• Mayo / Yukon

    May 12 in Canada ⋅ ⛅ 10 °C

    Eine Woche bin ich nun auf der Northern Blue Bird Farm, es fühlt sich mittlerweile allerdings so an als ob ich noch nie etwas anderes getan habe. Ich bin voll integriert und hab meine festen Aufgaben und die alleinige Verantwortung für die Hunde, Hühner, Kaninchen, Gänse und Schweine. Das bedeutet ich starte 7.30 Uhr mit der ersten Runde. Die beinhaltet die Reinigung aller drei Hühnerställe, Auffüllen der Futterkrippen und Tränken und die erste Runde Eier einsammeln, zählen und aussortieren. Dazu werden noch Hunde, Kaninchen, Gänse und Schweine gefüttert.
    Im Anschluss hat sich unser gemeinsames Frühstück gegen 9 Uhr gut eingespielt, sodass wir ca eine Stunde zusammen sitzen und ausgiebige Gespräche über das Leben in Kanada führen und wir einfach über alles philosophieren was uns so einfällt. Gegen 10 Uhr mache ich meine zweite Runde und sammle nochmal in allen drei Ställen Eier ein, die im Anschluss gezählt und sortiert und direkt gewaschen und verpackt werden.
    Am Nachmittag geht´s dann ein zweites Mal auf die Fütterungsrunde. Dazwischen fahren wir entweder Eier im Ort aus, besorgen mit dem Truck neues Trinkwasser oder Feuerholz oder bauen ein neues Gehege für die 15 kleinen Ferkel die gestern bei uns ein gezogen sind.
    Bei einer dieser Fahrten durch diese fantastische Natur läuft uns ein Braunbär über den Weg der neugierig neben dem Auto herläuft und erst im Wald verschwindet als wir auf gleicher Höhe anhalten um ihm Hallo zu sagen.
    Ich habe mir zudem zur Aufgabe gemacht meine Zeit hier zu nutzen um alle fünf Hunde vernünftig zu bürsten und deren Fellknoten die durch das sehr dicke Winterfell entstanden sind zu lösen bzw. rauszuschneiden. Aktuell gehe ich noch sehr engagiert zur Sache, bin allerdings auch ein wenig glücklich, dass ich noch gut 3 Wochen habe um diese Mammutaufgabe zu meiner Zufriedenheit zu Ende zu bringen.
    Das Wochenende habe ich wie angekündigt alleine auf der Farm verbracht, was mir im ersten Moment doch etwas Respekt eingeflößt hat. Nicht weil ich Angst hatte die Aufgaben alleine nicht zu schaffen, sondern eher aus dem Grund, dass der Kopf irgendwann realisiert hat, dass ich kleines Stadtkind jetzt komplett alleine in der kanadischen Wildnis, fernab der Zivilisation ein Leben als Einsiedler führe.
    Recht schnell gewöhne ich mich aber an den Gedanken und fange einfach an mit den Hunden meine tägliche Kommunikation zu führen. Es dauert nicht lange und ich erreiche den Punkt an dem ich der festen Überzeugung bin, dass sie mir auch antworten.
    Bei den wöchentlichen Auslieferungen lerne ich viel über das Leben der indigenen Bevölkerung hier kennen. In Kanada wird diese Gruppe als First Nation bezeichnet, die sich selbst verwalten und denen das Land im Yukon offiziell gehört.
    Ich lerne zudem die Menschen im Ort Mayo kennen, allen voran die Feuerwehrleute die über den Sommer hier stationiert werden und bereits jetzt in Alarmbereitschaft sind wegen der Feuerwalzen regelmäßig jedes Jahr hier ausbrechen.
    Zudem beliefern wir auch die örtlichen Goldminen, das Rathaus, die Schule und den kleinen Schnapsladen mit unseren Eiern. Sogar ein Schwimmbad gibt es in diesem kleinen Örtchen hier. Dieses ist beheizt und eigentlich auch nur während der Sommerferien geöffnet, allerdings auch nur sofern sich ein saisonaler Rettungsschwimmer findet.
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