Von Lazise bis Bormio
October 4 in Italy
☀️ 16 °C
Ich habe wieder supa geschlafen, zumindest bis zu dem Knall irgendwann so um 6:30 Uhr rum. Da war eine Explosion. Dachte schon an … Ausweitung von den diversen Auseinandersetzungen im östlichen europäischen Raum.
Es ist eh Aufstehen angesagt und ich muss das Toilettenpapier kontrollieren und inspizieren. Aus dem Augenwinkel sehe ich am See etwas. Nochmal zurück und mein Spekuliereisen aufgesetzt.
Hui, also entweder grillt da jemand ein sehr saftiges, fettiges Steak oder es ist ein anständiges Feuerchen.
Später, wie ich mit Elke chatte, schreibt sie mir, dass unweit von meinem Campingplatz ein Feuer ausgebrochen ist, Gasflaschen in die Luft geflogen sind und der Campingplatz Bella Italia wohl übelst mitgespielt wurde. Vielleicht sind zwei oder drei Dutzend Campinghäuschen und Urlauberautos abgebrannt.
Ey, nicht lustig.
Dank dem Einsatz von vier Feuerwehrmännern aus Hessen, die im Urlaub waren und auf dem Platz gleich die ersten Löschmaßnahmen eingeleitet haben, bevor die italienische Feuerwehr eintraf, konnte Schlimmeres verhindert werden.
Na schau an, wer Urlaub macht, der kann was erzählen.
Vom Waschhaus zurück, fange ich das Packen an. Klar ist wieder, dass der Schlawuzi auf einmal weg ist und nicht hilft. Ich sehe nur noch die orangen Beine von Tigger aus dem Topcase rausgucken.
Ich unterhalte mich noch zwischendurch mit der Heidi aus Cuxhaven und hoffe ein wenig, dass sie mir einen Kaffee anbietet. Man hört die Kaffeemaschine in ihrem rollenden Einfamilienhaus vor sich hin röcheln und riechen tut man ihn auch schon.
Ein Wohnmobil für eine Viertelmillion haben und zu geizig sein, einem armen, alten Motorrad fahrenden Camper vom Pannenstreifen der nur am Boden lebt einen Kaffee anzubieten.
Na gut, dann packe ich ohne Kaffee weiter. Bin eh gleich fertig und mache dann den Abflug.
Ein Blick noch zum Feuer, man sieht nix mehr. Kein Rauch. Ich beschließe, dann kann ich untenrum um den See fahren.
Einmal den Auscheckvorgang an der Rezeption gemacht und ab geht es zum nächsten Supermarkt. Ich brauche noch was für heute Abend.
Am Gardasee haben die Supermärkte am Sonntag offen, in Südtirol nicht mehr.
Ein kleines Steak der Halbpfundklasse gehört mir, dazu ein Karotten-Kraut-Salat. Der hält sich am Motorrad ohne Kühlung am besten.
Zwei Paganinis und ich darf es fast nicht laut sagen … eine maximal pigmentierte, zucker- und koffeinhaltige Brause. Das Wort Cola-Cola darf ich wegen Elke nicht verwenden, sie schimpft sonst gleich wegen dem ungesunden Zeugs.
Wegen der zwei Semmeln in der braunen Papiertüte werde ich an der Kasse nicht drangenommen. Ich muss zurück zum Wiegen.
Semmeln, oder wie man in Italien sagt: Paganinis, werden hier abgewogen.
Ich verstaue das meiste in meinem Gepäcknetz und ab geht die wilde Luzzy.
Rum um den See, an Peschiera vorbei, an Desenzano vorbei, auch an Salò vorbei, geht es Richtung Lago d’Idro.
Ja, schon bissi kurvig.
Das einzig Doofe ist die durchgezogene Mittellinie, die einen am Weiterkommen hindert, und die kleinen Hustenguttl auf der Straße, die vor einem herschlurfen.
Also mich stört die durchgezogene Linie, die italienischen Motorradfahrer nicht. Aber ich bin ja korrekt. Manche würden sagen feige. Ich respektiere das Überholverbot.
