• Perlenhauptstadt Broome

    Sep 23–25 in Australia ⋅ ☀️ 29 °C

    Wenn die Straße endlich ein Ende hat. Staubige Outback-Pisten und türkisblaues Meer hatten wir am Eighty Mile Beach ja schon im Überfluss – aber dieser Weg hierher war noch einmal eine ganz eigene Nummer. Gefühlt stundenlang ging es über den schnurgeraden, endlosen Highway, wo das Auge am Horizont flimmert und man das Lenkrad eigentlich gar nicht mehr bewegen muss. Doch das Durchhalten hat sich gelohnt: Unser Wohnmobil hat Broome erreicht!
    Heute lassen wir es ganz entspannt angehen. Statt uns in die Karawane einzureihen und auf den Rücken der Kamele zu steigen, haben wir uns einfach gemütlich in den Sand am Cable Beach gesetzt. Zu sehen, wie die Kamele am Ufer entlangziehen, ist ziemlich surreal, gehören sie doch eigentlich überhaupt nicht nach Australien. Wir lernen, dass die britischen Kolonisten Kamele aus Indien und Afghanistan nach Australien gebracht haben. Sie dienten als Lasttiere für Expeditionen und später in der Goldgräber-Ära um Waren von den Goldfeldern zu transportieren.
    Als in den 1920er Jahren Autos und Lastwagen die Tiere ersetzten, wurden viele von ihnen einfach freigelassen. Daraus entwickelte sich die weltweit größte Population wilder Dromedare im australischen Outback.
    Ein findiger Geschäftsmann kam dann auf die Idee mit dieser Touristenattraktion.
    Na, ja, - immer mehr Leute sitzen einfach lieber am Strand als auf einem Kamelrücken. Gestern war jedenfalls niemand auf dem Rücken der Tiere.

    Heute zieht es uns dann für eine Erkundungstour in die Stadt.
    Wir laufen durch Chinatown, durch die kleinen gepflegten Parks und machen ein Tasting in der bekannten Brewery, direkt am türkisfarbenen Wasser gelegen. Diese Biere waren alle nicht nach unserem Geschmack. 🙃 Und teuer obendrein, wie fast alles in Australien.
    Vorrangiges Thema hier sind aber immer noch die Perlen.
    Broome, im unberührten Nordwesten Australiens, trägt völlig zurecht den Titel „Perlenhauptstadt der Welt“. In den 1880er Jahren erlebte das Küstenstädtchen einen gigantischen Boom. Grund dafür war die Pinctada maxima – die größte Perlenmuschel der Welt. Perlentaucher aus Japan, Malaysia, China und Timor strömten herbei und machten die Stadt zu einem multikulturellen Schmelztiegel. Damals ging es vor allem um das kostbare Perlmutt für Knöpfe und Verzierungen im Westen. Auch wenn Kunststoffe später den Markt veränderten, ist Broome heute weltbekannt für die Zucht von erstklassigen Südseeperlen.
    Die zwar sehenswerten asiatischen Friedhöfe, zeigen auf wie viele Opfer die Perlentaucherei gekostet hat.

    Gleich nebenan liegt der weltberühmte, 22 Kilometer lange Cable Beach. Der weiße Sandstrand verdankt seinen Namen einer technischen Sensation aus dem Jahr 1889. Damals wurde genau hier ein Untersee-Telegraphenkabel angelandet, das Australien über Java mit der restlichen Welt verband. Das Kabel beendete die tiefe Isolation des Kontinents. Heute erinnert nur noch der Name an diesen Meilenstein – und der Strand ist vor allem für seine magischen Sonnenuntergänge und Kamelkarawanen bekannt.
    Genug von Kultur und Hitze.

    Wir kommen zum kulinarischen Highlight des heutigen Abends.
    Auf dem großen Gas-Grill im Camp zaubert Dieter echtes Outback-Food. Es gibt Kängurufleisch, welches extrem mager ist. Deshalb muss mein Lieblingsmensch am Grill heute ganz besonders gut aufpassen. Ein paar Sekunden zu lang, und es wird trocken. Aber ich vertraue meinem Sternekoch voll und ganz: Scharf von beiden Seiten anbraten, in der Mitte schön saftig-rosa (medium-rare) lassen, kurz ruhen lassen – und dann genießen wir den perfekten Australien-Abend.
    Read more