• Flugtag

    5. maj, Kina ⋅ ☀️ 27 °C

    Nach fünf Tagen Beijing ziehen wir weiter. Ein Ziel, das ich bei einem meiner Follower entdeckt habe: Zhangjiajie.
    Damals konnte ich das weder aus dem Sinn schreiben, geschweige denn aussprechen. Aber die Bilder fand ich faszinierend.

    Aus Beijing gibt es an diesem Tag nur eine einzige Zugverbindung ohne Umstieg und die dauert ganze zwölf Stunden. Das wäre zwar machbar, aber wir entscheiden uns letztlich für die deutlich schnellere Variante und nehmen den Flug. Den buche ich vorsorglich bereits Ende Februar, schließlich liegt der Termin mitten in der Feiertagswoche.
    So weit - so gut.

    Etwa zehn Tage vor dem Flug prüfe ich eher aus Langeweile während einer Zugfahrt noch einmal den Preis und stelle schockiert fest, dass er sich inzwischen halbiert hat. Sehr gut!
    Anstatt sofort zu handeln, verschiebe ich es allerdings auf später. Am nächsten Morgen, als es mir wieder einfällt, gibt es nur noch ein einziges Ticket zu diesem Preis. Also storniere ich kurzerhand einen der Flüge aus der Gesamtbuchung. Kostenlos.

    Fünf Tage vor dem Abflug taucht dann tatsächlich noch einmal ein Ticket zum halben Preis auf. Also storniere ich erneut und bekomme auch diesmal den ursprünglichen Betrag vollständig zurückerstattet.

    Schon beeindruckend, was bei Trip.com alles möglich ist.

    Bis zum Flughafen Beijing Daxing International Airport brauchen wir etwa 70 Minuten. Der Airport erstreckt sich über vier Etagen und ist in Form eines riesigen Seesterns gebaut.
    Beim Check-in zuckt man trotz unseres deutlich übergewichtigen Gepäcks nicht einmal mit der Wimper. Auch bei der Personenkontrolle werden wir trotz Piepen einfach durchgewunken.

    Bis hierhin läuft also alles bestens. Genau so hätte es weitergehen können.

    Na ja. Dann aber folgt die Gepäckkontrolle. Welch ein Stress. Sowohl mein Handkoffer als auch die Tasche mit den gekauften Souvenirs und den Geschenken aus den Hotels werden aussortiert.

    Die zwei kleinen Flaschen Spezialessig, die wir vom Hotel in Pingyao bekommen haben, habe ich tatsächlich vergessen ins Aufgabegepäck zu packen. Obwohl die Flaschen jeweils nur 100 ml enthalten, werden sie uns abgenommen. Diese Regelung gelte hier nämlich nur für Kosmetika, nicht für andere Flüssigkeiten, erklärt man uns. Theoretisch könnten wir den Essig noch als Gepäck aufgeben. Meine Kamera darf ich nach kurzer Begutachtung immerhin behalten.

    Rainer wiederum wird die Powerbank abgenommen. Genau die Powerbank, mit der wir bereits von Lijiang nach Chengdu geflogen sind. Das Problem: Sie ist „Made in China“ und trägt lediglich ein CC-Label. Erlaubt sei aber nur CCC. Wir können es kaum glauben und werden zu einem speziellen Counter geschickt. Immer wieder hören wir den Vorwurf, die Powerbank sei „Made in China“. Dabei kann ich mir die sarkastische Bemerkung nicht verkneifen und erwidere wiederholt, dass das doch eigentlich perfekt passe. Schließlich seien wir ja in China. Das findet hier eh niemand lustig.
    Am Counter diskutieren nicht nur wir, um irgendwie an die so geliebten Helferlein zu kommen.
    Aber dann sagt die Beamte allen:
    „No way“ und zeigt auf den Aufsteller, der auf der Theke steht.

    Während dessen versucht Rainer noch, den Essig irgendwie ins Aufgabegepäck zu befördern. Aber das kostet viel zu viel Zeit. Am Ende sind wir nicht nur um den Essig und die Powerbank ärmer, sondern verpassen auch noch den Aufenthalt in der Lounge. Und genau die hätte ich wirklich gern gesehen.

    Als wir schließlich am Gate ankommen, hat das Boarding schon mal begonnen.
    Ich seh’s positiv: Einfach mal ohne jede Wartezeit direkt hineinzuspazieren – hat ja auch etwas.

    Leider sitzen wir nicht zusammen. Es gäbe zwar die Möglichkeit eines Ringtausches, aber ein Passagier zeigt sich ziemlich bockig und möchte seinen Platz nicht tauschen.
    Nun gut, dann sitze ich die zwei Stunden eben allein.
    Der Flug soll 13.55Uhr starten.
    Es ist genau 13:55Uhr als wir abheben.
    Ich klebe also beim Start an der Scheibe, in der Hoffnung, dass ich den Seestern von oben zu sehen bekomme. Ich meine, einen Blick auf die Mauer würde ich auch nehmen. Aber wir starten straight nach Süden. Keiner meiner Wünsche wird erfüllt.

    Auf diesem Flug gibt es sogar etwas zu essen. Zur Auswahl stehen chinesische Nudeln oder ein chinesischer Snack. Letzteres kann die Flugbegleiterin aber nicht beschreiben . Eigentlich würde ich darauf verzichten. Aber ich habe keine Ahnung, was uns heute Abend noch erwartet. Schließlich wohnen wir irgendwo in den Bergen.

    Die „chinesischen Nudeln“ entpuppen sich dann allerdings als Spaghetti Bolognese. Ein Gericht, das ich sonst eher nicht bestellen würde. Doch in diesem Moment schmeckt es mir extrem gut. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ich nicht ausschließen kann, dass ich in den nächsten Tagen nur noch chinesisches Essen bekommen werde.

    Beim Anflug habe ich auf meiner Seite eine sensationelle Aussicht – inklusive Blick auf den Tianmen Mountain mit seinem riesigen „Loch“ im Felsen. Wirklich beeindruckend.

    In Zhangjiajie empfangen uns dann 30 Grad und strahlender Sonnenschein. So kann es bleiben.

    Doch nun wartet schon das nächste Problem auf uns: Die DiDi-App findet unsere nächste Unterkunft nicht. Also wählen wir kurzerhand eine andere Adresse in derselben Richtung und bitten darum, im
    Hotel anzurufen. Aber alles gestaltet sich deutlich schwieriger als sonst. Der Fahrer ist längst nicht so kooperativ wie die anderen Fahrer bisher.
    Und dann sollen wir plötzlich 60¥ in einen Briefumschlag stecken …
    Für mich ein ziemlich eindeutiges Zeichen, das Auto besser sofort mit all unserem Gepäck zu verlassen. Keine fünf Minuten später steht ein neu georderter Didi vor uns. Inzwischen habe ich per WeChat die Adresse in Chinesisch zugesendet bekommen. Und zwanzig Minuten später erreichen wir endlich das Ziel.

    Unsere Unterkunft entschädigt dafür umso mehr: Nicht nur wunderschön gelegen, sondern auch mit einem spektakulären Ausblick auf die sogenannten „Avatar-Berge“
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