• Tag 8 Über Odda nach Eidfjord

    June 19 in Norway ⋅ ☁️ 17 °C

    Obwohl gestern nicht Samstag war, war trotzdem Waschtag. Also für mich: duschen, Haare waschen und Beine rasieren. Und ich mache ein wenig Handwäsche. Die Merino-Unterwäsche kann man eh vierzehn Tage tragen, ohne dass man beim Fahren etwas riecht. Bei der Sonne und dem Wind heute trocknet das im Nu.
    Elise sagt zum Waschen: „Näää, ich will versaut bleiben.“
    Bin gestern Abend noch nett am Ufer gesessen und habe die Abendstimmung auf mich wirken lassen. Leider habe ich mir kein Bier vom Abendessen aufgehoben, um es bei der schönen Abendsonne zu trinken.
    Memo an mich: Immer ein zweites Bier für die Abendstimmung einkaufen.
    So umrum 6:30 Uhr wache ich auf. Es hat in der Nacht zu regnen angefangen. Naja, bei dem schönen Wetter gestern Abend war es ja fast Pflichtprogramm, dass es mal wieder regnet. Und es wäre nicht Norwegen, wenn es nicht regnen würde.
    Ich mache mir einen Filterkaffee in meinem kleinen Vorzelt. Um mich rum Chaos. Ich muss alles im Zelt zusammenpacken und fertig machen, da es wieder stärker regnet. Der Kaffee ist ein richtiger Eyeopener.
    Ich muss noch mal kurz ins Waschhaus zum Zähneputzen und nehme ein wenig Toilettenpapier mit. Es ist das gute billige, das man auch super als Schleifpapier hernehmen kann.
    Ich packe, soweit es geht, im Zelt, trage dann aber die restlichen Sachen in die Waschküche. Dort stehe ich im Trockenen und kann alles supa verstauen. Das Zelt ist aber pritschlnass und vielleicht zwei Kilo schwerer. Kaum, dass ich es in den Packsack reinbekomme. Am Schluss habe ich dann doch noch alles verstaut.
    Es geht los. Noch einmal ein Stück die Landschaftsroute Ryfylke, dann muss ich – aba nur ein Stück – auf eine größere Straße, die E134, und fahre zur Landschaftsroute Hardanger.
    Es regnet, aber die neuen Schuhe von Elise krallen sich in den Asphalt. Man kann supa Kurven fahren. Keiner vor mir und eh keiner hinter mir. Ich bin ausgerüstet mit meinem Strampelanzug in angestaubtem Neongelb, über den Handschuhen die giftgrünen Spülhandschuhe in Größe XL, und die Stiefel haben auch Überzieher bekommen. Man kann ganz gut damit fahren, rumlaufen eher nicht. Trotzdem muss ich mich einmal in ein Buswartehäusl flüchten, weils wirklich a so g‘rengt hat.
    In Odda mache ich eine Pause beim Supermarkt. Die haben eine Kundentoilette und man kann sich da entblättern. Bei den vielen Sachen, die ich anhabe, darf es nicht schnell gehen müssen. Etwa am Straßenrand, weil sonst ...
    Erleichtert und wieder fein gemacht kaufe ich noch ein bisschen was ein. Käse in der Tube mit Bacon-Aroma, mit den Vitaminen BAS und F. Mei, verpetzt mich bloß nicht bei Elke. Sie sagt, so einen Müll soll ich nicht essen. Ich finde aber, dass das Norwegen ist.
    Von Odda nach Norden riecht es wie in Südtirol.
    Schlaumeiermodus an: Odda liegt am Sørfjord, einem Seitenarm des Hardangerfjords, der als der „Obstgarten Norwegens“ bekannt ist. Dank des milden Mikroklimas werden dort seit Jahrhunderten Äpfel, Birnen, Kirschen und Pflaumen angebaut. Schlaumeiermodus aus.
    Vor zwei Jahren war ich schon mal in der Gegend, hoch oben bei einem Campingplatz mit super Blick über den Sørfjord.
    Ich komme an der Hardangerbrücke vorbei. Sie ist 1380 Meter lang und eine der längsten Hängebrücken der Welt. Die Abzweigung führt in einen Tunnel, wo eine riesengroße blau beleuchtete Halle mit einem Kreisverkehr ist. Also sowas kann man sich bei uns in Deutschland irgendwie nicht vorstellen.
    Ich sehe noch nicht richtig Eidfjord, da sehe ich schon ein Kreuzfahrtschiff. Tschuldigung, mir haut es immer die Sicherungen raus, wenn ich so ein Riesenschiff in einem Fjord sehe. Hundert Kilometer vom Meer entfernt. Und die blasen da oben auch kein Rosenwasser raus.
    Kurz tanken, dann suche ich die Campingplätze. Am südlichen Ende werde ich fündig. Ich halte am Saebo Camping an. Ich frage noch, ob sie ein Gartenhäusl für mich übrig haben, aber die Hütten hier muss man wohl drei Jahre im Voraus buchen.
    Ich baue auf, mache mir ein feines Essen und genieße die Aussicht aufs Wasser. Übrigens hat das Regnen aufgehört und die Sonne lugt raus.
    Abspülen, duschen, aufräumen, dasitzen, dumm rumgucken und noch mit Elke telefonieren. Ihrem Fuß und dem Außenband geht es gar nicht gut.
    Für das Dumm-rumgucken-am-Wasser heute Abend habe ich mir eine zweite Dose Bier gekauft und E r d n ü s s e!
    Christian, du bist schon so a Hund, denke ich mir.
    Das waren heute gemütliche 180 Kilometer und ich mache gleich einen Einkehrschwung auf meine Luftmatratze.
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