiner Nieselregen liegt über den Bergen, dazu ist es spürbar kälter geworden. Also packen wir uns regendicht ein und machen uns trotzdem noch einmal auf den Weg in den Ostteil des Parks.
Die Landschaft wirkt im Regen fast noch mystischer. Die fotogenen Nebelschwaden aber bleiben aber leider aus. Trotz des Wetters hat dieser letzte Tag aber noch einmal eine ganz besondere Stimmung.
Ganz so lange wie am Vortag bleiben wir allerdings nicht unterwegs. Als der Regen kräftiger wird, machen wir uns auf den Rückweg.
Am Abend fahren wir in den Ort Zhangjiajie. Dort besuchen wir das berühmte Gebäude mit den 72 Dächern. Eine künstlich geschaffene „Ancient City“, irgendwo zwischen traditioneller Architektur und chinesischem Disneyland. Kitschig ist das Ganze ohne Frage. Halbstündlich gibt es eine Show nebst Lichteffekten. Nichts spektakuläres- aber ganz nett.
Am Abreisetag hat sich die Regenfront endlich verzogen. Die Sonne und es ist wieder warm.
Eigentlich wollten wir den frühen Zug in der Business Class nehmen, doch dafür waren keine Tickets mehr verfügbar. Also bleibt nur die Verbindung um 14:38 Uhr.
Jetzt fühlt sich das fast wie ein Wink des Universums an. Denn dadurch gewinnen wir genug Zeit, um vor der Weiterreise doch noch den Tianmen Mountain zu besuchen.
Allerdings gibt es noch ein Problem: Wohin mit dem Gepäck, ohne erst zurück zur Unterkunft fahren zu müssen und unnötig Zeit zu verlieren?
Mit dem Zug zu reisen ist in China total populär und so gibt es für jedes Problem eine erstaunlich praktische Lösung.
Unser Host ist uns dabei eine riesige Hilfe. Er skizziert uns wie wir dieses kurze Zeitfenster, das uns nur noch zur Verfügung steht, am effektivsten organisieren können um das Maximale des Tianmen Parks sehen zu können.
Also bringen wir zuerst unsere Koffer zum Bahnhof, wo sich im Untergeschoss ein Reisebüro befindet, das Gepäckaufbewahrung anbietet. Für 150 Yuan, also knapp 19 Euro, geben wir dort insgesamt sechs Gepäckstücke ab.
Danach geht es mit einem Didi direkt weiter zum Eingang des Tianmenshan National Parks. Dort kaufen wir Tickets für die Seilbahn. Allein die Fahrt nach oben ist bereits ein Erlebnis für sich. In nur acht Minuten schweben wir mehr als 700 Höhenmeter den Berg hinauf mit Blick auf die Landschaft die aussieht wie viele eng aneinandergereihte, grüne Zipfelmützen aussieht.
Oben angekommen beginnt ein spektakulärer Balkonweg entlang der Felswand. Wirklich atemberaubende Ausblicke brauchen Zeit. Und die ist wirklich knapp bemessen. Tief unter uns schlängelt sich die Tianmen Mountain Road oder auch „99 Bends Road“. Wie der Name schon sagt, gibt es 99 Kurven auf nur etwa 11 Kilometern Länge. Sie gilt als eine der beeindruckendsten Bergstraßen Chinas. Die Zahl 99 hat in China symbolische Bedeutung und steht traditionell für den Himmel und Unendlichkeit. Passend zum „Himmelstor“ des Tianmen Mountain. Bekannt wurde sie durch Motorsportveranstaltungen, Seilartistik sowie Red-Bull-Stunts.
Am Fuße der Tianmen Cave (mit Cave wird hier das „Loch“ im Berg bezeichnet), angekommen hat man die große Wahl: 999 Stufen hochzusteigen oder die Rolltreppe zu nehmen. Da brauche ich meine Knie gar nicht erst fragen. Wir nehmen die Rolltreppe.
Fünf extrem steile Rolltreppen bringen uns schließlich bis direkt an den Fuß der gewaltigen Felsenöffnung des Tianmen Mountain. Erst hier wird einem bewusst, wie riesig dieses „Himmelstor“ tatsächlich ist. Wir laufen eine kleine Runde, werfen einen Blick auf die andere Seite des Berges und genießen noch einmal die Aussicht über die Landschaft.
