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Abenteuer in Fjordnorwegen

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    🇳🇴 Myklebostad, Norwegen

    Tag 13 Vom Trollstiegen zum Campingplatz

    2 hours ago in Norway ⋅ ☁️ 14 °C

    Gestärkt geht es die Kurven zum Trollstigen hinauf. Die Gegend wird auch „Erdbeer Valley“ genannt, weil hier Erdbeeren angebaut werden.

    Super Kurven hinauf zum Trollstigen. Oben ein Nebelbild gemacht und wieder runter Richtung Åndalsnes. Vor zwei Jahren war dieser Abschnitt nordwärts wegen Steinschlag gesperrt. Damals habe ich viele Aufnahmen bei strahlendem Sonnenschein gemacht, deshalb bin ich einfach weitergefahren und habe mich nicht im Visitor Center aufgehalten. Und wie es dort hinten kurvig hinuntergeht – es ist das Stilfser Joch Norwegens.

    In Åndalsnes geht es zu Circle K: zwei Kaffee und ein Kakauli mit Rosinenboller. An der Tankstelle stehen ein 1200er Tigerfahrer und ein 1250er GS-Fahrer. Ratet mal, mit wem ich ein Schwätzchen hatte.

    Kurz noch zum Supermarkt, etwas Feines für uns vier kaufen, dann ab – die letzten 50 km abreiten zum Campingplatz.

    Ich hatte schon am Frühstückstisch Booking.com gequält und eine Hütte auf einem Campingplatz gebucht. Angekommen stelle ich fest: Es ist keine Hütte, sondern ein Schlaffass. Mei, cool.

    Auspacken, kurz zum SB-Supermarkt ums Eck. Alles elektrisch dort – vom Eingang über Ausgabe bis zur Kasse. Null Personal, alles auf Vertrauensbasis mit Kamera.

    Abends gibt es eine große Portion Scampi mit reichlich Knoblauch, Champignons und roten Zwiebeln sowie einen großen Salat. Dazu ein Bier. Nachspeise: irgendwas zwischen Mars-Riegel und Glücksgefühl.

    Abspülen, duschen, bissi Tagebuch, schlafen gehen.

    Phantastische 243 Kilometer.
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  • Tag 13 Geiranger

    Yesterday in Norway ⋅ ☁️ 11 °C

    Ich lasse es richtig schön laufen hinunter zum Geirangerfjord. Einige Busse voller Kreuzfahrttouristen werden überholt, und dann ist die Straße frei. Ich höre nur noch das Johlen von Tigger im Topcase.

    Bei einem Stop werde ich von einen Motorradfahrer Ehepaar angesprochen wegen meiner Sitzheizung. Ich kläre auf und stell ihnen Hildegard vor. Sie biegen sich vor lachen und können es gar nicht fassen, dass man einem Schaffell einen Namen gibt.

    Unten angekommen der übliche Ärger: Renault Twizys, Reisebusse, tausende Kreuzfahrer, die gedankenlos über die Straße laufen.

    Auf der Adlerstraße geht es dann zur Fähre Richtung Eidsdal. Ich lasse es wieder richtig laufen – klasse Kurven, kaum Verkehr. Mit Gepäck liegt Elise satt auf der Straße und gleitet durch jede Kurve.

    In Eidsdal ist die Fähre gerade weg. Ich wollte eigentlich noch einen kleinen Plausch mit der netten Norwegerin von der Abfertigung halten, aber sie macht eher auf: „Ich nix verstehen Englisch.“ Na gut, denke ich mir – willst wohl nicht mit einem alten, unrasierten Mann schäkern.

    Zur Fähre kommen dann noch eine ganze Gruppe älterer Herren aus Schweden mit Honda Gold Wings an. Die Dame ist auf einmal verschwunden. Ich unterhalte mich dann ganz nett mit den Jungs. Bei einem habe ich kurz das Gefühl, er braucht Hilfe, um wieder in den Sattel zu kommen – so alt waren die schon.

    Komisch: Alle Nationalitäten reden mit mir, nur Deutsche drehen sich weg. Alle Motorradfahrer reden mit mir, nur die 12xxer GS und vor allem die 1300er GS nicht. Eigenartiges Volk.

    Nach der Fähre suche ich mir etwas zu essen. Ein Supermarkt kurz vor der Abzweigung zum Trollstigen hat ein paar Kleinigkeiten für mich. Ich setze mich am Fjordufer auf eine Bank und verschwende eine Stunde damit, aufs Wasser zu schauen und nebenbei zu essen.
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  • Tag 13 Gamle Strynfjellvegen

    Yesterday in Norway ⋅ ☁️ 9 °C

    Ich wache kurz vor sieben auf. Kurzer Check: Wo bin ich? Hilfe, es ist noch dunkel … ach ja, ich habe meine Schlafbrille auf. Der Blick nach draußen sagt mir: bewölkt, Boden nass, bissi grau, aber kein Regen. Na also, hat sich das Ausessen gelohnt.

    Ich packe zusammen, mache mir ein Müsli und einen Kaffee und verstaue alles auf Elise.

    Ich muss das Gartenhäusl in einem sauberen Zustand verlassen, sonst werden 300 Kronen fällig. Also ziehe ich meine grünen Spülhandschuhe an und putze es zwei Stunden lang picobello sauber. Schlüssel abgeben, Begutachtung, Freigabe, Abflug. Die 27 € wollte ich mir einfach sparen. Am Ende waren es dann fünf Minuten – einmal rauskehren und wischen hätte gereicht.

    Hier auf der Toilette war wieder das gute Toiletten-Schleifpapier. Christian, Achtung: gleich ein paar Blätter als Souvenir mitnehmen für die Holzschleifarbeiten zuhause.

    Ab zur nächsten Tankstelle, weil die hier auf den Nebenstrecken sehr rar sind.

    Nach 25 Kilometern geht es von der Hauptstraße ab auf die Straße 258. Die hat dieses verschlungene braune Zeichen, das die Norwegischen Landschaftsrouten markiert. Es kennzeichnet 18 landschaftlich besonders spektakuläre Straßenabschnitte.

    Die alte Autostraße ist ein reines Museumserlebnis. Dazu kommen jetzt noch tief hängende Wolken, und es wirkt erstmal nicht besonders gemütlich. Aber der Gamle Strynefjellsvegen (Fylkesvei 258) ist ein absolutes Motorrad-Highlight in Norwegen. Die 27 km lange historische Touristenstraße zwischen Grotli und Videseter besticht durch unberührte Natur, handgefertigte Steinmauern und spektakuläre Wasserfälle. Für die Region Molde ist diese Route eine landschaftlich reizvolle Etappe, wenn man Richtung Fjordnorwegen oder Geiranger unterwegs ist.

    Der Schotter ist bei Trockenheit eigentlich gut zu fahren. Durch den Regen der letzten Tage und die tief hängenden Wolken hier oben ist der Weg eher wie mit Schmierseife überzogen. Uiuiui – da war Vorsicht geboten, und das Popometer musste ein paar Mal eingreifen. Gut, dass ich mit Hildegard so eine gute Verbindung zur Sitzbank habe. Aber es war soooo geil zu fahren. Kaum zu beschreiben. Und der ganze Spaß hat nicht einmal Eintritt gekostet, wie auf anderen Privatstraßen. Leider ist der Offroad-Spaß nur 27 Kilometer lang. Man braucht bei dem Wetter und mit Fotostopps hier und da etwa 1,5 Stunden. Bei schönem, trockenem Wetter heizt man da sicher in 30 Minuten durch.

    Neben Motorrädern und SUVs verirren sich auch holländische Wohnmobile hier oben. Keine Ahnung, wie die durch den Matsch gekommen sind. Elise war auf jeden Fall ein bisschen eingesaut.

    Irgendwann kommen wir auf die Fv15, die uns Richtung Geiranger bringt.
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  • Tag 12 Es gibt viel flüssigen Sonnenschein

    June 23 in Norway ⋅ 🌧 9 °C

    Ich habe ja so supa geschlafen diese Nacht. Der Campingplatz in Åheim ist direkt am Wasser und zum Einschlafen haben sich die Wasservögel der ganzen Gegend hier zu einem Heidenlärm versammelt und eine Symphonie gezwitschert. Es war sensationell. Naja, es war halt ein ganz schöner Radau. Und dazu haben die Schafe im Hintergrund geblökt.
    Ich war hin und weg und gleich am Ratzen. Hoffentlich nicht zu laut am Schnarchen, denn ich habe noch eine Mitzelterin bekommen: Michelle aus Frankreich, die mit dem Fahrrad von Trondheim nach Hamburg will. Sie hat sich das vor ihrem Studium so eingebildet. Na sauba! Mit dem Zug von Frankreich hier hoch, mit Zelt, Gepäck und Fahrrad. Kein E-Bike! Ist ja schließlich noch ein junges Mädchen, sagt sie.

    Ich wache gegen 6:30 Uhr auf und ... keine Regentropfen. Sollte es laut Wetterbericht nicht regnen? Aber was ich höre, ist der Rasenmähroboter. Das Geräusch kommt immer näher. Wie beim Weißen Hai: dumm-dumm-dumm. Ich stürme halb nackt aus dem Zelt und kann den Roboter gerade noch stoppen. Später hat mir Michelle erzählt, dass er sie heute Früh im Zelt angedotzt hat. Also „angedotzt“ ist meine Übersetzung von dem, was sie mir auf Englisch mit französischem Akzent erklärt hat.

    Ich checke das Wetter und sehe überall Blau. Nein, nicht den Himmel, sondern den Regen auf dem Regenradar. Also schnell packen.

    Noch ein kurzer Stopp im Waschraum und auf dem Rückweg bleibe ich in der kleinen Küche bei Chris hängen. Er kommt aus Oslo, ist mit seiner Frau und Tochter auf einem Familienevent hier in der Gegend und verlangt, dass ich ihm bei einem Kaffee Gesellschaft leiste. Er hat drei Motorräder in der Garage und wir reden über Benzin und über dies und das. Er gibt mir seine Nummer und wenn ich auf dem Rückweg irgendwie an einem Wochenende in Oslo vorbeikomme, soll ich mich melden und vorbeikommen. Zumindest auf einen Kaffee.

