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  • Day7

    Unser erstes Mal…

    March 10, 2020 in Ireland ⋅ ☁️ 7 °C

    Ein weiterer Tag im Nationalpark Killarneys stand uns bevor. Aus unzähligen Routen konnten wir wählen. Das Gap of Dunloe hatte es mir besonders angetan. Da wir die bisherigen Tage immer früh aufgestanden sind, schliefen Vanessa und ich vor der Planung der Wanderung erst einmal aus. Bis 8:30 Uhr. Beim Frühstück lernten wir unter anderem einen Deutschen kennen, der uns ein Glas Möhren und Erbsen und eine Packung Orangensaft anbot. Es entwickelte sich ein Gespräch und die Zeit verflog. Gegen Mittag brachen wir dann endlich auf. Laut Google Maps war der Weg bis zum Ort Dunloe eine Strecke, die man in 2 ½ Stunden zu Fuß zurücklegen konnte. Im eigentlichen Ort hatten wir uns dann wieder einen Wanderweg auf Komoot herausgesucht, der ca. eine Stunde gehen sollte. Insgesamt also 6 Stunden, vielleicht 7 mit Pausen und kleinen Umwegen. Eine angenehme Tagestour. Der Hinweg führte erst vorbei an einem kleinen Waldstück. Zwischen Vanessa und mir entwickelten sich mal wieder interessante Gespräche. Irgendwann gelangten wir an eine Straße, bei der es keinen Fußweg mehr gab. Ein Auto vor uns hatte angehalten und die Fensterscheibe heruntergekurbelt. Darin saß eine nette ältere Dame, die uns fragte, ob sie uns zum Gap of Dunloe mitnehmen soll. Vanessa überließ mir die Entscheidung. Übermutig sagte ich dankend nein. „Wir wollten ja schließlich wandern“. Die Straße schien kein Ende zu nehmen und die Gliedmaßen wurden immer schwerer. „Hunger“ schrien unsere Mägen. Aber eine Mittagspause auf der Straße war keine Option. 15 Minuten entfernt vom Ziel dann das Licht am Horizont: eine einzelne Bank. 16 Uhr kamen wir endlich an dem Ort im Nationalpark an, wo unsere eigentliche Wanderroute durch das Gap starten sollte. Wieder einmal eine wunderschöne Landschaft, bei der man die Gewalt der Natur vor Augen geführt bekommt. Schafe laufen neben einem frei herum und gelegentlich trifft man Autofahrer an, die die Strecke durchfahren. Nach einer Weile im Nationalpark schaute ich auf Google Maps nach, wie lange wir benötigen werden, um wieder zurück zu unserer Unterkunft zu finden. Es waren 3 Stunden zu Fuß, knapp 20 Kilometer. Laufen war für uns beide keine Option. Eine Bushaltestelle in der Nähe gab es nicht. Doch die Frau, die wir gegen Mittag angetroffen hatten, brachte uns auf eine Idee. Trampen! Das erste Auto, dass uns entgegen kam fuhr zwar nicht in unsere Richtung, aber wir streckten trotzdem mal den Daumen heraus. Ein Mann hielt an, seine Rückbank war voll mit Outdoor Ausrüstung und einem Schlafsack. Die Frage, ob er in die Nähe unseres Ortes fährt wurde natürlich verneint und er zog weiter. Wir beschlossen nur noch Autofahrer zu fragen, die auch in die Richtung fuhren in die wir mussten. Nach einer gefühlten Ewigkeit und mindestens 5 Autos, die es nicht lohnte zu fragen, tauchte ein Auto auf, das in unsere Richtung fuhr. Wir streckten die Hände, hielten die Däumchen heraus und das Auto stoppte. Als wir durch das heruntergelassene Fenster schauten, trauten wir unseren Augen kaum: Es war der Mann, der erst abgelehnt hatte uns mitzunehmen! Er hatte extra seine Rückbank für uns frei gemacht und schlug vor, dass er uns zumindest bis zur Hauptstraße mitnehmen könnte. Alles war uns recht. Hauptsache nicht laufen. Connor begrüßte uns herzlich. Wir stellten fest, dass er doch kein Ire war, wie wir vermutet hatten, sondern er ist ebenfalls ein deutscher Student auf Rundreise durch Irland. Schnell entwickelte sich ein angeregtes Gespräch und kurz vor der Hauptstraße schaute Connor auf das Navi und entschied sich doch dafür, uns bis nach Killarney zu bringen. Er berichtete von seinen ersten Tramperfahrungen und gemeinsam lachten wir herrlich. 27 Minuten brauchten wir insgesamt. Verglichen mit der Dauer, die wir zu Fuß gebraucht hatten, kam uns das unglaubwürdig und lächerlich vor. Doch froh waren wir, denn die Füße schmerzten und die Müdigkeit ließ nicht lange auf sich warten.

    Für uns beide war es das erste Mal Trampen und es wird nicht das letzte Mal gewesen sein. (Sorry Mama) An dieser Stelle: Vielen Dank Connor! Für deine Spontanität, deine Gutmütigkeit und die lustige Heimfahrt. Save trip! 😊
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