Abreise & Fortsetzung
24. november 2025, Forenede Arabiske Emirater ⋅ ☀️ 28 °C
Lange habe ich mich nicht gemeldet und das hat auch einen Grund: Ich habe nun offiziell gekündigt. Noch einmal werde ich nicht aufs Schiff aufsteigen und gleich erzähle ich mehr dazu.
Vorab möchte ich noch von der Abreise erzählen. Am 24.11. war es so weit. Wir hatten alle unsere Flüge bekommen und wurden gruppenweise vom Hafen abgeholt und zum Flughafen gebracht. Während die anderen Abteilungen schon am 23. ihren letzten Tag hatten, musste das Housekeeping-Team auch am Abreisetag noch arbeiten. Das ist normal so, also waren wir darauf vorbereitet.
Mias Flug war schon früher, weshalb sie auch eher aufhören durfte zu arbeiten. Marlene, Laura und ich haben nach dem Mittagessen beschlossen, unseren Kolleg*innen Tschüss zu sagen, und so fuhren wir hoch auf Deck 14 und arbeiteten uns den Weg hinunter bis auf Deck 6. Das war ganz schön viel Laufen.
Nach der Arbeit haben wir eine leere Crewkabine zur Verfügung bekommen, um uns noch einmal frisch zu machen, dann ging es auch für uns zum Flughafen. Hier trennten sich viele Wege, nur Lina und ich flogen gemeinsam bis nach Bremen. Die Trennungen waren für mich natürlich etwas schwerer, da ich die Chaostruppe so nicht noch einmal wiedersehen werde. Ich wünsche ihnen aber weiterhin alles Gute für die nächsten vier Verträge und alles, was danach kommen mag.
Ich denke, man konnte schon ziemlich gut herauslesen, weshalb ich mit dem Gedanken der Kündigung gespielt habe. Zum einen natürlich, dass ich jetzt das Gefühl habe, sesshaft zu werden, und auch Heimweh empfunden habe. Zum anderen war es die Arbeit auf dem Schiff. Damit meine ich nicht die kleine Kabine, das Essen oder die physische Arbeit, sondern das Konzept, das dahintersteckt.
Ich durfte viele tolle Menschen kennenlernen mit den unterschiedlichsten Geschichten, und mit jedem Schicksal, das ich mitbekommen habe, wurde das Schiff für mich schwerer. Rassismus spielt eine große Rolle. Wir leben zwar mit über 50 Nationen auf dem Schiff und kommen untereinander ziemlich gut klar, geht es aber um Beförderungen oder Chancengleichheit, ist vieles nicht mehr fair.
Uns HGAs wurde von Anfang an von den Kolleg*innen frotzelnd gesagt: „In zwei Jahren kommt ihr mit Streifen zurück und dann seid ihr unsere Vorgesetzten.“ Und damit hatten sie nicht unrecht. Insgesamt habe ich drei Wochen in der Position als Supervisor im Housekeeping gearbeitet, könnte aber nach der Ausbildung sofort dort einsteigen. Andere Kolleg*innen arbeiten sich lange und hart hoch, lernen Deutsch und müssen ihre Familie zu Hause finanzieren. Dann kommen junge Menschen an, die sehr wenig Erfahrung haben, aber Deutsch als Muttersprache sprechen, und schon sind sie eingesetzt. Klar, wir haben dann eine Ausbildung, sollte man meinen, aber es gab auch schon Angebote für ungelernte junge deutsche Mitarbeitende, die sofort als Vorgesetzte hätten anfangen können, da gerade Personalmangel herrschte.
Das war eine Sache, die mich beschäftigt hat. Zum anderen hast du sehr wenig Flexibilität in deinem Vertrag. Es kann sein, dass du schon zehn Verträge hattest, in denen du jeweils acht Monate am Stück arbeitest. Jetzt ist es so, dass deine Frau zu Hause schwanger ist und du möchtest zur Geburt deines Kindes dort sein. Also fragt man an, ob man den Vertrag verkürzen kann oder schon vor dem Vertrag nach einem kürzeren fragt. Oft ist die Antwort nein.
Viele Kollegen verpassen Geburten, die ersten Lebensmonate und regelmäßig vergessen die Kinder, wer sie sind, und haben Angst vor ihren Eltern. Mütter geben ihre Kinder ab, um dann auf dem Schiff zu arbeiten.
Man kann es sehen, wie man möchte. Die Kolleg*innen aus Indonesien verdienen das Vierfache im Monat im Vergleich zu zu Hause, und sie machen es freiwillig. Wie freiwillig das nun wirklich ist, wenn sie darauf angewiesen sind und die Jobsituation und Wirtschaft im eigenen Land so schlecht sind, sei dahingestellt.
Regelmäßig brach mir das auf der Arbeit das Herz, und was noch mehr weh tat, war, dass ich ihnen nicht helfen konnte, sondern im Gegenteil Teil des Systems war.
Ich bin dankbar, die Freiheit zu haben, zurück nach Hause kommen zu können. Hier warten Arbeit, Familie, Freunde und bald sogar eine eigene Wohnung auf mich. Ich bin immer noch in Kontakt mit einigen Kolleg*innen und habe während meiner Zeit auf dem Schiff mit ihnen genau darüber gesprochen. Viele lächelten mich traurig an, sie waren froh, dass ich es verstanden habe, und konnten mich nachvollziehen. Einer sagte: So ist das Leben, es ist unfair. Und da hat er auch recht.
Die meisten aber haben meine Entscheidung verstanden und sich für mich gefreut, auch wenn es schön gewesen wäre, hätte man sich irgendwann noch einmal auf dem Schiff getroffen.
Eine durchwachsende Zeit, viele Erfahrungen, die ich mal wieder sammeln durfte. Das größte Abenteuer steht mir nun bevor: Alltag und Routine in der Heimat.Læs mere








RejsendeSetzt du deine Ausbildung an Land fort, sofern das geht oder machst du was ganz anderes?