Danach geht es weiter. Wieder mit Rolltreppen. Sieben weitere, ebenso steile Fahrten führen uns Stück für Stück höher hinauf. Und das kostet Zeit!
Oben angekommen stehen wir schließlich auf dem Gipfelplateau. Hier könnte man wandern.
Könnte… Denn leider drängt die Zeit.
Bis zur Abfahrt unseres Zuges bleiben nur noch zweieinhalb Stunden. Ausgerechnet hier bildet sich eine lange Schlange vor den Rolltreppen nach unten. Schnell wird klar: Für einen kurzen Rundgang auf dem Plateau reicht die Zeit beim besten Willen nicht mehr. Allein die Fahrt mit den Rolltreppen dauert rund eine halbe Stunde.
Also beginnt der gesamte Ablauf noch einmal von vorne – nur in umgekehrter Richtung. Rolltreppen, Balkonweg, Seilbahn und anschließend die Fahrt zur Zhangjiajiexi Railway Station.
Alles läuft wie am Schnürchen. Ohne Stress erreichen wir rechtzeitig das Gate unseres Zuges.
Zum zweiten Mal auf dieser Reise gönnen wir uns eine Fahrt in der Business Class der chinesischen Bahn. Die Sitze sind noch etwas moderner als auf unserer ersten Strecke. Großzügig, bequem und eher wie Flugzeugsessel einer Langstrecke.
Kaum haben wir uns eingerichtet und die Sitze eingestellt, bemerke ich, dass sich der Zug bereits in Bewegung setzt.
Rainer meint trocken:
„Dann wird es jetzt wohl 14:38 Uhr sein.“
Man kann seine Uhr wirklich nach der CR, der Chinese Railway, stellen. Die Pünktlichkeit ist beeindruckend, besonders wenn man bedenkt, wie riesig dieses Streckennetz ist.
Nur wenige Minuten später nähern wir uns bereits der 200-km/h-Marke.
Kurz nach der Abfahrt gibt es ein kleines Extra: Wir bekommen ein Nackenkissen mit integrierter Massagefunktion und dazu eine Augenmaske mit wärmenden Massagepunkten.
Leider bleibt das Vergnügen nicht dauerhaft. Nach einiger Zeit müssen wir uns von dem schönen Spielzeug verabschieden.
Zugfahren in China ist eben wirklich eine eigene Liga.
Später „fliegen“ wir mit 350 km/h durch die Landschaft. Nach 6 Stunden und 38 Minuten erreichen wir schließlich Hangzhou – eine weitere Millionenstadt vor den Toren Shanghais.
Auch in Hangzhou begegnet uns wieder diese moderne Version einer Didi-Abholstation. Wie gewohnt bestellen wir per App ein Fahrzeug und erhalten sofort das Kennzeichen unseres Fahrers.
Sobald der Wagen in die Tiefgarage einfährt, erscheint die Nummer auf einem großen Display. Kurz darauf wird sogar angezeigt, an welchem Parkplatz genau das Auto hält. Erst dann setzen wir uns überhaupt in Bewegung. Alles wirkt perfekt und extrem futuristisch.
Da bleibt uns beiden nur die Frage: Werden wir noch so lange leben bis es so etwas in Deutschland geben wird ????
Inzwischen bestellen wir grundsätzlich die XL-Variante. Mit unserem stetig wachsenden Gepäck wird es in einem normalen Economy-Wagen langsam schwierig.
Dafür erwarten uns weich gepolsterte Ledersitze, Wasserflaschen, angenehm klimatisierte Fahrzeuge und eine gefühlt luxuriöse Atmosphäre.
Und das alles für umgerechnet gerade einmal etwa 11 Euro.
Vor dem „The Azure Luxury Collection Hotel“ empfängt uns der Bellboy, nimmt uns das Gepäck ab und wir begeben uns in eine sehr luxuriöse Unterkunft. Aber das wird ein neuer Footprint…Baca lagi




























PengembaraEine grandiose Landschaft. Wunderschön. Und nein, ihr werdet natürlich nicht so lange leben, bis es in Deutschland auch solch ein Didi-System mit Anzeigen und Pünktlichkeit geben wird. Ich bin überzeugt, dass es so etwas bei uns nie geben wird und funktionieren würde es ohnehin nicht.
Pengembara
Wow
Pengembara
Uiiihhh, Cardiotraining.
PengembaraDas sind nicht die 999 - die sind am Fuße der Öffnung