    Mittlerweile hat es richtig zu duschen angefangen und ich war mit dem Packen noch nicht fertig. Uiuiui, alles sehr feucht einpacken. Ich werde richtig angeregnet. Ich ziehe meinen Strampelanzug an. Echt doof – über die nasse Kombi. Das wird dann so richtig schön eine Sauna. Okay, macht nix. Christian will es ja so.

    Tigger kommt ins Topcase, Hildegard wird abgedeckt und anschließend mit meinem Hintern wieder zugedeckt. Los geht's Richtung Circle K Tankstelle.

    Es duscht, aber es ist klasse zu fahren. Berg rauf, dann durch die Wolken und bergab auch wieder durch die Wolken bis zum Nordfjord auf Meereshöhe hinunter.

    Circle K ... Frühstücks-Hotdog 🌭, ich komme!

    Heute eine ausgewogene Ernährung, sicherlich mit den Vitaminen BAS und F.

    Es gibt zwei Kaffee Latte Macchiato, einen 🌭 mit extra Chili-Ketchup und danach einen Kakauli mit einem Rosinenboller.

    Mann, bin ich abgefüllt und denke mir, was so ein bayerischer Magen am Morgen alles Verschiedenes verträgt.

    Einkaufen muss ich auch noch: zweimal Fleisch, Salat, Champignons, Wokgemüse, Bier und etwas Flüssiges fürs Müsli. Dann geht es weiter durch den Regen.

    Es läuft so richtig schön durch die Kurven und ich merke langsam, wie es durch die angenässte Kombi im Strampelanzug feucht wird. Mmmmh, lecka.

    Es geht wieder über Nebenstraßen, die gerade so breit sind wie ein Bus. Mist, bei einem Fotostopp hat mich ein Linienbus überholt. Jetzt darf ich dem hinterherzuckeln.

    Bei Stryn sehe ich im Fjord meine Freunde ... ein Kreuzfahrtschiff und vielleicht fünf Kilometer weiter das nächste, noch dickere Schiff. Es spuckt ganz viele Leute aus, die wie wild mit dem Handy fotografieren und sich wahrscheinlich über das regnerische Wetter in Norwegen beschweren. Sagte ich nicht schon mal: Wer braun werden will, soll nach Mallorca fahren?

    Ich biege ab Richtung Briksdalsbreen. Der Briksdalsbreen in Norwegen ist ein westlicher Nebenarm des größten Festlandsgletschers Europas, des Jostedalsbreen. Er liegt im Gebiet der Gemeinde Stryn.

    Ich fahre das Tal bis ganz hinten und frage nach einer Hütte. Gut, ich wollte sie nicht gleich kaufen. Außerdem habe ich mich entschieden, nicht am Ende des Tals zu schlafen. Man kann die Gletscherzunge, wenn man das letzte Stück hinauffährt, schön sehen.

    Das Wasser hier ist richtig grün. Und Grün ist wie Balsam für meine Augen. Besonders für das operierte. Eigentlich sollte ich den Urlaub auf Krankenschein bekommen.

    Ich google mal nach einem Campingplatz. Nachdem ich alles pitschnass eingepackt hatte, inklusive Zelt, suche ich nun nach einer Hütte.

    Triefend nass stehe ich in der Rezeption von Kleivenes Camping, kurz hinter Stryn. Das Wasser läuft von Kombi und Helm auf den Boden und ich produziere eine kleine Pfütze.

    Die Besitzerin kann noch über die Überschwemmung lachen und gibt mir Hütte Nummer 7.

    Ich packe alles in die Hütte und verteile es zum Trocknen.

    Kurz mit Elke telefonieren und dann gibt es auch schon ein leckeres Essen.

    Das waren heute sehr, sehr feuchte 188 Kilometer. Bin gespannt, wann es sich ausgeregnet hat.

    Sonnenuntergang ist heute um 23:37 Uhr.

    Und mein Sohn hatte heute seinen 27. Geburtstag.
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  • Tag 11 Westkap

    June 22 in Norway ⋅ ☁️ 13 °C

    Es geht wieder kleine Straßen entlang, an Bauernhöfen vorbei und an einer klitzekleinen Hafenanlage. Irgendwann sehe ich das erste Schild: Vestkapp.
    Na also. Das Nordkap und Südkap von Norwegen habe ich schon 2024 erfahren. Vom Ost- und Westkap habe ich damals nix gewusst. Sonst hätte ich das Ostkap mitgenommen, weil es ungefähr auf Höhe des Nordkaps liegt, mit Blick nach Russland. Man kann von dort aus nach Murmansk zur russischen U-Boot-Flotte rüberwinken.
    Aba, das wäre ja noch ein Ziel für die nächsten Jahre. Hoch über das Baltikum und Finnland.
    Heute bin ich erst mal auf dem Weg zum Westkap. Das Westkap von Norwegen (das sogenannte Vestkapp) liegt direkt am Europäischen Nordmeer, einem Randmeer des Atlantischen Ozeans, an der rauen Küste der Halbinsel Stadlandet.
    (Man bin ich schlau.)
    Ich falle den Berg hoch. Hey, was ist da? Liegen doch glatt die Spezl von Hildegard auf der Straße rum. Man muss ziemlich aufpassen. Nicht, weil Schafe unkontrolliert rumlaufen wie Rentiere, sondern weil sie einfach nur daliegen. Also chillen. Auf der Straße.
    Die Straße windet sich hoch. Gut, eigentlich zu hoch, da wir in die Wolken reinfahren. Supa … Nebel. Visibility 5 Meter.
    Es steht ein Schild. Gut, ich habe es erst hinterher übersetzt:
    „Anleggsområde – adgang forbudt.“
    Der Zugang zum Baugelände ist verboten.
    Ich mache einen auf dummer Touri und fahre da weiter. Zack, hält mich ein Bauarbeiter auf und macht mich auf Norwegisch ziemlich rund. Ich sage nur so zur Entschuldigung:
    „I am from Germany.“
    Und ich muss an Reinhard Fendrich denken. Der singt doch: „I am from Austria.“
    Auf Englisch geht es dann weiter. Ich hätte doch das Schild sehen sollen und jetzt umdrehen und raus hier. Außerhalb vom Zaun darf ich rumlaufen.
    Okay, dazu muss man wissen: Das Vestkapp wird momentan als Touristenattraktion ausgebaut. Sozusagen das Nordkap für Beginner, die nicht so weit hochfahren wollen. Es werden ein Hotel und ein Restaurant gebaut, deshalb die Baustelle. Das Gebäude, das bis letztes Jahr hier stand, gibt es nicht mehr.
    Ich stelle Elise ab und gehe die letzten Meter durch den Nebel. Man kann zur alten Radarstation und zum Westkap-Steinhaufen auf 62° 11' 18" N, 5° 7' 33" E gehen.
    Es geht ein richtiger Sturm. Selbst die Mülltonnen am Parkplatz werden hier angekettet. Mir langt es, einfach nur da gewesen zu sein – auch wegen des Wetters.
    Foto machen, Griffheizung auf 120 % und wieder runter auf Sea Level. Da hat es dann auch wieder 13 Grad und deutlich weniger Wind.
    Ich fahre etwa 40 Kilometer zurück zum letzten Campingplatz und bin dort der Einzige mit Zelt. Und überhaupt der einzige Camper. Es sind alle zwölf Gästezimmer vermietet, aber Camper verirren sich hier selten, sagt mir Marta, die Campingplatzbesitzerin.
    Sie zieht mir 300 NOK von der Karte ab, was ungefähr 27 € sind, für einen Platz auf der Wiese mit tollem Ausblick.
    Ich telefonierte mit Elke eine Stunde und sie amüsiert sich über die Möwen und Schafe die man im Hintergrund hört.
    Ich mache mir wieder ein sehr feines Abendessen. Ein Dank und Grüße an die Küche und den Koch.
    Ich bekomme noch einen koffeinfreien Kaffee, damit der alte Herr gut schlafen kann. Hildegard wird abgedeckt und ab und zu muss ich den Mähroboter beobachten, nicht dass er zu nahe an mein Zelt kommt.
    Heute Nacht soll es – was auch sonst – zu regnen anfangen.
    Ich sitze in meinem Vorzelt und gucke raus, höre den Geschichten der Möwen zu und bin glücklich.
    Es waren heute sehr schöne 273 Kilometer.
    Und hey, kein Strampelanzug – es hat nicht geregnet. Bis heute bin ich 2850 Kilometer gefahren.
    P.S. Echt lustig wie die Schafe blöken. Hoffentlich gehen die auch bald schlafen.
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  • Tag 11 ohne Regen Richtung Westkap