Deutsche zahlen wahrscheinlich die doppelte Strafe.
Ich komme weiter in die Berge, die Temperatur sinkt a weng. Nachdem ich schon die Griffheizung angemacht habe, überlege ich, die Handschuhe zu wechseln. Ich habe die leichten Sommerschuhe an, die sich jetzt bei 12 Grad grad nicht so gut anfühlen.
An einer alten Werkstatt halte ich an. Die Arbeitsgeräte stehen außerhalb halb auf dem Gehweg. Der Moasta fragt mich, ob es mir kalt ist.
Ich sage: „N-n-n-no.“
Und hoffe, dass er mir einen Kaffee anbietet.
Pech gehabt.
Ich komme aber bei Al Brufione Bottega e Bistrot vorbei und werfe den Anker. Ich bestelle eine Latte Macchiato und ein Brioche im feinsten Italienisch.
Habe ich schon erzählt, dass ich nach meinem Frankreich-Urlaub und diesem in Italien als Simultandolmetscher meine neue Karriere starten möchte …?
Nein?
Okay, habe aber inzwischen beschlossen, es wieder sein zu lassen.
Was anderes: Musste noch Toilettenpapier inspizieren und was sehe ich da in der Bottega? Meine erste Stehtoilette.
Bevor es losgeht, kommt eine Durchsage:
„Bitte alles in den Taschen verstauen.“
Nix verloren, aufsitzen, losreiten.
Wir wedeln so vor uns hin und kommen über den Goletto di Gaver. Unter Ausnutzung der gesamten Reifenlauffläche geht es über den Passo di Crocedomini.
Wahnsinn, so kleine, schmale Straßen. Ich würde mit meinem Wohnwagen hier einen Herzinfarkt bekommen bei der Straßenbreite und, wenn mir auch noch ein Auto entgegenkommt, tausend Tode sterben.
Wir wedeln die Serpentinen nach Breno runter. Klasse zu fahren.
An einem Bahnübergang komme ich hinter einer Boxer-GS zum Stehen. Fahrer und Beifahrerin mit feinster Dainese-Ausstattung. Ich glaube, es waren noch die Preisschilder sichtbar. Die Alu-Expeditionskoffer glänzen im Sonnenlicht.
Schranke geht hoch.
Er zieht ab und meint, er könnte seiner Lady am Sozius zeigen, was die Gummikuh draufhat. Nur wird er Elise nicht los und schließlich fahre ich auf einer Geraden bergauf mit winkendem rechten Fuß an ihm vorbei.
Hatte er wohl den falschen Gang drin. Ich führe das Fahrerfeld jetzt an.
Irgendwann sehe ich ihn im Rückspiegel blinken und rechts ranfahren. Ich glaube, die Sozia hat ihm mit einem Taschentuch die Tränen weggewischt.
Irgendwo habe ich im Internet gelesen, dass ein Italiener jetzt seine Boxer-GS verkauft und eine gut überlaufene F 650 GS mit einem Paralleltwin, 800 ccm Motor, als Nachfolgemotorrad sucht. 🤭
Weiter hinten im Tal kommen wir an Kühen vorbei. Ich halte kurz an.
Tigger kann das Frotzeln wieder nicht lassen und mault aus dem Topcase:
„Den Spezl von euch hauen wir heut Abend in die Pfanne. Nä-nä-nänä.“
Immer das Gleiche, und ich darf das dann wieder mit Vollgas-Abhauen ausbaden.
Nach Bormio, ein Schild.
Ui, da geht es zum Stilfser Joch hoch.
Passo Gavia war ich das letzte Mal, der ist heuer nicht dran. Aber ich will zum Stilfser Joch. Oben auf der Passhöhe habe ich noch eine Rechnung offen mit einem Kioskbesitzer: Ein T-Shirt kaufen.
Gerade ist die italienische Mutti fertig geworden mit frischer Pasta machen, hängt sie ihre Wäsche auf.
Ich sehe an einer Häuserwand einen italienischen Wäschetrockner.Read more

























TravelerSo so heimlich Cola trinken ;-)