• Tag 9 Hardangervidda

    June 20 in Norway ⋅ ☁️ 12 °C

    Es ist 4:00 Uhr in der Früh. Eigentlich habe ich ausgeschlafen. Ich drehe mich noch ein bisschen nach links und noch ein bisschen nach rechts und versuche, die Augen wieder zuzumachen, aber irgendwie funktioniert das nicht.
    Jetzt bin ich doch neugierig geworden, wie das Wetter außerhalb vom Zelt ist. Auf jeden Fall regnet es nicht. Ich ziehe vorsichtig den Reißverschluss hoch und halte eine Hand raus. Es geht ein ziemlich starker, warmer Wind. Als ich nach rechts rausschaue, kommt mir das alles etwas komisch vor, und ich schaue mal bei WetterOnline rein.
    Oh je, Sacklzement. Wie schaut's denn da schon wieder aus? Da rollt doch glatt wieder eine Regenfront an. Und ich habe mich gestern so bemüht mit dem Aufessen und sogar noch eine zweite Dose Bier getrunken.
    Nachdem ich das Zelt gestern schon pitschnass eingepackt habe, will ich heute etwas schlauer sein und beginne das Packen ... jetzt um 4:30 Uhr.
    Ich bin so richtig gut in der Zeit mit Packen und Aufladen. Noch schnell zum Waschhaus und die Lockenwickler aus den Haaren machen. Um 5:30 Uhr bin ich rausgeputzt und frisch gekämmt und rolle so leise wie möglich durch den Campingplatz. Elise macht natürlich ein-, zweimal Brumm, brumm, und Tigger schreit aus dem Topcase:
    „Der frühe Vogel kann mich mal!“
    Ich fahre Richtung Osten zur Landschaftsroute Hardangervidda. In diese Richtung ist es auch hellblauer, hinter mir eher dunkelblau oder schon dunkelgrau.
    Macht nix. Ich habe den Strampelanzug an.
    Es geht ziemlich steil hoch. Ich habe mal was im Wiki nachgeschlagen:
    Die Hardangervidda ist ein Plateaufjell in Norwegen und die größte Hochebene Europas. Sie hat eine Fläche von etwa 8.000 km², liegt im Mittel zwischen 1.200 und 1.400 Metern Höhe und erstreckt sich über Bereiche der Fylker Buskerud im Nordosten, Vestland im Westen und Telemark im Südosten.
    Aha. So, jetzt wissen wir das auch.
    Die norwegischen Ingenieure haben beim Tunnelbau wieder Meisterliches abgeliefert. Die sind so richtig pfiffig. Einen Three-Sixty mit zusätzlicher Schleife in den Fels gehämmert. Mir ist bei solchen Kurven im Tunnel immer mulmig ... und dann steht da auch noch: Slippery when wet.
    Oben angekommen pfeift der Wind erbarmungslos. Und ich pfeife mir eine Kurve nach der anderen rein. Hinter mir treiben mich dicke Wolken vor sich her, vor mir kommt die Sonne raus. Irgendwie sieht das alles unwirklich aus. Am Wegesrand stehen ein paar Wohnis, die hier oben übernachtet haben.
    Ich bin dann doch froh, als ich wieder in tiefere Regionen komme. Der Wind lässt nach, und die Temperaturen werden wieder zweistellig. Die ganze Zeit hat Hildegard versucht, meinen Hintern zu wärmen. Mei, nett. Und dabei kommt im Radio : „Stand By Your Man“ von Tammy Wynette.
    Ein Verkehrsschild kommentiert alles: Noch 11 Kilometer bis Geilo.
    Irgendwann geht es auf die erste unbefestigte Straße. Nicht schlimm, halt kein Asphalt, aber einspurig. Es ist ein Versorgungsweg für Hütten. Kurviger.de hat mir den rausgesucht – zum Warmwerden und als Einstieg für heute.
    Bei Circle K bekommt Elise ihr Frühstück und ich zwei Latte Macchiato und einen Kakauli. Ich inspiziere noch die Toilette, ob sie sauber ist, und wir lassen uns hier von der Regenfront überholen.
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