    June 22 in Norway ⋅ ☁️ 11 °C

    Ich habe ja heute wieder in einem Zimmer geschlafen. Trotz Verdunkelung und Schlafbrille bin ich um 6:00 Uhr aufgewacht. Jaja, die senile Bettflucht. Das Zimmer war üppig ausgestattet mit einem Wasserkocher und einem Beutelchen löslichen Kaffees … das war es dann auch schon an Extras. Für mich und meine immer noch nicht ganz freie Nase war es mehr als in Ordnung.
    Viel ist nicht zu packen. Alles ist schnell verladen und ab geht die Fahrt zum nächsten Supermarkt und dann zur Tankstelle. Ich muss meine Vorräte an Fleisch, Beilagen, Knoblauch, Getränken und einer Dose Bier auffüllen.
    Im Supermarkt sehe ich Tomahawk-Steaks 🥩 im Angebot. Nur passen die nicht in meine kleine Pfanne. Nehm ich halt zwei mittelgroße Lendenstücke. Es gibt noch ein kleines Frühstück für mich und Elise scharrt schon mit den Hufen. Sie will auch was, am besten bleifrei Super.
    Es geht über kleine Landstraßen, an spiegelnden Seen vorbei. Habe 100 % Kitschbilder davon gemacht. Es ist einfach klasse, hier zu fahren: kein Verkehr, Supa Asphalt, Supa Kurven. Wir wedeln nur so durch die Täler. Zwischendurch mal wieder ein Wirtschaftsweg und dann geht es zurück auf die Landstraße.
    Habe ich schon gesagt … kein Regen!
    Mitten im Nichts steht manchmal ein Tank und eine einzelne Zapfsäule. Selbst mitten im Nichts ist für das Wichtigste gesorgt: Benzin und Handynetz. Die Straßen werden gut in Schuss gehalten. Ich musste an einigen Baustellenampeln halten, die den Gegenverkehr regeln.
    Na also, wieder eine Fähre. Es geht über den Nordfjord. Als die Fähre anlegt, fährt gleich ein Schwung Motorradfahrer herunter. Wir grüßen uns überschwänglich.
    Ich trolle auf die Fähre, parke ein und inspiziere das Oberdeck. Bin maßlos enttäuscht. Auch hier gibt es keinen Kiosk mehr. Nur noch SB mit Scanner wie bei Rewe. Also auch keine Hotdogs 🌭. Vor zwei Jahren auf dem Nordkap-Trip habe ich die kleinen Wurstpausen geliebt.
    Christian, wenn schon keine Wurst, dann halt einen Kaffee.
    Von der Fähre runter, durch das nächste Tal und was sehe ich … eine Circle K. Ich habe aber auch schon so schnell einen Blinker gesetzt.
    Ich trete in den Verkaufsraum ein und sage: „Django hat Jahreskarte“, und mache gleich den Kaffeeautomaten leer. Dazu noch eine Rosinensemmel und, damit ich was für den Insulinspiegel mache, gleich noch einen heißen Kakauli hinterher.
    Elise bekommt noch 5 Liter Supa. Was wir haben, das haben wir.
    Ich fahre los und auf einmal fängt die warme Flüssigkeit an zu wirken. Ich fange ein wenig im Motorradkombi das Transpirieren an. Das habe ich nun davon, weil ich immer so gierig bin.
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  • Tag 10 Über das Gaularfjell bis Forde

    June 21 in Norway ⋅ ☁️ 9 °C

    Juhu, wieder Fähre fahren! Ich freue mich schon auf die Wurst im Imbissbereich, denn es ist eine etwas größere Fähre und schließlich gleich Mittagsessenszeit. Ich kläre mit dem Lademeister, dass ich beim zweiten Halt raus muss. Also auf die Fähre fahren, einmal Wendolin machen und entgegen der Fahrtrichtung unter einer Treppe abstellen. Da steht Elise trocken, und Hildegard wird nicht so angeregnet.
    Die Fähre fährt die Strecke Vangsnes → Hella → Dragsvik, und während der Überfahrt hat man nochmals großartige Ausblicke auf den Sognefjord.
    Tja, was soll ich sagen? Es gibt keine Wurst. Der Kiosk wurde auf SB umgestellt, und man darf seine Sachen wie beim Rewe selber scannen. Es gibt nur schnellen Süßkram und Kaffee.
    Hier gibt es ein Schild, das besagt, dass man mit Fußballschuhen nicht in den Aufenthaltsraum gehen darf. Wer bitte läuft denn mit Fußballstollenschuhen auf einer Fähre herum?
    Das Wetter wechselt minütlich. Also eine Minute Sonne und eine Stunde Regen. Wenn die Sonne draußen ist, kann man gar nicht glauben, dass es ein paar Minuten später wieder zu kübeln anfängt.
    Es geht Richtung Gaularfjell, und ich erreiche bald die Serpentinen hoch zur Aussichtsplattform. Foto machen, Ausblick genießen, wirken lassen und Abflug über das Fjell. Es ist nicht so hoch, das heißt, man friert nicht so und fährt nicht ständig in den Wolken. Ich hätte schon fast gesagt: Hier sieht es aus wie im Allgäu.
    An einem Milchhäusl halte ich an und inhaliere eine Elchsalami. Ich stecke sie mir in den Mund und nuckle daran wie an einer Zigarre.
    Nach dem Sonnenschein kommt wieder Regen, und in Forde suche ich nach dem Campingplatz. An der Rezeption haben sie Mitleid mit mir und bieten mir ein Gästezimmer an statt eines Zeltplatzes. Preislich ist fast kein Unterschied, und ich schlafe heute noch einmal in einem Bett. Ist vielleicht auch für meine Nase noch mal gut.
    Es gibt eine kleine Küche mit Aufenthaltsraum, und ich zaubere mir mein Abendessen aus den Resten von gestern. Heute ist Sonntag, und ich habe gestern reichlich für heute eingekauft.
    Tigger darf nicht wissen, dass es zur Nachspeise einen Lion-Schokoriegel gibt.
    Supaschöne 202 Kilometer. Sehr abwechslungsreich, mit 30 % Sonne und 70 % Nebel, Niesel und Regen.
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  • Tag 10 Bis kurz vor Vangsnes

    June 21 in Norway ⋅ ☁️ 8 °C

    Ich habe geschlafen wie ein Bärli in seiner Höhle. Ich döse noch so ein bisschen, und irgendwann kurz vor acht gibt es einen Kaffee, und der Tag kann beginnen.
    In dem kleinen Gartenhäusl gibt es eine noch kleinere Küchenecke, und da ist doch glatt auf einer Höhe von 1,75 Metern ein nicht gerade kleiner Querbalken eingezogen. Ratet mal, wer da schon ein paarmal dagegen gedonnert ist. Genau, der Christian!
    Kurzer Blick nach draußen, Wettercheck – die kurze Hose kann ich getrost in der Packrolle lassen. Lieber wieder den Strampelanzug rausholen.
    Der Ausblick vom Gartenhäusl ist schon phänomenal. Wasserfall hier, Wasserfall da. Es ist schon klar, warum es hier in Norwegen so viel regnet. Die ganzen Wasserfälle müssen ja für die Touries irgendwie gefüllt werden.
    Heute brauche ich eine Weile, bis ich mein Chaos geordnet habe. Ich habe nämlich das Zelt zum Trocknen ausgebreitet, und mit den drei geklauten Wäscheklammern von Nachbars Wäscheleine habe ich es wie einen Baldachin aufgehängt. Es ist trocken geworden. Ich bin schon so ein Hund mit meinen Einfällen.
    Ich packe Elise und mache den Abflug zur Tankstelle. Elise will auch was zum Frühstück haben. Und dann geht es durch das UNESCO-Gebiet des Nærøyfjord World Heritage Park. Ein landschaftliches Highlight – enge Täler, steile Felswände und wieder weite Täler.
    Ich nehme wieder ein paar unbefestigte Wirtschaftswege, die neben der Hauptstraße die einzelnen kleinen Hütten und Bauernhöfe in den Tälern links und rechts miteinander verbinden. Schließlich muss man Elise als GS ja artgerecht auf Schotter halten.
    Kurz vor Vik führt die Serpentinenstraße an einem großen Wasserfall vorbei. Trotz nasser Fahrbahn wedeln wir durch die Kurven.
    In Vik lotst mich kurviger.de doch glatt an der berühmten Hopperstad-Stabkirche vorbei. Von der normalen Straße aus sieht man sie gar nicht. Braver Kurviger. Die Stabkirche stammt aus der Zeit um 1130 und gehört zu den ältesten und schönsten Norwegens.
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  • Tag 9 Bis irgendwo hinter Flam

    June 20 in Norway ⋅ ☁️ 11 °C

    Bei Borgund musste ich mich wieder mal in ein Bushäusl retten. Das hat vielleicht runtergeknüppelt. Der Sturm zuvor hatte das Wetter schon angekündigt. Ich habe bei dem Seitenwind auf der Straße Walzer getanzt.
    1-2-3 hin und 4-5-6 zurück.
    In Borgund bin ich an der alten Stabkirche vorbeigerollt. Das Holz ist aus dem Jahr 1180, und sie steht immer noch.
    Ich bin den Lærdalstunnel gefahren. Er ist mit 24,5 Kilometern der längste reine Straßentunnel der Welt.
    Boah, ey ... da hat's aber drin gestunken.
    Raus kommt man am Aurlandsfjord. Nein, ich habe nicht geschaut, ob meine Freunde, die Kreuzfahrer, da sind. Weil das nämlich auch ein beliebtes Ziel für AIDA und Co. ist.
    Pause bei Circle K.
    Ich treffe Peter aus Ravensburg, 66 Jahre alt und Rentner, auf dem Weg zum Nordkap mit einem Honda X-ADV-Roller. Er hatte in den letzten Jahren zwei Herzinfarkte, einen Schlaganfall, und die Bauchaorta ist ihm vor ein paar Monaten heftig geflickt worden.
    Wir haben uns supa unterhalten. Jeder hat aus seinem Leben erzählt.
    Seine Frau hat über die Reise gemault, und er sagte nur:
    „Wenn nicht jetzt, wann dann?“
    Recht hat er!
    Er kann nicht so viel essen, deshalb hat er mich genötigt, mit ihm die Pizza zu teilen. Ich habe ihn dafür auf einen Flatrate-Kaffee eingeladen.
    Von Flåm ist es nicht weit zum Campingplatz Vang Camping in Gudvangen. Dort habe ich nach einer Hütte gebettelt und ein Gartenhäusl mit einer sehr kleinen Heizung, Kochplatte und Kühlschrank für 58 Euro die Nacht bekommen.
    Wenn man sich lieb hat, passen auch zwei Personen ins Bett.
    Elise bleibt draußen und Tigger im Topcase bei der Dose Bier.
    Ich habe geduscht, fein gegessen – mein erstes Entrecôte – und denke, dass ich heute gut schlafen werde.
    Es waren klasse, feuchte, aber auch sonnige 309 Kilometer.
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  • Tag 9 Bissi Schotter

