• Mayo / Yukon

    May 6 in Canada ⋅ ☁️ 9 °C

    Von Calgary sind es 2,5 Stunden Flugzeit bis Whitehorse im Yukon die ich hauptsächlich damit verbringe fasziniert aus dem Fenster zu schauen und die schneebedeckten Berge zu bestaunen.
    In Whitehorse angekommen, werde ich von Jens abgeholt auf dessen Hühnerfarm ich die nächsten 4 Wochen arbeiten werde und der mir in einer ersten Amtshandlung erstmal Gummistiefel kauft (ist ja schließlich muddy saison und ich werde schnell merken, dass es ohne nicht geht) und mich direkt im Anschluss in seinen Lieblingspub auf ein Willkommensbier einlädt.
    Sofort werde ich mit ins Geschäft eingebunden und bin direkt mit dabei als noch Eier an Kunden ausgeliefert und diverse Einkäufe getätigt werden. Zudem holen wir einen riesigen Anhänger mit Futter und Einstreu für die Hühner sowie einen Räucherofen ab, der demnächst eingeweiht werden soll. Dann geht es endlich auf die ca. 5 Stunden lange Fahrt nach Mayo, in Richtung der Grenze zu Alaska.
    Aufgrund einer längeren Pause wegen des überhitzten Motors und noch einigen kleineren Stopps weil das Panorama so wunderschön ist, erreichen wir die Farm erst nach 6 Stunden gegen Mitternacht. Ich werde überschwänglich von den 8 Hunden begrüßt und merke sehr schnell wie dumm die Idee war einen weißen Hoodie anzuziehen. Die erste Amtshandlung für den nächsten Tag steht also bereits fest: Wäsche waschen.
    Nachdem ich Nadja kennengelernt habe, die zusammen mit Jens die Farm betreibt, bringe ich nur noch mein Gepäck in meine Hütte, telefoniere schnell noch mit Sebastian in der Heimat der soeben aufgestanden ist und falle todmüde in mein Bett.
    Am folgenden Tag lerne ich dann recht schnell den Umfang der Farm und meine Aufgaben kennen und mir wird direkt mitgeteilt, dass ich mit allen Tätigkeiten bis zum Wochenende fit sein muss, da beide wegen Terminen unterwegs sind und ich somit für zwei Tage alleine für alles verantwortlich sein werde. Gar kein Problem.
    Hochmotiviert lerne ich im Eiltempo die Abläufe für alle 500 Hühner kennen. Zudem sind noch Gänse, Schweine, Kaninchen und die Hunde zu versorgen, was sich aber alles in einen sehr routinierten Tagesablauf packen lässt. Aufgrund der Größe der Farm und weil hier generell weit und breit niemand anderes wohnt und sich belästigt fühlen könnte, haben alle Tiere unbegrenzten Auslauf. Die Gefahr die eigentlich nur durch Luchs, Fuchs und Bär droht, wird konsequent von den Hunden fern gehalten, die als sogenannte Guardians Rasse dafür gezüchtet wurden loyal und wachsam zu sein und deren Stärke es ist mit einem großen Beschützerinstinkt und in der Gruppe „ihren“ Besitz zu verteidigen und dabei auch eigenständig Entscheidungen zu treffen.
    Ich habe sofort einen Draht zu allen Hunden. Richtig stolz macht mich, dass der Chef des Rudels nur einen halben Tag benötigt um sich von mir streicheln zu lassen und seitdem auch von sich aus auf mich zukommt und sich seine täglichen Zuwendungen bei mir abholt. Das war bisher wohl bei allen Volunteers vor mir nicht der Fall, die wurden von ihm konsequent ignoriert.
    So starte ich nun also jeden morgen damit die drei Hühnerstallungen zu säubern, die Futter- und Wasserstände aufzufüllen und die Eier einzusammeln. Alle Eier müssen im Anschluss gezählt, aussortiert und gereinigt werden, sodass diese auch per Hand in die Kartons gepackt werden können, damit die Auslieferung einmal pro Woche stattfinden kann.
    Im Gegensatz zu meinem Einsatz im Wildlife Rescue ist das hier richtig harte Arbeit und ich merke schnell dass mich das hier eher körperlich fordert. Aber ich bin schon nach zwei Tagen voll im Flow und habe mega Spaß an der Arbeit.
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