Imsouane ⵉⵎⵙⵡⴰⵏ إمسوان
December 30, 2025 in Morocco ⋅ ☀️ 16 °C
Tag 9 – 30.12.
Kälte, Kurven, Kaskaden und kulinarische Fehlentscheidungen
Die Nacht in der Bergoase war ruhig. Der Morgen dagegen… nennen wir ihn „frisch“. Also nicht Alpen-frisch, sondern „Warum sehe ich meinen Atem im Frühstücksraum“-frisch. Das Haus wurde vom Besitzer selbst gebaut. Ein Mann mit beeindruckender Nebenjob-Dichte: Fossiliensammler, Fremdenführer, Olivenöl- und Nussmusproduzent, Universalgelehrter. Einzige Konstante in all seinen Projekten: keine Heizung. Konsequenter Typ. So sitzt morgens auch der Hausherr selbst mit Mütze, Schal und Mantel beim Frühstück. Wir passen uns an. Integration läuft.
Danach Bewegung. Wanderung zu einem Wasserfall mitten in den Bergen. Startpunkt: eine Straßenkurve, weil warum nicht. Dann durch Palmenhaine, entlang eines Wasserkanals, stetig und durchaus ehrgeizig bergauf. Nach etwa 45 Minuten taucht er auf: ein großer, also zumindest hoher Wasserfall. Sehr adrett platziert in der Landschaft, als hätte jemand gesagt: „Hier wäre jetzt ein Wasserfall sinnvoll.“
Zurück zum Auto. Dann beginnt die Fahrt Richtung Meer. Nach den Regenfällen der letzten Tage haben sich diverse Schlammlawinen über die Straße ergossen. In Marokko wird Schlamm offenbar nicht weggeräumt. Man wartet auf den nächsten Regen und hofft auf Selbstregulierung. Nachhaltig gedacht.
Die Küste empfängt uns kurvig und ausgesprochen fotogen. Nordwärts am Atlantik entlang, bis zur dringend nötigen Kaffee-Tee-Pause. Kleines Strandcafé, direkt daneben eine Hündin, die offenbar erst gestern oder heute sieben Welpen in einem Erdloch zur Welt gebracht hat. Winzig und unfassbar knuffig. Emotionaler Höhepunkt des Tages, völlig konkurrenzlos.
Abends dann Ankunft im Surferparadies Imsouane. Gelbes Nachmittagslicht, hunderte Surfer im Wasser, alle gleichzeitig glücklich und nass. An jeder Ecke eine Garküche: Tajine, Pizza, Tacos. Internationale Verständigung über Kohlenhydrate.
Unser Abendessen brauchte knapp eine Stunde. Das Ergebnis: durchwachsen.
– Pizza: bitte nicht noch einmal.
– Kerstins Brochettes mit Krabben: hervorragend, aber preislich ambitioniert.
– Mein Berbergericht: solide, emotionsarm, niemand wurde verletzt.
Die Unterkunft liegt oberhalb des Ortes, Panoramablick auf den Atlantik. Klassisches marokkanisches Prinzip: keine Heizung, dafür Aussicht. Man kann eben nicht alles haben. Aber das Meer sieht im Dunkeln trotzdem großartig aus, selbst wenn man dabei in der Daunenjacke sitzt.Read more