    June 20 in Norway ⋅ ☁️ 13 °C

    Weiter geht es zum Varaldsetvegen, einer beliebten Hochgebirgsstrecke. Für Motorräder ist der Eintritt frei. Zuerst noch ein paar Meter Asphalt, dann unbefestigt mit leichtem Schotter, dazwischen batzige Stellen wie Schmierseife.
    Gaaaaanz piano fahren …..
    Mehr Stollen hätte ich auch vertragen können. Mir kommen vielleicht 15 Enduros entgegen. Hinter mir oder sogar überholt hat mich keiner.
    Ich sage mir: Hier müsste doch auch ein Hinweisschild nach Geilo stehen.
    Dann zur Route Lauvdalen, dem berühmten Fanitullvegen. Der hat dann 5 Euro gekostet. Die Privatstraße führt durch das Berggebiet Lauvdalen und verbindet das Hochtal oberhalb von Leveld (Gemeinde Ål) mit Hemsedal. Der Fanitullvegen ist eine historische, landschaftlich atemberaubende Schotterstraße über das Hochplateau.
    Supaschotterpiste!
    Nachdem es aufgehört hatte zu regnen, ging es mit meinen 70/30-Reifen richtig gut auf den Wegen. Am Ende komme ich noch durch ein bekanntes Skigebiet und an einen Supermarkt unterhalte ich mich mit einem norwegischen KTM Fahrer, der es nicht fassen kann, dass man Tausende Kilometer hier her fährt.
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  • Tag 9 Hardangervidda

    June 20 in Norway ⋅ ☁️ 12 °C

    Es ist 4:00 Uhr in der Früh. Eigentlich habe ich ausgeschlafen. Ich drehe mich noch ein bisschen nach links und noch ein bisschen nach rechts und versuche, die Augen wieder zuzumachen, aber irgendwie funktioniert das nicht.
    Jetzt bin ich doch neugierig geworden, wie das Wetter außerhalb vom Zelt ist. Auf jeden Fall regnet es nicht. Ich ziehe vorsichtig den Reißverschluss hoch und halte eine Hand raus. Es geht ein ziemlich starker, warmer Wind. Als ich nach rechts rausschaue, kommt mir das alles etwas komisch vor, und ich schaue mal bei WetterOnline rein.
    Oh je, Sacklzement. Wie schaut's denn da schon wieder aus? Da rollt doch glatt wieder eine Regenfront an. Und ich habe mich gestern so bemüht mit dem Aufessen und sogar noch eine zweite Dose Bier getrunken.
    Nachdem ich das Zelt gestern schon pitschnass eingepackt habe, will ich heute etwas schlauer sein und beginne das Packen ... jetzt um 4:30 Uhr.
    Ich bin so richtig gut in der Zeit mit Packen und Aufladen. Noch schnell zum Waschhaus und die Lockenwickler aus den Haaren machen. Um 5:30 Uhr bin ich rausgeputzt und frisch gekämmt und rolle so leise wie möglich durch den Campingplatz. Elise macht natürlich ein-, zweimal Brumm, brumm, und Tigger schreit aus dem Topcase:
    „Der frühe Vogel kann mich mal!“
    Ich fahre Richtung Osten zur Landschaftsroute Hardangervidda. In diese Richtung ist es auch hellblauer, hinter mir eher dunkelblau oder schon dunkelgrau.
    Macht nix. Ich habe den Strampelanzug an.
    Es geht ziemlich steil hoch. Ich habe mal was im Wiki nachgeschlagen:
    Die Hardangervidda ist ein Plateaufjell in Norwegen und die größte Hochebene Europas. Sie hat eine Fläche von etwa 8.000 km², liegt im Mittel zwischen 1.200 und 1.400 Metern Höhe und erstreckt sich über Bereiche der Fylker Buskerud im Nordosten, Vestland im Westen und Telemark im Südosten.
    Aha. So, jetzt wissen wir das auch.
    Die norwegischen Ingenieure haben beim Tunnelbau wieder Meisterliches abgeliefert. Die sind so richtig pfiffig. Einen Three-Sixty mit zusätzlicher Schleife in den Fels gehämmert. Mir ist bei solchen Kurven im Tunnel immer mulmig ... und dann steht da auch noch: Slippery when wet.
    Oben angekommen pfeift der Wind erbarmungslos. Und ich pfeife mir eine Kurve nach der anderen rein. Hinter mir treiben mich dicke Wolken vor sich her, vor mir kommt die Sonne raus. Irgendwie sieht das alles unwirklich aus. Am Wegesrand stehen ein paar Wohnis, die hier oben übernachtet haben.
    Ich bin dann doch froh, als ich wieder in tiefere Regionen komme. Der Wind lässt nach, und die Temperaturen werden wieder zweistellig. Die ganze Zeit hat Hildegard versucht, meinen Hintern zu wärmen. Mei, nett. Und dabei kommt im Radio : „Stand By Your Man“ von Tammy Wynette.
    Ein Verkehrsschild kommentiert alles: Noch 11 Kilometer bis Geilo.
    Irgendwann geht es auf die erste unbefestigte Straße. Nicht schlimm, halt kein Asphalt, aber einspurig. Es ist ein Versorgungsweg für Hütten. Kurviger.de hat mir den rausgesucht – zum Warmwerden und als Einstieg für heute.
    Bei Circle K bekommt Elise ihr Frühstück und ich zwei Latte Macchiato und einen Kakauli. Ich inspiziere noch die Toilette, ob sie sauber ist, und wir lassen uns hier von der Regenfront überholen.
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  • Tag 8 Über Odda nach Eidfjord

    June 19 in Norway ⋅ ☁️ 17 °C

    Obwohl gestern nicht Samstag war, war trotzdem Waschtag. Also für mich: duschen, Haare waschen und Beine rasieren. Und ich mache ein wenig Handwäsche. Die Merino-Unterwäsche kann man eh vierzehn Tage tragen, ohne dass man beim Fahren etwas riecht. Bei der Sonne und dem Wind heute trocknet das im Nu.
    Elise sagt zum Waschen: „Näää, ich will versaut bleiben.“
    Bin gestern Abend noch nett am Ufer gesessen und habe die Abendstimmung auf mich wirken lassen. Leider habe ich mir kein Bier vom Abendessen aufgehoben, um es bei der schönen Abendsonne zu trinken.
    Memo an mich: Immer ein zweites Bier für die Abendstimmung einkaufen.
    So umrum 6:30 Uhr wache ich auf. Es hat in der Nacht zu regnen angefangen. Naja, bei dem schönen Wetter gestern Abend war es ja fast Pflichtprogramm, dass es mal wieder regnet. Und es wäre nicht Norwegen, wenn es nicht regnen würde.
    Ich mache mir einen Filterkaffee in meinem kleinen Vorzelt. Um mich rum Chaos. Ich muss alles im Zelt zusammenpacken und fertig machen, da es wieder stärker regnet. Der Kaffee ist ein richtiger Eyeopener.
    Ich muss noch mal kurz ins Waschhaus zum Zähneputzen und nehme ein wenig Toilettenpapier mit. Es ist das gute billige, das man auch super als Schleifpapier hernehmen kann.
    Ich packe, soweit es geht, im Zelt, trage dann aber die restlichen Sachen in die Waschküche. Dort stehe ich im Trockenen und kann alles supa verstauen. Das Zelt ist aber pritschlnass und vielleicht zwei Kilo schwerer. Kaum, dass ich es in den Packsack reinbekomme. Am Schluss habe ich dann doch noch alles verstaut.
    Es geht los. Noch einmal ein Stück die Landschaftsroute Ryfylke, dann muss ich – aba nur ein Stück – auf eine größere Straße, die E134, und fahre zur Landschaftsroute Hardanger.
    Es regnet, aber die neuen Schuhe von Elise krallen sich in den Asphalt. Man kann supa Kurven fahren. Keiner vor mir und eh keiner hinter mir. Ich bin ausgerüstet mit meinem Strampelanzug in angestaubtem Neongelb, über den Handschuhen die giftgrünen Spülhandschuhe in Größe XL, und die Stiefel haben auch Überzieher bekommen. Man kann ganz gut damit fahren, rumlaufen eher nicht. Trotzdem muss ich mich einmal in ein Buswartehäusl flüchten, weils wirklich a so g‘rengt hat.
    In Odda mache ich eine Pause beim Supermarkt. Die haben eine Kundentoilette und man kann sich da entblättern. Bei den vielen Sachen, die ich anhabe, darf es nicht schnell gehen müssen. Etwa am Straßenrand, weil sonst ...
    Erleichtert und wieder fein gemacht kaufe ich noch ein bisschen was ein. Käse in der Tube mit Bacon-Aroma, mit den Vitaminen BAS und F. Mei, verpetzt mich bloß nicht bei Elke. Sie sagt, so einen Müll soll ich nicht essen. Ich finde aber, dass das Norwegen ist.
    Von Odda nach Norden riecht es wie in Südtirol.
    Schlaumeiermodus an: Odda liegt am Sørfjord, einem Seitenarm des Hardangerfjords, der als der „Obstgarten Norwegens“ bekannt ist. Dank des milden Mikroklimas werden dort seit Jahrhunderten Äpfel, Birnen, Kirschen und Pflaumen angebaut. Schlaumeiermodus aus.
    Vor zwei Jahren war ich schon mal in der Gegend, hoch oben bei einem Campingplatz mit super Blick über den Sørfjord.
    Ich komme an der Hardangerbrücke vorbei. Sie ist 1380 Meter lang und eine der längsten Hängebrücken der Welt. Die Abzweigung führt in einen Tunnel, wo eine riesengroße blau beleuchtete Halle mit einem Kreisverkehr ist. Also sowas kann man sich bei uns in Deutschland irgendwie nicht vorstellen.
    Ich sehe noch nicht richtig Eidfjord, da sehe ich schon ein Kreuzfahrtschiff. Tschuldigung, mir haut es immer die Sicherungen raus, wenn ich so ein Riesenschiff in einem Fjord sehe. Hundert Kilometer vom Meer entfernt. Und die blasen da oben auch kein Rosenwasser raus.
    Kurz tanken, dann suche ich die Campingplätze. Am südlichen Ende werde ich fündig. Ich halte am Saebo Camping an. Ich frage noch, ob sie ein Gartenhäusl für mich übrig haben, aber die Hütten hier muss man wohl drei Jahre im Voraus buchen.
    Ich baue auf, mache mir ein feines Essen und genieße die Aussicht aufs Wasser. Übrigens hat das Regnen aufgehört und die Sonne lugt raus.
    Abspülen, duschen, aufräumen, dasitzen, dumm rumgucken und noch mit Elke telefonieren. Ihrem Fuß und dem Außenband geht es gar nicht gut.
    Für das Dumm-rumgucken-am-Wasser heute Abend habe ich mir eine zweite Dose Bier gekauft und E r d n ü s s e!
    Christian, du bist schon so a Hund, denke ich mir.
    Das waren heute gemütliche 180 Kilometer und ich mache gleich einen Einkehrschwung auf meine Luftmatratze.
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  • Tag 7 Ryfylkevegen

