• Tag 21 Seetag

    July 2 in Denmark 🌬 16 °C

    Ich kenne es ja mittlerweile: Gestern noch schöner Sonnenschein, und der norwegische Wetterbericht yr.no hat für heute Morgen Regen ab 7:00 Uhr angesagt. WetterOnline.de ist eher für Langschläfer und sagt den Regen erst ab 8:00 Uhr voraus.
    Ich, live vor Ort, kann berichten, dass es um 5:45 Uhr anfängt zu tröpfeln.

    Mittlerweile brauche ich, wenn es schnell gehen soll, keine 20 Minuten mehr zum Einpacken. Gut, ich habe gestern Abend in weiser Voraussicht auch nicht den ganz großen Saustall im Vorzelt produziert.

    Kurz nach sechs tuckere ich ganz leise über den Campingplatz zum Waschhaus. Dort gibt es auch eine Küche und einen Aufenthaltsraum. Zähne putzen, Haare schön machen und beim Doo-Doo das Toilettenpapier kontrollieren. Ist schließlich ein 26-€-Campingplatz – mit ganz weichem Toilettenpapier, Zewas und einem Handtrockner mit schwenkbarer Düse zum Haareföhnen. Alles für 26 €. Bin begeistert.

    Ich habe meine Jacke und meinen Helm unter ein Vordach gelegt und währenddessen in der Küche herumgewurschtelt. Leider habe ich übersehen, dass das Vordach nicht besonders solide gebaut war, sondern doch richtig viel Regen durchgelassen hat … genau auf meine Jacke.

    Supa, denke ich mir. Die Jacke hat ja schließlich eine Membran gegen Regen. Nur lag sie mit dem Futter nach außen da. Gut, dass es nicht so kalt ist. Dann gibt's halt wieder eine Sauna im Strampelanzug.

    Abflug. Nach sieben Kilometern wartet die Circle-K-Tankstelle mit einem exzellenten Frühstücksbuffet auf mich, und Elise bekommt auch bleifrei – all you can tank.

    Mittlerweile hat der Regen nachgelassen. Die Enten können wieder auf dem Boden laufen und müssen nicht mehr durch die mittlerweile knietiefen Pfützen schwimmen.

    Ich mache mich auf den Weg nach Kristiansand und nehme den direkten Weg über Lyngdal. Am Fährterminal tanke ich noch einmal billig für 1,63 € pro Liter, weil seit dem 1. Juli ja der Tankrabatt entfällt. Aber wir brauchen unser Geld in Deutschland ja für die anderen Länder. Themawechsel.

    Noch schnell einkaufen für heute Abend. Ich brauche in Dänemark schließlich auch etwas zu essen. Ein kleines Entrecôte, Zwiebeln, Knoblauch, Feta mit Tomaten in Öl, Karotten-Krautsalat und ein kleines Øl. Ich habe mir sogar ein Fatøl gegönnt – mit 4,7 Volt.

    Um 13:00 Uhr soll der Check-in am Fährterminal losgehen. Ich bin als braver Deutscher natürlich schon um 12:05 Uhr vor Ort und lege mein Handtuch in Reihe 11 aus.

    Vor mir steht ein Pärchen aus den Niederlanden: Er auf einer Boxer-GS, sie auf einer Honda NC750. Ich schlage ein Gespräch vor, aber er will nicht. Na ja, GS halt.

    Ein paar Autos hinter mir steht ein Mädel aus Lübeck auf einer Honda CBR650R mit OG am Kennzeichen. Sie ist gesprächiger, und wir kommen ins Quatschen. Beim Einsortieren fahren wir dann auch gemeinsam in den Schiffsbauch.

    Wir suchen uns Komfortsessel in einer Vierergruppe und nehmen noch ein dänisches Ehepaar ohne Motorrad in unsere Runde auf. Ole spricht perfektes Deutsch. Wir quatschen fast die ganzen drei Stunden miteinander. Seine Frau versteht Deutsch, spricht es aber nicht. Dafür kann sie hervorragend nicken, wenn man etwas sagt.

    Jeder von uns gibt ein bisschen aus seinem Leben preis und, wie ich ja schon gesagt habe, die Zeit verfliegt einfach.

    Kaum drei Stunden später wird wieder das Autodeck geöffnet und die Motorräder entfesselt. Wir waren zwölf Motorräder in unserer Ecke, und dann ging es mit viel Brumm-Brumm von der Fähre.

    Nur ganz so easy war das nicht. Schon beim Check-in wurde uns gesagt, dass in Hirtshals Sturm herrscht und mit zwei Metern Seegang zu rechnen ist. Das heißt, die Rampe zum Verlassen des Schiffes ging ganz schön hin und her.

    Ich hatte das Navi schon vorher mit der Adresse vom Campingplatz gefüttert. Es waren keine zwei Kilometer bis dorthin.

    Wegen des angekündigten Sturms mit 80–100 km/h habe ich mich entschlossen, statt des Zelts auf eine Hütte umzubuchen. Christian ich muss doch loben, das war im Nachhinein eine richtig gute Idee.

    Angekommen, erst mal duschen. Ich habe irgendwie nach nassem Hund gerochen. Danach Essen machen und die Heizung aufdrehen.

    Das Navi sagt für heute 200 Kilometer. Wobei ich vielleicht 60 Kilometer auf eigener Achse gefahren bin und den Rest geschwommen
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