Vom Stilfser Joch nach Prad
October 4 in Italy
⛅ 20 °C
Ich brettere den Passo Stelvio von der Bormio-Seite aus hoch. Langgezogene Kurven, nur ein paar Kehren. Fantastische zu fahren.
Einem sportlich fahrenden Goldwing-Fahrer wird es zu viel, dass ich ihm im Genick sitze, und er winkt mich vorbei. Er wird sich denken, sind immer die gleichen die so nah auffahren, BMW Fahrer halt. Einen Gang runter schalten und dank der kürzeren Übersetzung ist er glei geschnupft. Da helfen ihm seine 125 PS auch nix. Ich sehe seine Scheinwerfer im Spiegel immer kleiner werden.
Doch da ist eine Ampel, die in einem Tunnel die Einbahnregelung steuert. Es ist rot und nach einer Weile werden die Goldwing-Scheinwerfer wieder größer und größer im Rückspiegel. Gerade rechtzeitig kann er seine Fuhre mit knapp 400 Kilo Leergewicht hinter mir zum stehen bringen. Immer diese Goldwing Fahrer die so dicht auffahren denke ich mir. Es steht 1 : 1 .
Es wird grün …
Keine Chance für das Schiff, weiter aufzuschließen.
Oben am Pass ist ein Getümmel. Vom Radlfahrer über das Mofa bis zum Dickschiff, alles vertreten.
Ach, da kommt auch die Goldwing.
Es gibt eine Schnitzelsemmel zur Stärkung. Auf 2.758 Meter macht die Höhenluft hungrig.
Elise mag nicht abbeißen, auch recht. Weiß nicht, vielleicht will sie abnehmen oder sie macht gerade Trennkostdiät. Nur einmal am Tag tanken, oder so.
Ich erledige mein T-Shirt Kauf. Letztes Jahr hatte ich ein spezielles Motorradfahrer Motiv hier oben gesehen, aber das gibt es nicht mehr. Der nörgelnde Bub bekommt sein T-Shirt, mit einem noch viel schöneren Aufdruck und ist jetzt zufrieden. Mission accomplished.
Von hier oben aus geht es die Nordrampe, die 48 Kehren runter nach Prad. Nord- und Südrampe sehen meistens unterschiedlich aus. Die Südrampen sind immer geschwungener, war in Frankreich auch so.
Wer die längste Kurve gefahren ist, von Genf zur Côte d’Azur, für den ist das hier ein Klacks. Quasi eine viertel Arschbacke, wenn überhaupt. Da sind es nämlich 12.000 Kurven auf etwa 700 Kilometern.
Und ratet mal, wer die Strecke dieses Jahr schon gefahren ist?
Na? Na?
Der erste Campingplatz in einem Kiefernhain will uns nicht. Du kommst hier nicht rein. Der zweite Platz in Prad ist ein 4-Sterne-Campingplatz und nimmt uns für eine Spende von 34 € auf. Quasi ein Südtiroler Schnäppchen.
Ich bau auf der Zeltwiese auf, die eine Mischung aus Wertstoffhof und unbeleuchteter Schmuddelecke ist. Kennt ihr die Ecken, wo jemand steht und fragt : „Wolle was kaufen ?“ Und dabei macht er seinen Mantel auf.
Danach springe ich ins geheizte Hallenbad und wasche mir den Staub von meinem Laziser Pannenstreifen runter.
Ich ziehe meinen leichten Bieranzug an und gehe Richtung Festl.
Zu Ehren meiner Anwesenheit in Prad gab es heute ein Fest – das Brauchtum- und Genussfest.
Ich schlendere durch die Innenstadt und schau mir die Standl an. Handwerk, Basteleien, Brauchtum, Lebensmittel … alles ist vertreten.
Und lasse mir von einer hübschen, dunkelhaarigen Südtiroler Sennerin einen selbstgemachten Käse andrehen und höre den beiden Blaskapellen abwechselnd zu.
Dazu trinke ich ein kleines 0,3-l-Forst-Bier.
Auf einmal bin ich wieder im Flow. Was so 0,3 l Alkohol bei mir bewirken.
Ich kann mir gar nicht vorstellen, vier Maß auf der Wiesn zu trinken und dann die Bedienung abzubaggern.
Ich höre irgendwie eine Durchsage in meinem Hirn : Der kleine Hunger möchte gerne gestillt werden.
Na dann, ab zum Campingplatz.
Es hat sich ein zweiter Motorradfahrer aus Friedrichshafen auf den Campingplatz verirrt. Und hat sein Zelt, Kuschel, Kuschel, direkt an mein Fußende aufgebaut.
Na, geht’s noch?
Der Kollege hat mich gleich zugetextet und ich dachte nur an den Bregenzer in Briançon in Frankreich, der auch nicht mehr das Reden aufgehört hat.
Ich ziehe mich gekonnt zu meiner Bratpfanne zurück und habe wieder ein äußerst schmackhaftes, leckeres Abendessen gezaubert.
Gruß an die Küche.
Es gab ein ganz feines, saftiges Entrecôte der oberen Halbpfundklasse, karamellisierte rote Zwiebeln und einen Karotten-Kraut-Salat.
Dazu ein feines dunkles Bier … der Flow soll ja noch ein wenig hochgehalten werden.
Abspülen, aufräumen, dem restlichen Bier ein Zuhause geben und a bissi Blog schreiben.
Huch, was höre ich … ? Die Luftmatratze … :
„Christian, Christian, komm zu mir.“
Supatolle und zwischendurch aba schon sehr extrem kurvige 264 Kilometer. Schee war‘s.Read more



