    June 18 in Norway ⋅ ⛅ 17 °C

    Ich bin tags zuvor um 21:30 Uhr ins Bett und habe bis 5:45 Uhr durchgeschlafen. Und ich habe quasi im Schlaf 500 Kilometer zurückgelegt.
    Heute kein Vogelgezwitscher, aber das 170 Meter lange Schiff schaukelte ein bisschen. Das Hutschihutschi war allerdings sehr angenehm.
    Anziehen, die drei Sachen zusammenpacken – um 6:30 Uhr wird das Autodeck aufgemacht. Wie ich so die Treppe zum Unterdeck runterlaufe, sehe ich durch ein Bullauge raus. Regen, Nebel … aha, ich bin in Norwegen angekommen.
    Die guten Deutschen sind schon um 6:29 Uhr bei ihren Fahrzeugen und machen den Motor an. Ich schnalle Elise ab, verstaue alles, ziehe meinen Strampelanzug an und warte.
    Um 7:00 Uhr geht es raus aus dem Bauch. Durch den Zoll, Tigger ist Gott sei Dank ruhig, und auf Hildegard sitze ich auch.
    Durch Stavanger und danach gelangt man über das umfangreiche Ryfast-Tunnelsystem aus der Stadt. Es verbindet Stavanger mit den östlichen Nachbargemeinden und besteht im Wesentlichen aus drei Tunneln, wobei der längste über 14 Kilometer lang ist und bis auf 292 Meter unter den Meeresspiegel hinuntergeht.
    Nach den Tunneln muss ich eine Pause bei einer Circle-K-Tankstelle machen. Ich kaufe mir einen Flatrate-Sticker und ziehe gleich mal zwei Kaffee und ein Kakauli rein.
    Mit jeder Menge warmer Flüssigkeit im Bauch geht es nun die Landschaftsroute Ryfylke, den Ryfylkevegen, entlang.
    Ready to hit the road and burn some rubber.
    Kaum ist man aus der Stadt draußen, schon geht es mit den Kurven los. Yes!
    Es ist supa nebelig. Mir egal. Wenn ich braun werden will, fahre ich nach Mallorza.
    Den ersten Wasserfall fotografiert ich gleich und schicke ihn Elke. Es werden noch weitere folgen.
    Am Weg habe ich nur eine Fähre, und die legt gerade ab, als ich ankomme.
    Mit mir kommt auch noch ein Auto an. Die Fahrerin steigt aus und quatscht mich gleich an. Es ist Inge aus Oslo, und sie erklärt mir ungefragt die Gegend. Ich unterhalte mich mit ihr vielleicht eine Viertelstunde, dann kommen weitere Wartende zu uns in die Schlange.
    Auf der Fähre unterhalte ich mich mit einer deutschen Motorradfahrerin aus Kitzingen, die alleine unterwegs ist. Sie hat zwar ein Zelt mit, hat aber in der ersten Woche so viel Geld für Hotels und Pensionen ausgegeben, dass sie eigentlich wieder heimfahren könnte, da die Urlaubskasse fast leer ist.
    Und ein paar geleckte Typen sind jetzt hinter mir, die mit ihren 30.000-Euro-GSen unterwegs sind und lautstark angeben müssen, dass sie nur im Wheelie-Mode fahren. Die Sorte Jungs, die gestern beim Warten auf die Fähre schon ein Sixpack weggezogen haben.
    Runter von der Fähre, und es jagt eine Kurve die andere. Zwischendrin tanke ich mal und bettle in einer Autowerkstatt darum, meine Wasserflasche auffüllen zu dürfen. Übrigens war bei der Tankstelle eine öffentliche Tauschbörsen. Man konnte einen Wanderschuh oder einen Tankdeckel gegen irgendwas anderes tauschen.
    Ich fahre über mein erstes Fjell, das Saudafjellet. Oben liegt noch ein bissi Schnee. Geniale Strecke, geniale Kurven, so gut wie kein Verkehr.
    Gegen 15:30 Uhr erreiche ich Vikedal und den Campingplatz Søndenåstranden Camping. Eigentlich ein Dauercampingplatz, aber sie haben eine Zeltwiese direkt am Fjord.
    3 – 2 – 1 Mainz.
    Aufbauen, duschen, essen, Kaffeetscherl trinken, abspülen, dösen, faulenzen … Es hat 20 Grad, und die Sonne knallt runter.
    Hier gibt es keine Kettcars, aber ein dicker Ball hängt an einem Seil vom Baum. Ich mache einen auf Miley Cyrus bei „Wrecking Ball“ und schaukle ein wenig.
    Ich bin sooo luftmatratzenschwer, aber um 20:00 Uhr kann man sich einfach noch nicht hinlegen. Gegen 20:30 Uhr kommt der Platzwart und zieht mir für die Nacht inklusive einer Dusche 250 norwegische Kronen von meiner Kreditkarte ab.
    Ich bin heute gemütliche und kurzweilige 287 Kilometer gefahren.
    Ach, ich muss es noch mal genau ausrechnen, aber der Liter Sprit kostet so um die 1,60 €.
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  • Tag 6 Boarding

    June 17 in Denmark ⋅ 🌧 15 °C

    In Hirtshals angekommen, geht es zum Tanken, in den Supermarkt und dann zum Anleger. Da warten schon einige auf das Fjord-Line-Schiff. Ich laufe kurz herum, um mich zu informieren, dann fahre ich an den Anfang der Schlange zu den Motorradfahrern. Es sind Amerikaner und Neuseeländer, die sich in Hamburg Motorräder ausgeliehen haben. Ich habe sie gleich wegen des Kennzeichens mit „Griaß Eich“ angequatscht. Sie haben aber nur Bahnhof verstanden. Ein Belgier hat mich dann aufgeklärt, dass sie inkognito unterwegs sind.
    Es tröpfelt leicht, und wir reden ein bisschen über Benzin und Gasolin mit den Foreignern. Die deutschen 1300-GS-Fahrer knallen sich beim Warten ein Heineken-Sixpack rein. Sie reden aber nicht mit mir.

    Nach dem Motto: Wo wir sind, ist vorne.
    Um 18 Uhr geht es mit dem Boarding los. Ich nehme USA und Neuseeland in Schlepptau, und wir fahren auf unsere Parkposition.
    In den Bauch rein, parken, verzurren und Handgepäck mitnehmen. So war die Reihenfolge.
    Kajüte 8368, innen. Also dunkel und ohne Vögel, die einen in der Früh um 5:00 Uhr wecken. Ich mache noch einen Spaziergang durch die verschiedenen Decks, quatsche mit den Motorradfahrern von vorhin und gehe früh schlafen. Obwohl ich ziemlich weit achtern liege und schiffsmittig bin, geht es ganz schön hin und her.
    Übrigens: Es ist dunkel hier und wirklich kein Vogelgezwitscher. Ich werde gut schlafen.
    Heute waren es gemütliche und bestimm besonders gerade 245 Kilometer.
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  • Tag 6 Bis Hirtshals

    June 17 in Denmark ⋅ ☁️ 14 °C

    Ich wache um 5:00 Uhr auf. Die Vögel wieder … 🥊.
    Ich mache mir einen Kaffee und setze mich einfach noch mal auf mein Stühlchen und gucke ein wenig dumm in der Gegend herum. Beim Dummgucken vergeht die Zeit wie im Flug, und flugs ist es sechs Uhr. Ich entschließe, dass 6 Uhr eine gute Zeit ist, um zu packen und Elise zu beladen. Tigger treibt wieder Unsinn. Nie hilft er, der alte Sandler.
    Kurz noch ins Waschhaus, und auf dem Retourweg schaue ich noch schnell die Kettcars an. Nein!, sage ich mir. Heute nicht.
    Dieses Mal bin ich schlauer und packe schon mal eine zweite Tasche für die Fähre heute Abend. Elise wird ja in den Bauch der Fähre geladen, und ich komme an das Gepäck nicht mehr ran. Vor zwei Jahren ging alles so schnell beim Verladen in Kiel, dass ich nur noch mein Waschzeug und eine kurze Hose mitnehmen konnte. Dann wurde das Deck schon geschlossen.
    Abflug. Es geht gemütlich über die Landstraße Richtung Mariager. Es hat 12 Grad, und es ist nix los. Gut, eine Baustelle ist los, mit ampelgeregeltem Gegenverkehr. Als ich dran war und fahren durfte, musste ich auch einen Kreisverkehr entgegengesetzt fahren, also quasi englisch. Die Susi aus dem Navi hat mir ins Ohr gebrüllt, dass ich falsch fahre und sofort anhalten soll. Brave Susi … passt auf mich auf.
    Ich habe mir für kleines Geld ein Headset gegönnt. Es ist supa für die Ansagen vom Navi, und es ist noch mit dem Handy gekoppelt, sodass ich Musik hören kann. Mit Schlager ist das ewige Geradeaus sogar ertragbar. Da geht einem nicht die Puste aus … da kann Helene sich „Atemlos“ trällern.
    Habe ich schon erwähnt, dass die Straßen hier schnurgerade sind?
    Huch, was ist jetzt? Ein Warnschild. Zwei Kurven. Reduziert auf 30 km/h. Hilfe.
    Wahrscheinlich muss man so langsam fahren, weil eine Christbaumplantage gleich ums Eck ist.
    In Mariager gibt es für Elise 11 Liter feinstes 100-Oktan-E5, weil nix anderes verfügbar war. Das Super E10 war aus. Ich denke mir: So kann man auch Umsatz machen. Und für mich gibt es bei einer kleinen Bäckerei eine Buttersemmel mit einem Kaffee. Ich sitze draußen und genieße die Sonne. Jetzt sind es vielleicht 13 Grad, und die Jungs laufen in kurzen Hosen und die Mädels im Tanktop bei Windstärke 8 herum. Und was mache ich? Ich ziehe den Reißverschluss beider Jacken noch weiter hoch und lasse den heißen Kaffee in mich reinlaufen. Die Buttersemmel belege ich noch mit dem übrig gebliebenen Fleisch von gestern. Noch mal ein Lob an die Küche.
    Es geht weiter Richtung Hirtshals über kleine Landstraßen, fast immer geradeaus. Also stangerlgerade. Das können die Dänen: gerade Straßen bauen. Dänemark ist kein Motorradfahrerland, zumindest nicht für mich. Ich fahre gerne Kurven und rauf und runter. Hier kann man mit einer Gold Wing mit Tempomat oder einer Harley fahren, die sind für geradeaus gemacht.
    Zwischendurch kleine Pause. Es gibt italienische Wochen: Ciabatta mit Coppa-Schinken und ein Glas Rotwein.
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  • Tag 5 Dänemoak

