• Die Burg Begunje, auf Deutsch Kamen.
    Hier hängt die Drohne im Gipfel der Kiefer in etwa 20 m Höhe.Noch ein paar Impressionen der weiteren Fahrt, respektive der Landschaft.

    Begunje, Bohinjska und ein Absturz

    May 18, 2022 in Slovenia ⋅ ⛅ 17 °C

    Heute Morgen machte ich mich erst mal zu einer nahegelegenen Ruine, der Burg von Begunje auf. Ich bin hier fast der Einzige. Nur auf dem kleinen, schattigen Parkplatz steht noch ein niederländischer Camper, das junge Paar übernachtet hier. Das alte Gemäuer lässt sich wunderbar erkunden, bis hoch in den Bergfried. Nur ein kleiner Teil ist abgesperrt, wegen Steinschlaggefahr durch sehr hohe, freistehende Mauern. In dunklen Räumen sieht man eine Fledermäuse umherflattern.
    Die Burg Kamen, so der deutsche Name, wurde auf einem Felsvorsprung im 12. Jahrhundert von den Ortenburger Grafen erbaut und diente als wichtiger Stützpunkt auf dem alten Frachtweg über den Bergpass Preval nach Kärnten. Ihre größte Ausdehnung hatte sie im 15. Jahrhundert, zu Beginn des 18. Jahrhunderts verlor sie endgültig ihre Schutz- und Verteidigungsfunktion. Fenster und Türen wurden zur Renovierung des Schlosses Katzenstein verwendet, die Dachziegel sollen heute die Pfarrkirche St. Ulrich in Begunje decken. Den Verfall stoppte man erst ab 1959.
    Eine gute Gelegenheit und Location, um die Drohne einzusetzen. Doch beim Rückflug zum Landeplatz passierte es. Im Rückflugmodus (in diesem Fall mal nicht manuell, sondern im automatischen Modus) „übersieht“ die Drohne einen hohen Baum, respektive einen Ast. Eigentlich dürfte sie gar nicht so nah daran vorbeifliegen, dafür sorgen Antikollisionssensoren - theoretisch. Der Ast aber bringt die Drohne zum Absturz. Sie sendet weiterhin das Bild, liegt irgendwo in der Pampa. Also per GPS den Standort lokalisiert und auf den Weg gemacht. Sie müsste im Innenbereich der Ruine abgestürzt sein, da steht auch ein hoher Baum, direkt an einem steilen Abhang. Wo Burgen halt so stehen. Hier, beim Baum müsste sie laut GPS auch liegen. Doch nichts ist zu finden. Noch mal das Bild von der Drohne genauer betrachtet, da sind doch Zapfen zu erkennen. Kiefernzapfen. Ich stehe unter einer Kiefer. Hängt sie etwa irgendwo im Baum? Der ist gut und gerne 20/25 m hoch, absolut nichts zu sehen. Da ich keine Chance habe und wenigstens den Chip mit den Aufnahmen retten möchte - eine neue Drohne, die Mavik 3 liegt ja schon zuhause - starte ich kurzerhand die Motoren. Sie starten auch, doch werden sofort wieder gestoppt, da die Propeller blockieren. Aber ich konnte oben im Baum etwas hören. Nach einigen Versuchen ließ sie sich lokalisieren, aber immer noch nicht sehen. Zu hoch. Sie hängt ganz oben in der Spitze des Baumes. Genial. Der direkt am Abgrund steht. Hochklettern ist keinerlei Option, zumal die ersten Äste etwa fünf Meter über Grund beginnen und ob der Höhe und Lage des Baumes. Mit Steinwürfen erreiche ich etwa die halbe Höhe. Aussichtslos. Aber man hat ja nichts zu verlieren, also immer mal wieder den Motor gestartet, der sofort blockiert. Dennoch, kurz drehen die Propeller. Mal sehen, ob sie das Geäst der Kiefer nicht klein kriegen und die Drohne dadurch freikommt. Oder das Akku vorher leer ist. Es hat noch 15 % Kapazität.
    Tatsächlich, nach dem vielleicht zehnten/fünfzehnten Versuch tut sich etwas, auf einmal kommt sie frei, fällt im Geäst etwa 15 m tiefer, bleibt dann wieder hängen. Aber diesmal in etwa sechs Meter Höhe. Schon besser. Praktischerweise ist genau hier ein Geländer zum Abhang, wo sonst eigentlich nichts groß gesichert ist. Also rauf und ich bekomme den untersten Ast des Baumes zu fassen, schüttle kräftig so dass auch die darüber wackeln und ja, die Drohne fällt die letzten Meter auf den Boden. Nicht den Abhang hinunter. Der Chip ist gerettet. Nur der Chip? Nein. Die Drohne nahm keinen Schaden, nicht mal ein Propeller ist beschädigt. Gut, hätte ich ja einige dabei, aus Erfahrung. Etwas abgewischt, den Gimbal mit der Kamera wieder richtig eingehängt, und schon flog und filmte sie wieder. Robust sind die Dinger von DJI schon. Auch wenn beim Kollisionsschutz und den Automatikfunktionen eindeutig Nachholbedarf besteht.
    Also etwas später als gedacht geht es mit dem Moped weiter, heute frei Schnauze. Einfach mal losfahren, weg von den Städten Richtung Julische Alpen, nur kleine Seitenstraßen gewählt, hoch in die Berge. Einfach treiben lassen und schauen, wohin mich das Motorrad respektive die Straße und Abzweigungen so führen und was es da zu entdecken gibt. Teilweise wusste ich gar nicht wo ich bin. Einige kleine Dörfer durchfahren, zahlreiche kurvenreiche Strecken mitgenommen, auch einen Pass, irgendwann kommt mir ein Ort bekannt vor. War ich gestern schon, aber aus der anderen Richtung. Also weiter, eine Rast gemacht, dabei einen landestypischen Eintopf genossen, noch zweimal die Drohne aufsteigen lassen und am späten Nachmittag im Hotel gewesen. Morgen geht es ja weiter, über Ljubljana in den Süden des Landes. So waren es heute gerade mal 120 km, was auch reicht. Tja ohne die Drohne hätte es ja kaum was zu erzählen gegeben. Und die Region um die Julischen Alpen sind immer einen Besuch wert, auch ohne Motorrad.
    Read more