Angst: Flüchten oder Standhalten?
January 11 in Norway ⋅ 🌙 -4 °C
Ich werde immer mal gefragt, ob ich keine Angst hätte, so auf meinem Solo-Trip. Wofür, frage ich dann meist zurück, denn es gibt gerade hier im Norden wenig, was mir einfallen könnte. In einem Land, wo selbst in der Großstadt die Haustüren meist nicht abgeschlossen werden, was soll mir da schon passieren?
In Narvik ist es mir passiert, das ich mich bei der Suche nach einem AirBnB in der Adresse vertan habe, und dann plötzlich bei fremden Menschen im Wohnzimmer stand, bevor ich es gemerkt habe...
So muss ich mich auch immer zusammenreißen um mein Auto abzuschließen, wenn ich mal in einer Stadt parke und wenn ich zu Hause bin kann sowieso jeder meine Tür aufmachen und mich besuchen.
Meine Ängste liegen eher in mir.
Die Angst zu fallen und mir wieder einen Wirbel zu brechen, ist wohl die größte von allen. Deshalb bin ich v.a. bei Glätte sehr vorsichtig unterwegs und verzichte lieber mal auf eine schönere Fotoperspektive, als ein Risiko einzugehen. Durch die Neuropathie in meinen Füßen ist mein Stand sowieso schon unsicher, und das ich mit dem kaputten Knie nicht genug Kraft aufbringen kann macht zb die Bewältigung einer Böschung auch nicht einfacher... Einige der wenigen Momente, wo ich eine Reisebegleitung vermisse, denn was für mich häufig unüberwindlich erscheint, ist häufig mit einer unterstützenden Hand leicht zu meistern.
Dann gibt es noch eine neue Sorge. Ich habe einen wehen Zahn, der seit Wochen immer mal Probleme bereitet. Nun wäre es normal kein Problem, damit zum Zahnarzt zu gehen und das Loch stopfen zu lassen. Aber meine Zähne sind super empfindlich, und wenn einer schmerzt, dann tun alle anderen aus Solidarität mit weh. Dann habe ich ein Schmerzkonzert in der rechten Backe, und keine Chance heraus zu kriegen, welcher Zahn es denn eigentlich ist. Und da im hinteren Bereich alle Überkront sind, lässt es sich auch nicht per Röntgenbild ermitteln. Das ist schon so weit gegangen, das am Ende die Wurzel völlig vereitert war, und der Zahn gezogen werden musste, bevor ich überhaupt mitbekommen habe, welcher es ist.
Gerade wenn ich größere Touren vorhabe, wie der Trip nach Skjervoy und Alta empfinde ich das als Belastung. Denn da hatte ich 2 Tage bevor ich los bin eine richtig schlimme Attacke, die mich die 1/2 Nacht gekostet hat. Da schwelt immer ein bisschen Angst im Hintergrund, das es wieder kommt, und dann nicht mehr aufhört... Bei diesem Trip hatte ich Glück, aber im Februar kam es zurück und quält mich jeden Tag ein bisschen.
Und an diesem Tag hatte ich eigentlich eine RIBBTour gebucht zu den Walen. Ich hatte Abends schon muffensausen, und morgens wurde es dann immer schlimmer, ich bekam zitternde Hände, und sogar Durchfall. Trotzdem wollte ich unbedingt noch mal die Wale sehen... Zum Hintergrund: Meinen 1. Wirbelbruch habe ich mir auf einer RIBBTour geholt. Wenn die Schnellboote mit Highspeed durch die Wellen pflügen tut das richtige Schläge, der Aufprall ist schlimmer als auf einem buckelnden Pferd. Und damals wußte ich noch nicht, das ich Osteoporose habe. Und so wichtig mir die Wale sind, die Gesundheit geht vor.
Und so habe ich letztendlich auf meinen Körper gehört, die Tour sausen lassen und bin gemütlich zu Silke gefahren.Read more




TravelerDiese Sorgen kann ich absolut nachvollziehen. Das wären auch meine. Eine einzige weitere Sorge, die ich habe, ist eine Panne zu haben oder festzustecken und das Problem selbst einfach nicht beheben zu können.
TravelerEine Panne ist zwar blöd, aber ich habe in den krassesten Situationen auf der ganzen Welt immer Hilfe bekommen, da mache ich mir weniger Sorgen...
TravelerIch weiß, dass immer irgendwer hilft und trotzdem bleibt diese Sorge. Da muss ich noch an mir arbeiten und mutiger werden.
Traveler🤗😅