    June 16 in Denmark ⋅ ☁️ 16 °C

    Mit den Drogen von der Ärztin habe ich diese Nacht geschlafen wie ein Baby, das satt und mit frischer Windel ins Bett gelegt wurde.
    Nur Tigger hat sich heute Morgen beschwert, dass ich wegen meiner verstopften Nase doch ein wenig mehr und lauter geschnarcht habe.
    Ich bin froh und glücklich, dass nach der Augen-OP doch noch alles so gut geworden ist und mein Urlaubstrip nun klappt. Auch, dass Frau, Kind und Oma mitspielen und sich ein paar Wochen selbst versorgen.
    Packen ist angesagt. Das ist immer ein heilloses Chaos. Am besten geht es, wenn ich einen Tisch am Platz habe, wie hier beim Bauern Jensen. Nach einer Viertelstunde ist alles in den Säcken und auch gleich verstaut. Man kann sich nicht vorstellen, dass nach dem Chaos alles auf Elise Platz findet.
    Dies alles verlangt nun nach einem Kaffee mit Fischbrötchen zum Frühstück.
    Ich rolle vom Campingplatz die sieben Minuten rüber zu Renés Zweiradwerkstatt. Einen Reifen hatte ich schon vor zwei Wochen hierher schicken lassen. Am Weg noch schnell beim Bäcker vorbei. A Laugenstangerl.
    Hier textet mich ein älterer Herr zu, der gerade vom Bäcker rauskommt, welche BMW-Motorräder er schon hatte und was er jetzt fährt. Wie ich antworten wollte, wünschte er gute Fahrt, drehte sich um und ging. Da stand ich nun, und keiner wollte mir zuhören. Frechheit.
    Dann halt ab zu Renés Zweiradwerkstatt. Er erwartet mich schon. Elise muss auf die Bühne, ich bekomme einen Kaffee und setze mich mit meinem Laugenstangerl in die Ecke. René wollte auch nicht viel reden. Mmmmpft.
    Keine 20 Minuten später rolle ich vom Hof. Für 30 € ausgebaut, Reifen gewechselt, gewuchtet und wieder eingebaut. Klaus, es lohnt sich, hierher zu fahren!
    Es ist auf einem ehemaligen Bundeswehrgelände. Ringsum Bunkeranlagen, und die ehemaligen Versorgungsgebäude sind jetzt Schrauberwerkstätten.
    Sodalla, Dänemark ruft. Seitlich an Flensburg vorbei umgehe ich den Berufsverkehr. Grenze. Die uniformierten Dänen winken mich durch. Habe ich ein Glück – Ausweis und Impfpass für Tigger habe ich nämlich keinen. Ich weiß auch gar nicht, welche Papiere Hildegard braucht.
    An der Grenze gleich das erste Schild für mich: Hotdog 🌭 27 Kr 😋. Und ein Däne lässt sich die Palette Bier am Grenzsupermarkt zum Auto rollen.
    Ich habe mal so getan, als ob ich ein Selfie mache, um das Geschehen für euch auf Zelluloid zu brennen.
    Es geht die Ostküste Jütlands hoch. Autofahren und Motorradfahren ist so hygge hier. Man könnte fast einschlafen beim Fahren. Ist 80 km/h erlaubt, fahren die Dänen lieber 70 km/h. Wird es grün, fahren sie nicht gleich bei Hellgelb los, sondern erst bei Dunkelgrün. Ich weiß nicht, ob das Rücksicht, Vorsicht oder vielleicht Unvermögen ist.
    Es gibt sehr viele Kleinwagen. Ich vermute, das Auto ist im Gegensatz zu Deutschland kein Statussymbol.
    Es wechselt hier zwischen: „Oh Mann, kann man hier weit gucken!“ und „Bissi hügelig.“
    Ich mache eine kleine Pause, strawanze durch einen Supermarkt und kaufe etwas fürs Abendessen ein. Und ein süßes Teil zum Sofortessen. Btw, ich glaube, ich habe einen Zuckerschock.
    Ich wechsle immer zwischen Autobahn und Landstraße. Beide gehen schnurgerade, nur die Autobahn ist halt langweilig zu fahren, weil es sonst nix zu sehen gibt, und die Landstraße hat alle Furzlang einen Kreisverkehr, dazu noch viele Ampeln. Aber wenn man hin und her fährt, ist es abwechslungsreich.
    In Aarhus ist heftiger Berufsverkehr. 15 Uhr, und alle Dänen wollen heim. Ich quäle mich 30 Minuten durch den Stau. Und die Dänen fahren auch im Stau sehr langsam an.
    Die Sonne kommt raus, und es macht Spaß auf den letzten Metern, denn es wird kurvig hinter Aarhus.
    Ich schlage auf bei MC Touring Camp, einem Campingplatz ausschließlich für Motorradfahrer. Mein Freund ChatGPT hat ihn mir empfohlen.
    Beim Check-in wurde sogar auf den geheizten Pool hingewiesen. Hier riecht es nur so nach Benzin. Ich suche mir einen Platz mit Tisch und Bank aus, baue alles auf und gehe duschen.
    Das Abendessen lasse ich mir in der Sonne sitzend schmecken. Ich hole mir noch einen komfortablen Sessel und telefoniere eine Stunde mit Elke. Sie erzählt mir von ihrem kleinen Unfall an der Treppe. Morgen wird geröntgt, ob ein Band gerissen ist. Ohje.
    Jetzt noch eine Runde über das Gelände. Ich sehe sogar eine alte Nimbus mit Reihenvierzylinder. Und nur zwei Zelte – die anderen Motorradfahrer haben sich Gartenhäusl zum Übernachten genommen.
    Zur Abendessenszeit kommen viele Motorradfahrer hier her, die nach ihrer Arbeit noch einen Ausflug machen.
    Es waren heute sehr gerade 297 dänische Kilometer.
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  • Tag 4 – Rauf zu Bauer Jensen

    June 15 in Germany ⋅ 🌬 15 °C

    Die Nacht war nicht so prickelnd. Meine linke Nase ist immer wieder zugegangen. Aber so richtig heftig, und ich habe nicht viel Schlaf abbekommen. Meine Erkältung, die ich vor zwei Wochen hatte, holt mich wohl wieder ein.
    Zur Abklärung, ob die Nasennebenhöhlen voll sind, bin ich auf dem Weg nach Bremervörde bei einem HNO-Arzt vorbeigefahren. Pünktlich um 8 Uhr war ich dort. Einmal durchkärchern, Ultraschall, ob nicht doch was drin sitzt, und mit einem Sack voll giftiger Medikamente bin ich um 10:30 Uhr wieder Richtung Elbfähre gerollt.
    Am Fähranleger war Stau. Nachdem ich die Nase voll mit Rxxx hatte, hatte ich quasi die Erlaubnis, „rotz“frech an den wartenden Autos, Wohnis, LKWs und Bussen vorbeizufahren. Ganz nach dem Motto, wie es auch in Norwegen üblich ist: Motorcycles first.
    Der Stau war ungefähr einen Kilometer lang, und ich hätte gewiss drei oder vier Fähren warten müssen, wenn ich mich brav hinten angestellt hätte.
    Ha! Bin sogar an drei Harley-Fahrern aus Belgien vorbei. Die haben ein bisschen komisch geguckt. Zumindest nach dem, was ich im Rückspiegel gesehen habe. Tigger war der Meinung, dass die Belgier neidisch auf die blaue Elise waren. Harley können sowas einfach nicht.
    Mich hat gewundert, dass kein selbsternannter Hausmeister oder Blockwart dabei war, der mich z. B. durch das Öffnen einer Tür am Vorbeifahren hindert.
    An Bord habe ich mich in eine Nische gekuschelt, sodass ich keinem anderen Kfz Platz weggenommen habe. Ich bin ja fürsorglich – mir gegenüber und den anderen.
    Die Überfahrt hat 10 Euro gekostet und vielleicht 20 Minuten gedauert. Ein älterer Herr kam zu mir und hat mich gelöchert: Wo es hingeht, wo ich schon war, was das für eine BMW ist, wie alt ich bin und warum meine Frau nicht mitfährt. Er kam aus Cuxhaven und hatte mit seiner Frau eine Woche E-Bike-Radlurlaub in Dänemark gebucht. Imma nett, wenn man ein wenig Small Talk machen kann.
    Es ist topfeben hier oben, und es gibt viele Kasernen oder militärische Übungsplätze. Kann aber auch sein, dass mich mein Navi wieder ein paarmal an derselben Stelle vorbeigeführt hat.
    Ich ziehe durch bis zum Campingplatz „Beim Bauer Jensen“, so ungefähr 30 Kilometer vor Flensburg. Netter kleiner Platz neben einem Bauernhof. Mit Muh von der Kuh und Blöken vom Schaf.
    Ich bau auf und fahr einen Sprung nach Flensburg. Bissi am Hafen und in der Innenstadt rumlaufen.
    Wieder zurück am Campingplatz gibt's eine Runde mit dem Kettcar und dann duschen. Bissi was essen, ich tröste eine Dose Bier, weil sie so alleine ist, und dann ab auf die Luma.
    Heute waren es 209 Kilometer plus Flensburg rein und raus. Der Tag ist wie im Flug vergangen. Morgen früh habe ich einen Termin zum Vorderreifenwechseln und dann geht's ab nach Dänemark.
    Btw.: Sonnenuntergang ist um 22:01 Uhr und die Vögel lärmen.
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  • Tag 2 ab nach Bochum

    June 14 in Germany ⋅ ⛅ 14 °C

    Trotz Schlafbrille bin ich um 5 Uhr wach geworden. Die Vögel haben mir ins Ohr GEBRÜLLT und mich unsanft geweckt. Ich denke mir: Wenn ich euch erwische 🥊 Ich frage für einen Freund: Kann man Amseln grillen?
    Ich bin ja unweit von der Kaserne und dem Truppenübungsplatz, der 7000 Hektar groß ist. Ich kann sagen: Die Mädels und Jungs ballern auch nachts rum. Ich bin zweimal in der Nacht von Gewehr- und MG-Salven aufgewacht. Ansonsten habe ich sehr gut auf meiner dicken Luma, mit dem dicken Daunenschlafsack und einem richtigen Kissen geschlafen. Die Gepäckrolle ist dadurch schon sehr dick, aber es lohnt sich einfach, gut zu schlafen.
    Frühstück lasse ich so früh sein und döse noch ein paar Minuten. Fange dann aber doch irgendwann zügig das Packen an. Am Weg gibt es gewiss eine kleine Bäckerei.
    In der Nacht hat es geregnet und das Zelt ist noch pitschnass. Die großen Tropfen schüttle ich runter und wische noch ein bisschen nach. Den Rest macht der Wind.
    Ja, Wetter ... windig, bewölkt, ca. 12 Grad. Aber es sieht aus, als ob die Sonne bald durch die tief stehenden Wolken durchkommt.
    Genau ... packen, aufladen und noch einmal Sabine winken, die gerade aus ihrem Wohni rausschaut und sagt: „Das alles ist jetzt da drauf?“ Sie wünscht noch gute Fahrt und ich düse ab.
    Um 6:50 Uhr komme ich vom Campingplatz los und rolle gemütlich durch das Dorf Wildflecken. Langsam wird das Öl von Elise warm und ich kann am Gashahn drehen. Die Straße ist schon weitgehend trocken und um die Uhrzeit an einem Samstagmorgen sind noch sehr wenige auf der Straße unterwegs.
    Nach einer Stunde meldet sich der Magen und sagt: „Hallo, ich bin auch noch da, lieber Christian. Hast du was Feines für mich?“
    Klaro, eine Bäckerei mit Stehcafé.
    Elise meldet sich: „Hallo, ich bin auch noch da, lieber Christian. Hast du was Feines für mich?“
    Klaro, wir fahren zu Agip. Da reißen sie sich sechs Beine für uns aus.
    Sodalla, Viertel nach acht, alle sind satt und es kann weitergehen.
    Meine linke Nase sagt auch Hallo, ich bin da. Letzte Woche hatte ich schon mit einer verstopften Nase in der Nacht zu kämpfen. Ich lasse mich in der nächsten Apotheke beraten und nehme etwas Giftiges mit, falls es schlimmer werden sollte.
    Jetzt sind wir wirklich bereit für die Weiterfahrt. Es geht noch ein wenig durch die Rhön Richtung Kellerwald-Edersee und dann durch das Sauerland-Rothaargebirge Richtung Ruhrgebiet. Mein heutiges Ziel ist Bochum. Ich schaue bei meinen beiden Lieblings-Bochumern Eva und Peter vorbei und übernachte dort.
    Am Weg sehe ich beim Vorbeifahren aus dem Augenwinkel in einer Garage jede Menge VW Käfer stehen. Ihr müsst wissen: Ich hatte auch mal zwei von den Krabbeltieren. Ich mache einen Wendolin und kehre um, damit ich mir die Nase am Schaufenster platt drücken kann. So einen 1300er Export, Baujahr 1967, hatte ich auch in Weiß.
    Die Fahrt ist sehr angenehm und abwechslungsreich. Bissi rauf, bissi runter, mal links rum, mal rechts rum. Klasse zu fahren mit den Kurven und trotz Samstag kein Ausflugsverkehr.
    An einem alten Bauernhof wollte mich das Navi doch glatt über das Feld schicken. Tigger motzt gleich wieder über das neumodische Glump und will wieder nach Karte navigieren.
    Im Ort Wega komme ich an einer Rüscherl-Diskothek vorbei. Kennt ihr noch Rüscherl? Möglichst billiger Weinbrand und Cola im Verhältnis 1:4. Sie heißt Las Wega..s. Wie einfallsreich.
    Ich fahre auch ein Stückchen die Deutsche Alleenstraße. Dort gibt es halbe und ganze Alleen.
    Die letzten Kilometer rolle ich dann wegen des dichten Verkehrs auf der Autobahn. Im Ruhrgebiet ist Landstraße fahren ätzend. Man kommt einfach nicht vorwärts.
    Gegen vierzehn Uhr schlage ich bei Eva und Peter auf. Es gibt Kaffee und Kuchen mit Sahne, ein leckeres Abendessen und viele Gespräche.
    Ich falle irgendwann gegen 23 Uhr ins Bett. Heute keine Luftmatratze 😃
    330 km ohne Regen von Wildflecken nach Bochum. Schee war‘s.
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  • Tag 3 irgendwo hinter Bremen

    June 14 in Germany ⋅ 🌬 15 °C

    Tag 3
    Gestern Abend gab es noch ein nettes Ratscherl mit Eva und Peter, und ich denke, ich bin auf jeden Fall vor Mitternacht ins Bett gekommen.
    Mir ist aufgefallen, dass es hier in Bochum abends 40 Minuten länger hell ist als bei uns in Haimhausen.
    Ich habe durchgeschlafen und bin doch glatt erst um sieben Uhr ohne Wecker aufgewacht. Sieh mal einer an, hier gibt es keine Amseln.
    Ab ins Bad, packen, aufladen, und schon hat Eva ein herrliches Frühstück gezaubert. Wir sind wieder zusammengesessen und haben geredet. Ich habe mich dann mit Gewalt losgerissen, denn ich wollte vor 11 Uhr wieder auf der Straße sein. Es wurde dann 11:03 Uhr, aber das ist ja auch okay.
    Ab auf die Autobahn, um irgendwie schnell aus dem Ruhrgebiet rauszukommen, und nach vielleicht 40 Kilometern auf die Landstraße gewechselt. Da hat das Navi dann einen Tralladum bekommen. Zuerst ganz normal, und dann irgendwie ums Eck navigiert. Nach dem Zickzack war wieder alles in Ordnung. Gut, außer den klitzekleinen Nebenstraßen, die es wieder ausgesucht hat.
    Viele Kurven gibt es auf den Landstraßen nicht. Es geht weitestgehend immer geradeaus.
    Heute ist Sonntag. Ich muss mich noch ums Essen kümmern. Ich frage mal Google, ob irgendwo ein Metzger für hungrige Christians einen Fleischautomaten aufgestellt hat. Und ich finde doch glatt auf meiner Route eine LeckerBox. Mich kann man echt losschicken zum Einkaufen.
    Das da 👉 soll es sein. Es hat die richtige Pfannengröße.
    Am Campingplatz irre ich ein bisschen umher, um die Rezeption zu finden. Der Platz ist so groß wie ein Fußballfeld.
    Ich bekomme einen Stellplatz mit Carport, und mir wurde gesagt, ich soll das Zelt darunter aufbauen, falls es wieder zu regnen anfängt. Gesagt, getan.
    Darunter kann man auch super das gejagte Fleisch brutzeln und dabei eine Dose Bier in der Hand halten.
    Tigger hat auch eine Dose und macht sich über die restlichen Rosinensemmeln im Topcase her. Hoffentlich wird ihm nicht schlecht.
    Am Campingplatz hätte man auch fest installierte Doppeldecker-Wohnmobile mieten können. Eine klasse Idee.
    Von Bochum bis hinter Bremen. 336 km, und es war nur ein heftiger Duscher dabei. 👍
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  • Tag 1 Bis nach Oberwildflecken

    June 12 in Germany ⋅ 🌧 14 °C

    Gestern hatte ich noch den Kilometerstand notiert und Elises Navi auf „N“ wie Norden eingestellt.
    Heute Früh ging dann doch alles schnell. Elise aus dem Carport und fertig bepackt. Der kleine Stofftiger macht wie immer Stress. Er kommt kurzerhand ins Topcase und soll ruhig sein.
    Frühstück, Family drücken und Abflug. Eine neugierige Nachbarin hat mich doch glatt in der Früh abgepasst und mir einen schönen Urlaub gewünscht.
    Es war der Glühwürmchen-Regenanzug angesagt, chic kombiniert mit den grünen Spülhandschuhen in Größe XL und Regenüberziehern für die Stiefel. Der Kalenderspruch für heute, den 12.06., sagt mir: „... da muss ich jetzt durch.“ Und es ist gewiss der Regen gemeint, denke ich.
    Winke, winke und los geht es.
    Ich fahr nach Sielenbach, dort ist eine öffentliche Waage. Die Anzeige springt zwischen 350 kg und 360 kg hin und her. Ich sage jetzt mal ... Kampfgewicht 355 kg. Vor zwei Jahren, auf dem Weg zum Nordkap, hatte ich noch ein paar Kilo Speck mehr drauf.
    Es kübelt, was runtergeht. Fotos mache ich jetzt keine, weil ... Handschuhe aus, Strampelanzug auf, Jacke auf, Handy raus, Foto, Handy rein, Jacke zu, Strampelanzug zu, Scheixxe, Reißverschluss eingeklemmt, rumpopeln und mit nassen Händen wieder versuchen, in die Handschuhe reinzukommen. Also habe ich die Fotos gelassen.
    Irgendwo zwischendrin gibt es eine kleine Pause. Die Wahl fällt auf Kaffee mit einer Butterbreze. Ich beiß rein und denke mir: Christian, sehr gute Wahl.
    Durch ganz Mittelfranken hat es geduscht. Ab durch das Tor nach Unterfranken und der Regen hat auf einmal nachgelassen.
    Wie ich so um die Kurve komme, sehe ich in Stammheim ein Flugzeug auf einem Gelände stehen. Aus dem Topcase kommt ein Genörgel, da will sich jemand die Füße vertreten, und ich fahr auf den Parkplatz rechts ran.
    Das Areal gehört zum größten Privatmuseum Deutschlands für Militär- und Zeitgeschichte. Ich bin hier mal rumgelaufen und habe geschaut, was man so sehen kann, ohne Eintritt zu zahlen. Ich mache einen auf schwäbischen Museumsbesuch – koschd nix.
    Ich wollte ja weiter zum Zeltplatz und mich nicht aufhalten, wenn es schon mal aufgehört hat zu regnen. Es war nämlich zwischenzeitlich Wedeln auf der Landstraße angesagt.
    Ich fahr auf eine Mainfähre zu und Elise wird ganz fickerig ... Fähre fahren 😍
    Ja, Erinnerungen kommen hoch an 2024, als ich viele Fährfahrten die norwegische Küste runter gemacht hatte. Hier musste ich 2 € zahlen und es ging die 50 Meter zum gegenüberliegenden Ufer.
    Ich hab Durst und Elise auch. Es gibt einen Tankstopp. Für mich einen Schluck Wasser und für Elise feines Supa.
    Auf den letzten Metern zum Campingplatz in Wildflecken bekomme ich wieder einen Regenschauer ab.
    Einchecken, Zelt aufbauen, eine Flasche Bier für später zum Abendessen besorgen und die nassen Sachen im Aufenthaltsraum des Campingplatzes trocknen.
    Ich mache mir eine Reispfanne, die gute von Uncle Ben's, und freu mich auf den Schluck Bier und meine Luftmatratze.
    Leider soll es heute Nacht bewölkt bleiben, denn hier in der Rhön soll man richtig gut Sterne gucken können.
    Meine Campingplatznachbarin kommt zu mir rüber, weil sie sehen will, was ich alles dabei habe. Ihr Mann ist mit seinen Spezln auf Motorradtour in Südfrankreich und sie mit dem Wohni in die Rhön.
    Sie heißt Sabine, ist Vegetarierin, hat fünf Kinder, etliche Enkelkinder, ein Reihenhaus und ihr wurde ein Wohnmobil vor der Haustür in Bremen geklaut. Ach, ich weiß noch viel mehr über sie. Eine Psychologin ... und wir fachsimpeln ein wenig.
    Es ist 20:00 Uhr. Ich mach noch ein wenig Bürokram, trinke mein Bier aus und freu mich auf die Luftmatratze.
    Heute waren es sehr feuchte 347 km ... aber schee war's.
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  • T - 1

    June 11 in Germany ⋅ ☁️ 15 °C

    Es ist so viel Wichtiges und Unwichtiges passiert in den letzten Tagen, aber jetzt wird es ernst. T-1 ... also ein Tag vor dem Abflug.
    Ich muss kurz mein Team vorstellen: die blaue Elise, mein Stofftiger Tigger alias Matschbirne und – er lümmelt gerade darauf – unser Neuzugang: Hildegard, das Schaffell.
    Ach, und mich ... ja, mich kennt ihr eh.
    Diese glorreichen Vier machen sich auf den Weg. Ich bin gespannt, welche Geschichten auf sie warten. Und wenn nicht viel oder mal gar nichts passiert, finde ich sicherlich ein paar Worte für euch, die ich mit ein paar Bildern in den Blog packen kann. Und falls es ganz langweilig wird, hier der Link zu meiner Nordkap-Tour 2024:
    https://findpenguins.com/6banxh8gbebow/trip/665…

    Die Koffer und die Gepäckrolle sind gepackt – wahrscheinlich mit lauter unwichtigen Sachen, und irgendetwas Wichtiges habe ich natürlich vergessen. Lockenwickler zum Beispiel oder eine 12-Volt-Mikrowelle.
    Apropos Lockenwickler … heute muss ich auf jeden Fall noch einmal die Haare schneiden. Ich will ja nicht so zottelig rumlaufen wie Hildegard. Der akkubetriebene Langhaarschneider mit dem 10-mm-Aufsatz ist gerade noch beim Aufladen. Das Wort „Langhaarschneider“ bei 10 mm kommt echt gut.

    Ich fahre Elise vom Gartenhäusl in die Garage. Dort wird sie beladen, und sie steht dann die Nacht über im Trockenen, bis es morgen losgeht. Das Navi ist mit dem ersten Campingplatz gefüttert. Mal sehen, wie nass es morgen wird und ob wir Schwimmflossen brauchen.

    22:22 Uhr. Ich liege im Bett und fiebere dem morgigen Tag entgegen. Endlich wieder auf große Fahrt. Morgen geht's los.

    Noch ein Hinweis in eigener Sache:
    Den Blog habe ich, um mein Hasenhirn dabei zu unterstützen, sich daran zu erinnern, was denn so alles passiert ist. Ich versuche, ihn aktuell zu halten. Vielleicht hinke ich mal ein oder zwei Tage hinterher.
    Komma, Punkt und Strich behalte ich gerne mal für mich. Auch kann das eine oder andere Wort falsch geschrieben sein, da mein Lektor, der Germanistik studiert hat, gerade selbst im Urlaub ist.
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  • Erste Gedanken …..

    June 10 in Germany ⋅ 🌧 14 °C

    Der Dezember 2025 im Raum Haimhausen war überdurchschnittlich mild und extrem trocken. Der erste Wintermonat brachte kaum Schnee; weiße Weihnachten blieben weitgehend aus, da erst kurz vor Silvester etwas Niederschlag fiel. Die Temperaturen lagen durchgehend über dem langjährigen Mittel. Ich konnte bis zum 19. Dezember mit Elise noch Runden durchs Dachauer Hinterland drehen.
    Außer Runden drehen – was macht man bei so einem Wetter sonst noch?
    Rasen mähen oder Gartenarbeit? … Näääh.
    Steuererklärung? … Bloß nich.
    Christkindlmarkt besuchen, Bratwurst und Glühwein testen? … Yo, nice.
    Fotobuch von meinem Nordkap-Trip angucken und YouTube nach neuen Motorrad-Reiseberichten durchforsten? … Noch nicer.
    Inspiriert von dem, was ich so gesehen habe, komme ich beim Surfen durchs Netz rein zufällig auf die Internetseite von Fjord Line und finde dort zufällig den Niedrigpreiskalender für Fährverbindungen nach Norwegen. Zufällig entdecke ich eine sehr günstige Verbindung von Hirtshals nach Stavanger. Und rein zufällig buche ich am 3. Januar ein Fährticket.
    Es soll also ganz zufällig am 17. Juni über die Nordsee nach Norwegen gehen.
    Elke ist noch nicht eingeweiht. Das mache ich die Woche darauf, wenn ich mit ihr für eine Woche an die holländische Nordsee fahre. Nach einem Strandspaziergang am Nachmittag mit anschließendem Stopp in einem Strandcafé erzähle ich ihr von dem tollen Abendessen, das ich geplant habe. Dann ist sie sicherlich gut gelaunt … und kann die News besser verkraften.
    Mei, bin i a Fuchs. Für mein Geschick und meinen Einfallsreichtum muss ich mich schon ein bisschen selbst loben.

    Februar
    Ich plane mal so ins Blaue hinein, was ich mir eigentlich anschauen will. Schnell wird klar: Es soll Fjordnorwegen werden. Am Nordkap war ich ja schon 2024.
    Dabei stoße ich auf eine nette Internetseite, die die Norwegischen Landschaftsrouten beschreibt:
    https://www.nasjonaleturistveger.no/de/routen
    Mit den jeweiligen Routennamen füttere ich meinen Freund ChatGPT und lasse mir eine grobe Route inklusive Campingplatzvorschlägen planen. Ui, das geht aber ruckzuck. Ehe ich „Weißbier“ sagen kann, habe ich ohne viel Suchen, Blättern und Grübeln alles zusammengeschrieben bekommen.
    Das war erst mal die Basis für meine weitere Feinplanung.

    März
    Auf einmal schaut es mit meinem rechten Auge und dessen Netzhaut gar nicht gut aus. Unser bayerischer Himmel ist nicht mehr weiß-blau, sondern es ziehen dicke Wolken auf.
    Nachdem sich die Netzhaut nach zwei Jahren Beobachtung plötzlich massiv verschlechtert hat, legt mir meine Augenärztin nahe, mich operieren zu lassen.
    Ich verschone euch jetzt mal mit den Details, wie man während einer OP mit einem Schuhlöffel das Auge wieder dorthin bekommt, wo es hingehört.
    Das Informationsgespräch in der Klinik war zumindest für den geplanten Urlaub wenig aufbauend. Ich könne mich auf zwei bis vier Monate einstellen, bis wieder alles funktioniert. Wann man wieder Auto fahren darf, weiß man nicht. Nach Motorradfahren habe ich da gar nicht erst fragen wollen.
    OP-Termin: 9. April.
    Von da sind keine zwei Monate mehr hin, bis ich losfahren will, denke ich mir und beginne, all meine Gedanken geistig zu zerknüllen und in den Papierkorb zu verschieben.

    Mai
    Alles gut überstanden. Ich sehe wieder scharf. Die Heilung läuft supa. Ich bin ein Musterpatient.
    Also gehe ich zu meinem Papierkorb und hole die virtuell zerknüllten Zettel wieder heraus. Alles zurück auf Los.
    Elise wird fein gemacht: Reifen, Öl, Filter, Bremsbeläge, Kette, Dichtungen und alles, was man sonst noch so braucht, um eine Dame aufzuhübschen.

    Juni
    Jetzt macht aber meine Mutter Probleme – Krankenhausaufenthalt, Kurzzeitpflege und massive kognitive Einschränkungen.
    Vier Tage vor Abflug habe ich den Pflegedienst angeheuert, und Elke hat sich bereit erklärt, einen Teil meines Parts zu übernehmen, solange ich unterwegs bin. Aber nur mir zuliebe, sagt sie.
    Ich denke mir: Dieses Jahr muss ich wohl noch ein zweites Mal an die holländische Nordsee fahren.
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    Trip start
    May 28, 2026